Artikel-Auswahl
ROBIN WOOD-Magazin 3/2001
- Mahlzeit! Was uns heute aufgetischt wird
- Das Öl der Zerstörung
- Tropenholzlos: Schwedt baut künftig ohne Tropenholz
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titel: Heft 3/2001
Mahlzeit! Was uns heute aufgetischt wird
Christiane Weitzel, Schwedt
Gehören Sie auch zu den BundesbürgerInnen, die spätestens
seit dem Ausbruch der MKS auf den Verzehr von Rindfleisch verzichten? Immerhin
ist der Rindfleischmarkt bundesweit um 40 Prozent eingebrochen. Auch sonst sind
Sie verunsichert, was Sie noch essen können und wollen?
Denen, die noch nicht ganz zu Vegetariern geworden sind,
werden neuerdings exotische Angebote gemacht: Krokodilschwänze, Straußensteaks
und Klapperschlangensuppe sollen wir nun probieren. Auch die Nachfrage nach
Pferdefleisch, in anderen europäischen Ländern sowieso schon eine beliebte
Speise, hat stark angezogen. Sehen so die Nahrungsalternativen der Zukunft aus?
Auch der Druck auf Fisch hat sich verstärkt, seitdem zugegeben wurde, dass Kühe
in Deutschland wahnsinnig sind und Schweine mit Medikamenten ungenießbar
gemacht wurden. Dabei sind die Meere längst überfischt und das, was noch ins
Netz geht, wird aus verschmutztem Wasser gezogen.
Dass uns Rind- und Schweinefleisch nicht mehr schmeckt, hat vor
allem für unser Federvieh unangenehme Folgen. Aufgrund gestiegener Nachfrage
boomt die Massentierhaltung bei Pute, Hähnchen oder Ente in Deutschland. Allein
im Januar kauften die Verbraucher 50% mehr Geflügel. Die Behörden werden von
einer wahren Flut an Bauanträgen für Geflügelmasthallen überschwemmt, so
Volkhard Wille, Agrarexperte des Naturschutzbundes.
Reinheitsgebot für Tiere
Die neue bündnisgrüne Ministerin für Verbraucherschutz,
Renate Künast, rät zu Klasse statt Masse. Wir brauchen ein Reinheitsgebot im
Umgang mit Tieren, die wir verzehren. Kälber trinken Milch, Kühe brauchen
Wasser, Rüben, Gras und Getreide, sonst nichts, forderte sie vor den
Bundestagsabgeordneten, die diese starken Worte mit Beifall bedachten. Der
Öko-Landbau soll unter ihrer Regie von bundesweit mageren 2,4 % auf 20 % der
landwirtschaftlichen Fläche angeschoben werden. Etwas mehr Geld aus dem
Bundesetat hat ihr der Finanzminister auch in Aussicht gestellt, allerdings
handelt es sich dabei eher um den Tropfen auf den heißen Stein. Mit dem
Löwenanteil ihres Budgets muss die Ministerin die konventionelle Landwirtschaft
subventionieren und für die Folgen von BSE, Schweinepest, MKS und anderen
Katastrophen unserer industrialisierten Landwirtschaft aufkommen.
Die Agrarwende will die grüne Ministerin schaffen, indem sie
ein Qualitätssiegel auch für konventionelle Produkte einführt. Zur neuen
Qualität sollen dann der Verzicht auf Antibiotika (Schweinedoping), die
Beschränkung auf Futtermittel ohne Tiermehl und ohne Gentechnik sowie eine
artgerechte Tierhaltung gehören. Dafür braucht sie allerdings noch jede Menge
Rückenwind, denn die Bauernlobby, die angesichts der Katastrophen bei Rind- und
Schweinezucht anfangs ganz bescheiden wurde und sich zu einer echten Wende in
der Landwirtschaft bekannte, ist mittlerweile wieder umgeschwenkt und fordert
wie gehabt langjährige Bestandsgarantien und Subventionen für ihre
Agrarfabriken.
Politik mit dem Einkaufskorb
Auch das Gedächtnis der VerbraucherInnen scheint kurz und um
die eigene Gesundheit wenig besorgt. Der Rindfleischmarkt hat sich mittlerweile
in Deutschland wieder um 20 Prozent erholt. Thomas Pietsch von der
Tierschutzorganisation Vier Pfoten rechnet vor, dass bei unserem derzeitigen
Fleischkonsum eine artgerechte Haltung von Nutztieren die Nachfrage nicht
befriedigen kann. Er plädiert deshalb dafür, öfter mal auf Fleisch zu
verzichten, was nebenbei auch der eigenen Gesundheit nutzt. Auch die Politiker
setzen offensichtlich auf die Macht der VerbraucherInnen. So wünscht sich Matthias
Berninger, Staatssekretär im Verbraucherministerium, dass die KundInnen nicht
wie bisher nur auf den Preis schauen, sondern in Zukunft verstärkt die Qualität
und damit den Wert eines Produktes würdigen sollten.
Damit allerdings in Zukunft VerbraucherInnen mit nicht so
einem dicken Geldbeutel in den Genuss von gesunden Lebensmitteln kommen, dürfen
ökologisch produzierte Lebensmittel kein teures Nischenprodukt bleiben, sondern
müssen durch ein breites Angebot auch erschwinglich werden.
Die Konzepte für eine wirkliche Agrarwende liegen längst auf
dem Tisch. Deshalb wünschen wir uns als VerbraucherInnen Politiker mit
Rückgrat, die diese Wende auch gegen eine rückwärts gewandte Agrarlobby, die
weiter Massentierhaltung propagiert und dabei mit unserer Gesundheit spielt,
durchsetzt. Im Titel vom ROBIN WOOD-Magazin Nr 70 erfahren Sie, warum
Exotisches wie Straußfleisch nicht auf ihrem Speisezettel stehen sollte und Sie
auch Pute und Fisch am besten nur aus Öko-Betrieben beziehen sollten. Wenn
schon Fleisch, dann das von Kühen, Schweinen und Geflügel aus der Region,
artgerecht gehalten und am besten vom Öko-Metzger - das sind für unsere Breiten
angemessene Nahrungsmittel.
Christiane Weitzel vom ROBIN WOOD-Magazin (Tel.:
03332/252010) isst nur noch selten Fleisch und wenn, dann von Kühen aus der
Region, magazin@robinwood.de
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schwerpunkt: Heft 3/2001
Das Öl der Zerstörung
Peter Gerhardt, Hamburg
Die Beziehung zwischen einem Gartenstuhl aus Teakholz und der
Waldvernichtung in den Tropen erscheint einleuchtend. Das aber ein
Schweineschnitzel oder eine Tüte Kartoffelchips genauso zur Zerstörung der Regenwälder
beitragen können, wissen die wenigsten. Noch immer stellt der kommerzielle
Holzeinschlag weltweit die größte Bedrohung für die Wälder der Tropen dar.
Darüber hinaus gibt es aber eine Vielzahl weiterer Ursachen für die Zerstörung,
die regional begrenzt sogar von größerer Bedeutung sein können.
Vom Süden des Amazonasbeckens frisst sich z. B. der Sojagürtel in den
Regenwald hinein und in Südostasien breiten sich vor allem die
Ölpalmenplantagen auf Kosten der noch vorhandenen Wälder aus.
Der Ölpalmenboom
Kaum eine Kulturpflanze der tropischen Regionen konnte in
den letzten beiden Jahrzehnten derart expandieren, wie die aus Äquatorialafrika
stammende Ölpalme (Elaeis guineensis). Durch erfolgreiche Züchtungen liegt die
Ölpalme bei der Ölausbeute pro Fläche unter den Fett liefernden Pflanzen
mittlerweile konkurrenzlos vorn. Deshalb wird diese Pflanze für die Versorgung
der wachsenden Weltbevölkerung eine wichtige Rolle spielen. Die Ölpalme wächst
ausschließlich im tropischen Tiefland und steht damit in direkter Konkurrenz
zum immergrünen Regenwald.
Investitionen in die Plantagenwirtschaft mit Ölpalmen
amortisieren sich in relativ kurzer Zeit nach drei Jahren kann die erste
Ernte eingebracht werden und schon nach wenigen weiteren Jahren ist die Gewinnzone
erreicht. Damit verglichen sind Investitionen in die nachhaltige
Bewirtschaftung von Naturwald eine sehr langfristige Angelegenheit, wenn man
bedenkt, dass zwischen zwei Einschlägen manchmal jahrzehntelange
Regenerationszeiten liegen müssen.
Die Folgen für
die Menschen vor Ort
Wer hat nicht noch die Bilder der großen Brandkatastrophe
von 1997/98 in Indonesien vor Augen? Menschen mit Atemschutzmasken oder mit
einem feuchten Lappen vor dem Mund versuchten sich vor dem allgegenwärtigen
Rauch zu schützen. Die Menschen litten an Atemnot, der Flugverkehr brach
zusammen.
Nachdem das Medieninteresse nachgelassen hatte und die
akuten Feuer vorüber waren, ging die Weltöffentlichkeit schnell wieder zur
Tagesordnung über. Dabei ist fast untergegangen, dass in erster Linie
Palmölkonzerne für die Brände verantwortlich waren. Das gestand selbst die
damalige indonesische Regierung ein.
Die Zerstörung tropischer Lebensräume durch neue Ölpalmenplantagen schreitet weiter
voran. Das hat wieder Feuer, Entwaldung, und ungesetzliche Landokkupationen zur
Folge. Die damit verbundenen sozialen Konflikte halten das Land in Atem.
Außerdem sorgen die Emissionen der zahlreichen Ölmühlen und die auf den
Plantagen eingesetzten Argochemikalien für hohe Umweltbelastungen.
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Zum Beispiel Indonesien.
Während es in Malaysia kaum noch große Naturwaldflächen
gibt, die für Agrarplantagen gerodet werden könnten, setzen die Palmölkonzerne
in Indonesien weiter auf Wachstum. In keiner anderen Region dieser Erde nimmt
die Anbaufläche in vergleichbarer Geschwindigkeit zu. Während diese 1985 erst
600 000 ha betrug, waren es 1999 schon 3 Mio. ha. Und die Palmölindustrie hat
Anträge für weitere 20 Mio. ha Anbaufläche gestellt - eine Fläche, so groß wie
die verbliebenen Wälder Indonesiens.
Weil in Indonesien Land und Arbeitskräfte
billig sind und ein korrupter Machtapparat den illegalen Machenschaften der
Palmölkonzerne tatenlos zuschaut, kann Indonesien sein Palmöl günstiger
anbieten, als die malaysische Konkurrenz. In absehbarer Zukunft wird Indonesien
zum größten Palmölproduzenten der Welt aufgestiegen sein. Deutschland ist nach
den Niederlanden der zweitwichtigste Importeur von indonesischem Palmöl in der
EU.
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Palmöl auf dem
Weltmarkt
Ein großer Teil des Palmöls wird nicht auf den heimischen
Märkten konsumiert, sondern wandert in den Export. Auf dem Weltmarkt werden
drei unterschiedliche Ölpalmenprodukte gehandelt: Palmrohöl (Crude Palmoil,
CPO, aus gepressten reifen Früchten) Palmkernöl (Palmkerneloil) und
Palmkernschrot (Palmkernelmeal). Die Öle müssen vor der Verwendung raffiniert
werden. Früher fand diese Aufbereitung fast ausschließlich in den
Industrieländern statt. Heute haben die Anbauländer nachgezogen und verarbeiten
Palmöl auch im eigenen Land.
Palmöl steckt in
vielen Produkten
Palmöl ist in vielen Dingen des täglichen Gebrauchs enthalten.
Als Kochöl bei uns fast bedeutungslos, sind die verschiedenen Handelsprodukte
der Ölpalme vor allem Rohstoffe für die weiterverarbeitende Industrie. Der
größte Teil wird in der Lebensmittelproduktion verwendet. Das Spektrum reicht
von Fertigsuppen und Backwaren bis zu Schokolade und Eiscreme. Bei vielen
Produkten wie z.B. Margarine kann Palmöl durch andere Fette wie Soja- oder
Rapsöl ersetzt werden. Die Zusammensetzung ändert sich je nach Marktlage.
In der Wasch- und Kosmetikindustrie dient Palmöl vor allem
zur Herstellung waschaktiver Substanzen (Tenside). Diese sind in fast allen
Waschpulvern und Reinigungsmitteln enthalten. Aber auch für Kosmetika wird
Palmöl verwendet.Farben und Lacke
können ebenfalls Palmöl sowie Palmkernöl enthalten. Außerdem wird es für
Schmierstoffe und Fette sowie für Kerzen eingesetzt. Palmkernschrot findet fast ausschließlich in der
Tierfutterindustrie Verwendung. Darüber hinaus wird auch Palmkernöl für
Spezialanwendungen wie Milchaustauscher von der Tierfutterindustrie benötigt.
Das sagt die
Industrie
Viele Firmen, die Palmöl verwenden, erhielten in den letzten
Monaten Post von ROBIN WOOD. Die Unternehmen wurden aufgefordert, zur aktuellen
Situation der Palmölgewinnung Stellung zu beziehen. Die Mehrzahl war mit den
negativen Folgen des Ölpalmenbooms in Südostasien durchaus vertraut und wies
gleichzeitig jede Verantwortung von sich. Typisch dafür war das Schreiben von
Procter&Gamble (Ariel, Lenor, Meister Proper): Wir möchten Ihnen
mitteilen, dass alle unsere Rohmaterialien, dazu gehört auch Palmöl, generell
unter der Beachtung sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte ausgewählt
werden. Na dann ist doch alles klar, oder? Bei Henkel sind einfach die anderen
Schuld. Der Anbau von Ölpalmen ist nicht Ursache für die Zerstörung der
Regenwaldes. (...) Für die Zerstörung des Regenwaldes in Indonesien ist in
erster Linie die Holznutzung als billige Einkommensquelle verantwortlich zu
machen. Da wird der Schwarze Peter einfach weiter gereicht.
Konsequent verantwortlich verhalten sich nach eigen Angaben
nur die Biohersteller. Sie verwenden Rohstoffe aus sozial und ökologisch
akzeptablen Quellen.
Das fordert
ROBIN WOOD
Der hemmungslosen Expansion von Ölpalmen-Plantagen in Südostasien
vor allem in Indonesien - dürfen keine weiteren Waldgebiete mehr geopfert
werden. Neue Investitionen, und damit auch die Kreditvergabe europäischer
Geschäftsbanken, sollten eine ökologische und soziale Wende dieses
Wirtschaftszweiges begünstigen. Dabei ist eine Partizipation der Bevölkerung
vor Ort unbedingt notwendig. Gefordert sind auch Industrie und Handel, die mit
Ihrer Nachfragemacht akzeptable Mindeststandards durchsetzen könnten.
Die
VerbraucherInnen entscheiden mit
Als VerbraucherIn können Sie mit Ihrem Konsumverhalten dazu
beitragen, das die tropischen Lebensräume nicht weiter zerstört werden:
Produkte, die Palmöl enthalten können, sollten Sie meiden. Lediglich von einem
anerkannten Bioanbauverband zertifiziertes Palmöl ist akzeptabel. Dies zu
befolgen, ist sicher nicht immer ganz einfach, denn die Deklaration der meisten
Produkte reicht dazu einfach nicht aus.
Grundsätzlich können Sie aber folgende Tipps beherzigen:
- Kaufen Sie biologisch erzeugte Lebensmittel.
- Verwenden Sie nach Möglichkeit Reinigungsmittel, die
auf Seifenbasis hergestellt worden sind und vermeiden Sie unnötige Waschgänge.
- Fragen Sie auch bei Kosmetika, ob darin Palmöl
enthalten ist. Es gibt Hersteller, die auf den Einsatz von Palmölen verzichten.
Fragen Sie bei Ihrer Bank nach, ob diese die Palmölindustrie
mit neuen Krediten füttert. Lassen Sie sich nicht mit allgemeinem
Umweltstatements abspeisen und wechseln Sie - falls notwendig - Ihr
Geldinstitut. Und behalten Sie Ihre Entscheidung nicht für sich, sondern sagen Sie
es den betreffenden Unternehmen oder den politisch Verantwortlichen.
ROBIN WOOD wird dieses Thema in Zukunft verstärkt
bearbeiten. Wir freuen uns über Ihre Mitarbeit. Falls Sie ein bestimmtes
Unternehmen um Auskunft bitten möchten, senden wir Ihnen gerne einen
Musterbrief zu oder geben Ihnen weitere Unterstützung. Wir beantworten Ihre
Fragen jederzeit gerne.
Peter Gerhardt ist Tropenwaldreferent und in der ROBIN WOOD-Pressestelle telefonisch unter 040/3909556 zu erreichen oder per E-Mail unter tropenwald@robinwood.de zu erreichen
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schwerpunkt: Heft 3/2001
Tropenholzlos: Schwedt baut künftig ohne Tropenholz
Peter Gerhardt, Hamburg
Steter Tropfen höhlt den Stein. Besser kann das Engagement
von ROBIN WOOD in Schwedt/Oder kaum beschrieben werden. Endlich haben die
Verantwortlichen in Schwedt Tropenholz aus Raubau aus ihrer Stadt verbannt.
Wir erinnern uns: Gleich zweimal hatte ROBIN WOOD mit
öffentlichen Protestaktionen auf den Bau einer Brücke aus Bongossi-Holz in
Schwedt aufmerksam gemacht. Unter anderem auch, als der Bürgermeister zur
Brückenweihe mit Glühwein geladen hatten. Ob daraufhin das winterliche
Heißgetränk der Schwedter Politik-Prominenz noch geschmeckt hat? Daran darf
gezweifelt werden, angesichts der Presseteams, die ROBIN WOOD zur Aktion
begleitet haben und die bohrende Fragen nach der Herkunft des Bongossiholzes
stellten.
Parallel zu den Protesten war ROBIN WOOD stets um einen
konstruktiven Dialog mit den Entscheidungsträgern bemüht. Unter dem Motto Vom
Konflikt zum Dialog war ein Gesprächsangebot formuliert, das der Bürgermeister
Ende 2000 in seinem Briefkasten fand. Im März des folgenden Jahres kam
daraufhin die positive Antwort aus dem Rathaus: Ja, gegen ein Gespräch hätte
man nichts einzuwenden.
Wenige Wochen später saß die 2-köpfige ROBIN WOOD-Delegation
dann unter anderem dem Bürgermeister und dem Leiter des Tiefbauamts gegenüber.
Das Stadtoberhaupt war beeindruckt, wie groß die öffentliche Resonanz auf die
Schwedter Tropenholzbrücke bundesweit war. Er berichtete von Hunderten Protest
E-Mails und zahlreichen Fernsehteams, die in seiner Amtsstube unbequeme Fragen
stellten, was ihn mächtig verunsichert zu haben schien. Mit auf den Heimweg
nahmen die UmweltschützerInnen seine Zusage, dass Schwedt grundsätzlich auf
Tropenholz ohne FSC-Zertifikat verzichten möchte. Auf einen konkreten Termin
mochte sich der Bürgermeister nicht festlegen.
Anschließend ging dann alles sehr schnell. Bündnis 90/Die
Grünen brachten den entscheidenden Antrag in die Stadtverordnetenversammlung
ein, der mit nur 4 Gegenstimmen angenommen wurde. Das wäre vor einem Jahr noch
undenkbar gewesen. Den Wortlaut des Beschlusses finden Sie im Kasten.
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Der Schwedter Tropenholzbeschluss vom 15. Juni 2001
Die Stadtverordneten beschliessen, dass künftig bei kommunalen Bauvorhaben auf die Verwendung von nicht FSC-zertifiziertem Tropenholz verzichtet
wird.
Begründung:
Gegenwärtig
werden jährlich ca. 200.000 km2 tropischer Regenwald zerstört mit
gravierenden Auswirkungen auf das Weltklima und den Bestand der gegenwärtig
schon stark bedrohten tropischen Tier- und Pflanzenwelt. Verloren geht
eine Schatzkammer, ein fast unerschöpfliches Reservoir an genetischem Material,
Heilpflanzen und Nahrungsmitteln der Zukunft, das noch zum großen Teil
unentdeckt ist.
In
den Industrieländern hat sich allgemein die Erkenntnis durchgesetzt, dass der
Regenwald geschützt werden muss und es unverantwortlich ist, Tropenholz für
Zwecke einzusetzen, für die es Alternativen gibt. Allenfalls ist Tropenholz
noch zu akzeptieren, wenn es nachweislich aus nachhaltiger Forstwirtschaft
stammt und FSC-zertifiziert ist. (Zertifizierung durch den Forest Stewardship
Council Welt-Forst-Rat). Über 1000 Städte und Gemeinden, die sich
dem Klimabündnis angeschlossen haben, handeln so. Kürzlich hat sich die
Landesregierung dazu positioniert: und zum Verzicht auf Tropenholz aufgefordert.
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ROBIN WOOD kommt nicht immer so schnell wie in Schwedt zu
einem wasserdichten Erfolg. Aber auch kleine Schritte in die richtige Richtung
tragen dazu bei, dass der Markt für Raubbauholz stetig kleiner wird. Wir haben
es in den letzten Jahren mit vielen Tropenholzfällen auch in anderen Städten
und Gemeinden zu tun gehabt. Häufig reichte schon ein offener Brief von ROBIN
WOOD, der in der lokalen Presse eine Diskussion entfachte und so das Klima für
künftige Tropenholzbauten nahezu unmöglich machte. Über unseren erfolgreichen
Einsatz in Schönberg konnten wir ihnen schon im letzten Magazin berichten.
Zum Abschluss noch eine Bitte an unsere Leserinnen und
Leser: Je eher wir von einer geplanten Tropenholz-Baumaßnahme erfahren, desto
besser. Informieren Sie uns, wenn in Ihrer Kommune Tropenholz verwenden soll.
Wir planen dann, wie wir aktiv werden können am liebsten gemeinsam mit Ihnen.
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