Neckarwestheim-II (Neckar-II, GKN-2)
Allgemeine Daten
| Reaktortyp/Baureihe: | Druckwasserreaktor 4. Generation (Konvoi) |
| Hersteller: | KWU |
| Nennleistung: | 1365 MW Brutto / 1269 MW Netto |
| Inbetriebnahme (Erstkritikalität): | 29.12.1988 |
| Standort: | Neckarwestheim, Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg |
| Reststrommenge lt. Atomkonsens zum 31.12.2005: | 173,50 TWh |
| Durchschnittliche Erzeugung 2000-2005: | 12,51 TWh pro Jahr |
| Prognose Stilllegung nach Atomkonsens: | 2019 |
Betreiber
| Eigentümer: | EnBW Kernkraft GmbH |
| Geschäftsführer: | Dr. Hans-Josef Zimmer, Wolfgang Heni, Michael Wenk, Konrad Schauer |
| Beteiligungen: | EnBW Kraftwerke AG 98,45% ZEAG Energie AG 1,30% Deutsche Bahn AG 0,2% Kernkraftwerk Obrigheim GmbH 0,05% |
Die früher eigenständige Betreibergesellschaft GKN GmbH wurde im Dezember 2003 in die EnBW Kernkraft GmbH integriert, die auch die AKW Philippsburg und Obrigheim betreibt. Der frühere Miteigentümer Neckarwerke Stuttgart AG ging im Oktober 2003 im EnBW-Konzern auf.
Zwischen- und Interimslager
Informationen zum Zwischen- und Interimslager für abgebrannte Brennelemente
Schwachstellen
Instabiler Untergrund
Der Boden, auf dem die Reaktoren des AKW Neckarwestheim stehen, ist geologisch instabil. Eine Gipsschicht wird durch Grundwasser ausgelaugt, wodurch Hohlräume entstehen, die spontan einstürzen können. Ende 2002 kam es auf einem Acker nahe Besigheim ohne Vorwarnung zu einem 18 Meter tiefen Erdeinbruch, 4,5 km vom AKW entfernt und in geologisch vergleichbarem Untergrund. Die Atomaufsicht argumentiert zwar, dass die Bewegung des Untergrundes laufend durch empfindliche Messgeräte überwacht wird. Trotzdem wurden seit 1988 im Laufe der Zeit mehrere neue, bisher nicht bekannte Hohlräume im Untergrund unter den AKW entdeckt. Es ist daher zu befürchten, dass weitere unbekannte Hohlräume entstehen oder bereits existieren, und die Standsicherheit der Anlage gefährden. Ein Einbruch unter dem Reaktor oder anderen kritischen Bereichen könnte wichtige Komponenten massiv beschädigen und dabei auch mehrere der redundanten Sicherheitssysteme gleichzeitig betreffen.
Auffällige Störfälle und sonstige Ereignisse
2004: Entlassung des technischen Leiters
Im Juli 2004 entließ der Betreiber EnBW den technischen Leiter des Kraftwerks Neckarwestheim-II, Eberhard Grauf. Der Grund waren nach Darstellung der EnBW "Meinungsverschiedenheiten in Managementfragen". Allerdings gab es Vermutungen, dass sich dahinter in Wahrheit gewichtigere Gründe verbergen könnten: Grauf, der als exzellenter Fachmann in Fragen der Kerntechnik gilt, habe der Sicherheitspolitik im Zusammenhang mit den Sparprogrammen widersprochen. Die EnBW drängte im Anschluss auch das Bundesumweltministerium, Grauf aus der Reaktorsicherheitskommission zu entlassen.
2004: Freisetzung von Radioaktivität in den Neckar
Im August 2004 wurde beim Wiederanfahren des Reaktors nachträglich entdeckt, dass bei der vorhergehenden Revision eine geringe Menge Radioaktivität in den Neckar gelangt war. Auch andere Abfälle, ölhaltige Schlämme, waren belastet gewesen und wurden als nichtradioaktiv entsorgt. Ein Fehler in der Anlage, der dadurch entdeckt wurde, hatte seit Errichtung vorgelegen. Der Leiter der Aufsichtsbehörde, Umweltminister Mappus (CDU), kommentierte das Ereignis: "Das Gravierende ist, dass die Abgabe ungeplant, unbewusst, unerkannt und unkontrolliert erfolgte". Dies könne er nicht akzeptieren, denn schließlich hätte auf demselben Wege auch eine größere Menge Radioaktivität unerkannt in die Umwelt gelangen können.