Krümmel (KKK)
Allgemeine Daten
| Reaktortyp/Baureihe: | Siedewasserreaktor, Baulinie 69 |
| Hersteller: | KWU |
| Nennleistung: | 1316 MW Brutto / 1260 MW Netto |
| Inbetriebnahme (Erstkritikalität): | 14.9.1983 |
| Standort: | Geesthacht-Krümmel, Kreis Herzogtum Lauenburg, Schleswig-Holstein |
| Zuständige Aufsichtsbehörde: | Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren, Schleswig-Holstein - früher: Ministerium für Energie und Finanzen |
| Brennstoff: | Uran, Genehmigung für MOX beantragt |
| Reststrommenge lt. Atomkonsens zum 31.12.2005: | 104,21 TWh |
| Durchschnittliche Erzeugung 2000-2005: | 10,80 TWh pro Jahr |
| Prognose Stilllegung nach Atomkonsens: | 2015 |
P0273637.pdf; BMU, Bekanntmachung nach §7 Abs. 1c Satz 4 AtG, Eigene Berechnungen)
Betreiber
| Betreiber: | Kernkraftwerk Krümmel GmbH & Co oHG |
| Geschäftsführer: | Dr. Bruno Thomauske, Gunther Müller |
| Eigentümer: | Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH 50% (geschäftsführend), E.ON Kernkraft GmbH 50% |
154192vatt/Bergbau_und_Kraftwerke/P0273637.pdf)
Zwischen- und Interimslager
Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente
| Erstantrag: | 30.11.1999 |
| Atomrechtliche Genehmigung: | 19.12.2003 (ohne Sofortvollzug, Verfahren nicht abgeschlossen) |
| Baugenehmigung: | 29.3.2004 |
| Kapazität: | 775 Tonnen Schwermetall, 9,6×1019 Becquerel Aktivität, 3 MW Wärmefreisetzung |
| Behälter: | 80 Behälter, Castor/V52 |
| Lagerdauer: | 40 Jahre ab Einlagerung des ersten Behälters |
| Bauart: | STEAG-Konzept |
| Baubeginn: | 23.4.2004 |
| Inbetriebnahme: | voraussichtlich Sommer 2006 |
Interimslager für abgebrannte Brennelemente
| Erstantrag: | 15.8.2000 |
| Atomrechtliche Genehmigung: | 20.6.2003 (ohne Sofortvollzug), Verfahren abgeschlossen |
| Baugenehmigung: | |
| Inbetriebnahme: | 5.8.2004 |
| Kapazität: | 120 Tonnen Schwermetall, 1,5×1019 Becquerel Aktivität, 0,42 MW Wärmefreisetzung |
| Behälter: | 12 Behälter, Castor/V52 |
| Genehmigte Lagerdauer: | 5 Jahre |
Bauartbedingte Schwachstellen
Krümmel gehört zu den Siedewasserreaktoren der Baulinie 69, dem ältesten noch betriebenen Reaktortyp in Deutschland. Diese Baulinie, zu der noch Isar-1, Brunsbüttel und Philippsburg-1 gehören, weist deutliche Sicherheitsdefizite gegenüber den neueren Reaktortypen auf und ist für eine besondere Häufung von Störfällen bekannt.
Besonders problematisch ist der kleinvolumige und dünne Sicherheitsbehälter, der bei größeren Störfällen besonders leicht durch Überdruck versagen kann und bei einer Kernschmelze innerhalb von Minuten durchschmelzen würde - massive Freisetzungen radioaktiven Materials mit kurzer Vorwarnzeit wären die Folge.
Weitere grundlegende Sicherheitsdefizite sind eine eingeschränkte zerstörungsfreie Prüffähigkeit der Konstruktion, der schwächer ausgelegte Reaktordruckbehälter ohne nahtlose Schmiederinge, das schwach ausgelegte Notkühlsystem (unter anderem fehlt ein Mitteldruckeinspeisesystem) sowie die schwächer ausgelegte und teilweise vermaschte Notstromversorgung.
Hinzu kommen die grundlegenden Schwachstellen von Siedewasserreaktoren: Da der Primärkreislauf den Sicherheitsbehälter verlässt und der gesamte Dampfkreislauf radioaktiv ist, kann ein Rohrbruch z.B. im Maschinenhaus zu direkter Freisetzung radioaktiven Dampfes und zu großem Kühlmittelverlust führen, ohne dass ausgetretenes Kühlmittel über die Notkühlsysteme zurück geführt werden kann - in diesem Fall droht eine Kernschmelze. Bei Lecks im Kondensator ist auch eine Freisetzung direkt in das Flusswasser denkbar. Zur Reaktorabschaltung müssen die Absorberstäbe, anders als bei Druckwasserreaktoren, gegen die Schwerkraft mittels Hydraulik in den Reaktor eingefahren werden, das Abschaltsystem ist also nicht "ausfallsicher". Auch das alternative Abschaltsystem, die Borsäureeinspeisung, verlässt sich auf aktive Systeme (Hochdruckpumpen).
Auffällige Störfälle und sonstige Ereignisse
1970er Jahre: Pfusch beim Einbau des Reaktordruckbehälters
Schon beim Bau entsprach der Reaktordruckbehälter nicht den genehmigten Spezifikationen, z.B. wurden Wanddicken unterschritten, Teile passten nicht richtig und wurden daraufhin mit hydraulischen Pressen "zurechtgebogen". Trotzdem blieb ein unzulässig großer Kantenversatz. Die sicherheitstechnische Bedeutung dieser Probleme wurde bis heute nicht definitiv geklärt.
1987: Knallgasexplosionen im Reaktor
Im November 1987 wurden an drei sicherheitstechnisch bedeutsamen Sicherheits- und Entlastungsventilen Beschädigungen festgestellt, die auf die Zündung von Knallgas (Radiolysegas) zurückgeführt wurden. Ähnliche Vorfälle gab es 1987 auch in Gundremmingen und 1988 in Isar-1. Knallgas, ein Gemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff, entsteht durch die Spaltung von Wassermolekülen durch die Strahlung und kann sich an verschiedenen Stellen der Anlage ansammeln und explosionsfähige Gemische bilden. 2001 in Brunsbüttel zerfetzte eine Knallgasreaktion sogar mehrere Meter einer Rohrleitung.
1993 und 1998: Risse in wichtigen Anlagenteilen
Im August 1993 wurde das AKW abgeschaltet, nachdem insgesamt 72 Risse im Speisewassersystem und anderen kritischen Anlagenteilen gefunden worden waren. Nach Ansicht der zuständigen Aufsichtsbehörde handelte es sich um Risse, die während des Betriebes gewachsen waren, also als besonders gefährlich einzustufen sind. Während der umfassenden Prüfungen und Reparaturen stand das AKW über ein Jahr lang, bis Oktober 1994, still. Trotzdem wurden bereits 1998 erneut Risse im Speisewassersystem gefunden.
Seit 1990: Häufung von Leukämiefällen in der Umgebung des AKW
Das AKW Krümmel wurde insbesondere durch die Diskussion um eine auffällige Häufung von Leukämiefällen bei Kindern in der Umgebung des Kraftwerkes bekannt. Von 1990 bis 2003 wurden insgesamt 15 Fälle von Leukämie bei Kindern und einem jungen Erwachsenen in der unmittelbaren Umgebung des AKWs beobachtet, das vier- bis zehnfache dessen, was statistisch zu erwarten wäre.
Nach offiziellen Studien wird ein Zusammenhang ausgeschlossen, allerdings wurde in diesen Studien davon ausgegangen, dass die offiziell genehmigten Emissionen des AKWs nicht überschritten wurden. Eine Studie des BUND zeigt auf, dass es Lücken in der Emissionsüberwachung gibt, die eine unbemerkte Freisetzung möglich erscheinen lassen. Andererseits gibt es Spekulationen über einen möglichen Unfall im nahe gelegenen GKSS-Kernforschungszentrum in den 1980er Jahren. Die Ursache der Erkrankungen ist bis heute nicht schlüssig geklärt.