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Uranhaltige Munition tötet noch lange nach Kriegsende
Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges berichteten
zahlreiche Nachrichtensender, dass amerikanische Bomber Bunker brechende
uranhaltiger Munition über der Millionenstadt Bagdad abgeschossen haben.
Bestätigt sich diese Vermutung, droht durch das zerstäubte Uranoxid eine
langfristige Verseuchung der irakischen Hauptstadt. Gesichert ist, dass
britische Truppen beim Kampf um Basra irakische Panzer mit abgereicherter
Uran-Munition beschossen haben. Das haben Messungen eines ARD-Nachrichenteams
belegt. Die Untersuchungen von Einschusslöchern zeigten eine Strahlung von
40,37 Mikrosievert. Das ist das 500-fache des von der ARD am Straßenrand
gemessenen Wertes. |
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Noch kurz vor Kriegsbeginn sah sich das Pentagon genötigt, folgende Erklärung
abzugeben: Von abgereichertem Uran als DU-Munition geht keine gesundheitliche
Gefährdung aus. Die 90 US-Soldaten, die während der letzten Kriege mit
Uran-Munition in Berührung gekommen seien, zeigten keine gesundheitlichen
Beeinträchtigungen.
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"Es hat noch nichts Inhumanes auf der Welt gegeben, keine Gewissenlosigkeit,
kein Blut und keinen Terror, der nicht durch kunstvolle Beweisführung als gut
und richtig gerechtfertigt worden wäre", Günter
Eich |
Der Irak hatte den USA vorgeworfen, durch den Einsatz uranhaltiger Munition während
des Golfkriegs 1991 schwere Gesundheitsprobleme ausgelöst zu haben. In den
betroffenen Gebieten - vor allem im Südirak - sei es vermehrt zu
Krebserkrankungen und zu Fehlbildungen bei Neugeborenen gekommen. Ein Sprecher
des US-Verteidigungsministeriums bestritt diese Aussagen und betonte, dass die
Uran-Munition ausschließlich dazu genutzt worden sei, irakische Panzer
schneller außer Gefecht zu setzen, sie sei nicht gegen die Zivilbevölkerung
gerichtet gewesen.
Entgegen den Beteuerungen des Pentagons gibt es zahlreiche gesundheitliche Probleme bei
den US-Kriegsveteranen. 110.000 der 700.000 Soldaten, die 1991 im Golfkrieg
eingesetzt waren, sollen wegen gesundheitlicher Folgen Schadensersatz bekommen
haben. Nach Angaben des Präsidenten der US-Golfkriegsveteranen seien vom
Golfkriegs-Syndrom etwa 50.000 bis 80.000 Angehörige der US-Armee betroffen.
Hinzu kämen Erkrankte aus Großbritannien, Australien, Frankreich und Kanada.
Uranstäube gelten als eine der möglichen Ursachen des Golfkriegs-Syndroms
Bereits 1979 erschienen erste Veröffentlichungen des Pentagons über die
außergewöhnlichen Eigenschaften von abgereichertem Uran. Es gehört zu den
dichtesten und schwersten Metallen und es kann bei einer
Geschossgeschwindigkeit von 1.200 Metern/Sekunde die Schutzhülle von Panzern
und eine in drei Meter Tiefe vergrabene Betonplatte durchschlagen. Ein weiterer
für das Militär gewichtiger Vorteil der Uran-Munition: Das nicht spaltbare
Uran-238 ist ein Abfallprodukt der Atomindustrie, es ist in großen Mengen
vorhanden und vergleichsweise billig.
Doch noch während die Vorzüge des abgereicherten Urans Ende der 70er Jahre vom
Pentagon gepriesen wurden, warnte Professor Leonard A. Dietz, Forscher am
Knolls Atomic Power Laboratory im Bundesstaat New York vor den gesundheitlichen
Gefahren der DU-Rückstände. Denn das Uran zerstäubt und entzündet sich selbst
bei der Explosion, es zerfällt in Uranoxid-Partikel und kann sich weiträumig um
den Explosionsort verteilen. Mit einer Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren
ist eine mit Uranstaub kontaminierte Region dauerhaft radioaktiv belastet.
Nur wenige Jahre nach dem Golfkrieg 1991 häuften sich Meldungen über ungewöhnliche Erkrankungen
bei Kriegsveteranen und über eine Zunahme von Krebserkrankungen im Irak.
Seitdem hält der Streit über den Einsatz von DU-Munition unverändert an!
Es begann während des Golfkriegs 1991...
Nur zögerlich räumte das amerikanische Militär ein, im Irak uranhaltige Munition
verschossen zu haben. Auf dem Schlachtfeld waren amerikanische Panzer und
Fahrzeuge von DU-Munition durchschlagen und verseucht worden, 15 Soldaten waren
ums Leben gekommen und 60 verletzt worden. Da der Irak derartige Geschosse
nicht besessen hatte, war klar geworden, dass es sich um amerikanische Waffen
gehandelt haben muss. Das Pentagon erklärte gezwungenermaßen, von verschiedenen
Waffensystemen insgesamt etwa 330 Tonnen Uran verschossen zu haben. Schätzungen
unabhängiger Wissenschaftler gehen allerdings von bis zu 900 Tonnen aus.
Im Irak hinterließen die alliierten Truppen u.a. 1.400 zerstörte und radioaktiv
verseuchte Panzer und Hunderte Tonnen verseuchter Munitionsteile. In den
betroffenen Gebieten sind durch den Einsatz der Uran-Munition erhebliche Mengen
von Uranstäuben entstanden, die durch Aufwirbelung immer wieder in die
Umgebungsluft gelangen und so auch heute noch eine gesundheitliche Gefahr für
die dort lebende Bevölkerung bedeuten.
So wird aus dem Irak berichtet, dass die Zahl der Krebserkrankungen und der
erblichen Fehlbildungen in den letzten Jahren stark angestiegen sei. Irakische
Wissenschaftler dokumentierten 2002 auf einer Konferenz in Bagdad, dass sich
die Krebsrate bei Kindern zwischen 1991 und 1999 fast verdreifacht habe. Die
meisten Berichte über Erkrankungen der irakischen Bevölkerung stammen von
Ärzten, die ihre persönlichen Erfahrungen aufgeschrieben haben und um medizinische
Hilfe aus dem Westen bitten. Wissenschaftliche Berichte über die
gesundheitlichen Auswirkungen des Krieges sind bis heute Mangelware.
Etwas anders im Westen: aufgeschreckt durch die Veröffentlichungen des Pentagons über
den Einsatz uranhaltiger Munition wurden erste medizinische Untersuchungen
gestartet. 30 US-Soldaten wurden im Rahmen des Depleted Uranium Program in
Baltimore untersucht. Bei 15 von ihnen wurden noch fünf Jahre nach Kriegsende
im Urin radioaktive Partikel gemessen. Professor Dietz schrieb dazu in einer
Studie: Wenn man nach so langer Zeit noch immer DU feststellt, und sei es in
geringen Mengen, so zeigt dies, dass die Dosis vor fünf Jahren recht hoch war.
Kanadische, italienische und britische Studien folgten.
Im März 2002 veröffentlichte die britische Akademie der Wissenschaften ihren
zweiten Bericht über die Folgen des Einsatzes uranhaltiger Munition. Die
Ergebnisse zeigen, dass das abgereicherte Uran mit hoher Wahrscheinlichkeit für
die Nierenschäden der Soldaten verantwortlich ist. Die Ergebnisse seien
vergleichbar mit dem erhöhten Lungenkrebs-Risiko der Soldaten, das in der
ersten Studie festgestellt worden war, berichten die Wissenschaftler. Sie gehen
davon aus, dass das abgereicherte Uran auch die Bevölkerung in den
kontaminierten Gebieten gesundheitlich gefährde.
Genauer beziffert dies eine Studie der Britischen Atomenergie-Behörde. Demnach können
40.000 Tonnen DU-Munition bis zu 500.000 Menschen verstrahlen. Je nachdem wie
viel Uran wirklich verschossen wurde, muss daher angenommen werden, dass in
Folge des Golfkrieges im Jahr 1991 im Irak mehrere Tausend Menschen durch
DU-Munition gesundheitlich geschädigt worden sind.
Erste mögliche Strahlenschäden zeigt eine im März diesen Jahres veröffentliche Studie
Bremer WissenschaftlerInnen. Sie untersuchten das Erbmaterial der weißen
Blutkörperchen britischer Soldaten, die nach ihren Golf- oder Balkaneinsatz
über gesundheitliche Beschwerden klagten. Fünf mal häufiger als üblich fanden
Heike Schröder und ihre KollegInnen Chromosomenveränderungen in den
untersuchten Zellen. Veränderungen, die typisch für radioaktive Bestrahlung
sind.
... und wiederholte sich auf dem Balkan und in Afghanistan
Nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums wurden 1999 im Kosovo 31.000
und 1994 in Bosnien/Herzegowina 10.800 Uran-Geschosse abgefeuert. Dies
entspricht einer Uran-Menge von zirka 11,5 Tonnen. Die Geschosse sind vor allem
entlang der Grenze zu Albanien, südwestlich von Kosovska Mitrovica, im
Nordkosovo und in der Nähe der Stadt Klina eingesetzt worden.
Im Jahr 2001 häuften sich Berichte über Leukämieerkrankungen bei Soldaten, die am
Krieg im ehemaligen Jugoslawien teilgenommen hatten. Drei italienische Soldaten
waren im Jahr 2000 an Leukämie gestorben, ebenso vier italienische
Flugzeugmechaniker. Es folgten Berichte über an Leukämie erkrankte Soldaten aus
Spanien, den Niederlanden, aus Frankreich, Bulgarien aus Tschechien.
So in die Ecke getrieben, sicherte die NATO eine umfassende Untersuchung der
Vorgänge zu und kam nach nur wenigen Monaten zu dem Ergebnis, dass die
Soldaten, die auf dem Balkan eingesetzt waren, keiner besonderen
gesundheitlichen Gefährdung durch DU-Munition ausgesetzt waren. Zu ähnlichen
Ergebnisse kamen das deutsche Verteidigungsministerium und das Bundesamt für
Strahlenschutz.
Doch auch wenn die NATO und deutsche Behörden keine Hinweise auf eine
gesundheitliche Gefährdung durch abgereichertes Uran finden konnten, so häuften
sich auf dem Balkan - wie Jahre zu vor im Irak - Berichte über verseuchte Landstriche und ungewöhnliche
Erkrankungen. So berichtet eine Studie aus dem Umweltprogramm der Vereinten
Nationen (UNEP), dass sich noch drei Jahre nach den NATO-Luftangriffen auf
Jugoslawien Partikel von Munition aus abgereichertem Uran in der Luft
nachweisen lassen. Langfristig bereite den WissenschaftlerInnen aber die
mögliche Verseuchung des Grundwassers durch langsam verrostende Munitionsteile
große Sorge. Die Wasserqualität muss ihrer Meinung nach jährlich überprüft
werden.
Und die Reihe der aufgedeckten DU-Einsätze nimmt kein Ende: Im März 2002
veröffentlichte die Zeitschrift Le Monde glaubhaft, dass auch in Afghanistan
Uran-Munition zum Einsatz gekommen ist. Die USA sollen einen Sprengkopftyp
eingesetzt haben, der 1,5 Tonnen abgereichertes Uran enthält. Der britische
Waffenexperte Dai Williams schätzt die Strahlenbelastung in Afghanistan
aufgrund der eingesetzten Uran-Munition mindestens dreifach höher als die im
Irak nach dem Krieg 1991. Das Uranium Medical Research Center berichtete, im
November 2002 in Afghanistan eine über 100fach höhere Urankonzentration als
normal gemessen zu haben.
Menschenrechts- und Umweltorganisationen appellierten in der Vergangenheit immer wieder an die
Regierungen, keine Panzer und Bunker brechenden Bomben mit Sprengköpfen aus
abgereichertem Uran einzusetzen. Der Einsatz derartiger Waffen verletzt die
Bestimmungen der Genfer Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung in
bewaffneten Konflikten. Der Einsatz uranhaltiger Munition ist ein Verbrechen!
Bettina Dannheim ist Energiereferentin von ROBIN WOOD und in Hamburg unter Tel.:
040/38089221 oder energie@robinwood.de
zu erreichen.
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