Philippsburg 2 (KKP-2)
Allgemeine Daten
| Reaktortyp/Baureihe: | Druckwasserreaktor 3. Generation |
| Hersteller: | KWU |
| Nennleistung: | 1458 MW Brutto / 1358 MW Netto |
| Inbetriebnahme (Erstkritikalität): | 13.12.1984 |
| Standort: | Philippsburg, Baden-Württemberg |
| Zuständige Aufsichtsbehörde: | Umweltministerium Baden-Württemberg |
| Brennstoff: | Uran, MOX |
| Reststrommenge lt. Atomkonsens zum 31.12.2005: | 135,66 TWh |
| Durchschnittliche Erzeugung 2000-2005: | 12,59 TWh pro Jahr |
| Prognose Stilllegung nach Atomkonsens: | 2016 |
Betreiber
| Betreiber: | Energie Baden-Württemberg Kernkraft GmbH (EnKK) |
| Eigentümer: | EnBW AG 99,8% |
| Geschäftsführung: | Dr. Hans-Josef Zimmer (Vorsitzender), Wolfgang Heni, Michael Wenk, Konrad Schauer |
Zwischen- und Interimslager
Informationen zum Zwischen- und Interimslager für abgebrannte Brennelemente
Auffällige Störfälle und sonstige Ereignisse
Auffällig am AKW Philippsburg-2 sind besonders häufige gravierende Fehler, die die Notkühlsysteme betreffen. Das Notkühlsystem ist entscheidend, um beim Abschalten des Reaktors und bei Störfällen die so genannte Nachzerfallswärme abzuführen und eine Kernschmelze zu verhindern.
1998: Falsch ausgelegte Notkühlpumpen
1998 wurde entdeckt - nach einem Zwischenfall in einem spanischen AKW - dass die Pumpen des Not- und Nachkühlsystems sowie die Kühlpumpen des Lagerbeckens unzureichend ausgelegt waren und sich im Ernstfall möglicherweise überhitzt hätten.
2001: Der "Flutbehälter-Skandal"
Beim Wiederanfahren des Reaktors am 12. August 2001 wurde entdeckt, dass der Füllstand in allen vier Flutbehältern des Notkühlsystems nicht die vorgeschriebene Höhe hatte - ein Verstoß gegen das Betriebshandbuch. Die Betriebsmannschaft füllte die Behälter auf und fuhr mit dem Betrieb fort. Die Flutbehälter enthalten den Vorrat an Kühlwasser für die Reaktorkühlung, das außerdem mit Bor angereichert ist, das Neutronen absorbiert und bei Störfällen helfen soll, die Kettenreaktion zu stoppen. Erst gute zwei Wochen später wurde entdeckt, dass in dreien der Behälter die geforderte Borkonzentration in den Behältern nicht eingehalten wurde - offenbar war beim Auffüllen vergessen worden, auch die entsprechende Menge Borsäure hinzuzugeben.
Damit stand das Notkühlsystem nicht wie vorgeschrieben zur Verfügung, und der Reaktor hätte eigentlich sofort abgeschaltet werden müssen. Trotzdem wurde lediglich - bei laufenden Betrieb im Zeitraum zwischen 28. August und 9. September - Borsäure nachdosiert und der Vorfall in der niedrigsten Kategorie (INES 0 - "keine oder geringe sicherheitstechnische Bedeutung") der Aufsichtsbehörde gemeldet.
Der Vorfall löste heftige politische Diskussionen zwischen dem Baden-Württembergischen Umweltministerium und dem BMU aus, und der Reaktor wurde am 8. Oktober vorerst abgeschaltet. Sogar das CDU-geführte Baden-Württembergische Umweltministerium sah schließlich jedoch "ernsthafte Zweifel an einer hinreichend zuverlässigen Betriebsführung der Anlage". Der Vorfall hatte bei der EnBW auch personelle Konsequenzen: Die technischen Vorstände der EnBW Kraftwerke AG und der EnBW AG mussten ihre Posten räumen.
Schließlich wurde sogar bekannt, dass der Reaktor 17 Jahre lang nach Revisionen regelmäßig mit zu niedrigen Flutbehälter-Füllständen angefahren worden war, also jedes Mal das Risiko einer nicht ausreichenden Notkühlung eingegangen worden war. Auch in den anderen Atomkraftwerken der EnBW, Obrigheim und Neckarwestheim, war es zu ähnlichen Nachlässigkeiten gekommen.
Philipssburg-2 ging im Dezember 2001 nach 70 Tagen Stillstand wieder ans Netz.
2004: Befestigungsstifte an Notkühlpumpen fehlen
Bei Instandhaltungsarbeiten an einer Notkühlpumpe, die im laufenden Betrieb druchgeführt wurden, wurde entdeckt, dass die eigentlich vorgesehenen Befestigungsstifte fehlten. Kontrollen ergaben, dass der Fehler System hatte - an insgesamt 29 Pumpen des Notkühlsystems und in anderen Bereichen fehlten die Stifte.
2005: Totvolumen bei der Notkühlung nicht berücksichtigt
Auch 2005 riss die Serie von Mängeln an der Notkühlung nicht ab. Zu Beginn des Jahres wurde festgestellt, dass bei Kühlmittellecks am Reaktordruckbehälter oder in dessen unmittelbarer Nähe ein Teil des Kühlwassers im Zwischenraum zwischen dem Druckbehälter und der Betonumhüllung verloren gehen kann - und dass dies bei der Auslegung der Kühlsysteme nicht berücksichtigt worden war. Wenn die Notkühlpumpen Luft ansaugen, können sie dadurch beschädigt werden. Der Betreiber hatte sich bei der Aufklärung des Sachverhaltes unkooperativ gezeigt und wichtige Informationen zurück gehalten.