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Kein Papier aus Raubbau!
Gemeinsamer Aufruf von Umwelt- und
Verbraucherorganisationen: Papierhandel und industrie sollen Menschenrechte
achten und Urwälder schützen
Für die Produktion von Zellstoff und Papier werden in vielen
Erdteilen Menschen von ihrem Land vertrieben und die natürlichen
Lebensgrundlagen zerstört. Umwelt- und Verbraucherorganisationen haben deshalb
im Juni von Papierhandel und -industrie gefordert, den Altpapieranteil in ihren
Produkten zu erhöhen und ausschließlich Zellstoff zu verwenden, der aus einer
ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten Waldwirtschaft stammt. |
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Raubbau am Tropenwald auf Sumatra (Foto: Jens Wieting)
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Weltweit werden jährlich etwa 15 Millionen Hektar Wald
zerstört. Jeder fünfte eingeschlagene Baum wird verwendet, um daraus Zellstoff
oder Papier herzustellen. In Ländern wie Indonesien und Kanada werden auch
Urwälder für Papier gerodet. Indigene und Kleinbauern verlieren dort ihr Land
an die Holz- und Zellstoffindustrie und verarmen. Tiere und Pflanzen sterben
aus. Der Klimawandel verschärft sich.
Hauptverantwortlich dafür sind die Industrieländer, die über
vier Fünftel des Papiers verbrauchen. Damit eine gerechtere wirtschaftliche
Entwicklung weltweit möglich wird, müssen sie ihren Papierverbrauch drastisch
reduzieren. Um zu verhindern, dass Zellstoff aus einer illegalen,
zerstörerischen und sozial ungerechten Waldwirtschaft auf den Markt kommt, sind
verbindliche Regelungen notwendig. Entsprechende Gesetze aber fehlen bislang.
Umweltorganisationen drängen daher seit Jahren auf die Einhaltung von ökologischen
und sozialen Kriterien bei der Herstellung und dem Einkauf von Zellstoff- und
Papier durch Handel und Industrie.
Obwohl die meisten Umweltorganisationen sehr ähnliche Ziele
verfolgen, gibt es Unterschiede in ihren Kampagnen, etwa die Fokussierung auf
den Schutz bestimmter Waldgebiete oder unterschiedliche Kompromissbereitschaft
gegenüber der Wirtschaft. Um die gemeinsamen Positionen gegenüber der
Papierbranche zu betonen und in die Öffentlichkeit zu tragen, formulierten elf
Umwelt- und Verbraucherorganisationen in den vergangenen Monaten einen
gemeinsamen Aufruf an Papierhandel und industrie für die Einhaltung von
Umwelt- und Sozialstandards für Papier.
Neben den zentralen Anliegen, mehr Recyclingpapier
einzusetzen und Umwelt- und Sozialstandards für die Rohstoffherkunft
verbindlich festzulegen, fordern die Unterzeichner auch eine unabhängige
Kontrolle über die Herkunft des Zellstoffs, mehr Transparenz, saubere
Produktionsprozesse und die Wahl kurzer Transportwege. Die Präsentation des Aufrufs
am 10. Juni wurde von ROBIN WOOD-AktivistInnen mit einer Aktion gegen
Papierverschwendung und Papier aus Raubbau am Hamburger Fischmarkt begleitet:
Für Menschenrechte und Urwälder Kein Papier aus Raubbau.
Die Adressaten des Aufrufs - die Verbände von
Papierindustrie und Großhandel in Deutschland haben beide schwarze Schafe in
ihren Reihen. So ist die Fabrik von Procter & Gamble (P&G) in Neuss
Mitglied im Verband Deutscher Papierfabriken VDP. P&G bezieht Zellstoff aus
Brasilien, für dessen Herstellung die Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung
zerstört werden (Link). Ein
Skandalbeispiel in den Reihen des Bundesverbandes des Deutschen
Papiergroßhandels ist die Papier Union, die weiterhin Büropapier des Herstellers
APRIL aus Indonesien bezieht, obwohl dieser Konzern für Regenwaldzerstörung und
Landrechtskonflikte verantwortlich ist.
Der VDP hat noch nicht auf den Aufruf reagiert. Der Verband
des Papiergroßhandels verwies in seiner dürftigen Antwort auf die FSC-Zertifizierung
aller Mitglieder des Verbandes und die Aktivitäten zur Steigerung des Anteils
von Recyclingpapierprodukten. Dass Recyclingpapier und FSC-zertifizierte
Produkte nur einen Bruchteil im Sortiment des Großhandels ausmachen, steht
nicht in dem Schreiben. Der Brief endet mit dem Satz: Wir bitten um
Verständnis, wenn wir als Verband auf die Lieferanten- bzw. Produktauswahl
einzelner Mitglieder keinen Einfluss nehmen können. Eine gesetzliche Lösung,
um den Raubbau für Papier zu stoppen, scheint dringender denn je.
Den Aufruf an Papierhandel und industrie und viele
Hintergrundinformationen finden Sie im Internet unter www.paperwatch.info
Die Unterzeichner des Aufrufs sind: Arbeitsgemeinschaft
Regenwald und Artenschutz (ARA), BUND, Forum Ökologie & Papier, Initiative
2000 plus, NABU, Pro Regenwald, ROBIN WOOD, Urgewald, Verband für
Umweltberatung NRW, Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen und WWF
Deutschland.
Jens Wieting aus Berlin ist Tropenwaldexperte und bei ROBIN WOOD aktiv, E-Mail: jens.wieting@robinwood.de.
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