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Catte-Non!
Manchmal spielt das Wetter mit: Dichter Nebel hüllt am 10.
Oktober 1986 die Kühltürme des lothringischen Kernkraftwerkes Cattenom ein. An
diesem Tag besucht Robert Wald mit seiner Gruppe Atomkraftwerke und der
Lebensnahbereich das Kraftwerk.
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An der offiziellen Führung nehmen 15 Mitglieder der
Projektgruppe Robert Wald teil. Zum verabredeten Zeitpunkt um 10.34 Uhr
machen sie sich selbständig, durch nichts gehindert als verbale Proteste
(Führerin Was machen Sie denn da, kommen Sie sofort weiter). Sie besteigen
zwei Kühltürme (Nummer 3 und 4), an denen sie kleinere Transparente befestigen
und Flugblätter hinabsegeln lassen.
Ein perfektes Ablenkmanöver: Zeitgleich klettern unbehelligt
neun Aktivisten von ROBIN WOOD und der französischen Schwesterorganisation
Robin de Bois über den Zaun nahe am Kühlturm 1 und besteigen ihn. Als die
Ablenkaktivisten mitsamt Transparenten und Flugblättern längst des Geländes
verwiesen sind, lichtet sich der Morgennebel und enthüllt das Transparent am
Kühlturm 1 in fast 165 Meter Höhe: STROM JA SO NICHT! NON AU NUCLEAIRE. Mit der Aktion wird gegen
die geplante Inbetriebnahme von Cattenom protestiert. Außerdem ist sie Teil der
Gesamtkampagne Strom Ja So nicht!, mit der eine Energiepolitik kritisiert
wird, die Stromverschwendung begünstigt und auf umweltschädigende sowie
rohstoffverbrauchende Energiequellen setzt.
In Cattenom jedoch hat man für solchen Protest wenig
Verständnis, die düpierten Sicherheitskräfte und Autoritäten werden böse und damit
für die auf dem Kühlturm verbliebenen Aktivisten höchst ungemütlich.
Hubschrauber versprühen eine Flüssigkeit auf sie, die aus einem
Benzin-Wasser-Gemisch mit Reizgas besteht. Zudem wird eine Antiterroreinheit
aus Paris eingeflogen, um den Turm angeblich noch in der Nacht zu räumen. Da
diese im Ruf stehen wenig zimperlich zu sein, verlassen die Aktivisten
gegen 22 Uhr den Kühlturm freiwillig. Was bleibt ist umfassende
Medienberichterstattung, die im Tschernobyljahr die Diskussion um die Nutzung
der Atomenergie am Laufen hält.
Regine Richter, Berlin
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