Stade (KKS - stillgelegt)

Allgemeine Daten

Reaktortyp/Baureihe:Druckwasserreaktor, 1. Generation
Hersteller:KWU
Nennleistung:672 MW Brutto / 640 MW Netto
Inbetriebnahme (Erstkritikalität):28.7.1967
Endgültige Abschaltung:14.11.2003
Reststrommenge lt. Atomkonsens:4,79 TWh
Standort:Stade, Niedersachsen
Zuständige Aufsichtsbehörde:Niedersächsisches Umweltministerium

Die verbliebene Reststrommenge kann vom Betreiber noch auf andere AKW übertragen werden.

(Quelle: CNS, Bericht der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für die Dritte Überprüfungstagung im April 2005, http://www.bfs.de/kerntechnik/cns2005_deu.pdf S.127ff.; CNS, Bericht der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für die Erste Überprüfungstagung im April 1999, http://www.bfs.de/kerntechnik/CNS_99_D.pdf, S.4; BMU, Bekanntmachung nach §7 Abs. 1c Satz 4 AtG, Eigene Berechnungen)

Betreiber

Betreiber:Kernkraftwerk Stade GmbH & Co. oHG
Geschäftsführung:
Eigentümer:E.ON Kernkraft GmbH 66,6% (verantwortlich)
Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH (33,3%)
Quellen: Bericht der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für die Dritte Überprüfungstagung im April 2005 http://www.bfs.de/kerntechnik/cns2005_deu.pdf S.127ff.

Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente

Der ursprünglich gestellte Antrag zur Genehmigung eines Zwischenlagers wurde im August 2001 zurück gezogen, da die Stilllegung vom Betreiber bereits geplant war.

Quellen: BFS, Dezentrale Zwischenlager - Bausteine zur Entsorgung radioaktiver Abfälle, 2005; BFS, Statusbericht zur Kernenergienutzung in der Bundesrepublik Deutschland 2003

Stilllegung und Rückbau

Im Jahr 2000, nach Vereinbarung des "Atomkonsenses", gab der Betreiber bekannt, dass er für 2003 die Stilllegung von Stade plane. Er führte hierfür wirtschaftliche Gründe an, insbesondere die (damals) niedrigen Preise auf dem Strommarkt, die Wasserentnahmegebühr und das Verbot von WAA-Transporten ab 2005.

Am 14.11.2003 wurde das AKW endgültig abgeschaltet.

Der letzte Castor-Behälter wurde am 27.4.2005 in Richtung La Hague abtransportiert. Damit enthält das AKW inzwischen keine Brennelemente mehr.

Bis September 2005 wurde das AKW in den sog. "Restbetrieb" überführt.

Am 7.9.2005 bzw. 15.2.2006 wurden die Genehmigungen für Stilllegung und Rückbau erteilt. Der Rückbau erfolgt in mehrere Phasen und soll bis 2015 dauern. Bis Ende 2006 soll ein Zwischenlager für die beim Abbau anfallenden ca. 3000 Tonnen schwach- und mittelaktiven Atommüll gebaut werden. Das Lager soll bis zu 40 Jahre in Betrieb bleiben.

Der größte Teil des Abfalls (insgesamt sollen 330 000 Tonnen Abbaumasse anfallen) wird jedoch "freigegeben", d.h. wenn die Strahlung unter bestimmten Grenzwerten liegt, als "normaler" Müll entsorgt oder auch recycelt.

Quellen: taz vom 28.05.04, http://www.x1000malquer.de/pa61517.html; Stader Tageblatt, 15.11.2003, http://www.tageblatt.de/db/main.cfm?DID=127725; Pressemitteilung E.ON, 9.10.2000, http://www.eon.com/de/presse/news-show.do?id=75; Niedersächsisches Umweltministerium, http://www.umwelt.niedersachsen.de/master/C16841985_N16841654_L20_D0_I598.html; E.ON, Stade-Stilllegung und Rückbau des Kernkraftwerks - vom Kraftwerk zur "Grünen Wiese", http://www.eon-kernkraft.com/Ressources/downloads/kernkraft-rueckbau_24-06-021.pdf

Schwachstellen

Das AKW Stade ist ein Druckwasserreaktor der 1. Generation und und wurde - trotz einer ganzen Reihe von Nachrüstungen - mit mehreren gravierenden Schwachstellen betrieben. Viele der Schwachstellen hätten sich nicht mehr nachträglich beseitigen lassen.

Dies ist zum einen der mangelnde Schutz gegen Flugzeugabstürze - die Reaktorkuppel ist lediglich 60 cm dick, und auch das nachträglich errichtete Notstandsgebäude ist nicht gegen den Aufprall einer Militärmaschine oder eines Verkehrsflugzeugs ausgelegt; zum anderen ist insbesondere der für so genannten spröden Bruch anfällige Werkstoff des Reaktordruckbehälters, wodurch dieser insbesondere bei Störfallszenarien mit Notkühlung bersten kann. Ein Super-GAU wäre in einem solchen Fall nicht mehr zu verhindern gewesen. Das Problem wird mit dem Alter des Reaktors noch verschärft, da die Neutronenstrahlung zur Versprödung des Materials führt. Ein nachträglicher Austausch des Reaktordruckbehälters wäre nicht möglich gewesen.

Helmut Hirsch: Atromstrom 2000: Sauber, sicher, alles im Griff?; erstellt im Auftrag des BUND, November 1999
Stand: März 2006