Wendland, 1. bis 10. 11. 2004
Baumhaus gegen Castor
Im November 2004 waren ROBIN WOOD-AktivistInnen beim CASTOR-Transport von La Hague
nach Gorleben im Wendland aktiv. Während das Info-Mobil in Dannenberg als
Anlaufpunkt diente und die Pressearbeit übernahm, hielten in Quickborn ROBIN
WOOD-AktivistInnen ein Baumhaus an der Straßentransportstrecke besetzt. Ein
Bauer hatte eine Eiche auf seinem Hof zur Verfügung gestellt, auf der das
Baumhaus bereits Tage vor dem Transport errichtet werden konnte, nur wenige
Meter von der nördlichen der beiden Transportstraßen entfernt. Um eine Räumung
oder Abriegelung durch die Polizei zu verhindern war das Baumhaus schon vor dem
eigentlichen Transporttermin rund um die Uhr besetzt. In der 2,5 mal 4 Meter
großen und 2 Meter hohen Konstruktion aus Holz, Seilen und Planen wechselten
sich die AktivistInnen mehrfach ab. Es gab Schlafplätze für vier Personen, bei
Bedarf wurden zusätzlich Hängematten aufgespannt. Ein Bodenteam sorgte vom
nahegelegenen Bauernhaus für die Essensversorgung.
Das Baumhaus war zunächst vor allem ein wichtiger Punkt in der Öffentlichkeitsarbeit,
zu einer CASTOR-Blockade wurde es ungeplant erst später. Bereits Tage bevor die
Behälter mit dem hoch radioaktiven Atommüll ins Wendland rollten, organisierten
ROBIN WOOD-AktivistInnen Schnupperkletterkurse. Die Bäuerliche Notgemeinschaft
verlegte ihren Kuchenstand zur Freude der BesetzerInnen zum Baumhaus. Für viele
DemonstrantInnen, die nach Quickborn kamen, war das Baumhaus die einzige offen
sichtbare Aktion im Ort und daher erster Anlaufpunkt. Selbst die Polizei nutzte
immer häufiger das Baumhaus als Orientierungspunkt für ihre Einheiten. Die
Stimmung war gut im und um das Baumhaus.
Um so härter traf alle die Nachricht vom Tod Sébastiens aus Frankreich. Er war vom
Zug erfasst und getötet worden, als seine Ankettaktion bereits gescheitert war.
Viele der AktivistInnen wussten u.a. von ROBIN WOOD-Aktionen, wie aufwändig und
sorgfältig Aktionen am Gleis organisiert und gesichert werden. In tiefer
Betroffenheit nahmen fast alle an der Trauerkundgebung am Montagabend in
Splietau teil, obwohl sie geahnt hatten, dass sie danach nur auf Umwegen zum
Baumhaus zurückkehren konnten.
Inzwischen waren die zwölf CASTOREN am Verladekran in Dannenberg eingetroffen. Am Montag,
den 9. November, gegen 23 Uhr, begann die Polizei Strohballen von der Straße zu
entfernen und stellte einen riesigen Lichtmast auf, der Baum und Baumhaus hell
erleuchtete. Als gegen vier Uhr morgens alle CASTOR-Behälter auf Lkw verladen
waren und der Transport zur Abfahrt bereit stand, schaffte die Polizei einen
Hebebühnenwagen herbei und forderte die AktivistInnen auf, den Baum zu
verlassen. Diese ließen sich von der angedrohten Räumung nicht beeindrucken und
kletterten in abgelegene Astgabeln des Baumes.
Da die Polizei mit ihrer Hebebühne zwar das Baumhaus, nicht aber die AktivistInnen
erreichen konnte, zeigte sie sich zunächst überfordert, die angedrohte Räumung
in die Tat umzusetzen. Zur Verfügung stand nur ein bayerisches
Unterstützungskommando (USK), das zum Klettern weder ausgebildet noch
ausgerüstet war. In den Reihen des USK fand sich schließlich ein
Hobbykletterer, der sich für den Einsatz bereit erklärte. Seine
Kletterkenntnisse erwiesen sich allerdings als kaum für Bäume geeignet.
Wiederholt mussten ihn die erfahrenen ROBIN WOOD-KletterInnen auf Möglichkeiten
und Notwendigkeit von Sicherungen hinweisen. An Material waren die Polizisten
auf das angewiesen, was sie im Baumhaus vorfanden. Die Beamten waren sichtlich
beeindruckt von den gut trainierten und ebenso gut ausgestatteten ROBIN
WOODlerInnen.
Die AktivistInnen verhielten sich wie immer gewaltfrei und machten keine
Fluchtversuche, um jegliche Gefährdung, insbesondere der Polizisten, zu
vermeiden. Mit etwas Zureden und ein paar Tipps der AktivistInnen, gelang es
zunächst, eine Aktivistin und einen Aktivisten unbeschadet zu Boden abzuseilen,
wo eine Personalienfeststellung erfolgte. Den dritten noch im Baum befindlichen
Aktivisten konnten die Polizisten durch Klettern nicht erreichen. Er wurde
schließlich nach längerem Umparken mit der Hebebühne geräumt. Selbst als bereits
beschlossen worden war, für den Transport die Ausweichroute im Süden zu nehmen,
brach die Polizei die Räumung nicht ab. Dadurch war die Transportstrecke für
drei Stunden durch die Hebebühne der Polizei blockiert.
Frankfurt a. M., 5. 11. 2004
Bannwald in Gefahr
Hunderte Menschen protestierten auf dem Frankfurter Römer vor der Sitzung der
Regionalversammlung gegen eine weitere Zerstörung der Region durch die
Flughafenerweiterung. Auch ROBIN WOOD war vor Ort: Mehrere Aktivisten erklommen
direkt vor den Augen der Polizei zwei Masten und befestigten in luftiger Höhe
ein Transparent mit der Aufschrift Flugverkehr vermindern, den Ausbau
verhindern.
Die Regionalversammlung stimmte jedoch der Änderung des Regionalplans zu, dem
Bannwald seinen Schutzstatus zu nehmen. Für den Bau der Werft des neuen A380
Airbus sollen damit noch in diesem Frühjahr 21 Hektar Wald fallen. Und das ist
nur der erste Teil von insgesamt 100 Hektar Wald, die im Süden des Frankfurter
Flughafens für den Ausbau zerstört werden. Zusätzlich sollen für eine neue
Landebahn bei Kelsterbach über 300 Hektar Bannwald gerodet werden. Dabei hat
der Flughafenbetreiber Fraport mittlerweile die Möglichkeit eingeräumt, die Werft innerhalb des Flughafenzauns
zu errichten. Aus vorgeschobenen Kostengründen lässt das Unternehmen diese
Möglichkeit aber außer Acht. Noch im Erörterungstermin zum Hallenbau wurde von
Fraport behauptet, es gäbe keinen Alternativstandort auf dem Gelände.
Müll-Menschen demonstrieren in Gorleben, 2004
"Stille Tage"
Nur wenige Wochen vor dem diesjährigen
CASTOR-Transport ins niedersächsische Gorleben, sorgte eine Aktion des
Künstlers HA Schult für bundesweites Aufsehen. Vom 25. September bis zum 3.
Oktober zeigte der Kölner Künstler seine Trash-People nach acht Jahren
erstmals wieder in der Bundesrepublik: In und auf dem niedersächsischen
Salzstock erinnerten die 1.000 Müll-Menschen anklagend und bedrohlich an die
von Menschen selbst geschaffenen Lebensrisiken, an einen wachsenden Berg von
hoch radioaktivem Atommüll, der stetig wächst und wächst und wächst und ...
Die Trash People in der Tiefe des Salzstocks
von Gorleben legen den Finger auf eine Wunde im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit,
ist in einer Veröffentlichung von HA Schult zu lesen. Gleich Asylanten der
Konsum-Epoche reisen seine Müllskulpturen in Containern an wichtige Schauplätze
der Weltgeschichte. Sie standen auf dem Roten Platz in Moskau, auf der
Chinesischen Mauer, vor den Pyramiden von Gizeh in Kairo und am Fuße des
Matterhorns.
ROBIN WOOD-Mitglieder und FörderInnen erhielten
die einmalige Gelegenheit die Installation sowohl über- als auch unterirdisch
zu betrachten.
800 Trash-People stehen in einer
Eichenallee inmitten des Dorfes Gedelitz, nur zwei Kilometer von der
Endlagerbaustelle Gorleben entfernt. Aufgestellt wie eine marschierende Armee
blockieren die Skulpturen aus Computer- und Industrieabfällen die Dorfstraße.
Nur wenige Wochen später werden an dieser Stelle Polizeibeamte aus dem gesamten
Bundesgebiet die Straße sperren und den Transport mit hoch radioaktivem Müll
ins Zwischenlager Gorleben begleiten.
Der Künstler HA Schult berichtet, dass ihm noch
nie so viel Widerstand beim Aufstellen der Skulpturen entgegen gebracht wurde
nicht mal auf dem roten Platz in Moskau. Sowohl die Atomindustrie als auch die
niedersächsische Landesregierung hätten kaum Mühen gescheut, das Kunstprojekt
zu erschweren.
200 Trash-People stehen auf der Sole
des Schachts I in 880 Metern Tiefe im Salzstock Gorleben: An der Stelle, an der
die Atomindustrie ihren hoch radioaktiven Müll endlagern will. Die
Atomindustrie hält am Endlagerstandort Gorleben fest, obwohl Geowissenschaftler
schon vor Jahren festgestellt haben, dass tiefes Grundwasser direkt über dem
Salzstock an die Grundwasseroberfläche gelangen kann, denn der Salzstock ist an
vielen Stellen stark zerklüftet und von Rissen durchzogen. Durch diese Risse
könnten radioaktive Partikel nach oben ins Grundwasser wandern. Radioaktive
Verseuchung von Mensch und Tier wäre die unmittelbare Folge.
Köln, 15. 10. 2004
Diese Bäume für Kölns Papier ?
In der Nacht vom 15. zum 16. Oktober behängten AktivistInnen von Greenpeace und ROBIN
WOOD fast 1400 Kölner Stadt-Bäume mit Plakaten und rot-weißem Absperrband. An
vielen zentralen Alleen und Plätzen waren die Bäume so gekennzeichnet: am
Rheinufer, im Stadtgarten, im Volkspark und am Neumarkt genauso wie an der Uni
und im Stadtwald. Fast jeder, der am Samstag an zentralen Stellen in Köln
unterwegs war, muss die merkwürdigen Baumbeschriftungen gesehen haben. So
mancher Passant dachte dann auch wirklich, die Bäume sollten gefällt werden.
Beim genaueren Hinsehen stellte man aber fest, dass nicht die Stadt, sondern
ROBIN WOOD und Greenpeace unterzeichnet hatten.
Die Aussage etwa 1000 Bäume pro Tag reichen für den statistisch ermittelten
Papierbedarf der Kölner EinwohnerInnen, hat dann auch etliche LeserInnen
schockiert. Trotzdem wird in Copyshops, im Büro und bei der Verwendung von
Hygienepapieren immer noch hauptsächlich Frischfaserpapier verwendet. Die
Kölner AktivistInnen wollen dies ändern und mit geballter Kraft verschiedener
Umweltverbände (u.a. auch mit Ara und Urgewalt) mit den vielen Vorurteilen
gegen Recyclingpapier aufräumen.
Auch als Fortsetzung der zuletzt im Kölner Zoo gezeigten Ausstellung Papierwende
sollen noch diverse Aktionen und Kampagne zum Thema Papier in Köln stattfinden.
Ergänzt wurde die Aktion mit einem Infostand von Greenpeace am Zülpicher Platz
nahe der Universität.
Berlin, 12.10.2004
Rettet das Grün
Beschwert Euch, wehrt Euch rettet das Grün! Etwa 100
Anwohner der Carl-Legien-Siedlung in Berlin-Prenzlauer Berg versammelten sich
zu ihrem allwöchentlichen Demonstrationszug . Mit dabei waren diesmal
AktivistInnen von ROBIN WOOD, die mit einem über die Straße gespannten
Transparent mit der Aufschrift BauBeCon = Kahlschlag Mieter für Grüne
Vielfaltden Protest unterstützten.
Schon seit Mai diesen Jahres kämpft eine örtliche
Bürgerinitiative gegen den von der Siedlungseigentümerin BauBeCon betriebenen
Kahlschlag an den mehr als 300 Bäumen in ihren Innenhöfen und entlang der
Erich-Weinert-Straße . Der Grund für das Vorgehen des gewerkschaftseigenen
Wohnungsbauunternehmens ist die in Aussicht gestellte Anerkennung als
Weltkulturerbe der 1929/30 von Bruno Taut erbauten Siedlung durch die UNESCO.
Die BauBeCon will hierfür den Originalzustand wiederherstellen und die Bäume
fällen. Obwohl die UNESCO inzwischen klarstellte, dass der Kahlschlag
eigentlich nicht nötig sei, setzt sie ihren Feldzug gegen das städtische Grün
fort.
Kassel, 2. 10. 2004
Laster vom Pflaster
Es ist diesig an diesem Samstagmorgen. Autos und LKW brettern wie jeden Tag dicht an
dicht über die A7. Doch der Blick durch die Windschutzscheibe fällt heute auf
ein großes Transparent quer über der Autobahn mit der Aufschrift: Laster vom
Pflaster Wald statt Asphalt.
Aufgehängt haben es ROBIN WOOD-AktivistInnen aus Kassel, die damit auf ein verdrängtes
Problem aufmerksam machen: Waldsterben durch Verkehrsabgase. Vor allem die
rasant wachsendenden LKW-Kolonnen, die sich über Deutschland Straßen wälzen,
haben einen großen Anteil daran, dass fast 70 Prozent aller Bäume in
Deutschland geschädigt sind.
Die Polizei lässt die AktivistInnen unbehelligt. So können sie in aller Ruhe dem
Reporter der örtlichen Zeitung Rede und Antwort stehen. Derweil läuft die
Meldung von der ROBIN WOOD-Aktion auch schon über den dpa-Nachrichtenticker.
Nach der Aktion haben zwei der Aktivisten noch einen Termin beim Freien Radio,
wo sie ausführlich berichten können, warum sie die Aktion gemacht haben. Dabei
erzählen sie nicht nur vom gerade laufenden europäischen LKW-Aktionstag,
sondern nehmen sich auch ihren Ministerpräsidenten Koch zur Brust. Denn der
will ganz Nordhessen zum Logistikzentrum machen - eine Asphaltpolitik, unter
der nicht zuletzt auch Hessens Wälder stark zu leiden hätten.
Gundwald, 2. bis 4. Juli 2004
Hoch hinaus ganz ohne Flugzeuge
Unter diesem Motto trafen sich über 30 ROBIN
WOOD-AktivistInnen im von der Rodung bedrohten Wald am Frankfurter Flughafen.
Im Gundwald bei Mörfelden-Walldorf richteten sie einen Info-Punkt ein, an dem
sie gemeinsam mit BürgerInnen aus der Region Ideen für den Widerstand gegen den
Ausbau des Flughafens austauschten. Zeitgleich trainierte ein
gutes Dutzend KletterInnen das Leben in den Baumwipfeln. Hoch in den Bäumen
bauten sie hölzerne Plattformen, Hängematten und Seilwege, auf denen sie drei
Tage blieben. Das Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau
unterstützte die Aktion. Rund 150 BesucherInnen begrüßten die Baumbesetzungen.
Leute aus Walldorf versorgten die KletterInnen mit heißer Suppe.
Behindert wurde das Treffen von einem bemerkenswerten
Polizeieinsatz. Rund um die Uhr fuhr die Polizei den Wald mit Streifenwagen ab.
Die Beamten entfernten Hinweisschilder zum Info-Stand und wiesen eine
Pressevertreterin in die Irre. Als Radfahrer getarnte Zivilpolizisten ließen
sich am Infostand nieder. Auch ein junger Mann, der einen leeren Kinderwagen
durch den nächtlichen Wald schob, wirkte nur unzureichend als Spaziergänger
getarnt. Von zahlreichen WaldbesucherInnen stellte die Polizei im Laufe des
Wochenendes die Personalien fest, erteilte Platzverweise und drohte mit
Anzeigen.
Schon im Vorfeld gab es ein wochenlanges Hickhack mit den
Behörden um die Aufstellung des Infostandes. Nach dem ROBIN WOOD-Klettercamp am
gleichen Ort im vorigen Jahr bekam eine Aktivistin gar Post von der
Staatsanwaltschaft: Sie habe sich strafbar gemacht, weil sie eine angeblich
nicht angemeldete Versammlung geleitet habe und solle dafür eine Geldstrafe von
750 Euro bezahlen. Der Vorwurf wird am 20. September vor dem Amtsgericht
Groß-Gerau verhandelt.
Die Ausbau-GegnerInnen verstehen den Polizeieinsatz als
Probelauf: Sollten die Bäume im Gundwald für die Flughafen-Erweiterung fallen,
wissen sie nun, womit sie von Polizeiseite zu rechnen haben. Die BI
Mörfelden-Walldorf reichte Dienstaufsichtsbeschwerde beim hessischen
Innenminister, Volker Bouffier, ein. Auch der gutgläubige Beobachter erkennt,
dass die Zielrichtung des Einsatzes dahin geht, die Umweltorganisationen,
Naturschutzverbände und Aktiven der Bürgerinitiativen, die sich gegen den
Flughafenausbau engagieren, einzuschüchtern, so der BI-Sprecher. Als die
KletterInnen am Sonntag abstiegen, traten die Menschen am Boden beherzt und mit
Erfolg für sie ein: Der örtliche Einsatzleiter bekam eine Anweisung von oben
und zog ab. Soviel Solidarität wirkt einfach motivierend!
Esenshamm, 23. 6. 2004
Protest beim 1. Spatenstich für Zwischenlager
An Gigantomanie leidet ihr nicht, oder?, meinte einer von fast 20 Bauern
angesichts unseres auf sechs Meter langen Eisenrohren aufgerollten Transparentes
mit der Aufschrift Auch dezentral ist katastrophal, keine Castorhalle,
Ausstieg sofort. Obwohl wir keine Gelegenheit zum Üben hatten, klappte das
Aufstellen des ca. 5 mal 10 Meter großen, bereits in Lingen und Grohnde
eingesetzten Transparents mit Hilfe von zwei Frontladern innerhalb weniger
Minuten. Die Umstände waren nicht gerade günstig: Frischer Wind, zunehmender
Regen und Polizei überall. Mehr als 30 Einsatzfahrzeuge, aber auch drei
Kamerateams und einige Fotografen hatte unsere Aktion angelockt.
Der Energiekonzern E.ON wollte mit einer Gruppe handverlesener Gäste den ersten
Spatenstich für das atomare Zwischenlager am Atomkraftwerk Unterweser feiern.
Bis zu 80 Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll sollen in dem Lager für
mindestens 40 Jahre abgestellt werden - mit allen damit verbundenen Risiken für
die Bevölkerung in der Wesermarsch. Das Ansinnen der Bauern, mit ihren Treckern
beim Spatenstich zu helfen, wurde barsch abgelehnt und der Protestzug mitten
auf der Straße vor dem Kraftwerkstor gestoppt.
Nachdem wir versprachen, die Einfahrt nicht zu blockieren, wies uns einer der Einsatzleiter
den günstigsten Platz für das Transparent zu und komplimentierte sogar ein paar
im Weg stehende DemonstrantInnen weg. Obwohl wir fast eine Stunde vor dem
offiziellen Termin vor dem Kraftwerk waren, kam außer dem Oberkreisdirektor
kaum Prominenz vorbei. Meldungen der Lokalpresse zufolge waren einige hohe
Herren kurzfristig wieder ausgeladen worden. Schade nur, dass die gelben und
schwarzen heliumgefüllten Fallout-Ballons nicht fliegen wollten, nicht einmal
nachdem wir die durchweichten Infopostkarten abgeschnitten hatten. Die Last der
Regentropfen auf der Oberfläche der Ballons war schon zu schwer.
Berlin, 17. 6. 2004
Riesen der Braunkohlewirtschaft
Jahreshauptversammlungen werden bevorzugt als
verherrlichende Selbstdarstellungen genutzt, insbesondere wenn es sich dabei um
Riesenkonzerne handelt. So dachte sich dass wohl auch die Führungsspitze von
Vattenfall Europe, der Tochtergesellschaft des schwedischen Energiekonzerns,
als sie am 17. Juni ins Kongresshotel Estrel nach Berlin einlud.
Das Hauptgeschäftsfeld von Vattenfall Europe ist
der Abbau und die Verstromung von Braunkohle. Damit ist Vattenfall einer der
größten Luftverschmutzer in ganz Europa und maßgeblich an der
Naturraumzerstörung in der Lausitz und der Lacomarer Teichlandschaft beteiligt.
Die vor dem Hotel postierten Polizisten hatten
offenbar mit einem öffentlichkeitswirksamen Auftritt von ROBIN WOOD gerechnet,
denn der massive Objektschutz sorgte dafür, dass die AktivistInnen nicht zur
Tat schreiten konnten. Noch bevor sie ihr Ziel erreicht hatten, wurden sie
unter Aufsicht gestellt. Ihnen droht jetzt eine Anklage wegen Verstoß gegen
das Versammlungsgesetz.
Im Saal ging es zwar ruhiger zu, doch schon
während der ersten Redebeiträge der Aktionäre wurde Kritik am Energiekonzern
laut. Undurchsichtige Bilanzen, Gewinne, die anders betrachtet eher eine Null
ergaben, brachten etliche kritische Wirtschaftsexperten ans Rednerpult.
Als sich Alexa Kessler als Vorstandsmitglied von
ROBIN WOOD und kritische Aktionärin mit einem Redebeitrag an den Vorstand und
den Aufsichtsrat von Vattenfall Europe wandte, wurde es globaler,
klimapolitischer und zukunftsweisender.
Vor allem die Fragen nach den innovativen Plänen
des Energiekonzerns für die Zukunft, wie zum Beispiel klimaschädliche
Treibhausgase verringert werden sollen und wie der Konzern seine angebliche
Sorge um die Umwelt mit dem unverminderten Braunkohleabbau vereinbaren will,
brachten den Vorstandssprecher Klaus Rauscher in deutliche Rechtfertigungsnöte.
Schließlich hätte auch er Kinder und Enkelkinder, denen er eine lebenswerte
Umwelt hinterlassen wolle, betonte er sichtlich irritiert.
Unsere Kritik am Energiekonzern Vattenfall
Europe wird auch von Schweden, dem Mutterland des Staatskonzerns geteilt. Die
Risksrevisionen, die schwedische Variante des Bundesrechnungshofes,
bemängelte in ihrem aktuellen Bericht die in Deutschland hauptsächlich aus
Braunkohle und Atomenergie bestehende Energieproduktion des Konzerns.
Nichtsdestotrotz plant Vattenfall Europe den Bau
weiterer Dreckschleudern. So soll am Standort Boxberg ein weiterer
Braunkohleblock gebaut werden, in Hamburg Moorburg soll bis zum Jahr 2010 ein
neues Steinkohlekraftwerk seinen Betrieb aufnehmen.
Berlin, 6. 6. 2004
Umweltfestival Unter den Linden
Ungeheure Menschenmassen schoben sich am
Bundestag vorbei auf das Brandenburger Tor zu, jedoch nicht, um es zu entern
(wie einst ROBIN WOOD-Aktivisten zum Zwecke des Transparentanhängens), sondern
von Neugier getrieben: Mehrere hundert Stände hatten sich zum Umweltfestival
aufgereiht. Ganz "Unter den Linden" war besetzt. Ganz? Ja, auch ein
kleiner grüner ROBIN WOOD-Stand leistete erbitterte Mitarbeit, um den
(Informations-) Hunger der interessierten Bevölkerung zu befriedigen. Ein
Häufchen tapferer Mitglieder der AG Öffentlichkeitsarbeit trotzte
enthusiastisch dem herrlichen Wetter und dem geballten Interesse, das sich über
sie ergoss. Besonders reißenden Absatz fanden gedruckte und auch ausführliche
verbale Auskünfte zu den Themen Stromwechsel, Tropenwald und Papier. Manch gute
Diskussion entstand, und einige Passanten outeten sich fröhlich als ROBIN
WOOD-Mitglieder.
Berlin, 12. und 14. Mai 2004
ALDI: Gartenmöbel aus Tropenholz
Eine Kettensäge heult, Sägespäne fliegen durch
die Luft, KonsumentInnen sitzen teilnahmslos auf Liegestühlen vor einer
ALDI-Filiale in Berlin zogen ROBIN WOOD-AktivistInnen auf und protestierten
gegen Gartenmöbel aus Tropenholz ohne Zertifikat, die ALDI Nord seit dem 12.
Mai in den Filialen anbot.
ROBIN WOOD forderte, dass ALDI aus dem Geschäft
mit Tropenholz aussteigt, sofern das Holz nicht nachweislich aus ökologisch und
sozial akzeptabler Waldwirtschaft stammt. Trotz der Protestaktionen und
zahlreichen Anfragen reagierte ALDI wochenlang nicht und gab keine
Informationen über die Herkunft der Möbel preis, die laut Prospekt aus
staatlich kontrollierter Forstwirtschaft stammen. Ein Kunde erfuhr von ALDI,
das Holz stamme aus Indonesien.
Um die mangelnde Verbraucheraufklärung
öffentlich anzuprangern, setzten die ROBIN WOOD-AktivistInnen ihren Protest
zwei Tage später vor einer weiteren ALDI-Filiale fort: Sie entrollten
Transparente, verteilten Verbraucherinformationen zum Thema Tropenholz und
machten mit Kettensäge und Liegestühlen auf das Abholzen der letzten
Regenwälder aufmerksam bis sie von der Polizei einen Platzverweis erhielten
und ihr Transparent beschlagnahmt wurde.
Zwei Wochen später, nach ROBIN
WOOD-Aktionen in Göttingen und Dresden sowie weiteren Pressemitteilungen
reagierte ALDI endlich und schrieb in einer Stellungnahme: ALDI wird sich in
Zukunft beim Einkauf von aus Tropenholz hergestellten Möbeln u.ä. bemühen,
zusätzlich zu staatlichen Zertifikaten das allseits akzeptierte FSC-Siegel
einzufordern. Für die derzeit angebotenen Möbel lägen so genannte
SKSHH-Zertifikate der indonesischen Regierung vor.
ALDI hat keinen Anlass, die
Korrektheit staatlicher Zertifikate anzuzweifeln, heißt es in der
Stellungnahme. Anlass dafür aber gibt es mehr als genug: In Indonesien treibt
die Holzmafia mit staatlicher Unterstützung die Waldzerstörung in einem Tempo
voran, wie sonst nirgendwo auf der Welt - mit katastrophalen Folgen. Jährlich
werden 3,8 Millionen Hektar Tropenwald vernichtet. Das entspricht der Fläche
von NRW. Im Holzhandel ist es ein offenes Geheimnis, dass in Indonesien
staatliche Zertifikate gefälscht und auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden.
Generell empfiehlt ROBIN WOOD Möbel aus
heimischen Hölzern wie Buche und Lärche mit dem FSC-Siegel. Der Forest
Stewardship Council (FSC) zertifiziert Produkte, die aus ökologisch und sozial
akzeptabler Waldwirtschaft stammen und ist derzeit das einzige international
glaubwürdige Siegel. Gartenmöbel aus Tropenholz sind allenfalls zweite Wahl und
nur mit diesem Zertifikat akzeptabel. Bei zertifizierten Möbeln muss das
FSC-Logo ein stilisierter Baum mit den Buchstaben FSC direkt am Produkt
angebracht sein.
Hamburg, 24. 4. 2004
Vom Atom zum Ökostrom
20 RadlerInnen trafen sich am Samstag, den 24.
April gegen 10 Uhr vor dem Atommeiler Krümmel, um für einen Wechsel des
Stromanbieters zu werben mit dabei auch AktivistInnen von ROBIN WOOD. Mit bunten
Fahnen geschmückt und von Musik begleitet, brachen die RadlerInnen bei leicht
bedecktem Himmel zu ihrer 45 Kilometer langen Tour auf. Der Tag war wohl
bedacht, denn die UmweltschützerInnen wollten an die Reaktorkatastrophe von
Tschernobyl erinnern, die sich am 26. April zum 18. Mal jährte.
Waren am Start nur wenige Leute, wuchs die Zahl
der Teilnehmenden doch schnell an. In der Hamburger Innenstadt begleiteten
zeitweise mehr als 150 RadlerInnen, LäuferInnen und SkaterInnen die Tour.
Insgesamt haben sich bis zu 250 Menschen aktiv an der Staffel beteiligt.
Mehrfach legten die RadlerInnen an Infoständen kürzere Pausen ein und
informierten die PassantInnen darüber, wie einfach und sicher der Wechsel zu
einem Ökostrom-Anbieter ist.
Am Ziel, der Werkstatt 3 in Hamburg Ottensen,
berichtete der Münchner Professor Edmund Lengfelder in einer Live-Schaltung
über die katastrophalen gesundheitlichen Auswirkungen der
Tschernobylkatastrophe. Auch 18 Jahre danach sind die Folgen nicht abschätzbar.
Zehntausende der 800 000 Aufräumarbeiter sind bereits tot, 10 000
Quadratkilometer Landfläche sind gesperrt oder Zone strikter Kontrolle. 400 000
Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Im am stärksten betroffenen
Weißrussland nimmt die Zahl der Menschen, die an Schilddrüsenkrebs erkranken,
noch immer zu.
Die Bilder aus den verstrahlten Gebieten waren bedrückend,
doch sie bestätigten alle Anwesenden in ihrem Anliegen, sich unverdrossen für
den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie einzusetzen. Und so endete die
diesjährige Fahrradstaffel Vom Atom zum Ökostrom mit Musik und guter Laune.
Alle Beteiligten waren sich sicher, dass es auch im Jahr 2005 eine
Fahrradstaffel anlässlich des Tschernobyltages geben wird.
Berlin, 1. 4. 2004
So viel Natur für so wenig Kohle?
Die Mitarbeiter des
Energie-Giganten Vattenfall in Berlin staunten nicht schlecht, als sie mittags
aus ihren Bürofenstern schauten: Grüne Seile fallen herab, an denen sich AktivistInnen
von ROBIN WOOD abseilen. Dann verdeckt ein großes Transparent den Ausblick.
Aufschrift: So viel Natur für so wenig Kohle? - Rettet Lacoma! Energiewende
jetzt!
Wer zunächst noch an
einen Aprilscherz glaubte, konnte sich vor dem Eingang des Gebäudes eines
Bessren belehren lassen: Hier hielten Einwohner und Freunde des Dorfes Lacoma
bei Cottbus eine Mahnwache mit Infostand ab. Zwei von ihnen beendeten heute
nach 41 Tagen einen Hungerstreik für den Erhalt ihres Dorfes. Gemeinsam mit
ihnen forderten die ROBIN WOOD-AktivistInnen den Konzern auf, die Zerstörung
des Dorfes und der Teichlandschaft in der Lausitz zu beenden und auf den
dortigen Braunkohle-Abbau zu verzichten.
Während das
umstrittene Gebiet wegen seiner ökologischen Reichtümer als europäisches
FFH-Schutzgebiet gemeldet wurde, schafft Vattenfall schon mal Tatsachen: Ein
Haus nach dem anderen wird polizeilich geräumt und abgerissen.
Grundwasserabsenkungen gefährden den Wasserhaushalt und die Vegetation. Die
Überwinterungsquartiere der seltenen Rotbauchunke wurden zerstört.
ROBIN WOOD fordert
die Abkehr von der klimaschädlichen Braunkohle-Verstromung und den Ausbau
erneuerbarer Energien. StromkundInnen können dabei helfen: durch den Wechsel
von Atom- und Kohlestromfirmen wie den Vattenfall-Töchtern Bewag und HEW hin zu
ökologischen Stromanbietern.
Bonn - Berlin, 22. 3. 2004
Post bricht Versprechen
Bonn: Das gelbe Transparent, das die drei Kletterer von
ROBIN WOOD an die Fahnenmasten vor die Postzentrale in Bonn gehängt haben,
leuchtet hell in der Morgensonne. Wir zerstören Tropenwälder für Papier, Ihre
Post steht darauf geschrieben. Sicherheitsleute der Post laufen aufgeregt
umher und müssen mit ansehen, wie die Pressefotografen dieses schöne Motiv
dankbar für ihre Redaktionen ablichten.
Berlin: Vor einer Postzentrale und der gleich nebenan
liegenden Filiale der Posttochter McPaper spannen die AktivistInnen zur
gleichen Zeit ein Transparent mit der Aufschrift Regenwaldzerstörer: Papier
von Post & McPaper - 0% Recyclingpapier, 100 % Raubbau. Dazu zeigen sie
großflächige Fotos von der Tropenwaldzerstörung auf der indonesischen Insel
Sumatra.
Wie konnte es dazu kommen? Schon im vergangenen Jahr war
ROBIN WOOD auf die Post aufmerksam geworden. Damals verkaufte das ehemalige
Staatsunternehmen Kopierpapier des Tropenwaldzerstörers APRIL aus Indonesien.
ROBIN WOOD protestierte und nach gemeinsamen Gesprächen gab sich der
Logistikriese reuig: Dies bedeutet, dass
keine Papiere aus Regenwald, Kahlschlag oder schützenswerten Urwäldern
eingekauft werden. Ist eine Nachverfolgbarkeit über die komplette
Zellstoffkette nicht möglich, wird der Konzern künftig entsprechende Produkte
aus dem Sortiment nehmen, formulierte die Post in einem Brief
vollmundig.
Einige Zeit später tauchte dann Kopierpapier in den Filialen
der Post und von McPaper auf, das mit weißer Verpackung ohne Aufdruck
eingeschlagen war an der Seite lediglich mit unscheinbaren wechselnden Etikettchen
versehen. ROBIN WOOD beschloss der Sache auf den Grund zu gehen und gab eine
Faseranalyse des Postpapiers bei einem US-amerikanischen Labor in Auftrag. Es
ist möglich, nachträglich festzustellen, aus was für Baumarten ein betreffendes
Papier gefertigt worden ist. Dazu wird das Papier aufgelöst und seine Fasern
unter dem Elektronenmikroskop begutachtet. Da die Fasern jeder Baumart
unterschiedlich aussehen, kann so genau auf das Ausgangsmaterial geschlossen
werden. Das erfordert allerdings sehr viel Erfahrung und Spezialwissen.
Mit großer Spannung wartete ROBIN WOOD auf das Ergebnis: Bei
den Untersuchungen des Postpapiers konnte das Labor zweifelsfrei Mixed
Tropical Hardwood nachweisen also Tropenholz aus Naturwäldern! Damit war der
Beweis erbracht, dass die Post ihre vollmundigen Versprechen nicht umgesetzt
hatte.
Jetzt war schnelles Handeln gefragt und im Handumdrehen
waren zwei geeignete Aktionsorte in Berlin und Bonn ausgekundschaftet. Dort
steuerte nach kurzer Zeit ein forscher Sicherheitsbeamter auf das Grüppchen der
ROBIN WOOD AktivistInnen zu: Verlassen Sie sofort unser Postgelände! befahl
er in bemüht autoritärem Ton. Aber als ihm klar wurde, dass er diese
ungebetenen Besucher nicht so einfach los werden würde, verschwand er wieder durch
die Drehtür des Posttowers. Danach dämmerte den Postverantwortlichen, dass es
vielleicht besser wäre, das Gespräch mit ROBIN WOOD zu suchen.
Eine Delegation wurde in den Posttower gebeten und aus
Tassen mit gelber Banderole und Posthorn Kaffee zur Begrüßung gereicht. Falls
uns da ein Fehler unterlaufen sein sollte, werden wir ihn sofort abstellen,
bemerkte gleich zu Anfang ein Herr aus der Grundsatzabteilung Umwelt und
Politik. Damit war der Rahmen für die weiteren zehn Minuten im Posttower gesteckt.
Die Post zeigte sich betroffen, dass ihr so etwas passieren konnte und
versprach umgehende Besserung. Nur, das hat die Post schon einmal getan und wer
einmal lügt... Jetzt müssen schnelle Taten folgen, damit das Unternehmen seine
Glaubwürdigkeit wieder herstellen kann. Die Post muss vor allem öffentlich den
Beweis antreten, wie sie sicherstellt, dass so etwas in Zukunft nicht noch
einmal passieren kann.
Aber selbst wenn die Post Tropenwaldpapier tatsächlich aus
ihrem Sortiment entfernt, bleibt noch viel zu tun. Dann kommt es darauf an,
dass die Post die Rohstoffe für ihr gesamtes Papiersortiment zurück verfolgt
und bedenkliche Quellen konsequent aussortiert. Außerdem gehört endlich ein
breites Angebot an Produkten aus Recyclingpapier in die Filialen von McPaper
und der Post.
Bremen, 20. 3. 2004
Hochwassermode auf dem Laufsteg
Was tun, wenn das Wasser in die Stadt läuft und die Menschen
kleidungstechnisch nicht auf dem aktuellsten Stand sind? Darüber sind in Bremen
einige umwelt- und entwicklungspolitisch arbeitende Verbände ins Grübeln
gekommen und haben eine phantasievolle Hochwassermodenschau präsentiert. Da
wurden moosgrüne Anglerhosen mit farblich abgestimmten exklusiv geformten
Rettungsringen kombiniert oder eine, den neuesten Vorstellungen entsprechende
Schnorchelausrüstung durch eine luftgepolsterte Badekappe ergänzt.
Freundlicherweise hatten auch drei Politiker ihr Auftreten
angekündigt: Bürgermeister Scherf, Umweltsenator Eckhoff und Finanzsenator
Nussbaum wollten in modischen Hochwasserhosen erscheinen. Dem Bremer Stadtbild
verpflichtet, waren sie entsprechend der Speckflagge in rotweiß gehalten. Da
die Politiker in letzter Minute absagten, übernahmen jugendliche Modells ihren
Part.
Die Aktion auf dem Bremer Bahnhofsvorplatz sollte am
internationalen Tag des Wassers die BremerInnen auf witzige Weise darauf
aufmerksam gemacht, dass die Stadt nach wie vor von Hochwasser vor allem
Sturmfluten bedroht ist. Zum einen liegen einige Stadtteile durch den Ausbau
der Weser zur Schifffahrtsstraße unter dem mittleren Tidenhochwasser und würden
ohne Deich zweimal am Tag voll laufen. Zum anderen wird die Bedrohung durch den
menschgemachten Klimawandel für Städte an ausgebauten Flussmündungen bei
steigendem Meeresspiegel immer deutlicher. Eine drastische Senkung des
Energieverbrauchs und die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten sind wichtige
Schritte um hier gegenzusteuern.
Berlin, 12. 3. 2004
Fliegen lässt Ihre Haut altern
denn Fliegen trägt zum Klimawandel bei, der Klimawandel
verzögert die Erholung der Ozonschicht und deren Durchlässigkeit erhöhen das
Risiko von Sonnenbrand und Hautkrebs. Daher sollte im Interesse der
VerbraucherInnen der Warnhinweis Fliegen lässt Ihre Haut altern auf keinem
Flugticket fehlen vergleichbar den Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln.
Zum Auftakt der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin
brachte ROBIN WOOD windumtost ein riesiges Transparent am Funkturm auf dem
Messegelände an. Im Design einer überdimensionalen Zigarettenschachtel
gehalten, stand unten im schwarzen Trauerrand der Warnhinweis Schützen Sie
Ihre Kinder: Lassen Sie sie nicht Ihre Klimasünden ausbaden. Darüber reckt
sich eine aufdringliche Flugzeugnase in die Luft. Am Boden verteilten
AktivistInnen von ROBIN WOOD, Germanwatch, BUND und VCD ähnlich designte
Postkarten an das Messepublikum: Fliegen verursacht tödliche Klimaschäden und
Ihr Bahnschalter oder Ihr Reisebüro kann Ihnen dabei helfen, das Fliegen
aufzugeben stand darauf zu lesen. Anlass der Aktion sind neue, bisher
unveröffentlichte Untersuchungen, die belegen, dass Fliegen das Klima mehr als
doppelt so stark belastet wie lange angenommen. Neben Treibhausgas-Emissionen
wurden weitere klimaschädliche Effekte wie Kondensstreifen und künstliche
Wolkenbildung berücksichtigt .
Die Konsequenz aus den dramatischen neuen
Forschungsergebnissen kann nur heißen: Flugverkehr vermindern! Gemeinsam mit
den im Arbeitskreis Flugverkehr zusammen geschlossenen Umweltverbänden fordert
ROBIN WOOD von der Bundesregierung, bis Ende 2004 einen Aktionsplan gegen den
Trend zu immer mehr Flugreisen vorzulegen. Als Sofortmaßnahme sollten Reisende
durch deutliche Warnhinweise über die Klimaschädlichkeit des Fliegens
informiert werden.
Berlin 5. 2. 2004
Das Grauen kehrt zurück auf der Berlinale
Ein beängstigender Film wurde zum Start der diesjährigen
Berlinale kurzfristig in Berlin Unter den Linden angekündigt: Das Deutsche
Atomforum präsentierte seine Zukunftsvision unter dem Titel Höllenbrut Folge
3: Das Grauen kehrt zurück. Gleich neben dem schauerlichen Filmplakat führten
ROBIN WOOD-AktivistInnen einen Reality-Trailer auf: Ein marodes Atomkraftwerk
stürzte qualmend in sich zusammen. Eilends hinzugezogene, jedoch schlecht
vorbereitete Sicherheitskräfte der Berliner Polizei konnten die Katastrophe
nicht verhindern.
Atomenergie Reloaded: In Sichtweite der düsteren Vorschau
saßen zur gleichen Zeit die Lobbyisten der Atomenergie auf ihrer Wintertagung
beisammen, um ihren Directors Cut der zukünftigen Energieversorgung Europas zu
planen - mit der Uraufführung des Europäischen Druckwasserreaktors in Finnland
als Startschuss für ein Comeback der Atomenergie hinter der Maske von
Klimaschutz und Versorgungssicherheit. ROBIN WOOD kritisiert dieses Szenario
als gefährlich und sieht vielmehr eine zukunftsfähige und umweltverträgliche
Besetzung des Energiemixes vor. In den Hauptrollen: Sparsamer Umgang mit
Energie, Effizienz bei deren Erzeugung und Verbrauch sowie der Ausbau
erneuerbarer Energien.
Frankfurt, 1. 2. 2004
Papier aus meinem Wald
Papier zerstört Wälder Recyclingpapier nicht, war auf
dem zehn Meter langen Transparent zu lesen, das Anfang Februar den
Haupteingangsbereich des Messegeländes in Frankfurt schmückte. AktivistInnen
von ROBIN WOOD, Pro Regenwald und urgewald protestierten damit vor den Türen
der PAPERWORLD, Europas größter Papier-Messe, gegen Waldzerstörung für
Papier.
Einigen Besuchern schien bei diesem Anblick das Herz zu
stocken. Sie atmeten erst auf, als sie feststellten, dass ihr Name auf keinem
der Transparente stand. Doch schon folgte der nächste Schrecken als zwei
Orang-Utans mit großem Geschrei auf sie zugerannt kamen. Dies ist Papier aus
meinem Wald, stand auf den Flugblättern auf Papier aus indonesischen Regenwäldern.
Verschämt nahmen die Besucher die Flugblätter entgegen, nur
um dem Affentheater ein Ende zu bereiten. Doch schon stand ein großer Bär mit
vorwurfsvoller Miene vor Ihnen, um sie auf die Abholzung der nordischen Wälder
aufmerksam zu machen. So viel Protest waren den meisten dann doch zu viel.
Allgemeine Erleichterung herrschte erst in den Messehallen als das Transparent
abgehängt wurde und dafür ein Infotisch von ROBIN WOOD für die Dauer der Messe
im Eingangsbereich genehmigt wurde.
Bei der PAPERWORLD wurde das ganze breite Spektrum der
falschen Papierpolitik vieler Konzerne von den drei Umweltorganisationen
aufgegriffen. Nicht nur auf den Kahlschlag für Papier in den tropischen Wäldern
wurde hingewiesen. Auch der Einschlag der letzten Urwälder des Nordens sowie
die positiven Auswirkungen eines sparsamen Umgangs mit Papier und der Nutzung
von Recyclingpapier wurden thematisiert.
Mörfelden, 15. 1. 2004
Jetzt gilt´s!
war die Parole vom Frankfurter Bündnis der
Bürgerinitiativen Kein Flughafenausbau Für ein Nachtflugverbot. Am 15.
Januar galt es gleich auf zwei Baustellen, dem vielstimmigen Widerspruch
gegen einen Ausbau des Frankfurter Flughafens Gehör zu verschaffen. In einer
ehemaligen Tresorfabrik im Gewerbegebiet Mörfelden begann die Erörterung im
Planfeststellungsverfahren für die A-380-Wartungshalle. Die Werft zur Wartung
von Großraumjets hat die doppelte Grundfläche des Kölner Doms und soll mitten
im Bannwald errichtet werden (siehe ROBIN WOOD-Magazin 3/2003). Mehr als 40.000
Menschen haben Einwendungen im Planungsverfahren erhoben, mehr als Tausend
waren an diesem nasskalten Januarmorgen zum Auftakt der Anhörung vor Ort.
Der Bau der Werft ist der Einstieg in die Erweiterung des
Flughafens, zu der auch eine neue Landebahn und ein weiteres Terminal zählen.
Am gleichen Tag legte Wirtschaftsminister Rhiel dem hessischen Landtag die
Gutachten zum Absturzrisiko nach dem Bau einer vierten Landebahn vor. Die Bahn
im Nordwesten des Flughafens ist nur 800 Meter entfernt von der Chemiefabrik
Ticona geplant, in der u.a. hochgiftiges Bortrifluorid verarbeitet wird.
Nachdem im Mai der TÜV Essen ein Risiko von einem Absturz in
600 Jahren errechnet hatte, liegen die eilends in Auftrag gegebenen neuen
Berechnungen nun bei einem Ereignis in 5000 bis 10.000 Jahren. Die Folgen wären
jedoch so katastrophal, dass die Bahn nach Niederländer oder Schweizer Recht
nicht genehmigungsfähig wäre. Im Unterschied zu seinen Nachbarländern gibt es
in Deutschland für diesen Fall keine Grenzwerte. Doch die JuristInnen sind sich
einig, dass im umgekehrten Fall das Chemiewerk auch hier niemals eine
Baugenehmigung so nah an der Landebahn bekäme. Der hessische
Wirtschaftsminister Rhiel nutzt dagegen die Regelungslücke: Er hält das Risiko
für verantwortbar und am Bau der Nord-West-Bahn fest.
Jetzt gilt´s die Parole nahmen sich auch ROBIN
WOOD-AktivistInnen zu Herzen. Sie erklommen in einem kurzen Moment der
Unaufmerksamkeit über die Köpfe der Ordnungskräfte hinweg den Schornstein der
alten Fabrikhalle, in der die Anhörung stattfand. Oben entrollten sie ein
Transparent, mit dem sie weithin sichtbar machen, worum den Leuten vor Ort
geht: Stopp A380-Halle!