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Hört, Bürger, hört!
Anfang der achtziger Jahre wurde deutlich, dass nicht nur die Seen in Schweden den
schleichenden Tod durch Sauren Regen starben. Jetzt zeigten auch die Wälder im
übrigen Europa, dass sie der fortwährenden Belastung durch die Luftschadstoffe
nicht länger standhalten konnten. Die öffentliche Diskussion, die Sorge um die
Umwelt, insbesondere um die Wälder, ergriff überraschend viele Menschen und
wurde zum Thema Nr. 1 in der Bundesrepublik. Und in dieser Stimmung wurde ROBIN
WOOD geboren. |
Der Wald stirbt
Greenpeace, in Deutschland kaum zwei Jahre alt, scheiterte, als es den Kampf gegen das
Waldsterben auf seine Fahnen schreiben wollte, an den zentralistischen
Strukturen der eigenen, internationalen Organisation: Das Thema war nicht
global genug. Enttäuscht kehrten eine ganze Reihe deutscher GreenpeacerInnen
ihrer Organisation den Rücken und gründeten am 13. November 1982 die
Organisation, deren Namen Programm war: ROBIN WOOD die Rächer der Entlaubten.
In den Aktionsformen blieben sie die RegenbogenkämpferInnen, in den
Entscheidungsstrukturen agierten sie aber deutlich dezentraler und
basisdemokratischer. Und sie blieben nun schon 20 Jahre lang immer eine
überraschend kleine, doch höchst wirkungsvolle Aktionsgemeinschaft.
Ab Februar 1983 legten sie los. Überall in der Republik stiegen die RächerInnen
den Schwefelschleudern unter den Kraft- und Fernheizwerken auf die
Schornsteine. Sie nutzten allseits bekannt Bauwerke wie den Hamburger Michel,
das Schloss Neuschwanstein oder das Hermannsdenkmal, um auf weithin sichtbaren
Transparenten mit ihrer Mahnung Stoppt den Sauren Regen ! Rettet den Wald!
BürgerInnen wie PolitikerInnen aufzurütteln.
Stoppt den Sauren Regen!
Als dann 1985 nahe der innerdeutschen Grenze trotz aller Proteste das neu
errichtete Braunkohle-Kraftwerk Buschhaus als so genannte Altanlage und daher
ohne Entschwefelung ihren Betrieb aufnahm, da wurde die Unglaubwürdigkeit der
Bundesregierung in ihrem angeblichen Bemühen um saubere Luft all zu
offensichtlich. ROBIN WOOD reagierte mit einem Wald-Marathon nach Bonn.
Gekleidet als mittelalterliche Herolde und begleitet von Pauken und Trompeten
starteten sie im Laufschritt oder per Fahrrad - aus allen Teilen Deutschlands
in Richtung Bundeshauptstadt. Auf den Marktplätzen entlang der Strecke machten
die Herolde Station und verkündeten die Geschichte vom dahinsiechenden Wald und
der tatenlosen Regierung. Am achten Tag es war der 17. Juni, damals der Tag
der deutschen Einheit - erreichten die LäuferInnen Bonn und übergaben ihren
Protest an die Bundesregierung unter dem Motto Tag der deutschen Einheit
Gemeinsam in eine waldlose Zukunft. Zur gleichen Stunde - und ganz in der Nähe
vom unseligen Kraftwerk Buschhaus okkupierten ROBIN WOOD-Mitglieder nahe des
ostdeutschen Braunkohle-Kraftwerks Harbke einen Streifen DDR-Gebiet unmittelbar
am Grenzzaun. Und gleich nebenan erklommen sie die Schornsteine des
westdeutschen Braunkohle-Kraftwerks Offleben II: Ob Ost, ob West es stinkt
wie die Pest.
In den neunziger Jahren waren dann die ersten größeren Ziele erreicht. Die
Entschwefelungsanlagen führten zu einer spürbaren, wenn auch noch immer nicht
ausreichenden Minderung der Schwefeldioxid-Emissionen. Auch der Katalysator war
endlich für alle Neuwagen mit Ottomotoren verbindlich vorgeschrieben. Doch der
Kat führte nur zu einem mäßigen Gesamterfolg. Die Stickoxid-Emissionen sie
stammen zum überwiegenden Teil aus dem Straßenverkehr nahmen nur geringfügig
ab zu schnell wuchs der Pkw-Bestand, zu groß war der Anteil an katalysator-freien
Dieselfahrzeugen, zu stark vor allem nahm gerade der Schwerlastverkehr auf
Europas Straßen zu.
Und ein weiterer, durchaus nicht neuer, aber zu wenig
beachteter Luftschadstoff wurde mit Texten und Aktionen an den Pranger der
Waldkiller gestellt: Ammoniak, gleichfalls eine Stickstoffverbindung mit ganz
ähnlichen Auswirkungen auf das Ökosystem der Wälder wie die Stickoxide.
Ammoniak stammt fast ausschließlich aus der landwirtschaftlichen
Tierproduktion. Mist und Gülle, Abfallprodukt unseres maßlosen Fleischkonsums,
überdüngen nicht nur ganz direkt Äcker und angrenzende Gewässer. Die in die
Atmosphäre entweichenden Ammoniakgase überdüngen und versauern auch Wald, Moor
und Heide und dies sogar in größerem Umfang als die Stickoxide aus dem
Straßenverkehr.
Rudolf Fenner ist Waldreferent von ROBIN WOOD in Hamburg, E-Mail: wald@robinwood.de
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