Hintergrund

Im nordrhein-westfälischen Gronau (30.000 Einwohner), nahe der holländischen Grenze, steht die einzige deutsche Urananreicherungsanlage (UAA). Sie wird von der Firma URENCO mit Sitz in London seid 1985 betrieben. Weltweit existieren 14 Urananreicherungsanlagen, die zusammen 340 Atomkraftwerke mit Brennstoff versorgen.

In der Gronauer Uranfabrik wird im Zentrifugenverfahren der prozentuale Anteil des spaltbaren Isotops Uran-235 von 0,725 auf 3 - 5 Prozent erhöht. Durch den Anreicherungsvorgang entstehen neben dem "wertvollen" angereicherten Uran riesige Mengen an radioaktivem, chemisch-toxischem Müll: abgereichertes Uranhexafluorid (Depleted Uranium - DU), für das es keine geeignete Lagermöglichkeit gibt. So entfallen auf 33 Tonnen angereichertes Uran bis zu 187 Tonnen abgereichertes Uran. Dieses radioaktive Abfallprodukt wird auf dem Gronauer Betriebsgelände in unmittelbarer Nähe der Gemeinde in Fässern unter freiem Himmel gelagert. Endlagerung: ungewiss!

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Urananreicherungsanlage-Gronau, Röntgenstrasse 4

Die Behälter, in denen Uranhexafluorid durch Deutschland transportiert wird, entsprechen lediglich dem Sicherheits-Typ A, der nur den "während des Transports auftretenden betrieblichen Belastungen standhalten" muss. Bei einem Unfall mit anschließendem Brand können die UF6-Behälter explodieren. Eine Freisetzung von UF6 führt bei der Hälfte aller Menschen, die sich kürzere Zeit im Umkreis von 100 Metern um den Unfallort aufhalten, zum Tode. Evakuiert werden müssten alle Menschen binnen kürzester Zeit bis zu 5 km vom Unfallort. Dies ist kaum machbar, da die Transporte zu Hauptverkehrszeiten auch durch dichtbesiedelte Stadtgebiete führen. Für den Fall eines Unfalles sind keinerlei Notfall- und Evakuierungspläne bekannt!

Unbemerkte Urantransporte durch Deutschlands Straßen gefährden JEDE/N!


Die URENCO-Gruppe hält derzeit einen Anteil von 13 % am Weltmarkt für Urantrennarbeit. Bis zum Jahr 2004 wird die Gronauer Anlage eine Kapazität von 1.800 Tonnen Urantrennarbeit pro Jahr (UTA/a) erreicht haben. Diese Menge reicht zur Versorgung von 14 Atomkraftwerken in der Größenordnung von Lingen II oder Brokdorf.

Mit dem Ausbau der Anlagen in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden erhofft sich die URENCO-Gruppe, ihren Weltmarktanteil auf dem Gebiet der Urananreicherung verdoppeln zu können und vor allem auf dem asiatischen Markt Fuß zu fassen.

Bereits im Jahr 1998 beantragte die URENCO daher eine Erweiterung der deutschen Anlage auf 4.500 Tonnen UTA/a, den Bau eines Standortlagers für 59.000 Tonnen abgereichertes Uran und eines Standortlagers für Natururan mit einer Kapazität von 10.000 Tonnen. Das für die Genehmigung der Anträge zuständige nordrhein-westfälische Ministerium für Verkehr, Energie und Landesplanung hat die Unterlagen jetzt zur Einsicht öffentlich ausgelegt. Bis zum 26. März 2003 konnten Einwendungen (pdf, ca. 100 kB) gegen diese Planungen erhoben werden.