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Billig will ich ... nicht immer!
Wie die Discounter den Regenwald verramschen
Deutschland ist im Billig-Rausch. Während für klassische Kaufhausketten wie Karstadt langsam
die Luft dünn wird, freuen sich Plus, Penny, Lidl, Aldi und Co. über kräftige
Umsatzgewinne. Und es ist längst nicht mehr nur die Aussicht auf ein paar
billige Grillwürstchen, die die Deutschen in die Ladenlokale der Discounter
strömen lässt. Woche für Woche locken die großen Ketten Ihre KundInnen mit
zusätzlichen Überraschungen der so genannten Aktionsware zum Spottpreis. Es
war nur eine Frage der Zeit, wann endlich auch Tropenholz-Gartenmöbel auf den
Grabbeltischen dieser Nation landen würden. Plus eröffnete die Saison mit einer
Gartenbank aus Shoreaholz. Aldi zog nach mit einer kompletten Garnitur aus
indonesischem Meranti und der Drogeriediscounter Rossmann verramschte im
Internet Teakmöbel zu unglaublichen Preisen. |
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Zeit zu handeln! Die AktivistInnen von ROBIN WOOD organisierten Aktionen vor den Filialen von
Aldi-Nord. Aldi wurde mit Flugblättern und Transparenten aufgefordert, seine
Merantimöbel sofort aus dem Sortiment zu nehmen, sollte das Unternehmen keine
glaubwürdigen Beweise für eine verantwortungsvolle Holzherkunft vorlegen
können. Aldi hatte seine Gartenmöbel mit dem Versprechen aus staatlich
kontrollierter Forstwirtschaft angepriesen.

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Kettensägenlärm auf dem ALDI-Parkplatz: Auf die erste Protestaktion gegen den Verkauf von Gartenmöbeln aus Raubbauholz reagiert ALDI nicht. Erst nach weiteren Aktionen in Berlin, Göttingen und Dresden, erklärt sich ALDI bereit, beim Einkauf von Möbeln aus Tropenholz auf das FSC-Siegel zu achten (Foto: Christian Schulz) |
Aldi reagierte auf die Vorwürfe zunächst wie immer in den letzten Jahren, wenn Kritik an der
Konzernpolitik laut wurde, nämlich gar nicht. Protestbriefe wurden nicht
beantwortet, verantwortliche Einkäufer waren für ROBIN WOOD nie zu sprechen und
die Aktionen wurden ignoriert. Das riesige Discount-Imperium mit Sitz in Essen
versuchte das Problem auszusitzen. Die Medien zeigten dafür umso mehr
Interesse, und Aldi rückte immer weiter in den Fokus der Öffentlichkeit.
Nach langem Schweigen schickte Aldi fünf sogenannte SKSHH-Zertifikate an ROBIN WOOD. Was
die Aldi-Kunden sicher nicht wussten: SKSHH-Zertifikate sollen lediglich eine
legalen Holzeinschlag dokumentieren. Sie garantieren keine nachhaltige
Waldwirtschaft, sind laut Experten fast nicht zu überprüfen und werden in
Indonesien vielfach gefälscht. Es ist also offensichtlich, dass diese
Zertifikate keinen Nachweis für eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung
darstellen.
Trotzdem war dann die Überraschung groß, als der Brief von Aldi langsam aus dem Fax
geruckelt kam. ALDI wird sich in Zukunft beim Einkauf von aus Tropenholz hergestellten Möbeln u.ä.
bemühen, zusätzlich zu staatlichen Zertifikaten das allseits akzeptierte
FSC-Siegel einzufordern (...), schreibt ALDI in einer
Stellungnahme an ROBIN WOOD. Ein toller Erfolg für die Umwelt. Dies lässt zwar ein kleines Hintertürchen
offen, doch scheint es sehr unwahrscheinlich, dass sich Aldi in den nächsten
Jahren Tropenholzmöbel ohne FSC-Siegel in die Geschäfte stellt. Auch Rossmann
hat auf öffentlichen Druck der in erster Linie von der Organisation Pro
Regenwald koordiniert wurde seine Geschäfte mit Teakholzmöbeln vorerst eingestellt.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Es sind nicht nur diese Schnäppchentempel, die
Gartenmöbel aus Tropenholz anbieten. ROBIN WOOD entdeckte unter anderem bei
Wal-Mart Edeka und Karstadt Tropenholzmöbel, die garantiert nicht aus
verantwortungsvoller Waldwirtschaft stammen.
Im Fall von Edeka hatte ROBIN WOOD die Initiative ergriffen. Das Unternehmen wurde
schriftlich aufgefordert, seine Möbel aus dem Sortiment zu nehmen. Die
Hamburger Edeka-Zentrale hat inzwischen reagiert und in einem Brief an ROBIN WOOD versichert, dass diese Ware [Gartenmöbel aus Indonesien und Vietnam] aus dem
Verkauf genommen und die Lagerbestände nicht mehr ausgeliefert werden. Des
Weiteren werden wir dafür Sorge tragen, dass zukünftig bei Edeka keine Tropenholzartikel ohne FSC-Siegel mehr angeboten werden. Das Edeka in einigen Geschäften auch Tropenholz-Papier im Sortiment hatte,
ist eine andere Geschichte und wird von
ROBIN WOOD noch weiter verfolgt werden.
Öffentlicher Protest lohnt sich also, denn nichts fürchten
die Handelsriesen so sehr wie negative Presse. Was aber muss getan werden,
damit nicht weiter Tropenholzprodukte aus zerstörerischer Waldwirtschaft oder
illegalem Einschlag, in der Bundesrepublik gehandelt werden?
- Die Bundesregierung ist jetzt am Zug. ROBIN WOOD fordert von Rot-Grün, dass der Import von Holz aus Raubbau
oder illegalem Einschlag sowohl auf nationaler als auch auf europäischer
Ebene schnellstens gestoppt wird. Bislang verstecken sich die politisch
Verantwortlichen hinter internationalen Handelsabkommen die dies
angeblich nicht zulassen würden. In Wahrheit haben wir es wohl der
gelungenen Lobbyarbeit des Holzhandels zu verdanken, dass dubiose
Tropenholzhändler weiterhin ein gutes Geschäft auf Kosten des Regenwalds
machen können.
- Die Wirtschaft ist gefragt. Solange
es keine befriedigenden Gesetze gibt, liegt es an einzelnen
Handelsunternehmen, ob sie Raubbau-Produkte verkaufen und deshalb mit der
Vernichtung der tropischen Wälder in Verbindung gebracht werden können.
- Die Verbraucherinnen und die Verbraucher sind nicht machtlos. Wenn Sie sich für Produkte aus
verantwortungsvoller Herkunft
entscheiden, dann wird der Markt für Raubau-Möbel automatisch kleiner.
ROBIN WOOD wird
auch in Zukunft auf allen drei Feldern aktiv sein und wir freuen uns sehr, wenn
Sie uns bei unserem Engagement unterstützen.
Peter Gerhardt ist Tropenwaldreferent bei ROBIN WOOD und in der Pressestelle in Hamburg zu
erreichen: Tel.: 040/38089218, tropenwald@robinwood.de
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