Obrigheim (KWO - stillgelegt)

Allgemeine Daten

Reaktortyp/Baureihe:Druckwasserreaktor, 1. Generation
Hersteller:Siemens-Schuckert AG
Nennleistung:357 MW Brutto / 340 MW Netto
Inbetriebnahme (Erstkritikalität):22.9.1968
Standort:Obrigheim, Neckar-Odenwald-Kreis, Baden-Württemberg
Übertragene Strommenge 2000-2005:+5,5 TWh (von Philippsburg-1)
Reststrommenge lt. Atomkonsens:0,12 TWh
Endgültige Abschaltung:11.5.2005
Zuständige Aufsichtsbehörde:Umweltministerium Baden-Württemberg
(Quelle: Bericht der Regierung der Bundesrepublik Deutschland für die Dritte Überprüfungstagung im April 2005 http://www.bfs.de/kerntechnik/cns2005_deu.pdf S.127ff.; Umweltministerium Baden-Württemberg, http://www.um.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/Entry.16018.Display/; BMU, Bekanntmachung nach §7 Abs. 1c Satz 4 AtG, Eigene Berechnungen)

Betreiber

Betreiber:Kernkraftwerk Obrigheim GmbH
Eigentümer:EnBW AG 100%
Geschäftsführer:Konrad Schauer
(Quellen: Informationskreis Kernenergie, Kernenergie in Deutschland - Jahresbericht 2004, http://www.atomforum.de/informationskreis/de/downloads/jahresbericht2004.php?navid=88; Pressemitteilung EnBW vom 6.4.2005, http://www.enbw.com/content/de/presse/pressemitteilungen/2005/04/pm_20050406_cu02/)

Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente

Baugenehmigung:1979-1983
Atomrechtliche Genehmigung:26.10.1998 (mit Sofortvollzug)
Kapazität:980 Brennelemente, ca. 268 Tonnen Schwermetall
Bauart:Nasslager
Fertigstellung:1984
Inbetriebnahme:Mitte 1999

Das Zwischenlager ist das einzige Standortzwischenlager an einem AKW, das bereits vor dem Atomkonsens gebaut und in Betrieb genommen wurde. Im Gegensatz zu den neueren Zwischenlagern ist es ein Nasslager, in das nicht fertig beladene Castor-Behälter, sondern einzelne Brennelemente eingelagert werden.

Im Rahmen des Rückbaus will der Betreiber das Nasslager für abgebrannte Brennelemente auflösen und dafür ein Trockenlager (wie an den anderen AKW-Standorten) einrichten. Also ein neues Zwischenlager-Projekt - ein Genehmigungsantrag wurde bereits angekündigt.

Quellen: BFS, Dezentrale Zwischenlager - Bausteine zur Entsorgung radioaktiver Abfälle, 2005; BFS, Statusbericht zur Kernenergienutzung in der Bundesrepublik Deutschland 2003; Pressemitteilung von EnBW, 6.4.2005, http://www.enbw.com/content/de/presse/pressemitteilungen/2005/04/pm_20050406_cu02/index.jsp

Schwachstellen

Das AKW Obrigheim ist ein Druckwasserreaktor der 1. Generation und und wurde - trotz einer ganzen Reihe von Nachrüstungen - mit mehreren gravierenden Schwachstellen betrieben. Zahlreiche Schwachstellen hätten sich nicht mehr nachträglich beseitigen lassen.

Hier zu nennen sind insbesondere:

Quelle: Helmut Hirsch: Atomstrom 2000: Sauber, sicher, alles im Griff?; erstellt im Auftrag des BUND, November 1999

Der "Atomkonsens" und der politische Poker um die Stilllegung

Zum Zeitpunkt der Vereinbarung des Atomkonsenses war Obrigheim das älteste betriebene AKW und schon älter als die vorgesehene durchschnittliche Laufzeit von 32 Jahren. Ihm wurde ein Sonderstatus eingeräumt, der offiziell die Stilllegung für Ende 2002 vorsah.

Als es jedoch soweit war, beantragte der Betreiber EnBW am 26.9.2002 entgegen der Vereinbarung eine Laufzeitverlängerung durch Strommengenübertragung von 15 TWh vom AKW Neckarwestheim II. Es wurde bekannt, dass Bundeskanzler Schröder bei der Konsensvereinbarung der EnBW eine "Geheimzusage" gegeben hatte, dass Obrigheim auch darüber hinaus weiter betrieben werden könne. Der politische Poker um die Laufzeitverlängerung belastete erheblich die damaligen rot-grünen Koalitionsverhandlungen.

Schließlich wurde durch das Umweltministerium am 14.10.2002 die Übertragung von 5,5 TWh vom AKW Philippsburg-1 auf Obrigheim genehmigt. Diese Strommenge war im Mai 2005 aufgebraucht, so dass das AKW - diesmal tatsächlich - am 11.5.2005 stillgelegt wurde. Es war damit das erste AKW, das tatsächlich aufgrund des "Atomkonsenses" stillgelegt wurde. Stade war 2003 aus wirtschaftlichen Gründen abgeschaltet worden.

Der Rückbau

Der Rückbau des AKW soll nach den Plänen des Betreibers vom April 2005 in mehreren Phasen erfolgen. Bis 2007 sollen in der "Nachbetriebsphase" u.a. die noch im AKW befindlichen hochradioaktiven Brennelemente in das Nasslager am Standort gebracht werden.

Bis 2021 sollen dann die radioaktiv verseuchten Anlagenteile zerlegt und entsorgt werden. Dabei werden (zusätzlich zu den abgebrannten Brennelementen) nach Betreiberangaben voraussichtlich 2500 Tonnen Atomschrott (schwach- und mittelaktiver Atommüll) anfallen. Der größte Teil des Abfalls (insgesamt sollen 275 000 Tonnen Abbaumasse anfallen) wird jedoch "freigegeben", d.h. wenn die Strahlung unter bestimmten Grenzwerten liegt, als "normaler" Müll entsorgt oder auch recycelt.

Wenn alles soweit klappt wie geplant, soll bis 2023 der "normale" Abriss der Gebäude erfolgen.

Quelle: Pressemitteilung von EnBW, 6.4.2005, http://www.enbw.com/content/de/presse/pressemitteilungen/2005/04/pm_20050406_cu02/index.jsp
Stand: März 2006