Artikel-Auswahl
ROBIN WOOD-Magazin 4/2001
- Ab 2010 ölfrei
- Träume und (ölige) Schäume
- Öko-Knigge für den Weihnachtsbaumkauf
- Java-Teak verliert FSC-Siegel
- Grüne Berufe: Ölmüller und Landwirt
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titel: Heft 4/2001
Ab 2010 ölfrei
Annette Littmeier, Berlin
Der Ölverbrauch
Deutschlands belief sich im Jahr 2000 auf 120,3 Millionen Tonnen. Im
Durchschnitt verbrauchte also jedeR BürgerIn 1,7 Tonnen, die wir jährlich
relativ gedankenlos fürs Heizen, Autofahren und für die Produktion von
Kunststoffen nutzen.
Wir denken
selten darüber nach, wo und unter welchen Bedingungen das Öl gewonnen wird, wie
es nach Deutschland transportiert wird oder wie lange die weltweiten Reserven
noch ausreichen werden.
Die Lüge um die
Ölreserven
Die
ölproduzierenden Länder wollen uns Glauben machen, dass die Ölreserven noch
einige Jahrzehnte reichen werden. Jedes Jahr führt die Fachzeitschrift Oil
& Gas Journal eine Erhebung unter den Ölproduzenten durch und veröffentlicht
deren Angaben zu den weltweiten Ölreserven. Erstaunlich ist allerdings, dass
insbesondere die OPEC Staaten Jahr für Jahr unveränderte Reserven angeben,
obwohl sie rund 30 Millionen Barrel pro Tag fördern. Wären ihre Angaben
richtig, so müssten sie regelmäßig neue Ölfelder entdecken, die den Ölverbrauch
decken.
Wissenschaftliche
Analysen einer Industrie-Datenbank, in der alle Öl-Neufunde von Geologen
erfasst und quantitativ beurteilt werden, kommen zu einem anderen Ergebnis.
Jörg Schindler und Jörg Zittel haben alle Ölfunde seit den 30er Jahren
summiert, davon das bereits verbrauchte Öl abgezogen und auf diese Weise
ermittelt, dass die Ölreserven seit 20 Jahren abnehmen. Nur noch 20 bis 25 %
des weltweiten Ölverbrauchs werden durch Neufunde ersetzt. Deshalb sagen sie
für spätestens 2010 eine Ölknappheit voraus, die sich auf dem Markt bemerkbar
machen und uns zum Umdenken zwingen wird.
Umdenken schon
heute notwendig
Wie in vielen
industriellen Bereichen wäre auch die Produktion von Öl bereits heute
weitgehend unrentabel, wenn die Produzenten die ökologischen und sozialen
Folgekosten zu tragen hätten.
Wir werden der
Risiken rund um die Ölproduktion meist nur dann gewahr, wenn wieder irgendwo
ein Öltanker auf Grund gelaufen ist und die Küste verseucht. Durch unseren
Ölverbrauch sind wir aber auch für Schäden verantwortlich, die durch die
Ölproduktion in den Bezugsländern entstehen. Deutschland bezieht den größten
Teil seiner 103,6 Millionen Tonnen Rohöleinfuhren aus der Russischen Föderation
(29,8 Mio .t), Norwegen (18,6 Mio. t) und Großbritannien (13,0 Mio. t). Nach
Angaben von Greenpeace treten in Westsibirien jährlich drei bis zehn Millionen
Tonnen Erdöl aus veralteten und kaputten Pipelines aus, verseuchen Böden und
Gewässer und gelangen über Flüsse bis ins Nordpolarmeer.
Aber unsere
Verantwortung reicht noch weiter. Im Titel dieser Ausgabe berichten Ihnen
Werner Paczian und Regine Richter von den negativen sozialen und ökologischen
Folgen der Ölförderung in Ecuador, im Tschad und in Kamerun. Deutschland
importiert aus diesen Ländern zwar kein Öl, die Ölförderung wird aber mit der
Beteiligung der Westdeutschen Landesbank bzw. deutscher Firmen realisiert.
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Öl-Katastrophen
Am 24. März 1989
lief der Öltanker Exxon Valdez auf ein Riff im Prince William Sund, Alaska. Rund
42.000 Tonnen Öl liefen aus und verschmutzten 2000 Kilometer Küste. Mit den
Säuberungsarbeiten wurden nur 20 - 30 % des Öls entfernt. Noch zehn Jahre
später befinden sich unter den Steinen am Strand Ölreste. Von 30 untersuchten
Tierarten haben sich nur zwei Arten, der Weißkopf-Seeadler und der Flussotter,
regeneriert.
Nachdem in der
Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1999 über dem Atlantik ein Sturm mit
Spitzengeschwindigkeiten von 120 km/h tobte, brach vor der Küste der Bretagne der
180 Meter lange Öltanker Erika auseinander und verlor 12.000 Tonnen Schweröl.
Bereits zwei Wochen nach dem Unglück zählten UmweltschützerInnen 6000 verklebte
Vögel.
Im Januar 2001 strandete
der Tanker Jessica 500 Meter vor der Küste der Galapagos-Inseln. 800.000
Liter Dieselöl liefen aus und konnten mangels geeigneter Ausrüstung nicht von
der Küste abgehalten werden. Die Küstenbereiche von fünf Inseln, die in einer
Entfernung von bis zu 100 Kilometern vom Unfallort entfernt liegen, sind
betroffen. Geschädigt wurden Pelikane, Blaufußtölpel, Seelöwen, Meeresechsen sowie
Fische, Seeigel, Seesterne, die z.T. wichtige Bestandteile der Nahrungsketten
von Vögeln, Seelöwen und -bären sind.
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Quelle: Jörg
Schindler, Werner Zittel, 2000, Weltweite Entwicklung der Energienachfrage und
der Ressourcenverfügbarkeit.
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titel: Heft 4/2001
Träume und (ölige) Schäume
Regine Richter, Sassenberg
Idriss Deby hat einen Traum: in die tschadische
Geschichtsschreibung als der Präsident einzugehen, der dem Land Wohlstand brachte
.... vielleicht. Vielleicht ist der Traum jedoch viel profaner und dreht sich
darum, die eigenen Taschen zu füllen und zwar gehörig. Sicher ist, dass
zahlreiche Menschenrechts- und Umweltgruppen aus dem Tschad, Kamerun und Europa
sowie den USA Bauchschmerzen haben: mit einem Ölförderungs- und Pipelineprojekt
in Tschad und Kamerun. Und die BewohnerInnen der zukünftigen Ölfelder sowie
entlang der zu bauenden Pipeline haben einen Alptraum: dass ihnen ihr Land
gewaltsam genommen wird und ihre Lebensgrundlagen zerstört werden.
Zum Träumen zunächst verleiten mögen Zahlen wie 300 geplante
Ölbrunnen im Tschad, aus denen zu besten Ertragszeiten täglich 225.000 Barrel gefördert werden sollen. Einkünfte aus dem
Projekt werden auf 12 Mrd. US-$ für die Betriebsdauer von 28 Jahren geschätzt.
Um das Öl aus dem Tschad nach Kamerun zu schaffen, von wo es verschifft werden
soll, ist eine 1070 km lange Pipeline geplant. Womit das Projekt zu den größten
Privatinvestitionen auf dem afrikanischen Kontinent gehört.
Ein Ölfirmenkonsortium aus Exxon (40%), Chevron (25%) und
der malaysischen Staatsfirma Petronas (35%) hat das Projekt entwickelt und
koordiniert die Durchführung. Um sich gegen mögliche politische Risiken abzusichern,
benötigten die Ölfirmen die Beteiligung der Weltbank. Deren Auftrag ist es nach
eigenen Worten, eine Welt ohne Armut zu schaffen. Und sowohl das
Ölfirmenkonsortium als auch die Weltbank argumentieren in genau diesem Sinne:
Tschad und Kamerun gewinnen durch das Projekt und nutzen die Gewinne für
Maßnahmen zur Armutsverringerung.
Umwelt- und Menschenrechtsgruppen hatten von Anfang an das
Probleme, diese simple Rechnung zu akzeptieren. Sie klärten in einer breit
angelegten, internationalen Kampagne über die möglichen Risiken von Ölförderung
und transport auf. Zu den gravierendsten Gefahren gehören
- die Förderung der Korruption sowohl im Tschad als auch in
Kamerun;
- Menschenrechtsprobleme, da Kritiker des Projektes sowohl
im Tschad wie auch in Kamerun massiv eingeschüchtert werden;
- Verlust der Lebensgrundlage der indigenen Bakola, die
entlang der geplanten Pipelineroute leben. Sie haben keine juristisch
festgeschriebenen Landrechte und verlieren mit Zerstörung ihres Lebensraumes
alles;
- eine steigende Verbreitung von AIDS entlang der
Fördergebiete sowie der Pipeline.
Moderne Entwicklungsmythen
Auch der positive Einfluss auf die Entwicklung beider Länder
entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Mythos. Die Ölförder-Gegend im Süden
des Tschad ist die fruchtbarste Region des Landes, wo Ackerbau und Viehzucht
konzentriert sind. Der Verlust von fruchtbarem Land sowie die Zuwanderung von
Arbeitssuchenden im Ölsektor schwören Konflikte herauf und bedrohen die
Nahrungsmittelsicherheit der Region.
Für die wasserintensive Ölförderung sollen zudem neue
Tiefbrunnen gebohrt werden, die Wasserknappheit für die Bevölkerung nach sich
ziehen. In Kamerun wird die Pipeline in einer ökologisch reichhaltigen
Küstenregion enden, deren BewohnerInnen von Fischerei und Tourismus leben. Ein
Ölunfall dort würde die regionale Ökonomie zerstören und somit zu ökonomischen
Netto-Verlusten für Kamerun führen.
Verpflichtungen
Der breite internationale Druck durch die Umwelt- und
Menschenrechtsgruppen machte auch einige der Weltbank-Geldgeber-Regierungen
nachdenklich, woraufhin die Projektsponsoren eine 19 Bände umfassende
Umweltverträglichkeitsprüfung vorlegten. Obwohl diese in vielem bemängelt
wurde, bewilligte die Weltbank im Juni 2000 ein umfassendes Darlehen für das
Projekt, nachdem das von Exxon geführte Ölkonsortium und die Regierungen von
Tschad und Kamerun zahlreiche Verpflichtungen eingegangen waren.
Zu diesen Verpflichtungen, die das Projekt verbessern
sollten, gehörten unter anderem
- die Versprechen der tschadischen Regierung, Demokratie im
Land zu entwickeln, die Menschenrechte zu respektieren und die Einkünfte aus
der Ölförderung für die Armutsbekämpfung einzusetzen;
- das Benennen von unabhängigen Überwachungskommissionen,
die prüfen sollen, ob Weltbankrichtlinien eingehalten werden und die
Menschenrechtssituation sich verbessert;
- der Aufbau von Umweltverwaltungskapazitäten für das
Ölförderungs- und Pipelineprojekt im Tschad und in Kamerun, damit die lokalen
Verwaltungen korrekt überwachen können;
- das Aufstellen eines Indigenen Planes, der Umsiedlung
und Entschädigung betroffener Bevölkerung regeln soll.
...werden gebrochen
Im Juni 2001 veröffentlichten internationale
Umweltorganisationen einen Bericht, der die Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen
beleuchtet und konsequent Broken Promises, (gebrochene Versprechen) heißt.
- So investierte die tschadische Regierung bereits die
ersten 4,5 Mio. US-$, die vom Ölkonsortium als Bonus gezahlt wurden, in den
Kauf von Waffen.
- Auch die unabhängigen Überwachungskommissionen sind nicht
dauerhaft in Tschad oder Kamerun ansässig und damit so unabhängig, dass sie
hauptsächlich auf Informationen aus zweiter Hand angewiesen sind, die häufig
von den Regierungen oder den Ölfirmen kommen.
- Am Interesse für den Aufbau von
Umweltverwaltungskapazitäten mangelt es in beiden betroffenen Ländern. Sollte
sich dies ändern, wird zumindest nicht vor Fertigstellung der Pipeline eine
handlungsfähige Behördenabteilung in Kraft sein.
- Der Plan für die Indigenen wurde bereits 1999 verfasst,
wobei die betroffene Bevölkerung nicht wie festgelegt konsultiert wurde.
Interviews vom Februar/März 2001 belegen, dass sie nicht einmal wussten, dass
ein solcher Plan existiert.
- Der Beitrag zur Einkommensverbesserung in beiden Ländern
hält sich ebenfalls in Grenzen. Arbeiter, die beim Ölprojekt untergekommen
sind, werden nur kurz beschäftigt, häufig ohne Vertrag. Sie arbeiten z.T.
unterhalb des Minimumlohnes. In Kamerun hat das Projekt in diesem Jahr bereits
zu zahlreichen Streiks geführt, die teilweise gewaltsam von der Polizei
aufgelöst wurden. Auch die angekündigten indirekten Einnahmen sind nicht in
Sicht. Die wichtigen Verträge für den Pipelinebau sind ausnahmslos an
französische, deutsche und US-Firmen vergeben worden, die als ausländische
Unternehmen von den Steuern befreit sind.
Nach den Wahlen im Mai 2001 wurden im Tschad alle 6 Kandidaten
der Opposition verhaftet und für mehrere Stunden festgehalten. Einer von ihnen,
Ngarejy Yorongar, exponierter Kritiker des Ölprojektes, wurde von den anderen
getrennt, geschlagen und nur auf internationalen Druck freigelassen. Vielleicht
dreht sich der Traum des Idriss Deby auch nur um den möglichst langen
Machterhalt, währenddessen er maximal vom Öl profitieren kann, das manche ja bekanntlich
reich macht.
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Die Broschüre Broken Promises - Promesses Bafouées" wurde
von Samuel Nguiffo (Center for Environment and Development/FoE Cameroon) und
Susanne Breitkopf (urgewald) ausgearbeitet und von den Friends of the Earth
International veröffentlicht. Er gibt neben der Zustandsanalyse Empfehlungen
für Verbesserungen am Projekt und kann über die urgewald-Webseite
(www.urgewald.de) bezogen werden. Die Broschüre ist in englisch und französisch
verfasst.
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Regine Richter ist Mitarbeiterin von urgewald in Sassenberg,
Tel.: 02583/1031
Kontakte:
www.urgewald.de, www.regenwald.org
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schwerpunkt: Heft 4/2001
Öko-Knigge für den Weihnachtsbaumkauf
Weihnachtsbäume aus anerkannt ökologischen Betrieben bekommen Sie hier.
Rudolf Fenner, Hamburg
Es
geht schon wieder los. Der Tannenbaummord ... beginnt. So stieg vor zwei
Jahren die Hamburger Ausgabe der Tageszeitung in ihren Bericht über die
beginnende Weihnachtsbaumsaison ein. Doch der hier angeprangerte
Massentotschlag an Bäumen stillt ein ziemlich weit verbreitetes Bedürfnis. In
fast jeder bundesdeutschen Wohnung, in der Kinder heranwachsen oder mehr als
zwei Personen zusammenleben, gehört zum Christfest auch der Christbaum. Und
immerhin sogar jeder siebte Single tröstet sich mit flackernden Kerzen am
Jahresendbaum über die dunkelsten Tage des Jahres hinweg. Der Weihnachtsbaum
ist bei uns längst zu einem seelischen Grundnahrungsmitteln geworden. Wer beim
Kauf allerdings auf ökologische Qualitäten achten will, der hat es noch immer
schwer.
Immergrünes
wie Buchsbaum, Stechpalme, Mistel, Wacholder oder Tanne wurde wohl schon in
vorchristlichen Zeiten um die Wintersonnenwende herum als festlicher Schmuck in
die Häuser geholt vielleicht, um das hoffnungsvolle Warten auf ein Ende der
kahlen, grauen Jahreszeit zu erleichtern. Berichte von Christbäumen behängt
mit Gebäck, Geflügel, Wurst, Obst, Geschenken, Papierblumen und später auch mit
Wachslichtern - finden sich seit Anfang des 17. Jahrhunderts. Meist wurden
dafür allerdings winterkahle Obstbäume, Eichen oder Birken abgesägt und in die
warme Stube gestellt. Die breite Karriere der pieksigen Fichte gelungene
Mischung aus heidnischem Immergrün und christlichem Gabenbaum begann erst vor
etwa 200 Jahren.
Hauptschuld
an dieser einseitigen Fixierung auf den Tannebaum
trifft sicherlich die sich damals gerade herausbildende Forstwirtschaft, die
überall im Lande die Wälder nach Jahrhunderten der Übernutzung vornehmlich mit
den heute so vermaledeiten Fichtenpflanzungen rettete. Die bei den
Auslichtungen (Läuterungen) der heranwachsenden Fichtenkulturen
herausgeschlagenen Jungbäume wurden als Weihnachtsbäume zu einem höchst
willkommenen Nebenverdienst. Und da die Fichte sich nach und nach zum
Brotbaum der mitteleuropäischen Wald- und Holzwirtschaft entwickelte, fiel
immer ausreichend Jungwuchs für den Weihnachtsmarkt ab.
Bis
in die fünfziger Jahre stammten alle Weihnachtsbäume von drauß vom Walde. Das änderte sich, als die damals schon überproduzierende und
chronisch notleidende Landwirtschaft die Weihnachtsbaumplantage als profitable
Alternative entdeckte. Gleichzeitig ließ das Wirtschaftswunder die Ansprüche
steigen, und der auf den american-way-of-life
blickende Bundesbürger erkor die silbergrau changierende, allerdings noch
pieksigere Blaufichte aus den Rocky Mountains von Colorado zum neuen Wunschbaum
fürs Weihnachtsfest. Heute kommen mehr als 80 % aller Christbäume aus
Plantagen. Und exotische, softnadelige Tannenspezies aus Nordamerika oder der
Kaukasusregion haben die Blaufichte der Sixties längst als bundesdeutschen
Lieblingsbaum wieder verdrängt.
Mit
den Plantagen kam auch das Gift und der Dünger und damit die Belastung von
Böden sowie von Grund- und Oberflächengewässern. Breitband-Insektizide gegen
Rüsselkäfer und Sitkalaus, Herbizide gegen konkurrierendes Gewächs,
Mineraldünger für gleichmäßigen Wuchs und für eine intensive Grün- und
Blaufärbung der Nadeln. Auch die Gen-Technik hat dieses Marktsegment längst im
Visier und lässt demnächst ideal geformte, mit Schneeglöckchen-Genen auf
schädlingsresistent getrimmte Christbaum-Klone heranwachsen.
Es
geht natürlich auch anders. Es gibt sie wenn auch noch verschwindend gering -
die anerkannt ökologischen Weihnachtsbaumkulturen, die auf mineralische Düngung
und jeglichen Pestizideinsatz verzichten. Mischkulturen verhindern eine
Massenvermehrung von schadbringenden Insektenpopulationen. Shropshire-Schafe,
eine spezialisierte Rasse, der die Koniferentriebe überhaupt nicht schmecken,
halten störende Pflanzen kurz, ohne die Weihnachtsbäume anzuknabbern und zu
verstümmeln. Sie liefern darüber hinaus noch Lämmer, Käse, Koteletts und Wolle
und lassen damit diese Alternative sogar kostengünstiger werden als jeden
Herbizideinsatz! Auch Gänse und sogar Schweine sollen sich beim Kurzhalten der
wuchernden Gewächskonkurrenz bewährt haben.
Direkt
beim Förster werden immerhin noch rund fünfzehn Prozent aller Weihnachtsbäume
erstanden. Doch auch in dieser Branche liefern längst Weihnachtsbaumkulturen,
die am Waldrand, auf Freiflächen oder unter Stromleitungstrassen angelegt
wurden, die Hauptmasse für das lukrative Weihnachtsgeschäft. Auch bei
Neuaufforstungen von Landwirtschaftsflächen werden oft, selbst wenn dort
letztlich ein naturnaher Laubmischwald entstehen soll, zunächst überwiegend
marktgängige Christbaumarten gepflanzt, die dann erst nach und nach Platz
machen für den eigentlichen Wald. Und es gibt durchaus auch schon die
Forstbetriebe, die ihre Weihnachtsbäume vorher im Großhandel ordern. Die Zahl
der weihnachtstauglichen Bäume, die wirklich aus dem Wald stammen, wird auch
künftig weiter abnehmen. Denn immer mehr Waldbetriebe und das ist auch gut so
- nehmen Abschied von der naturfernen Fichtenwirtschaft und setzen auf eine
Baumartenmischung, wie sie auf den jeweiligen Waldstandorten von Natur aus
vorkommen würde. Und dabei handelt es sich fast ausnahmslos um Laubbäume.
Wer
nicht auf einen Weihnachtsbaum verzichten will, kann bei der Anschaffung einige
ökologische Rücksichtnahmen beachten.
Christlicher
Gabenbaum
Die
radikalste, völlig auf Plantagenbäume verzichtende Möglichkeit wäre die
Rückkehr zum christlichen Gabenbaum. Denn der bestand meist aus irgendeinem
Laubbaumgeäst. Und so was fällt jedes Jahr beim Auslichten und Zurückschneiden
im Garten an und wenn nicht im eigenen, dann vielleicht beim Nachbarn oder in
den öffentlichen Grünanlagen. Man muss nur die Augen offen halten und
rechtzeitig zugreifen, ehe es in den obligatorischen Schredder wandert. Man
braucht allerdings Phantasie, wie man die zugegebenermaßen zunächst etwas
kargen Äste in einen festlichen Christbaum verwandeln kann. Aber schon mit
natürlichem, eher klassischem Baumschmuck wie Zapfen von Fichten, Lärchen oder
Kiefern, leuchtend roten Hagebutten oder Berberitzenfrüchten, Walnüssen, Äpfeln
oder anderem Obst, vielleicht auch Strohsternen und Gebäck, dazu Geschenke, in
buntem Recyclingpapier verpackt - damit lässt sich schon Einiges erreichen. Und
mit ein paar zusätzlichen Ideen wird das schon ein schmucker Baum werden.
Öko-, Bio-, Agenda 21-Bäume
Wer
beim gewohnten Nadelbaum bleiben will, der sollte versuchen, ihn von solchen
Betrieben zu beziehen, die auf jeglichen Mineraldünger- und Pestizideinsatz
verzichten und dies auch durch regelmäßige externe Kontrollen überprüfen
lassen. In Deutschland gibt es nur zwei Gütezeichen, die diese Bedingungen
glaubwürdig bestätigen: Das Naturland-Zeichen und das Siegel des Forest
Stewardship Council (FSC). Aber es gibt drei unterschiedliche Varianten wie
diese Bäume zu ihrem Zertifikat kommen:
Da
gibt es zunächst den Bio-Weihnachtsbaum von Naturland. Er stammt ausschließlich
aus Weihnachtsbaumkulturen, an die die gleichen Produktionsrichtlinen angelegt
werden wie in der anerkannt ökologischen Landwirtschaft. Die Plantagen erfüllen
daher auch die EU-Bio-Verordnung. Die Bäume werden überwiegend über
Weiterverkäufer, z.B. Bio-Höfe, vertrieben, zum Teil aber auch über
Direktverkauf auf der Plantage oder auf den umliegenden Märkten.
Dann
gibt es den Öko-Weihnachtsbaum von Naturland. Diese Bäume stammen aus
ökologisch bewirtschaften Wäldern. Die Richtlinien dafür wurden von den
Öko-Verbänden Greenpeace, ROBIN WOOD und BUND zusammen mit Naturland
festgelegt. Diese Weihnachtsbäume gibt es nur direkt bei den jeweiligen Naturland-Waldbetrieben
zu kaufen.
Und
schließlich gibt es den FSC-Christbaum, den man auch als Agenda
21-Weihnachtsbaum bezeichnen könnte, weil die forstwirtschaftlichen Richtlinien
gemäß der Forderung der Agenda 21 von ökonomischen, ökologischen und sozialen
Interessengruppen in einem paritätischen Entscheidungsprozess ausgearbeitet
worden sind. Aus rein ökologischem Blickwinkel sind die Richtlinien
entsprechend weniger strikt als die von Naturland, gleichwohl im Verbot von
Düngung und Pestizideinsatz unterscheiden sie sich nicht. FSC-Weihnachtsbäume
können allerdings sowohl aus dem Wald, als auch aus im Wald angelegten Kulturen
stammen. Christbaumplantagen dürfen nach FSC-Reglement bis zu fünf Prozent des
Forstbetriebes ausmachen.
Wenn
sich partout kein Baum mit glaubwürdigem Zertifikat auftreiben läßt, dann
sollten Sie sich nach Direktverkaufsangeboten von nahegelegenen Forst- oder
Plantagenbetrieben umsehen. Noch besser wäre es, wenn Sie dort den Baum sogar
noch selbst schlagen dürfen. Nur so läßt sich vermeiden, ungewollt einen
weitgereisten, und damit ökologisch höchst fragwürdigen Baum aus Skandinavien,
Osteuropa oder Irland nach Hause zu tragen. Und nur so hat man die Chance, den
Betrieb auch mal zu anderen Jahreszeiten beispielsweise während eines
Spazierganges aufzusuchen und zu kucken, wie man es denn dort so mit Gift und
Dünger hält.
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Übrigens:
Wer
glaubt, es sei ökologisch besonders verantwortungsvoll, statt eines
geschlagenen Weihnachtsbaums einen mit Wurzeln und Topf zu erstehen, der irrt
gewaltig. Der größte Teil dieser Bäume überlebt das Weihnachtsfest nur wenige
Wochen oder Monate. Das hat mehrere Gründe:
- Die Zimmerwärme unterbricht die Winterruhe des Baumes und stimmt ihn auf
Frühling ein.
- Die schlummernden Zweigknospen beginnen sich auf den Austrieb
vorzubereiten. Ein solch irregeleiter Baum erfriert sehr leicht, wenn er nach
dem Fest in die Winterkälte zurückgebracht wird.
- Die trockene Zimmerluft läßt den Baum schneller vertrocknen als man denkt, da
man dem Baum den Wassermangel nicht ansieht. Selbst ein trockener Baum sieht
zunächst ja noch recht vital aus.
- Die Wurzeln werden für den Topf passend gemacht mit anderen Worten: die
Wurzeln sind oft stark verstümmelt worden.
Allein wer seinen getopften Christbaum pro Tag nur für
kurze Zeit in die möglichst kühl gehaltene Feststube holt, wer das regelmäßige
Gießen nicht vergisst, wer den Baum nach dem Fest an einem kalten, aber
frostfreien Platz (z. B. Garage) zurück in den Winterschlaf gleiten läßt und
wer einen geeigneten Standort hat, wo der Baum zurück in die Erde gebracht
werden kann, der hat eventuell Glück, dass der Baum auch noch das nächste
Weihnachtsfest erlebt. Ansonsten ist es schlicht schade um die gute Erde in dem
Topf, die dem Wald oder der Kulturfläche verloren geht.
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Rudolf Fenner hat sich erst durch die Anschaffung eines
eigenen Weihnachtsbaums den alljährlich fälligen Anfragen erfolgreich entziehen
können, unter welchen Christbaum dem elterlichen oder dem
schwiegerelterlichen er den Heiligabend zu verbringen gedenke. Im letzten
Jahr schmückte daher die zu groß gewordenen Koreatanne aus dem Vorgarten das
Wohnzimmer. Ob in diesem Jahr die Wahl auf einen der wuchernden Holunder im
Hinterhof oder auf einen aus den Hamburger Wälder stammenden FSC-Tannenbaum
fällt, stand bis zum Redaktionsschluss noch nicht fest. Kontakt wald@robinwood.de
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tropenwald: Heft 4/2001
Java-Teak verliert FSC-Siegel
Peter Gerhardt, Hamburg
Es
muss schon einen besonderen Grund haben, wenn der FSC-Zertifizierer Smartwood
Umweltverbände und die wichtigsten europäischen Gartenmöbelhersteller nach
Frankfurt einlädt. Und so füllte sich am 11. Juli 2001 der kleine
Dachgeschossraum bald mit erwartungsvoller Spannung. Da die Veranstaltung unter
dem Arbeitstitel Teak meeting in Germany angekündigt war, herrschte
wenigstens Gewissheit, dass es etwas mit den Teakplantagen der
Forstgesellschaft PT Perhutani auf Java zu tun haben musste, die Smartwood vor
drei Jahren selbst zertifiziert hat.
Informationen
und Gerüchte gab es schon seit einiger Zeit, dass die Prinzipien und Kriterien
des FSC auf Java nicht mehr vollständig eingehalten würden. Was aber dann Jeff
Hayward, der smarte Asienmanager des Zertifizieres, mit fast gleichgültiger
Miene aus seinem Laptop an die Wand projizierte, übertraf jede Erwartung. Der
illegale Holzeinschlag war in den FSC-zertifizierten Teakplantagen vollkommen
außer Kontrolle geraten: Bei seinen letzten Kontrollen hatte Smartwood
feststellen müssen, dass in einigen Forstdistrikten bis zu sieben mal! soviel
Teakholz eingeschlagen wurde, wie die Managementpläne erlauben.
Unter
solchen Umständen ist an nachhaltige Plantagenwirtschaft natürlich nicht mehr
zu denken. Indiz dafür ist auch, dass die geernteten Stammdurchmesser in den
letzten Jahren kontinuierlich kleiner wurden. Sollte der illegale Holzschwund
mit unverminderter Geschwindigkeit weitergehen, dann wären die Teakplantagen
auf Java bald erschöpft. Neben sozialen Problemen wog besonders schwer, dass PT
Perhutani sich weigerte, Informationen mit dem FSC-Zertifizierer auszutauschen;
eine grundlegende Vorraussetzung für jede Art von Zertifizierung.
Dass
die Teakplantagen unter solchen Umständen ihr FSC-Zertifikat verlieren müssen,
schien einige Gartenmöbelhersteller wenig zu beeindrucken. We already printed
our catalogues for the next season (Wir haben schon unsere Kataloge für die
nächste Saison gedruckt), entfuhr es einem älteren Herrn mit holländischem
Akzent. Dabei sah er sichtlich bedrückt aus.
Sein Mitgefühl schien aber
ausschließlich seinen eigenen Umsätzen zu gelten, denn er bestand darauf, dass
die Zertifikate trotz der skandalösen Zustände, schon alleine der gedruckten
Kataloge wegen, verlängert werden sollten. Auch andere Händler forderten von
Smartwood, die FSC-Regeln in diesem Falle großzügig auszulegen, damit
Teakgartenmöbel weiter das begehrte Gütesiegel tragen können und es keine
enttäuschten Kundenwünsche gibt.
Aus Sicht von ROBIN WOOD ist so ein Verhalten nicht zu
akzeptieren. Es wird deshalb höchste Zeit, dass bei Herstellern und Handel die
Erkenntnis heranreift, dass der FSC nicht eine Dienstleistungsveranstaltung der
Umweltverbände ist, bei der die Zertifizierungsstandards je nach Marktlage
aufgeweicht werden können. Nur mit dem Engagement aller Akteure lässt sich
dieses Zertifizierungssystem letztendlich zum Erfolg führen. Am Ende der
Besprechung verkündete Smartwood, dass bald über die Teakzertifikate
entschieden würde.
Gut
einen Monat später folgte die einzig mögliche Entscheidung: Smartwood entzog
zum 20. Oktober 2001 allen auf Java zertifizierten Teakplantagen das
FSC-Siegel. Ein richtiger Schritt, der zur Glaubwürdigkeit des FSC beiträgt.
Daraus folgt, dass es schon im nächsten Jahr zu Versorgungsengpässen von
FSC-zertifizierten Teakgartenmöbeln kommen wird. Produkte aus Teakholz
sind ab sofort generell nicht mehr empfehlenswert.
Auf
Europas größter Gartenmöbelmesse, der Spoga in Köln, war denn auch von der
Aufbruchsstimmung in Sachen Zertifizierung der letzten Jahre wenig zu spüren.
In der Vergangenheit glaubte die Branche noch, endlich das negative Image das
Tropenholzprodukten immer noch anhaftet - mit einem FSC-Siegel loswerden zu
können. Jetzt ginge es nur noch darum, schnell genug möglichst viele
Waldflächen zu zertifizieren, damit auf allen Tropenholz-Gartenstühlen bald ein
FSC-Siegel kleben würde, so der damalige Trugschluss. Ernüchterung ist übrig
geblieben und die Erkenntnis, dass es noch erheblicher Anstrengungen bedarf,
damit verantwortungsvoll mit den tropischen Wäldern umgegangen wird. Der FSC
kann hierzu allenfalls einen bescheidenen Beitrag leisten.
Bleibt
zu hoffen, dass sich bei PT Perhutani die Einsicht durchsetzt, dass die
javanischen Teakplantagen auf Dauer nicht gegen die Interessen der lokalen
Bevölkerung betrieben werden können. Falls es zu keinem gerechten Ausgleich
kommt mit einer Lösung, welche die traditionellen Landrechte der Bevölkerung
höher stellt, als die aus der Kolonialzeit stammenden Bodenansprüche von PT
Perhutani werden weitere Konflikte nicht lange auf sich warten lassen.
Die
Solidarität von ROBIN WOOD gehört weiterhin den Menschen, die in diesem
krisengeschüttelten Inselreich, mit ungewisser Zukunft, irgendwie zurecht
kommen müssen. Die natürlichen Ressourcen Indonesiens stehen unter Druck, denn
trotz hoffnungsvoller politischer Reformen, sind die Wirtschaftsstrukturen, die
zur weitgehenden Zerstörung der Wälder beigetragen haben, dieselben geblieben.
Peter Gerhardt ist Tropenwald-Referent von ROBIN WOOD und in der Pressestelle in Hamburg telefonisch unter 040/3909556 tropenwald@robinwood.de
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perspektiven: Heft 4/2001
Grüne Berufe: Ölmüller und Landwirt
Christiane Weitzel, Schwedt
Frank Engelking hält auf seinem Hof im Landkreis Nienburg nicht nur Schweine.
Bei ihm kann man auch tanken und zwar kaltgepresstes Rapsöl aus der eigenen
Mühle.
Bis Anfang der 90er Jahre
führte Frank Engelking auf 160 Hektar einen ganz normalen
Landwirtschaftsbetrieb. Er baute Getreide an, das er bis auf einen kleinen Teil
für die Saatgutvermehrung, an seine Schweine verfütterte. Dann begann er auf
einem Viertel seiner Fläche Raps anzubauen und zu Öl zu verarbeiten.
Mittlerweile kauft er den Raps der Landwirte in der Umgebung und produziert
jährlich 5000 Tonnen kaltgepresstes Rapsöl.
Den Rapskuchen, der bei der
Kaltpressung als Rückstand anfällt, nutzt der Landwirt ebenfalls. Einen kleinen
Teil verfüttert er an seine eigenen Schweine, den größeren Teil verkauft er als
Viehfutter an umliegende Betriebe oder an kleinere Mischfutterwerke in der
Region.
Vom Landwirt zum Energiewirt
Obwohl Engelking mit der
Ölmühle durchaus einträgliche Geschäfte macht, bleibt er eingefleischter
Landwirt und will den ursprünglichen Landwirtschaftsbetrieb nicht aufgegeben.
Dass jeder Landwirt sich als Energiewirt ein zweites Standbein schafft, hält er
für unwahrscheinlich. Den Raps einzukaufen und die einzelnen Bestandteile
wieder zu verkaufen, erfordert viel kaufmännisches Geschick und Zeit, die nicht
jeder Landwirt aufbringen möchte. Dazu muss man schon Lust haben, ist für
Engelking eine Grundbedingung für den Beruf des Ölmüllers.
Insgesamt 700 Kunden
beliefert er mit Treibstoff, Futteröl und Rapskuchen. Wer direkt in der
Umgebung wohnt, kommt selbst zum Tanken. Das Gros seiner 700 Kunden beliefert
er mit dem Pflanzenöl-Tanklaster, die sich zu Hause ihre Tanks füllen lassen.
Ab 200 Liter kommt der Treibstoff frei Haus. Pflanzenöl-Treibstoff könnte man
auch in der Badewanne lagern und den Salat damit anmachen, so umweltverträglich
ist er, preist Enkelking sein Naturprodukt an.
Zweifellos ein großes Plus des
Öko-Treibstoffs, für dessen Herstellung keine Lösungsmitteln oder Chemikalien
erforderlich sind. Wenn mal eine Leitung undicht sein sollte, verseuchen
Pflanzenöle nicht den Boden und das Wasser. Es besteht keine Explosionsgefahr
und bei der Produktion fallen keine Abwässer an.
Seine Berufskollegen gehören
nicht zu seiner Kundschaft. Die Steuerrückvergütung von 37 Pf pro Liter hat
das Tanken von Diesel für die Landwirte wieder ausgesprochen lukrativ gemacht,
bedauert Engelking.
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Öl vom Acker
Ein Hektar Land bringt bei
nicht intensiver Düngung einen Rapsertrag von 3000 kg pro Jahr. Das ergibt 1000
kg Öl und 2000 kg Rapsschrot. Eine Milchkuh benötigt pro Tag ca. 2,5 kg und ein
Mastschwein 0,2 kg Rapsschrot. 1000 kg Rapsöl entsprechen 1100 Liter. Bei einem
angenommenen Verbrauch von 8 Litern/100 km ermöglicht 1 Hektar Land jährlich
rund 14.000 Kilometer Autofahrt.
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Tanken im
Supermarkt
Bundesweit kann an ca. 80
Pflanzenöl-Tankstellen getankt werden, ein flächendeckendes Netz existiert aber
noch nicht. Bei Bedarf kann Speiseöl aus jedem Lebensmittelgeschäft getankt
werden, wobei allerdings eine Menge Abfall in Form von 1-Liter-Plastikbehältern
anfällt, gibt Engelking zu Bedenken. Ist wirklich mal kein Pflanzenöl zu bekommen, können die auf Öko-Treibstoff
umgerüsteten Fahrzeuge auch mit ganz normalen Diesel fahren.
Ein Dieselfahrzeug auf
Pflanzenöl umzurüsten, kostet ungefähr 5000 DM. Viele KundInnen von Landwirt
Engelking sparen sich den Umbau und fahren mit einer Mischung aus Diesel und
Pflanzenöl. Auch einige große Speditionen tanken 30 bis 40 Prozent
kaltgepresstes Rapsöl dazu. Meist nicht aus ökologischen Gründen, sondern weil
eine Mischung kostengünstiger ist, als reinen Diesel in den Tank zu füllen.
Ab einer Menge von 20.000
Litern, die viele Speditionen wöchentlich abnehmen, gibt es auch schon mal
Mengenrabatt. Allerdings darf dann die Transportstrecke nicht 200 Kilometer
weit sein. Engelking legt Wert darauf, die Lieferungen auf 30 bis 40 Kilometer
im Umkreis zu beschränken und nur in Ausnahmefällen entfernte Abnehmer zu
beliefern.
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Reinste Sonnen-Energieträger
Nicht nur Raps liefert Öl. In
Deutschland können auch andere Ölpflanzen extensiv angebaut werden wie z.B.
Sonnenblume, Ölrauke, Ölrettich, Ackersenf, Rübsen, Leindotter, Öllein und
Hanf. Kaltgepresste Pflanzenöle sind vielseitig einsetzbar als Dieseltreibstoff
für Pkw, Klein-Lkw und Lokomotiven, als Heizöl für Blockheizkraftwerke, als
Schal- und Trennmittelöle, Verlustschmieröle, z.B. Sägekettenöl, als
Holzschutzmittel und als flammenhemmende Mittel.
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Die Ökobilanz ist für Engelking
unumstritten positiv. So verringert die
dezentrale Produktion in kleineren Ölmühlen die Transportkilometer des
Treibstoffs. Es gibt nicht viele Dinge auf der Welt, die ökologisch sind und
mit denen man gleichzeitig Geld sparen kann, hält Bauer Engelking dafür.
Ein Ökosiegel trägt der Raps von Engelking nicht. Die
Kunden wären nur im Speiseölbereich bereit, höhere Preise zu zahlen. Den Raps
nach ökologischen Kriterien anzubauen würde beim Treibstoff nicht honoriert und
so wären die Bauern, die ihm Raps liefern, nicht bereit, auf Ökoanbau
umzusteigen. Dass die Landwirte Unmengen von Pestiziden auf die Rapsfelder
ausbrächten, hält Engelking sowieso für ein Gerücht, da intensives Düngen und
Spritzen mit viel zu hohen Kosten verbunden wäre. Außerdem lägen die
empfohlenen Pestizidmengen für Raps selbst im konventionellen Bereich deutlich
unter denen, die zum Beispiel beim Getreideanbau ausgebracht würden.
In seinem Betrieb achtet er auf
ökologische Vorgaben und setzt nur die Mittel ein, die unbedingt nötig sind,
wie im Herbst zwei Spritzungen gegen Unkraut und Pilze. Außerdem erfordert der
Anbau von Raps, im Gegensatz beispielsweise zu Mais, einen regelmäßigen
Fruchtwechsel. Erst nach vier Jahren kann auf derselben Fläche wieder Raps
angebaut werden. Der ökologische Vorteil des Öko-Treibstoffs wird durch den
konventionellen Anbau auf keinen Fall
wieder aufgehoben, ist sich Landwirt Engelking sicher.
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Rapsöl statt Diesel!
Kaltgepresste Pflanzenöle
werden häufig mit Biodiesel verwechselt. Biodiesel (Rapsmethylester) wird
zentral in Großanlagen aus Pflanzenöl durch mehrstufige chemische Veränderungen
industriell hergestellt. Zusätzlich wird Energie eingesetzt, damit ein bei der
chemischen Industrie beliebtes Nebenprodukt, das Glyzerin, anfällt. Die
Vorteile kaltgepresster Öle wie z.B. die dezentrale Produktion in kleinen
Ölmühlen fallen unter den Tisch. Biodiesel ist nicht genießbar, chemisch
aggressiv und leicht entzündbar.
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Ob in Zukunft noch mehr
Menschen auf den Öko-Treibstoff umsteigen, hängt nach Engelkings Meinung einzig
und allein vom Dieselpreis ab. So traurig es ist, die meisten Menschen
entscheiden sich für Pflanzenöl nicht aus ökologischen Gesichtspunkten, sondern
um Geld zu sparen, macht sich Engelking keine Illusionen. Kaltgepresste Pflanzenöle
werden seiner Meinung nach ein Nischenprodukt bleiben, wenn auch ein wichtiges.
Selbst wenn 25 % der bundesdeutschen Ackerfläche mit Raps angebaut würden,
könnte nicht der heutige Bedarf an Diesel ersetzt werden. Allerdings würde
durch jeden eingesparten Liter Diesel auch Kohlendioxid eingespart mit allen
positiven Auswirkungen für das Klima.
Kontakt:
Ölsaatenverarbeitung
F. Engelking, Glissen 8, 31604 Raddestorf, Tel.: 05765/301
Die Angaben in den Kästen
sind dem Solarbrief 5/00 des Solarenergie-Fördervereins, Aachen, entnommen,
Tel.: 0241/511616, E-Mail: zentrale@sfv.de
Mehr Infos unter www.sfv.de und www.rerorust.de
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