Obrigheim (KWO - stillgelegt)
Allgemeine Daten
| Reaktortyp/Baureihe: | Druckwasserreaktor, 1. Generation |
| Hersteller: | Siemens-Schuckert AG |
| Nennleistung: | 357 MW Brutto / 340 MW Netto |
| Inbetriebnahme (Erstkritikalität): | 22.9.1968 |
| Standort: | Obrigheim, Neckar-Odenwald-Kreis, Baden-Württemberg |
| Übertragene Strommenge 2000-2005: | +5,5 TWh (von Philippsburg-1) |
| Reststrommenge lt. Atomkonsens: | 0,12 TWh |
| Endgültige Abschaltung: | 11.5.2005 |
| Zuständige Aufsichtsbehörde: | Umweltministerium Baden-Württemberg |
Betreiber
| Betreiber: | Kernkraftwerk Obrigheim GmbH |
| Eigentümer: | EnBW AG 100% |
| Geschäftsführer: | Konrad Schauer |
Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente
| Baugenehmigung: | 1979-1983 |
| Atomrechtliche Genehmigung: | 26.10.1998 (mit Sofortvollzug) |
| Kapazität: | 980 Brennelemente, ca. 268 Tonnen Schwermetall |
| Bauart: | Nasslager |
| Fertigstellung: | 1984 |
| Inbetriebnahme: | Mitte 1999 |
Das Zwischenlager ist das einzige Standortzwischenlager an einem AKW, das bereits vor dem Atomkonsens gebaut und in Betrieb genommen wurde. Im Gegensatz zu den neueren Zwischenlagern ist es ein Nasslager, in das nicht fertig beladene Castor-Behälter, sondern einzelne Brennelemente eingelagert werden.
Im Rahmen des Rückbaus will der Betreiber das Nasslager für abgebrannte Brennelemente auflösen und dafür ein Trockenlager (wie an den anderen AKW-Standorten) einrichten. Also ein neues Zwischenlager-Projekt - ein Genehmigungsantrag wurde bereits angekündigt.
Schwachstellen
Das AKW Obrigheim ist ein Druckwasserreaktor der 1. Generation und und wurde - trotz einer ganzen Reihe von Nachrüstungen - mit mehreren gravierenden Schwachstellen betrieben. Zahlreiche Schwachstellen hätten sich nicht mehr nachträglich beseitigen lassen.
Hier zu nennen sind insbesondere:
- Mangelnder Schutz gegen Flugzeugabstürze - die Reaktorkuppel ist lediglich 70 cm dick;
- Obrigheim ist nicht ausreichend gegen Erdbeben ausgelegt
- Obrigheim hat als einziger Druckwasserreaktor nur zwei Stränge (Loops) im Primärkreislauf. Störfallszenarien wie Kühlmittellecks wären dadurch viel schwerer beherrschbar gewesen. Alle noch in Betrieb befindlichen AKW außer Neckarwestheim verfügen über vier Loops.
- Das Notkühlsystem ist anders als bei allen neueren Reaktoren nicht für einen vollständigen Abriss einer Hauptkühlmittelleitung (so genannten 2F-Bruch) ausgelegt.
- Der Werkstoff des Reaktordruckbehälters ist für so genannten spröden Bruch anfällig, wodurch dieser insbesondere bei Störfallszenarien mit Notkühlung bersten kann. Ein Super-GAU wäre in einem solchen Fall nicht mehr zu verhindern. Das Problem wird mit dem Alter des Reaktors noch verschärft, da die Neutronenstrahlung zur Versprödung des Materials führt.
Der "Atomkonsens" und der politische Poker um die Stilllegung
Zum Zeitpunkt der Vereinbarung des Atomkonsenses war Obrigheim das älteste betriebene AKW und schon älter als die vorgesehene durchschnittliche Laufzeit von 32 Jahren. Ihm wurde ein Sonderstatus eingeräumt, der offiziell die Stilllegung für Ende 2002 vorsah.
Als es jedoch soweit war, beantragte der Betreiber EnBW am 26.9.2002 entgegen der Vereinbarung eine Laufzeitverlängerung durch Strommengenübertragung von 15 TWh vom AKW Neckarwestheim II. Es wurde bekannt, dass Bundeskanzler Schröder bei der Konsensvereinbarung der EnBW eine "Geheimzusage" gegeben hatte, dass Obrigheim auch darüber hinaus weiter betrieben werden könne. Der politische Poker um die Laufzeitverlängerung belastete erheblich die damaligen rot-grünen Koalitionsverhandlungen.
Schließlich wurde durch das Umweltministerium am 14.10.2002 die Übertragung von 5,5 TWh vom AKW Philippsburg-1 auf Obrigheim genehmigt. Diese Strommenge war im Mai 2005 aufgebraucht, so dass das AKW - diesmal tatsächlich - am 11.5.2005 stillgelegt wurde. Es war damit das erste AKW, das tatsächlich aufgrund des "Atomkonsenses" stillgelegt wurde. Stade war 2003 aus wirtschaftlichen Gründen abgeschaltet worden.
Der Rückbau
Der Rückbau des AKW soll nach den Plänen des Betreibers vom April 2005 in mehreren Phasen erfolgen. Bis 2007 sollen in der "Nachbetriebsphase" u.a. die noch im AKW befindlichen hochradioaktiven Brennelemente in das Nasslager am Standort gebracht werden.
Bis 2021 sollen dann die radioaktiv verseuchten Anlagenteile zerlegt und entsorgt werden. Dabei werden (zusätzlich zu den abgebrannten Brennelementen) nach Betreiberangaben voraussichtlich 2500 Tonnen Atomschrott (schwach- und mittelaktiver Atommüll) anfallen. Der größte Teil des Abfalls (insgesamt sollen 275 000 Tonnen Abbaumasse anfallen) wird jedoch "freigegeben", d.h. wenn die Strahlung unter bestimmten Grenzwerten liegt, als "normaler" Müll entsorgt oder auch recycelt.
Wenn alles soweit klappt wie geplant, soll bis 2023 der "normale" Abriss der Gebäude erfolgen.