Kein Landraub für Tempo

Procter&Gamble und Kimberly-Clark sind zwei große internationale Konzerne.Sie beziehen für ihre Hygienepapier-Produktion Zellstoff aus Eukalyptus-Monokulturen von Aracruz-Zellulose in Brasilien. Aracruz ist in zahlreiche Skandale verwickelt und weigert sich 11.009 Hektar Land zurück zu geben, das den Tupinikim- und Guaraní-Indianern gehört. Aber die Plantagen von Aracruz schädigen auch die Umwelt: So klagt die lokale Bevölkerung über vertrocknete Brunnen und ein massives Fischsterben, seit Aracruz in ihrer Nachbarschaft Eukalyptus gepflanzt hat.


Oktober 2005: Die Indianer halten Aracruz besetzt

Da Procter&Gamble und Kimberly-Clark die größten Kunden von Aracruz sind – zusammen nehmen sie 45 Prozent der Gesamtproduktion ab - sind sie erheblich mitverantwortlich für skandalöse Zustände bei ihrem Rohstofflieferanten. Beide Firmen sind auf dem deutschen Markt mit vielen bekannten Hygienepapier-Marken vertreten: Procter&Gamble u.a. mit Tempo-Papiertaschentüchern und Charmin- Toilettenpapier, Kimberly-Clark mit Hakle-Toilettenpapier sowie Kleenex-Hygienetüchern und vielen weiteren Produkten.

Diesen Skandal hatte ROBIN WOOD mit einem bundesweiten Aktionstag im Mai öffentlich gemacht. Im ROBIN WOOD-Magazin Nr. 86 haben wir ausführlich über den Skandal um Tempo und Co. berichtet.

Mittlerweile hat sich der Landkampf der Tupinikim und Guaraní dramatisch zugespitzt. Sie kämpfen verzweifelt um die Rückgabe ihres Landes. Seit dem 17. Mai dieses Jahres halten sie die 11.009 Hektar Land besetzt. Die Indianer haben damit begonnen Häuser zu errichten, wo sich früher ihre Dörfer befanden, und planen die Wiederaufforstung mit Naturwald.

Am 6. Oktober besetzten die Indianer für 30 Stunden die Zellstoff-Fabrik von Aracruz. Sie riskieren bei ihren Aktionen viel, denn es besteht die Gefahr, dass der Konflikt gewaltsam eskaliert. Schwer bewaffnete Polizeieinheiten hatten sich bereits in Stellung gebracht und sind dann glücklicherweise wieder verschwunden.

Aracruz hat bei seiner Landnahme, die vor mehr als 30 Jahren begann, auch vielen anderen Bevölkerungsgruppen Unrecht getan. Damals sind viele Landlose und Quilombolas – das sind die Nachfahren afrikanischer Sklaven – von Aracruz vertrieben worden. Weitere Landrechtskonflikte sind also vorprogrammiert. Die Landlosenbewegung MST hält bereits einige Landflächen von Aracruz besetzt, die der Zellstoffmulti illegal in Beschlag genommen haben soll.

ROBIN WOOD unterstützt den Kampf der Einheimische gegen Aracruz nach Kräften. So ist es schon gelungen, weitere Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen in Europa für die Kampagne gegen Tempo und Co. zu gewinnen (Link zu FIAN). Die Reaktionen der Konzerne Procter&Gamble und Kimberly-Clark in ihren Briefen, E-Mails und Telefonaten mit ROBIN WOOD wirken zunehmend nervös. Noch ist es aber ein weiter und schwieriger Weg, bis Tempo nicht mehr mit Landrechtskonflikten in Verbindung gebracht werden kann. Den Konzernen bleibt nur eine Möglichkeit, ihr ramponiertes Image wieder etwas aufzubessern: Sie müssen endlich auf Distanz zu ihrem Zellstofflieferanten Aracruz gehen oder dafür sorgen, dass der Konzern Land- und Menschenrechte respektiert und für die verursachten Umweltschäden aufkommt.

Jetzt brauchen wir Ihre Unterstützung! Wir müssen die Konzerne zwingen, einen verantwortungsvollen Rohstoffeinkauf einzuführen. Nur wenn die Öffentlichkeit hinschaut, haben die Menschen, die durch Aracruz ihre Lebensgrundlage verloren haben, eine Chance auf eine bessere Zukunft.

Bitte beteiligen Sie sich deshalb an unserem Online-Protest, erzählen Sie Ihren FreundInnen und Bekannten von diesem Skandal und denken Sie beim nächsten Einkauf daran, dass es umweltfreundliche Alternativen zu Tempo und Co. gibt: Hygienepapiere aus Recyclingpapier. Wir bedanken uns schon jetzt für Ihr Engagement und werden Sie gerne weiter infomieren.

Peter Gerhardt ist Tropenwaldreferent bei ROBIN WOOD in Hamburg und hat sich im Frühjahr in Brasilien vor Ort über die skandalösen Praktiken von Aracruz informiert, Kontakt: 040/38089218, E-Mail: tropenwald@robinwood.de.