hier fanden 2004 unsere Aktionen statt (Auswahl)

Berlin, 8. 12. 2004

Wald statt Asphalt

Bei der Vorstellung des diesjährigen Waldschadensberichts in Berlin wurde klar - dem Wald geht es so dreckig wie nie zuvor. Und dennoch interessiert dies nur wenige. Zum Glück waren zahlreiche ROBIN WOOD-AktivistInnen vor Ort, um auf die seit Jahrzehnten gleiche Misere aufmerksam zu machen. Umweltministerin Künast stellte in der Bundespressekonferenz die erschreckenden Fakten vor: 72 Prozent aller Waldflächen in Deutschland sind erkennbar geschädigt.

Währenddessen schmückten ROBIN WOOD-AktivistInnen gleich nebenan auf der Straße einen Lkw mit der Forderung: „Laster vom Pflaster - Wald statt Asphalt“. Künstlicher Qualm aus dem Auspuff nebelte einige mitgebrachte, tote Bäume ein und betonte so den Zusammenhang zwischen Straßenverkehr und Waldsterben. ROBIN WOOD fordert deshalb zum Schutz des Waldes, weniger Güter auf der Straße zu transportieren und die für 2005 geplante Lkw-Maut drastisch zu erhöhen.

Große mediale Aufmerksamkeit für die Forderungen von ROBIN WOOD

Da den AktivistInnen der Eintritt ins Gebäude verwehrt wurde, versuchten sie später, auf der Straße mit Ministerin Künast ins Gespräch zu kommen – und wurden ignoriert. Doch den aussagekräftigen Anblick des Lkws und der toten Bäume konnte sie beim Vorbeifahren nicht vermeiden. Genau so wenig wie die hohe Medienpräsenz der ROBIN WOOD-Aktion und ihrer Forderung.


Wendland, 1. bis 10. 11. 2004

Baumhaus gegen Castor

Im November 2004 waren ROBIN WOOD-AktivistInnen beim CASTOR-Transport von La Hague nach Gorleben im Wendland aktiv. Während das Info-Mobil in Dannenberg als Anlaufpunkt diente und die Pressearbeit übernahm, hielten in Quickborn ROBIN WOOD-AktivistInnen ein Baumhaus an der Straßentransportstrecke besetzt. Ein Bauer hatte eine Eiche auf seinem Hof zur Verfügung gestellt, auf der das Baumhaus bereits Tage vor dem Transport errichtet werden konnte, nur wenige Meter von der nördlichen der beiden Transportstraßen entfernt. Um eine Räumung oder Abriegelung durch die Polizei zu verhindern war das Baumhaus schon vor dem eigentlichen Transporttermin rund um die Uhr besetzt. In der 2,5 mal 4 Meter großen und 2 Meter hohen Konstruktion aus Holz, Seilen und Planen wechselten sich die AktivistInnen mehrfach ab. Es gab Schlafplätze für vier Personen, bei Bedarf wurden zusätzlich Hängematten aufgespannt. Ein Bodenteam sorgte vom nahegelegenen Bauernhaus für die Essensversorgung.

Das Baumhaus war zunächst vor allem ein wichtiger Punkt in der Öffentlichkeitsarbeit, zu einer CASTOR-Blockade wurde es ungeplant erst später. Bereits Tage bevor die Behälter mit dem hoch radioaktiven Atommüll ins Wendland rollten, organisierten ROBIN WOOD-AktivistInnen Schnupperkletterkurse. Die Bäuerliche Notgemeinschaft verlegte ihren Kuchenstand zur Freude der BesetzerInnen zum Baumhaus. Für viele DemonstrantInnen, die nach Quickborn kamen, war das Baumhaus die einzige offen sichtbare Aktion im Ort und daher erster Anlaufpunkt. Selbst die Polizei nutzte immer häufiger das Baumhaus als Orientierungspunkt für ihre Einheiten. Die Stimmung war gut im und um das Baumhaus.

Um so härter traf alle die Nachricht vom Tod Sébastiens aus Frankreich. Er war vom Zug erfasst und getötet worden, als seine Ankettaktion bereits gescheitert war. Viele der AktivistInnen wussten u.a. von ROBIN WOOD-Aktionen, wie aufwändig und sorgfältig Aktionen am Gleis organisiert und gesichert werden. In tiefer Betroffenheit nahmen fast alle an der Trauerkundgebung am Montagabend in Splietau teil, obwohl sie geahnt hatten, dass sie danach nur auf Umwegen zum Baumhaus zurückkehren konnten.

Inzwischen waren die zwölf CASTOREN am Verladekran in Dannenberg eingetroffen. Am Montag, den 9. November, gegen 23 Uhr, begann die Polizei Strohballen von der Straße zu entfernen und stellte einen riesigen Lichtmast auf, der Baum und Baumhaus hell erleuchtete. Als gegen vier Uhr morgens alle CASTOR-Behälter auf Lkw verladen waren und der Transport zur Abfahrt bereit stand, schaffte die Polizei einen Hebebühnenwagen herbei und forderte die AktivistInnen auf, den Baum zu verlassen. Diese ließen sich von der angedrohten Räumung nicht beeindrucken und kletterten in abgelegene Astgabeln des Baumes.

Da die Polizei mit ihrer Hebebühne zwar das Baumhaus, nicht aber die AktivistInnen erreichen konnte, zeigte sie sich zunächst überfordert, die angedrohte Räumung in die Tat umzusetzen. Zur Verfügung stand nur ein bayerisches Unterstützungskommando (USK), das zum Klettern weder ausgebildet noch ausgerüstet war. In den Reihen des USK fand sich schließlich ein Hobbykletterer, der sich für den Einsatz bereit erklärte. Seine Kletterkenntnisse erwiesen sich allerdings als kaum für Bäume geeignet. Wiederholt mussten ihn die erfahrenen ROBIN WOOD-KletterInnen auf Möglichkeiten und Notwendigkeit von Sicherungen hinweisen. An Material waren die Polizisten auf das angewiesen, was sie im Baumhaus vorfanden. Die Beamten waren sichtlich beeindruckt von den gut trainierten und ebenso gut ausgestatteten ROBIN WOODlerInnen.

Die AktivistInnen verhielten sich wie immer gewaltfrei und machten keine Fluchtversuche, um jegliche Gefährdung, insbesondere der Polizisten, zu vermeiden. Mit etwas Zureden und ein paar Tipps der AktivistInnen, gelang es zunächst, eine Aktivistin und einen Aktivisten unbeschadet zu Boden abzuseilen, wo eine Personalienfeststellung erfolgte. Den dritten noch im Baum befindlichen Aktivisten konnten die Polizisten durch Klettern nicht erreichen. Er wurde schließlich nach längerem Umparken mit der Hebebühne geräumt. Selbst als bereits beschlossen worden war, für den Transport die Ausweichroute im Süden zu nehmen, brach die Polizei die Räumung nicht ab. Dadurch war die Transportstrecke für drei Stunden durch die Hebebühne der Polizei blockiert.


Frankfurt a. M., 5. 11. 2004

Bannwald in Gefahr

Hunderte Menschen protestierten auf dem Frankfurter Römer vor der Sitzung der Regionalversammlung gegen eine weitere Zerstörung der Region durch die Flughafenerweiterung. Auch ROBIN WOOD war vor Ort: Mehrere Aktivisten erklommen direkt vor den Augen der Polizei zwei Masten und befestigten in luftiger Höhe ein Transparent mit der Aufschrift „Flugverkehr vermindern, den Ausbau verhindern“.

Die Regionalversammlung stimmte jedoch der Änderung des Regionalplans zu, dem Bannwald seinen Schutzstatus zu nehmen. Für den Bau der Werft des neuen A380 Airbus sollen damit noch in diesem Frühjahr 21 Hektar Wald fallen. Und das ist nur der erste Teil von insgesamt 100 Hektar Wald, die im Süden des Frankfurter Flughafens für den Ausbau zerstört werden. Zusätzlich sollen für eine neue Landebahn bei Kelsterbach über 300 Hektar Bannwald gerodet werden. Dabei hat der Flughafenbetreiber Fraport mittlerweile die Möglichkeit eingeräumt, die Werft innerhalb des Flughafenzauns zu errichten. Aus vorgeschobenen Kostengründen lässt das Unternehmen diese Möglichkeit aber außer Acht. Noch im Erörterungstermin zum Hallenbau wurde von Fraport behauptet, es gäbe keinen Alternativstandort auf dem Gelände.


Müll-Menschen demonstrieren in Gorleben, 2004

"Stille Tage"

Nur wenige Wochen vor dem diesjährigen CASTOR-Transport ins niedersächsische Gorleben, sorgte eine Aktion des Künstlers HA Schult für bundesweites Aufsehen. Vom 25. September bis zum 3. Oktober zeigte der Kölner Künstler seine „Trash-People“ nach acht Jahren erstmals wieder in der Bundesrepublik: In und auf dem niedersächsischen Salzstock erinnerten die 1.000 Müll-Menschen anklagend und bedrohlich an die von Menschen selbst geschaffenen Lebensrisiken, an einen wachsenden Berg von hoch radioaktivem Atommüll, der stetig wächst und wächst und wächst und ...

„Die Trash People in der Tiefe des Salzstocks von Gorleben legen den Finger auf eine Wunde im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit“, ist in einer Veröffentlichung von HA Schult zu lesen. Gleich Asylanten der Konsum-Epoche reisen seine Müllskulpturen in Containern an wichtige Schauplätze der Weltgeschichte. Sie standen auf dem Roten Platz in Moskau, auf der Chinesischen Mauer, vor den Pyramiden von Gizeh in Kairo und am Fuße des Matterhorns.

ROBIN WOOD-Mitglieder und FörderInnen erhielten die einmalige Gelegenheit die Installation sowohl über- als auch unterirdisch zu betrachten.

800 Trash-People stehen in einer Eichenallee inmitten des Dorfes Gedelitz, nur zwei Kilometer von der Endlagerbaustelle Gorleben entfernt. Aufgestellt wie eine marschierende Armee blockieren die Skulpturen aus Computer- und Industrieabfällen die Dorfstraße. Nur wenige Wochen später werden an dieser Stelle Polizeibeamte aus dem gesamten Bundesgebiet die Straße sperren und den Transport mit hoch radioaktivem Müll ins Zwischenlager Gorleben begleiten.

Der Künstler HA Schult berichtet, dass ihm noch nie so viel Widerstand beim Aufstellen der Skulpturen entgegen gebracht wurde – nicht mal auf dem roten Platz in Moskau. Sowohl die Atomindustrie als auch die niedersächsische Landesregierung hätten kaum Mühen gescheut, das Kunstprojekt zu erschweren.

200 Trash-People stehen auf der Sole des Schachts I in 880 Metern Tiefe im Salzstock Gorleben: An der Stelle, an der die Atomindustrie ihren hoch radioaktiven Müll endlagern will. Die Atomindustrie hält am Endlagerstandort Gorleben fest, obwohl Geowissenschaftler schon vor Jahren festgestellt haben, dass tiefes Grundwasser direkt über dem Salzstock an die Grundwasseroberfläche gelangen kann, denn der Salzstock ist an vielen Stellen stark zerklüftet und von Rissen durchzogen. Durch diese Risse könnten radioaktive Partikel nach oben ins Grundwasser wandern. Radioaktive Verseuchung von Mensch und Tier wäre die unmittelbare Folge.


Köln, 15. 10. 2004

„Diese Bäume für Kölns Papier ?“

In der Nacht vom 15. zum 16. Oktober behängten AktivistInnen von Greenpeace und ROBIN WOOD fast 1400 Kölner Stadt-Bäume mit Plakaten und rot-weißem Absperrband. An vielen zentralen Alleen und Plätzen waren die Bäume so gekennzeichnet: am Rheinufer, im Stadtgarten, im Volkspark und am Neumarkt genauso wie an der Uni und im Stadtwald. Fast jeder, der am Samstag an zentralen Stellen in Köln unterwegs war, muss die merkwürdigen Baumbeschriftungen gesehen haben. So mancher Passant dachte dann auch wirklich, die Bäume sollten gefällt werden. Beim genaueren Hinsehen stellte man aber fest, dass nicht die Stadt, sondern ROBIN WOOD und Greenpeace unterzeichnet hatten.

Die Aussage „etwa 1000 Bäume pro Tag“ reichen für den statistisch ermittelten Papierbedarf der Kölner EinwohnerInnen, hat dann auch etliche LeserInnen schockiert. Trotzdem wird in Copyshops, im Büro und bei der Verwendung von Hygienepapieren immer noch hauptsächlich Frischfaserpapier verwendet. Die Kölner AktivistInnen wollen dies ändern und mit geballter Kraft verschiedener Umweltverbände (u.a. auch mit Ara und Urgewalt) mit den vielen Vorurteilen gegen Recyclingpapier aufräumen.

Auch als Fortsetzung der zuletzt im Kölner Zoo gezeigten Ausstellung „Papierwende“ sollen noch diverse Aktionen und Kampagne zum Thema Papier in Köln stattfinden. Ergänzt wurde die Aktion mit einem Infostand von Greenpeace am Zülpicher Platz nahe der Universität.


Berlin, 12.10.2004

Rettet das Grün

„Beschwert Euch, wehrt Euch – rettet das Grün!“ Etwa 100 Anwohner der Carl-Legien-Siedlung in Berlin-Prenzlauer Berg versammelten sich zu ihrem allwöchentlichen Demonstrationszug . Mit dabei waren diesmal AktivistInnen von ROBIN WOOD, die mit einem über die Straße gespannten Transparent mit der Aufschrift „BauBeCon = Kahlschlag – Mieter für Grüne Vielfalt“den Protest unterstützten.

Schon seit Mai diesen Jahres kämpft eine örtliche Bürgerinitiative gegen den von der Siedlungseigentümerin BauBeCon betriebenen Kahlschlag an den mehr als 300 Bäumen in ihren Innenhöfen und entlang der Erich-Weinert-Straße . Der Grund für das Vorgehen des gewerkschaftseigenen Wohnungsbauunternehmens ist die in Aussicht gestellte Anerkennung als Weltkulturerbe der 1929/30 von Bruno Taut erbauten Siedlung durch die UNESCO. Die BauBeCon will hierfür den Originalzustand wiederherstellen – und die Bäume fällen. Obwohl die UNESCO inzwischen klarstellte, dass der Kahlschlag „eigentlich nicht nötig“ sei, setzt sie ihren Feldzug gegen das städtische Grün fort.


Kassel, 2. 10. 2004

Laster vom Pflaster

Es ist diesig an diesem Samstagmorgen. Autos und LKW brettern wie jeden Tag dicht an dicht über die A7. Doch der Blick durch die Windschutzscheibe fällt heute auf ein großes Transparent quer über der Autobahn mit der Aufschrift: „Laster vom Pflaster – Wald statt Asphalt“.

Aufgehängt haben es ROBIN WOOD-AktivistInnen aus Kassel, die damit auf ein verdrängtes Problem aufmerksam machen: Waldsterben durch Verkehrsabgase. Vor allem die rasant wachsendenden LKW-Kolonnen, die sich über Deutschland Straßen wälzen, haben einen großen Anteil daran, dass fast 70 Prozent aller Bäume in Deutschland geschädigt sind.

Die Polizei lässt die AktivistInnen unbehelligt. So können sie in aller Ruhe dem Reporter der örtlichen Zeitung Rede und Antwort stehen. Derweil läuft die Meldung von der ROBIN WOOD-Aktion auch schon über den dpa-Nachrichtenticker. Nach der Aktion haben zwei der Aktivisten noch einen Termin beim Freien Radio, wo sie ausführlich berichten können, warum sie die Aktion gemacht haben. Dabei erzählen sie nicht nur vom gerade laufenden europäischen LKW-Aktionstag, sondern nehmen sich auch ihren Ministerpräsidenten Koch zur Brust. Denn der will ganz Nordhessen zum „Logistikzentrum“ machen - eine Asphaltpolitik, unter der nicht zuletzt auch Hessens Wälder stark zu leiden hätten.


Gundwald, 2. bis 4. Juli 2004

Hoch hinaus – ganz ohne Flugzeuge

Unter diesem Motto trafen sich über 30 ROBIN WOOD-AktivistInnen im von der Rodung bedrohten Wald am Frankfurter Flughafen. Im Gundwald bei Mörfelden-Walldorf richteten sie einen Info-Punkt ein, an dem sie gemeinsam mit BürgerInnen aus der Region Ideen für den Widerstand gegen den Ausbau des Flughafens austauschten. Zeitgleich trainierte ein gutes Dutzend KletterInnen das Leben in den Baumwipfeln. Hoch in den Bäumen bauten sie hölzerne Plattformen, Hängematten und Seilwege, auf denen sie drei Tage blieben. Das Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau unterstützte die Aktion. Rund 150 BesucherInnen begrüßten die Baumbesetzungen. Leute aus Walldorf versorgten die KletterInnen mit heißer Suppe.

Behindert wurde das Treffen von einem bemerkenswerten Polizeieinsatz. Rund um die Uhr fuhr die Polizei den Wald mit Streifenwagen ab. Die Beamten entfernten Hinweisschilder zum Info-Stand und wiesen eine Pressevertreterin in die Irre. Als Radfahrer getarnte Zivilpolizisten ließen sich am Infostand nieder. Auch ein junger Mann, der einen leeren Kinderwagen durch den nächtlichen Wald schob, wirkte nur unzureichend als Spaziergänger getarnt. Von zahlreichen WaldbesucherInnen stellte die Polizei im Laufe des Wochenendes die Personalien fest, erteilte Platzverweise und drohte mit Anzeigen.

Schon im Vorfeld gab es ein wochenlanges Hickhack mit den Behörden um die Aufstellung des Infostandes. Nach dem ROBIN WOOD-Klettercamp am gleichen Ort im vorigen Jahr bekam eine Aktivistin gar Post von der Staatsanwaltschaft: Sie habe sich strafbar gemacht, weil sie eine angeblich nicht angemeldete Versammlung geleitet habe und solle dafür eine Geldstrafe von 750 Euro bezahlen. Der Vorwurf wird am 20. September vor dem Amtsgericht Groß-Gerau verhandelt.

Die Ausbau-GegnerInnen verstehen den Polizeieinsatz als Probelauf: Sollten die Bäume im Gundwald für die Flughafen-Erweiterung fallen, wissen sie nun, womit sie von Polizeiseite zu rechnen haben. Die BI Mörfelden-Walldorf reichte Dienstaufsichtsbeschwerde beim hessischen Innenminister, Volker Bouffier, ein. „Auch der gutgläubige Beobachter erkennt, dass die Zielrichtung des Einsatzes dahin geht, die Umweltorganisationen, Naturschutzverbände und Aktiven der Bürgerinitiativen, die sich gegen den Flughafenausbau engagieren, einzuschüchtern“, so der BI-Sprecher. Als die KletterInnen am Sonntag abstiegen, traten die Menschen am Boden beherzt und mit Erfolg für sie ein: Der örtliche Einsatzleiter bekam eine Anweisung „von oben“ und zog ab. Soviel Solidarität wirkt einfach motivierend!


Esenshamm, 23. 6. 2004

Protest beim 1. Spatenstich für Zwischenlager

„An Gigantomanie leidet ihr nicht, oder?“, meinte einer von fast 20 Bauern angesichts unseres auf sechs Meter langen Eisenrohren aufgerollten Transparentes mit der Aufschrift „Auch dezentral ist katastrophal, keine Castorhalle, Ausstieg sofort“. Obwohl wir keine Gelegenheit zum Üben hatten, klappte das Aufstellen des ca. 5 mal 10 Meter großen, bereits in Lingen und Grohnde eingesetzten Transparents mit Hilfe von zwei Frontladern innerhalb weniger Minuten. Die Umstände waren nicht gerade günstig: Frischer Wind, zunehmender Regen und Polizei überall. Mehr als 30 Einsatzfahrzeuge, aber auch drei Kamerateams und einige Fotografen hatte unsere Aktion angelockt.

Der Energiekonzern E.ON wollte mit einer Gruppe handverlesener Gäste den ersten Spatenstich für das atomare Zwischenlager am Atomkraftwerk Unterweser feiern. Bis zu 80 Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll sollen in dem Lager für mindestens 40 Jahre abgestellt werden - mit allen damit verbundenen Risiken für die Bevölkerung in der Wesermarsch. Das Ansinnen der Bauern, mit ihren Treckern beim Spatenstich zu helfen, wurde barsch abgelehnt und der Protestzug mitten auf der Straße vor dem Kraftwerkstor gestoppt.

Nachdem wir versprachen, die Einfahrt nicht zu blockieren, wies uns einer der Einsatzleiter den günstigsten Platz für das Transparent zu und komplimentierte sogar ein paar im Weg stehende DemonstrantInnen weg. Obwohl wir fast eine Stunde vor dem offiziellen Termin vor dem Kraftwerk waren, kam außer dem Oberkreisdirektor kaum Prominenz vorbei. Meldungen der Lokalpresse zufolge waren einige hohe Herren kurzfristig wieder ausgeladen worden. Schade nur, dass die gelben und schwarzen heliumgefüllten Fallout-Ballons nicht fliegen wollten, nicht einmal nachdem wir die durchweichten Infopostkarten abgeschnitten hatten. Die Last der Regentropfen auf der Oberfläche der Ballons war schon zu schwer.


Berlin, 17. 6. 2004

Riesen der Braunkohlewirtschaft

Jahreshauptversammlungen werden bevorzugt als verherrlichende Selbstdarstellungen genutzt, insbesondere wenn es sich dabei um Riesenkonzerne handelt. So dachte sich dass wohl auch die Führungsspitze von Vattenfall Europe, der Tochtergesellschaft des schwedischen Energiekonzerns, als sie am 17. Juni ins Kongresshotel Estrel nach Berlin einlud.

Das Hauptgeschäftsfeld von Vattenfall Europe ist der Abbau und die Verstromung von Braunkohle. Damit ist Vattenfall einer der größten Luftverschmutzer in ganz Europa und maßgeblich an der Naturraumzerstörung in der Lausitz und der Lacomarer Teichlandschaft beteiligt.

Die vor dem Hotel postierten Polizisten hatten offenbar mit einem öffentlichkeitswirksamen Auftritt von ROBIN WOOD gerechnet, denn der massive Objektschutz sorgte dafür, dass die AktivistInnen nicht zur Tat schreiten konnten. Noch bevor sie ihr „Ziel“ erreicht hatten, wurden sie „unter Aufsicht gestellt“. Ihnen droht jetzt eine Anklage wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz.

Im Saal ging es zwar ruhiger zu, doch schon während der ersten Redebeiträge der Aktionäre wurde Kritik am Energiekonzern laut. Undurchsichtige Bilanzen, Gewinne, die anders betrachtet eher eine Null ergaben, brachten etliche kritische Wirtschaftsexperten ans Rednerpult.

Als sich Alexa Kessler als Vorstandsmitglied von ROBIN WOOD und kritische Aktionärin mit einem Redebeitrag an den Vorstand und den Aufsichtsrat von Vattenfall Europe wandte, wurde es globaler, klimapolitischer und zukunftsweisender.

Vor allem die Fragen nach den innovativen Plänen des Energiekonzerns für die Zukunft, wie zum Beispiel klimaschädliche Treibhausgase verringert werden sollen und wie der Konzern seine angebliche Sorge um die Umwelt mit dem unverminderten Braunkohleabbau vereinbaren will, brachten den Vorstandssprecher Klaus Rauscher in deutliche Rechtfertigungsnöte. Schließlich hätte auch er Kinder und Enkelkinder, denen er eine lebenswerte Umwelt hinterlassen wolle, betonte er sichtlich irritiert.

Unsere Kritik am Energiekonzern Vattenfall Europe wird auch von Schweden, dem Mutterland des Staatskonzerns geteilt. Die „Risksrevisionen“, die schwedische Variante des Bundesrechnungshofes, bemängelte in ihrem aktuellen Bericht die in Deutschland hauptsächlich aus Braunkohle und Atomenergie bestehende Energieproduktion des Konzerns.

Nichtsdestotrotz plant Vattenfall Europe den Bau weiterer „Dreckschleudern“. So soll am Standort Boxberg ein weiterer Braunkohleblock gebaut werden, in Hamburg Moorburg soll bis zum Jahr 2010 ein neues Steinkohlekraftwerk seinen Betrieb aufnehmen.


Berlin, 6. 6. 2004

Umweltfestival Unter den Linden

Ungeheure Menschenmassen schoben sich am Bundestag vorbei auf das Brandenburger Tor zu, jedoch nicht, um es zu entern (wie einst ROBIN WOOD-Aktivisten zum Zwecke des Transparentanhängens), sondern von Neugier getrieben: Mehrere hundert Stände hatten sich zum Umweltfestival aufgereiht. Ganz "Unter den Linden" war besetzt. Ganz? Ja, auch ein kleiner grüner ROBIN WOOD-Stand leistete erbitterte Mitarbeit, um den (Informations-) Hunger der interessierten Bevölkerung zu befriedigen. Ein Häufchen tapferer Mitglieder der AG Öffentlichkeitsarbeit trotzte enthusiastisch dem herrlichen Wetter und dem geballten Interesse, das sich über sie ergoss. Besonders reißenden Absatz fanden gedruckte und auch ausführliche verbale Auskünfte zu den Themen Stromwechsel, Tropenwald und Papier. Manch gute Diskussion entstand, und einige Passanten outeten sich fröhlich als ROBIN WOOD-Mitglieder.


Cottbus, 3. 6. 2004

Umweltmarkt in der Lausitz

Der Höhepunkt der 14. Cottbuser Umweltwoche unter dem Motto „Klimaschutz – Umweltschutz für Cottbus“ war der Umweltmarkt am Donnerstag mitten im Stadtzentrum. Insgesamt 43 Partner von der Biobäckerei über Solares Bauen bis zum Agenda-Büro sorgten an diesem Tag für ein buntes und vielseitiges Markttreiben. Am gemeinsamen Stand von ROBIN WOOD und der Umweltschule Dissenchen stellten kleine und große BesucherInnen mit viel Begeisterung aus altem Papier neues her. Dazu informierte ROBIN WOOD über den Zusammenhang von Papierverbrauch und Waldzerstörung und lud das Publikum zu einem Papierquiz ein. Die Kinder und Lehrer der Umweltschule machen mit bei der Aktion „Wir setzen Zeichen – Schulen pro Recyclingpapier“, die von der „Initiative 2000 plus“ ins Leben gerufen wurde.


Berlin, 12. und 14. Mai 2004

ALDI: Gartenmöbel aus Tropenholz

Eine Kettensäge heult, Sägespäne fliegen durch die Luft, KonsumentInnen sitzen teilnahmslos auf Liegestühlen – vor einer ALDI-Filiale in Berlin zogen ROBIN WOOD-AktivistInnen auf und protestierten gegen Gartenmöbel aus Tropenholz ohne Zertifikat, die ALDI Nord seit dem 12. Mai in den Filialen anbot.

ROBIN WOOD forderte, dass ALDI aus dem Geschäft mit Tropenholz aussteigt, sofern das Holz nicht nachweislich aus ökologisch und sozial akzeptabler Waldwirtschaft stammt. Trotz der Protestaktionen und zahlreichen Anfragen reagierte ALDI wochenlang nicht und gab keine Informationen über die Herkunft der Möbel preis, die laut Prospekt „aus staatlich kontrollierter Forstwirtschaft“ stammen. Ein Kunde erfuhr von ALDI, das Holz stamme aus Indonesien.

Um die mangelnde Verbraucheraufklärung öffentlich anzuprangern, setzten die ROBIN WOOD-AktivistInnen ihren Protest zwei Tage später vor einer weiteren ALDI-Filiale fort: Sie entrollten Transparente, verteilten Verbraucherinformationen zum Thema Tropenholz und machten mit Kettensäge und Liegestühlen auf das Abholzen der letzten Regenwälder aufmerksam – bis sie von der Polizei einen Platzverweis erhielten und ihr Transparent beschlagnahmt wurde.

Zwei Wochen später, nach ROBIN WOOD-Aktionen in Göttingen und Dresden sowie weiteren Pressemitteilungen reagierte ALDI endlich und schrieb in einer Stellungnahme: „ALDI wird sich in Zukunft beim Einkauf von aus Tropenholz hergestellten Möbeln u.ä. bemühen, zusätzlich zu staatlichen Zertifikaten das allseits akzeptierte FSC-Siegel einzufordern“. Für die derzeit angebotenen Möbel lägen so genannte SKSHH-Zertifikate der indonesischen Regierung vor.

„ALDI hat keinen Anlass, die Korrektheit staatlicher Zertifikate anzuzweifeln“, heißt es in der Stellungnahme. Anlass dafür aber gibt es mehr als genug: In Indonesien treibt die Holzmafia mit staatlicher Unterstützung die Waldzerstörung in einem Tempo voran, wie sonst nirgendwo auf der Welt - mit katastrophalen Folgen. Jährlich werden 3,8 Millionen Hektar Tropenwald vernichtet. Das entspricht der Fläche von NRW. Im Holzhandel ist es ein offenes Geheimnis, dass in Indonesien staatliche Zertifikate gefälscht und auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden.

Generell empfiehlt ROBIN WOOD Möbel aus heimischen Hölzern wie Buche und Lärche mit dem FSC-Siegel. Der Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert Produkte, die aus ökologisch und sozial akzeptabler Waldwirtschaft stammen und ist derzeit das einzige international glaubwürdige Siegel. Gartenmöbel aus Tropenholz sind allenfalls zweite Wahl und nur mit diesem Zertifikat akzeptabel. Bei zertifizierten Möbeln muss das FSC-Logo – ein stilisierter Baum mit den Buchstaben FSC – direkt am Produkt angebracht sein.


Hamburg, 24. 4. 2004

Vom Atom zum Ökostrom

20 RadlerInnen trafen sich am Samstag, den 24. April gegen 10 Uhr vor dem Atommeiler Krümmel, um für einen Wechsel des Stromanbieters zu werben – mit dabei auch AktivistInnen von ROBIN WOOD. Mit bunten Fahnen geschmückt und von Musik begleitet, brachen die RadlerInnen bei leicht bedecktem Himmel zu ihrer 45 Kilometer langen Tour auf. Der Tag war wohl bedacht, denn die UmweltschützerInnen wollten an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erinnern, die sich am 26. April zum 18. Mal jährte.

Waren am Start nur wenige Leute, wuchs die Zahl der Teilnehmenden doch schnell an. In der Hamburger Innenstadt begleiteten zeitweise mehr als 150 RadlerInnen, LäuferInnen und SkaterInnen die Tour. Insgesamt haben sich bis zu 250 Menschen aktiv an der Staffel beteiligt. Mehrfach legten die RadlerInnen an Infoständen kürzere Pausen ein und informierten die PassantInnen darüber, wie einfach und sicher der Wechsel zu einem Ökostrom-Anbieter ist.

Am Ziel, der Werkstatt 3 in Hamburg Ottensen, berichtete der Münchner Professor Edmund Lengfelder in einer Live-Schaltung über die katastrophalen gesundheitlichen Auswirkungen der Tschernobylkatastrophe. Auch 18 Jahre danach sind die Folgen nicht abschätzbar. Zehntausende der 800 000 Aufräumarbeiter sind bereits tot, 10 000 Quadratkilometer Landfläche sind gesperrt oder Zone strikter Kontrolle. 400 000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Im am stärksten betroffenen Weißrussland nimmt die Zahl der Menschen, die an Schilddrüsenkrebs erkranken, noch immer zu.

Die Bilder aus den verstrahlten Gebieten waren bedrückend, doch sie bestätigten alle Anwesenden in ihrem Anliegen, sich unverdrossen für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie einzusetzen. Und so endete die diesjährige Fahrradstaffel „Vom Atom zum Ökostrom“ mit Musik und guter Laune. Alle Beteiligten waren sich sicher, dass es auch im Jahr 2005 eine Fahrradstaffel anlässlich des Tschernobyltages geben wird.


Berlin, 1. 4. 2004

„So viel Natur für so wenig Kohle?“

Die Mitarbeiter des Energie-Giganten Vattenfall in Berlin staunten nicht schlecht, als sie mittags aus ihren Bürofenstern schauten: Grüne Seile fallen herab, an denen sich AktivistInnen von ROBIN WOOD abseilen. Dann verdeckt ein großes Transparent den Ausblick. Aufschrift: „So viel Natur für so wenig Kohle? - Rettet Lacoma! Energiewende jetzt!“

Wer zunächst noch an einen Aprilscherz glaubte, konnte sich vor dem Eingang des Gebäudes eines Bessren belehren lassen: Hier hielten Einwohner und Freunde des Dorfes Lacoma bei Cottbus eine Mahnwache mit Infostand ab. Zwei von ihnen beendeten heute nach 41 Tagen einen Hungerstreik für den Erhalt ihres Dorfes. Gemeinsam mit ihnen forderten die ROBIN WOOD-AktivistInnen den Konzern auf, die Zerstörung des Dorfes und der Teichlandschaft in der Lausitz zu beenden und auf den dortigen Braunkohle-Abbau zu verzichten.

Während das umstrittene Gebiet wegen seiner ökologischen Reichtümer als europäisches FFH-Schutzgebiet gemeldet wurde, schafft Vattenfall schon mal Tatsachen: Ein Haus nach dem anderen wird polizeilich geräumt und abgerissen. Grundwasserabsenkungen gefährden den Wasserhaushalt und die Vegetation. Die Überwinterungsquartiere der seltenen Rotbauchunke wurden zerstört.

ROBIN WOOD fordert die Abkehr von der klimaschädlichen Braunkohle-Verstromung und den Ausbau erneuerbarer Energien. StromkundInnen können dabei helfen: durch den Wechsel von Atom- und Kohlestromfirmen wie den Vattenfall-Töchtern Bewag und HEW hin zu ökologischen Stromanbietern.


Bonn - Berlin, 22. 3. 2004

Post bricht Versprechen

Bonn: Das gelbe Transparent, das die drei Kletterer von ROBIN WOOD an die Fahnenmasten vor die Postzentrale in Bonn gehängt haben, leuchtet hell in der Morgensonne. „Wir zerstören Tropenwälder für Papier, Ihre Post“ steht darauf geschrieben. Sicherheitsleute der Post laufen aufgeregt umher und müssen mit ansehen, wie die Pressefotografen dieses schöne Motiv dankbar für ihre Redaktionen ablichten.

Berlin: Vor einer Postzentrale und der gleich nebenan liegenden Filiale der Posttochter McPaper spannen die AktivistInnen zur gleichen Zeit ein Transparent mit der Aufschrift „Regenwaldzerstörer: Papier von Post & McPaper - 0% Recyclingpapier, 100 % Raubbau“. Dazu zeigen sie großflächige Fotos von der Tropenwaldzerstörung auf der indonesischen Insel Sumatra.

Wie konnte es dazu kommen? Schon im vergangenen Jahr war ROBIN WOOD auf die Post aufmerksam geworden. Damals verkaufte das ehemalige Staatsunternehmen Kopierpapier des Tropenwaldzerstörers APRIL aus Indonesien. ROBIN WOOD protestierte und nach gemeinsamen Gesprächen gab sich der Logistikriese reuig: „ Dies bedeutet, dass keine Papiere aus Regenwald, Kahlschlag oder schützenswerten Urwäldern eingekauft werden. Ist eine Nachverfolgbarkeit über die komplette Zellstoffkette nicht möglich, wird der Konzern künftig entsprechende Produkte aus dem Sortiment nehmen, “ formulierte die Post in einem Brief vollmundig.

Einige Zeit später tauchte dann Kopierpapier in den Filialen der Post und von McPaper auf, das mit weißer Verpackung ohne Aufdruck eingeschlagen war – an der Seite lediglich mit unscheinbaren wechselnden Etikettchen versehen. ROBIN WOOD beschloss der Sache auf den Grund zu gehen und gab eine Faseranalyse des Postpapiers bei einem US-amerikanischen Labor in Auftrag. Es ist möglich, nachträglich festzustellen, aus was für Baumarten ein betreffendes Papier gefertigt worden ist. Dazu wird das Papier aufgelöst und seine Fasern unter dem Elektronenmikroskop begutachtet. Da die Fasern jeder Baumart unterschiedlich aussehen, kann so genau auf das Ausgangsmaterial geschlossen werden. Das erfordert allerdings sehr viel Erfahrung und Spezialwissen.

Mit großer Spannung wartete ROBIN WOOD auf das Ergebnis: Bei den Untersuchungen des Postpapiers konnte das Labor zweifelsfrei „Mixed Tropical Hardwood“ nachweisen – also Tropenholz aus Naturwäldern! Damit war der Beweis erbracht, dass die Post ihre vollmundigen Versprechen nicht umgesetzt hatte.

Jetzt war schnelles Handeln gefragt und im Handumdrehen waren zwei geeignete Aktionsorte in Berlin und Bonn ausgekundschaftet. Dort steuerte nach kurzer Zeit ein forscher Sicherheitsbeamter auf das Grüppchen der ROBIN WOOD AktivistInnen zu: „Verlassen Sie sofort unser Postgelände!“ befahl er in bemüht autoritärem Ton. Aber als ihm klar wurde, dass er diese ungebetenen Besucher nicht so einfach los werden würde, verschwand er wieder durch die Drehtür des Posttowers. Danach dämmerte den Postverantwortlichen, dass es vielleicht besser wäre, das Gespräch mit ROBIN WOOD zu suchen.

Eine Delegation wurde in den Posttower gebeten und aus Tassen mit gelber Banderole und Posthorn Kaffee zur Begrüßung gereicht. „Falls uns da ein Fehler unterlaufen sein sollte, werden wir ihn sofort abstellen,“ bemerkte gleich zu Anfang ein Herr aus der „Grundsatzabteilung Umwelt und Politik“. Damit war der Rahmen für die weiteren zehn Minuten im Posttower gesteckt. Die Post zeigte sich betroffen, dass ihr so etwas passieren konnte und versprach umgehende Besserung. Nur, das hat die Post schon einmal getan und wer einmal lügt... Jetzt müssen schnelle Taten folgen, damit das Unternehmen seine Glaubwürdigkeit wieder herstellen kann. Die Post muss vor allem öffentlich den Beweis antreten, wie sie sicherstellt, dass so etwas in Zukunft nicht noch einmal passieren kann.

Aber selbst wenn die Post Tropenwaldpapier tatsächlich aus ihrem Sortiment entfernt, bleibt noch viel zu tun. Dann kommt es darauf an, dass die Post die Rohstoffe für ihr gesamtes Papiersortiment zurück verfolgt und bedenkliche Quellen konsequent aussortiert. Außerdem gehört endlich ein breites Angebot an Produkten aus Recyclingpapier in die Filialen von McPaper und der Post.


Bremen, 20. 3. 2004

Hochwassermode auf dem Laufsteg

Was tun, wenn das Wasser in die Stadt läuft und die Menschen kleidungstechnisch nicht auf dem aktuellsten Stand sind? Darüber sind in Bremen einige umwelt- und entwicklungspolitisch arbeitende Verbände ins Grübeln gekommen und haben eine phantasievolle Hochwassermodenschau präsentiert. Da wurden moosgrüne Anglerhosen mit farblich abgestimmten exklusiv geformten Rettungsringen kombiniert oder eine, den neuesten Vorstellungen entsprechende Schnorchelausrüstung durch eine luftgepolsterte Badekappe ergänzt.

Freundlicherweise hatten auch drei Politiker ihr Auftreten angekündigt: Bürgermeister Scherf, Umweltsenator Eckhoff und Finanzsenator Nussbaum wollten in modischen Hochwasserhosen erscheinen. Dem Bremer Stadtbild verpflichtet, waren sie entsprechend der Speckflagge in rotweiß gehalten. Da die Politiker in letzter Minute absagten, übernahmen jugendliche Modells ihren Part.

Die Aktion auf dem Bremer Bahnhofsvorplatz sollte am internationalen Tag des Wassers die BremerInnen auf witzige Weise darauf aufmerksam gemacht, dass die Stadt nach wie vor von Hochwasser – vor allem Sturmfluten – bedroht ist. Zum einen liegen einige Stadtteile durch den Ausbau der Weser zur Schifffahrtsstraße unter dem mittleren Tidenhochwasser und würden ohne Deich zweimal am Tag voll laufen. Zum anderen wird die Bedrohung durch den menschgemachten Klimawandel für Städte an ausgebauten Flussmündungen bei steigendem Meeresspiegel immer deutlicher. Eine drastische Senkung des Energieverbrauchs und die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten sind wichtige Schritte um hier gegenzusteuern.


Berlin, 12. 3. 2004

„Fliegen lässt Ihre Haut altern“

…denn Fliegen trägt zum Klimawandel bei, der Klimawandel verzögert die Erholung der Ozonschicht und deren Durchlässigkeit erhöhen das Risiko von Sonnenbrand und Hautkrebs. Daher sollte im Interesse der VerbraucherInnen der Warnhinweis „Fliegen lässt Ihre Haut altern“ auf keinem Flugticket fehlen – vergleichbar den Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln.

Zum Auftakt der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin brachte ROBIN WOOD windumtost ein riesiges Transparent am Funkturm auf dem Messegelände an. Im Design einer überdimensionalen Zigarettenschachtel gehalten, stand unten im schwarzen Trauerrand der Warnhinweis „Schützen Sie Ihre Kinder: Lassen Sie sie nicht Ihre Klimasünden ausbaden.“ Darüber reckt sich eine aufdringliche Flugzeugnase in die Luft. Am Boden verteilten AktivistInnen von ROBIN WOOD, Germanwatch, BUND und VCD ähnlich designte Postkarten an das Messepublikum: „Fliegen verursacht tödliche Klimaschäden“ und „Ihr Bahnschalter oder Ihr Reisebüro kann Ihnen dabei helfen, das Fliegen aufzugeben“ stand darauf zu lesen. Anlass der Aktion sind neue, bisher unveröffentlichte Untersuchungen, die belegen, dass Fliegen das Klima mehr als doppelt so stark belastet wie lange angenommen. Neben Treibhausgas-Emissionen wurden weitere klimaschädliche Effekte wie Kondensstreifen und künstliche Wolkenbildung berücksichtigt .

Die Konsequenz aus den dramatischen neuen Forschungsergebnissen kann nur heißen: Flugverkehr vermindern! Gemeinsam mit den im Arbeitskreis Flugverkehr zusammen geschlossenen Umweltverbänden fordert ROBIN WOOD von der Bundesregierung, bis Ende 2004 einen Aktionsplan gegen den Trend zu immer mehr Flugreisen vorzulegen. Als Sofortmaßnahme sollten Reisende durch deutliche Warnhinweise über die Klimaschädlichkeit des Fliegens informiert werden.


Berlin 5. 2. 2004

„Das Grauen kehrt zurück“ auf der Berlinale

Ein beängstigender Film wurde zum Start der diesjährigen Berlinale kurzfristig in Berlin Unter den Linden angekündigt: Das Deutsche Atomforum präsentierte seine Zukunftsvision unter dem Titel „Höllenbrut Folge 3: Das Grauen kehrt zurück.“ Gleich neben dem schauerlichen Filmplakat führten ROBIN WOOD-AktivistInnen einen Reality-Trailer auf: Ein marodes Atomkraftwerk stürzte qualmend in sich zusammen. Eilends hinzugezogene, jedoch schlecht vorbereitete Sicherheitskräfte der Berliner Polizei konnten die Katastrophe nicht verhindern.

Atomenergie Reloaded: In Sichtweite der düsteren Vorschau saßen zur gleichen Zeit die Lobbyisten der Atomenergie auf ihrer Wintertagung beisammen, um ihren Directors Cut der zukünftigen Energieversorgung Europas zu planen - mit der Uraufführung des Europäischen Druckwasserreaktors in Finnland als Startschuss für ein Comeback der Atomenergie hinter der Maske von Klimaschutz und Versorgungssicherheit. ROBIN WOOD kritisiert dieses Szenario als gefährlich und sieht vielmehr eine zukunftsfähige und umweltverträgliche Besetzung des Energiemixes vor. In den Hauptrollen: Sparsamer Umgang mit Energie, Effizienz bei deren Erzeugung und Verbrauch sowie der Ausbau erneuerbarer Energien.


Frankfurt, 1. 2. 2004

„Papier aus meinem Wald“

„Papier zerstört Wälder – Recyclingpapier nicht“, war auf dem zehn Meter langen Transparent zu lesen, das Anfang Februar den Haupteingangsbereich des Messegeländes in Frankfurt schmückte. AktivistInnen von ROBIN WOOD, Pro Regenwald und urgewald protestierten damit vor den Türen der „PAPERWORLD“, Europas größter Papier-Messe, gegen Waldzerstörung für Papier.

Einigen Besuchern schien bei diesem Anblick das Herz zu stocken. Sie atmeten erst auf, als sie feststellten, dass ihr Name auf keinem der Transparente stand. Doch schon folgte der nächste Schrecken als zwei Orang-Utans mit großem Geschrei auf sie zugerannt kamen. „Dies ist Papier aus meinem Wald“, stand auf den Flugblättern – auf Papier aus indonesischen Regenwäldern.

Verschämt nahmen die Besucher die Flugblätter entgegen, nur um dem Affentheater ein Ende zu bereiten. Doch schon stand ein großer Bär mit vorwurfsvoller Miene vor Ihnen, um sie auf die Abholzung der nordischen Wälder aufmerksam zu machen. So viel Protest waren den meisten dann doch zu viel. Allgemeine Erleichterung herrschte erst in den Messehallen als das Transparent abgehängt wurde und dafür ein Infotisch von ROBIN WOOD für die Dauer der Messe im Eingangsbereich genehmigt wurde.

Bei der PAPERWORLD wurde das ganze breite Spektrum der falschen Papierpolitik vieler Konzerne von den drei Umweltorganisationen aufgegriffen. Nicht nur auf den Kahlschlag für Papier in den tropischen Wäldern wurde hingewiesen. Auch der Einschlag der letzten Urwälder des Nordens sowie die positiven Auswirkungen eines sparsamen Umgangs mit Papier und der Nutzung von Recyclingpapier wurden thematisiert.


Mörfelden, 15. 1. 2004

„Jetzt gilt´s!“

… war die Parole vom Frankfurter Bündnis der Bürgerinitiativen „Kein Flughafenausbau – Für ein Nachtflugverbot“. Am 15. Januar galt es gleich auf zwei „Baustellen“, dem vielstimmigen Widerspruch gegen einen Ausbau des Frankfurter Flughafens Gehör zu verschaffen. In einer ehemaligen Tresorfabrik im Gewerbegebiet Mörfelden begann die Erörterung im Planfeststellungsverfahren für die A-380-Wartungshalle. Die Werft zur Wartung von Großraumjets hat die doppelte Grundfläche des Kölner Doms und soll mitten im Bannwald errichtet werden (siehe ROBIN WOOD-Magazin 3/2003). Mehr als 40.000 Menschen haben Einwendungen im Planungsverfahren erhoben, mehr als Tausend waren an diesem nasskalten Januarmorgen zum Auftakt der Anhörung vor Ort.

Der Bau der Werft ist der Einstieg in die Erweiterung des Flughafens, zu der auch eine neue Landebahn und ein weiteres Terminal zählen. Am gleichen Tag legte Wirtschaftsminister Rhiel dem hessischen Landtag die Gutachten zum Absturzrisiko nach dem Bau einer vierten Landebahn vor. Die Bahn im Nordwesten des Flughafens ist nur 800 Meter entfernt von der Chemiefabrik Ticona geplant, in der u.a. hochgiftiges Bortrifluorid verarbeitet wird.

Nachdem im Mai der TÜV Essen ein Risiko von einem Absturz in 600 Jahren errechnet hatte, liegen die eilends in Auftrag gegebenen neuen Berechnungen nun bei einem Ereignis in 5000 bis 10.000 Jahren. Die Folgen wären jedoch so katastrophal, dass die Bahn nach Niederländer oder Schweizer Recht nicht genehmigungsfähig wäre. Im Unterschied zu seinen Nachbarländern gibt es in Deutschland für diesen Fall keine Grenzwerte. Doch die JuristInnen sind sich einig, dass im umgekehrten Fall das Chemiewerk auch hier niemals eine Baugenehmigung so nah an der Landebahn bekäme. Der hessische Wirtschaftsminister Rhiel nutzt dagegen die Regelungslücke: Er hält das Risiko für verantwortbar und am Bau der Nord-West-Bahn fest.

„Jetzt gilt´s“ – die Parole nahmen sich auch ROBIN WOOD-AktivistInnen zu Herzen. Sie erklommen in einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit über die Köpfe der Ordnungskräfte hinweg den Schornstein der alten Fabrikhalle, in der die Anhörung stattfand. Oben entrollten sie ein Transparent, mit dem sie weithin sichtbar machen, worum den Leuten vor Ort geht: „Stopp A380-Halle!“