Brokdorf (KBR)
Der Bau des AKW Brokdorf in den 1980er Jahren war von zahlreichen Demonstrationen und Protesten begleitet. Mit seinen massiven "Verteidigungsanlagen" aus Wassergräben und Stacheldrahtzäunen gleicht das AKW einer Festung.
Allgemeine Daten
| Reaktortyp/Baureihe: | Druckwasserreaktor 3. Generation |
| Hersteller: | KWU |
| Nennleistung: | 1440 MW Brutto / 1370 MW Netto |
| Inbetriebnahme (Erstkritikalität): | 8.10.1986 |
| Standort: | Brokdorf, Landkreis Steinburg/Unterelbe, Schleswig-Holstein |
| Zuständige Aufsichtsbehörde: | Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren, Schleswig-Holstein - früher: Ministerium für Energie und Finanzen |
| Brennstoff: | Uran, MOX |
| Reststrommenge lt. Atomkonsens zum 31.12.2005: | 150,99 TWh |
| Durchschnittliche Erzeugung 2000-2005: | 13,38 TWh pro Jahr |
| Prognose Stilllegung nach Atomkonsens: | 2017 |
Betreiber
| Betreiber: | E.ON Kernkraft GmbH |
| Geschäftsführer: | Erich K. Steiner, Bernd Güthoff, Hans-Jürgen Heutling, Dr. Norbert Kostka |
| Eigentümer: | E.ON Kernkraft GmbH 80%, Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH 20% |
Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente
| Erstantrag: | 20.12.1999 |
| Atomrechtliche Genehmigung: | 28.11.2003 (Sofortvollzug beantragt, Verfahren nicht abgeschlossen) |
| Baugenehmigung: | 4.2.2004 |
| Kapazität: | 1000 Tonnen Schwermetall, 5,5×1019 Becquerel Aktivität, 3,75 MW Wärmefreisetzung |
| Behälter: | 100 Behälter, Castor/V19 |
| Lagerdauer: | 40 Jahre ab Einlagerung des ersten Behälters |
| Bauart: | STEAG-Konzept |
| Baubeginn: | 5.4.2004 |
| Inbetriebnahme: | voraussichtlich Anfang 2007 |
Kein Interimslager.
Störfälle
Größere Störfälle sind im AKW Brokdorf bisher nicht bekannt geworden. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass auch hier ein "Super-GAU" - ein Kernschmelzunfall mit massiven Freisetzungen von Radioaktivität - nicht ausgeschlossen werden kann. Technik und Menschen sind auch in Brokdorf niemals perfekt - davon zeugen die 55 kleineren Pannen, die allein zwischen 1998 und September 2005 gemeldet wurden. Trotz des vergleichsweise hohen Sicherheitsstandards muss man davon ausgehen, dass auch hier mit zunehmendem Alter der Anlage das Risiko zunehmen wird. Hier sind exemplarisch einige der "kleineren" Pannen aufgelistet:
1995: Radioaktivität aus defekten Brennelementen ausgetreten
Als im Juli 1995 der Reaktor angefahren werden sollte, wurde entdeckt, dass 20 der gerade eingesetzten Brennelemente undicht waren. Als Folge wurden erhöhte Mengen radioaktiver Gase über den Schornstein frei gesetzt.
2005: Schalterdefekte an Not- und Nachkühlpumpen
Im Rahmen von Prüfungen wurden im März 2005 an den Schaltern für drei Not- und Nachkühlpumpen Defekte entdeckt. Die mehrfach ausgelegten Notkühlpumpen sind bei einem Störfall wichtig, um die Hitze aus dem Reaktorkern abzuführen. Fallen in dieser Situation mehrere Pumpen gleichzeitig aus, kann das zu einem Kernschmelzunfall führen.
Pressemitteilung/010405__msgv__brokdorf.html;