Metro macht Gewinne auf Kosten des Regenwalds

ROBIN WOOD-AktivistInnen demonstrierten in Düsseldorf bei der Aktionärsversammlung der Metro-Group für eine ökologische Einkaufspolitik. Denn Metro, zu der neben den Metro-Großhandelsmärkten auch die Elektronikmärkte MediaMarkt/Saturn, Praktiker-Baumärkte, Kaufhof-Warenhäuser sowie Lebensmittelhändler Real und Extra gehören, macht Gewinne auf Kosten des Tropenwaldes.

Düsseldorf, 4. Juni 2004, 09:00 Uhr: Fahnen mit dem Metro-Logo flattern im Wind. Noch liegt das Düsseldorfer Kongress-Zentrum verschlafen im Morgennebel. Um 10:30 Uhr soll hier die Hauptversammlung des einflussreichen Handelskonzerns eröffnet werden.

Ein guter Zeitpunkt und ein guter Ort für eine Aktion von ROBIN WOOD. Denn die Metro-Group verkauft trotz umfangreicher Umweltleitlinien (siehe www.metro.de) Papier, in dem Zellstoff aus tropischen Naturwäldern steckt, so das Ergebnis einer Faseranalyse, die ROBIN WOOD in Auftrag gegeben hat. Im Kopierpapier der Marke „Sigma Universal“, das bei Real verkauft wird, ist zum Beispiel „mixed tropical hardwood“ enthalten. Auch der Kaufhof vertreibt APP–Papier, für das Regenwälder zerstört werden. Die Metro AG räumte ein, dass dieses Papier von APP (Asia–Pulp & Paper) geliefert wurde. Produziert wird es in der Zellstoff-Fabrik Indah Kiat auf der indonesischen Insel Sumatra.

Der Konzern APP hat bisher rund 300.000 Hektar Regenwald auf Sumatra vernichtet, eine Fläche größer als das Saarland. Proteste der Bevölkerung gegen die Vertreibung von ihrem Land hat APP mehrfach mit Gewalt niederschlagen lassen. Versuche von indonesischen Umweltorganisationen, zumindest die wertvollsten Wälder vor der Zerstörung durch APP zu bewahren, scheiterten bislang. Selbst Schutzgebiete sind nicht vor den Holzfällertrupps sicher.

2000 Aktionäre werden in Düsseldorf erwartet. Geschäftiges Treiben hinter getönten Fensterscheiben. Der Countdown läuft. Aber nicht nur im Innern des Kongress-Zentrums. Einige ROBIN WOOD-Aktivisten haben sich unter alten Bäumen versammelt: Lagebesprechung. Noch ist nicht klar, wo das Transparent hängen soll? Vom Regen sind die Fahnenstangen nass und rutschig geworden, also nicht gut geeignet zum Hochklettern. Ein Fußgängerübergang direkt vor dem Haupteingang der Halle sieht vielversprechender aus. Das große Banner mit dem Metro-Emblem freut sich sicher über nette Gesellschaft. Der Aufgang zur Treppe ist unbewacht. Nur einige Sicherheitskräfte drehen ihre Runden vor dem Haupteingang und machen wichtige Gesichter.

Gesagt, getan. Ein Teil der Umweltschützer verschwindet im diesigen Regenschleier Richtung Tatort. Der durchnässte Rest steigt ins Affenkostüm, betreut die wartenden Presseleute, stellt Flugblätter griffbereit und macht die Kamera startklar. Dann geht alles sehr schnell. Vier grüne Kletterer entern den Aufgang zur Straßenüberführung. Gurte und Seile werden ausgepackt, das 10 Meter lange Spruchband aus dem Rucksack geholt. Der Erste versucht auf die Außenseite der Tunnelröhre zu klettern.

Bewegung kommt nun auch in die Reihen der Bodyguards. Mit großen Schritten und wehenden Schlipsen stürzen sie, dicht gefolgt von Presseleuten, auf die Wendeltreppe. Skandal im Sperrbezirk? Ungewöhnlich ruppig werden die Aktivisten von ihrem Vorhaben abgebracht. Arme werden verdreht. Es wird gerempelt und geschubst. Die ROBIN WOOD-Aktivisten müssen unsanft den Tatort und die Treppe verlassen. Schnell ist der Spuk vorbei.

Vorbei? Nicht ganz! Einer der Kletterer entwischt. Er klettert unbeirrt auf das Gerüst, das an der Außenseite des Fußgängertunnels hängt. Das Gewicht des regennassen Transparents lastet schwer auf seinen Schultern. Die Security-Kräfte lassen ihn in Ruhe. Kein Hinterhersteigen. Nur unsichere Blicke und gereizte Zurufe. Besonnen und moderat verhält sich die Polizei. Der Einsatzleiter zeigt sogar Verständnis für das Anliegen von ROBIN WOOD.

Nach einer halben Stunde ist es so weit: Das ROBIN WOOD-Transparent hängt gut sichtbar über dem Metro-Banner. Bunt flattert die Aufschrift „CUT & CARRY: Metro handelt mit Regenwald-Papier“ über dem Asphalt. Wer jetzt als hungriger Aktionär vor vollen Tellern hinter der Fensterfront der Congress Räumlichkeiten sitzt, bekommt diese informative „Beilage“ mit einem bitteren Nachgeschmack ganz automatisch dazu.

Doch damit nicht genug. Während draußen der praktische Teil sehr erfolgreich und ergebnisorientiert war, werden im großen Saal große Reden gehalten. Irgendwann beginnt die Fragestunde an den Vorstand, während der sich Aktionäre zu Wort melden dürfen. Auch ROBIN WOOD ist diesmal mit Eintrittskarten dabei, die dankenswerterweise der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre zur Verfügung gestellt hat.

Das bedeutet: Rederecht für ROBIN WOOD-Tropenwaldreferent Peter Gerhardt. Sein zehnminütiger Beitrag wird auf überdimensionalen Bildschirmen innerhalb des Konferenzsaals, auf zahlreichen Monitoren davor und über Lautsprecher bis in die Toilettenräume übertragen.

„Wie vereinbaren Sie den Verkauf von Papier, das aus dem Regenwald auf Sumatra stammt, mit Ihren eigenen Umweltrichtlinien“, möchte Gerhardt wissen und fordert den Metro-Vorstand auf, öffentlich und verbindlich zu erklären, dass sie aus dem Handel mit umweltzerstörenden Produkten aussteigen. „Sie handeln mit dem als Regenwaldzerstörer berüchtigten Konzern APP, der auf Sumatra ein ökologisches Desaster verursacht hat. Als einer der einflussreichsten Handelskonzerne steht die Metro–AG in der Verantwortung, nicht zur Zerstörung der letzten Regenwälder beizutragen. Wir fordern Sie auf, diese Papierprodukte umgehend aus Ihrem Sortiment zu nehmen. Bitte installieren Sie außerdem eine „Paper Policy“, die soziale und ökologische Mindeststandards für Papierprodukte definiert, konkrete Maßnahmen zur Papiereinsparung beschreibt und Recyclingpapier gegenüber Frischfaserpapier den Vorzug gibt.“

Obwohl APP nicht in der Lage ist, eine nachhaltige und legale Versorgung mit Holz nachzuweisen, will Metro weiter an der Zusammenarbeit festhalten. Die schriftliche Antwort des Metro–Vorstands flattert ROBIN WOOD erst zwei Wochen nach der Aktion ins Haus. Darin rechtfertigt eines der größten Handelshäuser Europas seine Geschäfte mit der APP mit folgender Begründung: Die ROBIN WOOD-Kampagne gegen APP, so die Umweltmanagement-Abteilung der Metro, stelle den ökologischen Standpunkt in den Mittelpunkt. „Aus unserer Sicht müssen alle drei Säulen der Nachhaltigkeit, nämlich Ökonomie, Ökologie und Soziales berücksichtigt werden.“

Drei Säulen bzw. drei gute Gründe also für den Metro Konzern, das Geschäft mit APP sofort zu beenden. Denn so Jens Wieting, Tropenwaldexperte von ROBIN WOOD: „Die APP zerstört die Umwelt, nimmt den Menschen das Land weg und ist in Finanzskandale in Milliardenhöhe verwickelt.“

Andere Handelshäuser zogen schneller als Metro Konsequenzen aus der Kritik an ihren Produkten. Karstadt und die Deutsche Post nahmen nach Protesten von ROBIN WOOD Papier von Konzernen, die den Regenwald auf Sumatra vernichten, aus ihrem Sortiment.

Sabine Steinmann ist freie Journalistin und lebt im Wendland, SabineSteinmann@gmx.de