mehr wissen über... CASTOR und Atomenergie
Sicherheit der Transportbehälter
Der Transport hochradioaktiver Atomabfälle stellt extrem hohe Anforderungen an die Sicherheit der verwendeten Transportbehälter. Zum einen müssen sie die hohe Temperatur des strahlenden Mülls gut abführen, zum anderen die tödliche Radioaktivität zuverlässig abschirmen. Hinzu kommt, dass sie während des Transports und der anschließenden Zwischenlagerung erheblichen Gefahren durch Unfälle ausgesetzt sind, denen sie unter allen Umständen standhalten müssen.
Grundsätzlich gilt für alle zum Transport und zur Lagerung eingesetzter Behälter für hochradioaktive Abfälle, dass sie folgende Anforderungen erfüllen müssen:
- Freier Fall aus 9 Metern Höhe auf ein unnachgiebiges Aufprallfundament;
- Freier Fall aus 1 Meter Höhe auf einen Stahldorn von 15 cm Durchmesser;
- Feuertest in einer allseitigen Flammenumgebung mit einer Temperatur von mindestens 800 °C für die Dauer von 30 Minuten;
- Eintauchprüfung in Wasser über 8 Stunden in 15 Metern Tiefe;
- Eintauchprüfung in 200 Metern Wassertiefe über eine Stunde im Fall von Transportbehältern mit abgebrannten Brennelementen.
Quelle: BFS, 2008, Seite 39
Keiner der heute verwendeten Behälter hat in realen Tests gezeigt, dass er diese Anforderungen in der Praxis auch wirklich einzuhalten vermag. Hinzu kommt, dass reale Unfallverläufe durchaus erheblich über den genannten Anforderungen liegen können. Brände mit einer erheblich längeren Dauer und erheblich höheren Temperatur sind ebenso möglich, wie zum Beispiel Stürze von Brücken aus deutlich größere Höhe.
Umso unverantwortlicher ist es, dass die Nachweise über die Behältersicherheit nicht auf dem Prüfstand bzw. in der Realität erbracht werden müssen, sondern das a.) Modell-Rechnungen, b.) Ähnlichkeitsbetrachtungen und c.) Tests mit verkleinerten Modellen für die Zulassung als ausreichend anerkannt werden. Keiner der seit 1982 im Einsatz befindlichen Behälter der so genannten CASTOR-Reihe ist real und im Maßstab 1:1 getestet worden! CASTOR steht für Cask for Storage and Transport of Radioactive Material.
Doch selbst bei den völlig ungenügenden Tests ist es in der Vergangenheit mehrfach zu großen Problemen gekommen. Ende der 90er Jahre wurde beispielsweise den Behältertypen NTL 11 und NTL 3 die Zulassung entzogen, nachdem diese in Modellversuchen die oben beschriebenen Tests nicht bestanden hatten. Diese Behälter waren bis dahin bereits jahrelang im Einsatz. Zu der Sicherheitsüberprüfung war es gekommen, nach dem französische Behörden Zweifel an der Zuverlässigkeit der Behälter geäußert hatten und zur Überprüfung diese Falltests verlangt hatten. Für einige deutsche Atomkraftwerke (Krümmel, Gundremmingen und Neckarwestheim) hatte das zur Folge, dass die Transporte zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield abgesagt werden mussten.
Trotz massiver Kritik, auch aus dem Bundesamt für Strahlenschutz, verteidigt die BAM diese Prüfbedingungen. In der Informationsbroschüre des Bundesamtes für Strahlenschutz "Radioaktive Frachten unterwegs" ist nachzulesen: "Es ist sinnvoll, diese Praxis zu überprüfen und gegebenenfalls nachträglich Fallversuche, Erhitzungsprüfungen und Eintauchversuche an Originalbehältern vorzunehmen." Mehrfach hatte der Präsident des Bundesamtes Wolfram König die Prüfungen an Originalbehältern angemahnt, die BAM hält jedoch vehement an den bestehenden Prüfbedingungen fest. Das BfS erneuerte wenn auch etwas dezenter seine Kritik in diesem Jahr: Allein (!!, ROBIN WOOD) schon aus Akzeptanzgründen ist es sinnvoll, die Praxis zu überprüfen und gegebenenfalls nachträgliche Fallversuche, Erhitzungsprüfungen und Eintauchversuche an Originalbehältern vorzunehmen. (BFS, Dezentrale Zwischenlager, 2008, Seite 39)
Im Juli des Jahres 2002 hatte das Polit-Magazin plusminus enthüllt, dass die angeblich so sicheren CASTOR-Behälter alles andere als sicher sind. Unabhängig voneinander war drei Gutachtern aufgefallen, dass sich mehr als 20 Rechenfehler in die "Störfallberechnungen" der CASTOR-Behälter HAW 20/28 CG "eingeschlichen" hatten. Die Behauptung, dass die Behälter einen Absturz aus drei Meter Höhe unbeschadet überstehen, ist seither eher als Glaubensbekenntnis zu werten.
Aber auch im Hinblick auf die Abschirmung der extrem hohen Radioaktivität bestehen Zweifel an der langfristigen Sicherheit der Behälter, die für 40 Jahre im Zwischenlager Gorleben aufgestellt werden.
Der aktuelle Castortransport 2008
Für den Castortransport 2008 wird ein französischer Behälter vom Typ TN85 benutzt. Der Grund, dass in diesem Jahr der TN85 zum Einsatz kommt, ist, dass die Glaskokillen, die jetzt nach Gorleben gebracht werden, eine größere Wärmeleistung haben, als bei früheren Transporten. Das wiederum hängt damit zusammen, das die Brennelemente, aus denen der Atommüll entstanden ist, einen höheren Abbrand hatten, - also im Reaktor sozusagen intensiver genutzt worden sind. Durch die höhere Wärmeleistung der Glaskokillen erhöhen sich auch die Anforderungen an die Behälter. Die bislang eingesetzten Behälter vom Typ HAW 20/28 CG sind für diese höhere Wärmeleistung nicht ausgelegt. Auch für den TN 85 gilt die oben genannte Kritik: Auch dieser Behälter wurde nie im Original getestet, sondern lediglich mit Modellen im Maßstab 1:3.
Für den Atommüll mit höherer Wärmeleistung sollte im nächsten Jahr ein Transport mit dem neuen (deutschen) Behälter vom Typ HAW 28M stattfinden. Allerdings ist es hier zu Problemen während des Zulassungsverfahrens gekommen. Weil der Behälter immer noch nicht genehmigt ist, kann die aufwendige Produktion bislang nicht erfolgen. Daher sind diese Transporte inzwischen abgesagt worden. Die Zulassung des Behälters scheiterte bislang an Problemen mit der Computersimulation von Sicherheitstests. Laut einer Mitteilung des BfS habe die Herstellerfirma GNS die erforderlichen Sicherheitsnachweise nicht zeitgerecht erstellt. Und die Süddeutsche Zeitung meldete sogar, dass die zuständige Prüfbehörde, die Bundesanstalt für Materialforschung (BAM), in einem nicht dementierten Schreiben der GNS vorwarf, dass für die Sicherheitsnachweise frei gewählte Parameter (!!) in Rechenmodelle eingefügt worden seien. Reale Tests haben auch an diesem Behälter nur im Maßstab 1:2 stattgefunden.
Einzelheiten über die Art und Weise der Sicherheitsprüfungen bei den Atommüll-Behältern sind bis heute der Öffentlichkeit nur schwer bis gar nicht zugänglich.
...bitte lesen Sie dazu auch:
Elbe-Jeetzel-Zeitung, 22.11.2002
BAM: Keine Erkenntnisse, dass Castor Schaden nähme
Aber neue Nachweisführung notwendig
(mehr...)
Elbe-Jeetzel-Zeitung, 19.11.2002
GNS ohne stichfeste Nachweise
BAM: Bei Castor-Sturz aktueller Stand der Technik nicht belegt
(mehr...)
|