Gepflanzte Soldaten

Petition gegen genetisch manipulierte Bäume jetzt unterschreiben!

Seit ihrer Einführung im 18. Jahrhundert hat die Forstwirtschaft in Europa bewirkt, dass Wälder artenärmer und an die Interessen der Holzindustrie angepasst wurden. Große industrielle Forstplantagen, die einen weltweiten Boom erleben, sind ein weiteres Produkt der modernen Forstwissenschaft, die jetzt für ihre Auftraggeber aus der Industrie genetisch manipulierte (GM) Bäume entwickelt hat.



Stehen stramm in Reih und Glied: Eukalyptus-Bäume einer APP-Plantage in Indonesien

Industrielle Forstplantagen sind dazu da, nur ein Produkt zu erzeugen, z.B. Fasern für die Zellstoff- und Papierindustrie. Die Interessen der Industrie führen dazu, dass natürliche Wälder oder gewachsene Kulturlandschaften verdrängt werden.

Die lokale Bevölkerung hat den Plantagen Namen gegeben, die deutlich machen, welche Probleme diese Art der Forstwirtschaft mit sich bringt. Bäuerinnen und Bauern in Thailand nennen Eukalyptus den „egoistischen Baum“, weil Eukalyptusplantagen dem Boden so viel Nährstoffe und Wasser entziehen, dass auf den Nachbarfeldern der Anbau von Reis unmöglich wird. Die Mapuche in Chile sprechen von „gepflanzten Soldaten“, wenn von Kiefernplantagen die Rede ist, in Brasilien werden Plantagen „Grüne Wüste“ und in Südafrika „Grüner Krebs“ genannt.

Forstwissenschaft haben den jetzt entwickelten genetisch manipulierten Bäumen verschiedene Eigenschaften angezüchtet. Sie können resistent gegen Herbizide oder bestimmte Krankheiten sein, haben einen niedrigeren Ligningehalt, der sie leichter zu Zellstoff verarbeiten lässt, wachsen schneller oder sind steril.

Es ist offensichtlich, dass diese neuen Eigenschaften nicht der lokalen Bevölkerung – die in der unmittelbaren Umgebung solcher Plantagen lebt - nutzen werden. Im Gegenteil: Dadurch werden die negativen Auswirkungen noch gesteigert. Schneller wachsende Bäume entziehen dem Boden mehr Wasser und Nährstoffe und lassen Brunnen und Flüsse noch schneller austrocknen. Bäume, die resistent gegen Herbizide sind, könnten sich als Unkraut unkontrolliert ausbreiten oder den natürlichen Wald verdrängen. Bäume mit einem geringeren Ligningehalt sind nicht mehr so stabil. Plantagen aus sterilen Bäumen hätten weder Blüten noch würden sie Früchte oder Saatgut produzieren. Demzufolge gäbe es auch keinen Lebensraum für Vögel oder Insekten in solch einer Plantage und die Biodiversität wäre noch niedriger als sie ohnehin schon in industriellen Forstplantagen ist.

Wissenschaftler sollten sich an das Vorsorgeprinzip halten und verhindern, dass von ihren Aktivitäten Gefahr für Mensch und Umwelt ausgehen. Sie, und nicht etwa die Öffentlichkeit, sind in der Verantwortung, dass ihre Aktivitäten ungefährlich sind. Forstwissenschaftler vertreten allerdings die Meinung, dass man erst durch kommerzielle Anwendungen herausfinden kann, ob genetisch manipulierte Bäume eine Gefahr darstellen oder nicht.

Steven Strauss – vom Departement of Forest Sience an der Oregon State Universität, ist einer der größten Befürworter von GM-Bäumen. Er schrieb 2002: „Wie bei anderen Neuzüchtungen auch, hängt die Zahl der Versuchsreihen von den empirischen Tests ab, die in der Frühphase des kommerziellen Einsatzes durchgeführt werden.“ „Kommerzielle Anwendung“ würde bedeuten, dass zunächst Millionen von GM-Bäumen gepflanzt würden. Wenn diese GM-Bäume sich dann erst mal mit den natürlich vorkommenden Bäumen gekreuzt haben, wird es zu spät sein. Dann gibt es keine Möglichkeit mehr, diese Technologie wieder ins Labor zurück zu verbannen. Damit wäre das Vorsorgeprinzip auf den Kopf gestellt.

Die Vertragsstaaten der UN-Klimaschutzkonvention haben 2003 in Mailand beschlossen, dass sich Unternehmen und Regierungen des Nordens, von ihnen angelegte GM-Baumplantagen als Kohlenstoffsenken anrechnen lassen können. Im Kioto-Protokoll ist dazu festgehalten, dass Staaten, die jetzt GM-Bäume pflanzen, in Übereinstimmung mit ihren nationalen Gesetzen evaluieren sollen, ob von den genetisch manipulierten Organismen Gefahren ausgehen. Hier wird das Vorsorgeprinzip schon wieder auf den Kopf gestellt.

Peoples Forest Forum, ein Zusammenschluss der Peoples Biosafety Association, die Union of Ecoforestry und Friends of the Earth Finnland haben deshalb eine Petition gegen genetisch manipulierte Bäume verfasst. Die Petition wird auf der Konferenz des UNFCCC in Buenos Aires der Öffentlichkeit vorgestellt. Peoples Forest Forum sagt dazu: „Der in Mailand eingeschlagene Kurs ist falsch und steht im Widerspruch zur Biodiversitätskonvention. Wir brauchen auf diesem Planeten keine geklonten und genetisch manipulierten Bäume.“

Bitte unterschreiben Sie die Petition gegen genetisch manipulierte Bäume im Internet http://www.globaljusticeecology.org/index.php?name=getrees&ID=159#items.

Chris Lang lebt in Frankfurt und arbeitet zur Zeit an einem Bericht für das World Rainforest Movement über genmanipulierte Bäume www.wrm.org.uy.