Energie, Welt retten
6. September 2011

Plagiat bei Vattenfall

Im Internet wird nunmehr auch ein Plagiatsverdacht zur Doktorarbeit von Vattenfall-Manager Detlef Dähnert diskutiert – das berichten die Potsdamer Neuesten Nachrichten. Dähnert ist “Umsiedlungsbeauftragter” bei Vattenfall und Honorarprofessor der FH Lausitz.

Detlev Dähnert / Foto: privat

Detlev Dähnert / Foto: privat

Es spricht viel dafür, dass Dähnert Ergebnisse von Vattenfall beauftragter Gutachterfirmen in seiner Doktorarbeit verwendete, ohne das kenntlich zu machen. Er hat seine Position als Auftraggeber damit möglicherweise ähnlich missbraucht, wie Karl-Theodor zu Guttenberg den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages. Zudem wurden Passagen aus einem Braunkohlenplan-Entwurf der Landesbehörden ohne Quellenangabe übernommen. Dies und eine Reihe weiterer Kritikpunkte rückt die ohnehin erstaunlich knapp gehaltene Arbeit (121 Seiten) in ein fragwürdiges Licht.

Die Arbeit “Bewältigung technischer und sozialer Probleme bei der Konzeption von Umsiedlungen” beschäftigt sich mit der Umsiedlung des Lausitzer Dorfes Haidemühl, für die D. Dähnert als Abteilungsleiter des Bergbaukonzerns zuständig war. Dähnerts Aufgabe bei Vattenfall ist es, die Umsiedlung von Dörfern für Braunkohletagebaue und die Verpressung von Kohlendioxid gegen alle Widerstände durchzusetzen.

Derzeit laufen verschiedene Verfahren, die Braunkohletagebaue in der Lausitz erweitern sollen. Am zeitnächsten ist unter anderem das Dorf Proschim betroffen. Hiergegen können bis Ende November Einwendungen gegen den Braunkohleplan “Welzow-Süd” gerichtet werden.

Im Internet gibt es weitere Informationen unter:
http://vattenplag.co.de/

Blog, Energie, Klima, Welt retten
10. August 2011

Klimacamp in der Lausitz

Am Sonntag startete das Klima- und Energiecamp in der Lausitz. Am Ort Jänschwalde (Janšojce) befindet sich das zweitgrößte Braunkohlekraftwerk der Republik, für dieses Kraftwerk sollen neue Tagebaue aufgeschlossen werden und auch die CO2-Abscheidung und Endlagerung soll hier das erste Mal von Vattenfall getestet werden. Bis zum 14. August wird es dort Workshops und Raum für Vernetzungen geben.

Ausblick vom Klimacamp

Ausblick vom Klimacamp auf das Kraftwerk Jänschwalde

Das Klimacamp findet an einem entscheidenden Ort statt: in Jänschwalde, wo das zweitgrößte Braunkohlekraftwerk der Republik steht.Für dieses Kraftwerk sollen neue Tagebaue aufgeschlossen werden und hier soll auch das Kohlendioxid abgeschieden werden, welches in “Endlager” in Ostbrandenburg verpresst wird, Das Verfahren wird kritisiert, weil es als hochriskant gilt, was Leckagen und die Grundwasserversalzung angeht.

Auch ROBIN WOOD ist mit dabei, mit verschiedenen Workshops und zum Beispiel einem Schnupperklettern. Am Samstag den 13. August ist eine Demonstration in Cottbus geplant: “Unsere Energie ist nicht eure Kohle! Für Klimagerechtigkeit, gegen neue Tagebaue und CCS!”

Aktion, Welt retten
4. Juni 2011

Petition gegen Pfefferspray

Gegen die Verwendung von Pfefferspray gegen Demonstrierende gibt es nun eine E-Petition beim Bundestag. Diese ist auch notwendig, wenn wir uns alle daran erinnern, dass 2190 Dosen Pfefferspray im Umfeld des letzten Gorleben Castors verwendet wurden und ein Kletterer zum Absturz gebracht und schwer verletzt wurde. Auch die Bilder im Stuttgarter Schlosspark bleiben unvergessen.

Polizisten räumen einen Teil des Stuttgarter Schlossparks und gehen dabei mit Wasserwerfern gegen Sitzblockaden vor / Foto: Christian Grodotzki

Die Petition richtet sich konkret gegen den Einsatz von Pfefferspray seitens der Bundespolizei gegen Versammlungen, Menschenmengen und Einzelpersonen mit  Ausnahme der Notwehr zu verbieten. Außerdem soll mittels eines Bundesgesetzes sowie im Rahmen der Innenministerkonferenz die selbe Einschränkung für die Länderpolizeien erwirkt werden.

Denn für Asthmatiker (5 % der Erwachsenen) und Allergiker (ca. 20%), sowie für Menschen, die Beruhigungsmittel, Drogen sowie bestimmte Medikamente eingenommen haben, besteht ein erhebliches gesundheitliches Risiko. So ereigneten sich in Deutschland im Jahr 2009 mindestens drei Todesfälle nach einem Polizeieinsatz mit Pfefferspray, im Jahr 2010 ein weiterer und in diesem Jahr bereits einer. Von Verhältnismäßigkeit der polizeilichen Mittel kann keine Rede mehr sein, wenn z.B. eine Sitzblockade mittels Einsatz eines potentiell tödlichen Reizmittels aufgelöst wird. Pfefferspray soll deshalb künftig nur noch ausschließlich zur Abwendung unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben der PolizistInnen erlaubt sein und dessen Verwendung dem Schusswaffengebrauch gleichgestellt werden.” erklärt “BürgerInnen beobachten Polizei und Justiz” dazu.

Hier der direkte Link zur E-Petition: https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=17847
und weitere Informationen zum Thema gibt es unter: http://www.buerger-beobachten-polizei.de/thema-repression/pfefferspray

Polizist mit Pfefferspray zielt auf den unteren Kletterer / Foto: Atomkraft tötet

Polizist mit Pfefferspray zielt auf den unteren Kletterer / Foto: Atomkraft tötet

Aktion, Verkehr, Wald, Welt retten
9. Mai 2011

Im Wald und auf dem Bahnhof: ROBIN WOODler_innen wegen Hausfriedensbruchs vor Gericht

Ein Wald wird gerodet und ein Bahnhof abgerissen. Ihren „Hausfrieden“ bricht, wer Bäume und Bahnhof vor den Rodungsmaschinen und Abrissbaggern schützt.

Morgen, am Dienstag, den 10. Mai, stehen drei Aktive von ROBIN WOOD wegen Hausfriedensbruchs vor zwei Gerichten.

Ab 9 Uhr wird vor dem Amtsgericht Rüsselsheim gegen Franziska verhandelt. Vorgeworfen wird ihr  dreifacher Hausfriedensbruch im Zusammenhang mit zwei Baumbesetzungen im Rodungsgebiet des damaligen Kelsterbacher Waldes im Frühjahr 2009 sowie der Räumung unseres Widerstandsdorfes am 18. Februar 2009. Der Wald wurde inzwischen für den Ausbau des Frankfurter Flughafens zerstört, dessen vierte Bahn im Herbst den Betrieb aufnehmen soll.

Um 15:30 Uhr beginnt vor dem Amtsgericht Stuttgart der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen Arne und Cecile. Ihnen wird vorgeworfen, am 30. August 2010 einen Abrissbagger am Nordflügel des Stuttgarter Bahnhofs besetzt zu haben. Inzwischen wurde bekannt, dass die Bahn unter Inkaufnahme erheblicher Mehrkosten den Abriss vorgezogen hatte, um angesichts schwindender politischer Chancen  Fakten für den Abriss zuschaffen.

Die angeklagten Aktivist_innen freuen sich über zahlreiche Prozessbesucher_innen. ROBIN WOOD kritisiert die Strafverfahren als Versuch, gewaltfreie Aktionen zivilen Widerstands zu kriminaliseren.

Blog, Energie, Klima, Verkehr, Welt retten
3. Mai 2011

Jenseits des Wachstums

Dass ein unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten nicht möglich ist, dürfte mittlerweile ja keine Weisheit mehr sondern ein Allgemeinplatz sein. Unser Wirtschaftssystem basiert auf Wachstum und eine einfache Rücknahme würde zu Rezession, Arbeitslosigkeit und sozialen Verwerfungen führen … und gut für die Umwelt wäre dies auch nicht automatisch. Der Ausbau von Flughäfen, der Raubbau am Regenwald und der ständig weitergehende Klimawandel sind aber beständige Symptome des ständigen Wachstums, mit dem wir zu kämpfen haben.

Wo liegen also Ansätze jenseits des Wachstums? In öffentlichem statt privatem Konsum, im Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs, in energieautarken Regionen, in selbst verwalteten Gemeingütern? Diese und weitere Ansätze und Antworten werden auf dem Kongress “Jenseits des Wachstums” gesucht und vorgestellt. Dieser findet vom 20. bis 22. Mai in Berlin statt, ROBIN WOOD beteiligt sich z.B. mit einem Workshop über energieautarke Dörfer.

Der Kongress dürfte einer der spannendsten in diesem Jahr werden. Hier gibt es weitere Informationen: www.jenseits-des-wachstums.de

Energie, Welt retten
12. März 2011

AKW in Japan explodiert: Nur stillgelegte AKWs sind erdbebensicher!

Nach dem schweren Erdbeben in Japan ist die befürchtete Atomkatastrophe im  Atomkraftwerk  Fukushima-Daiichi eingetreten.

Japan hat den Atomnotstand ausgerufen und den 10km-Umkreis des Atomkraftwerks evakuiert. Mittlerweile soll der Evakuierungsradius auf 20 km ausgeweitet werden.  Gegen 23:00 MEZ  stieg der Druck im Reaktorbehälter weiter, der Wasserstand der Kühlung deutlich abgesunken und die Radioaktivität im Reaktorgebäude lag bei dem tausendfachen des Normalwertes. Auch außerhalb des Reaktors steigt die Radioaktivität an, zur Druckentlastung wurde radioaktiver Dampf abgelassen.

Gegen 8:30 MEZ  gab es eine Explosion in einem der Reaktorblöcke. Teile der Reaktorhülle sind eingestürzt. Es ist davon auszugehen, dass  in diesem Reaktorblock bereits eine Kernschmelze abläuft.

Wenn die Kühlung des Reaktors nicht mehr gewährleistet ist, kann es zur Kernschmelze (einer unkontrollierten Kettenreaktion)  und im schlimmsten Fall zur Explosion des Reaktors kommen – dann droht ein Atomunfall wie vor fast 25 Jahren in Tschernobyl mit der Verseuchung weiter Teile des dicht besiedelten  Japans und der angrenzenden Länder. Bei einem Unfall im  Reaktor Three Miles Island in Harrisburg (USA) vor 32 Jahren gelang es in letzter Minute, die partielle Kernschmelze unter Kontrolle zu bringen und so einen Super-GAU zu verhindern, trotzdem traten beträchtliche Mengen Radioaktivität aus.

Die sechs Reaktorblöcke wurden zwar abgeschaltet, aber aufgrund der hohen Temperaturen müssen Atomkraftwerke auch nach dem Abschalten noch mehrere Tage gekühlt werden. Hierfür ist eine Stromversorgung nötig, die in dem japanischen AKW derzeit nicht gewährleistet ist. Da auch die Notstromaggregate von drei Blöcken ausgefallen sind, läuft die  Notkühlung des AKW  nur noch  über die fast leeren Notfall-Batterien. Zudem sind offenbar die Kühlkreisläufe beschädigt. Auch ein weiteres Atomkraftwerk und eine Wiederaufbereitungsanlage verfügen nur noch über eine Notkühlung.

Wieder zeigt sich, dass Atomkraft eine nicht beherrschbare Energieform ist. Auch das Erdbeben gewohnte Japan ist nicht in der Lage, Erdbeben sichere Atomkraftwerke zu konstruieren – der jetzt betroffene Reaktor ist für Beben bis Stärke 8,2 ausgelegt, das heutige Beben lag bei 8,9. Zwar kommen so schwere Erdbeben hierzulande nicht vor, aber zu leichteren Beben kommt es auch in Deutschland gelegentlich. Deutsche Atomkraftwerke sind schon bei weitaus geringeren Erdstößen stark gefährdet, viele ältere Kraftwerke sind überhaupt nicht gegen Erdbeben gesichert.

Es gibt nur eine Möglichkeit, sich gegen diese Gefahren abzusichern: die Stilllegung aller Atomanlagen!

Update 13:00: Laut ARD haben die japanischen Behörden jetzt bestätigt, dass es in dem beschädigten Reaktor in Fukushima 1 zu einer Kernschmelze gekommen ist. Damit ist der GAU – der Größte Anzunehmende Unfall – eingetreten. Noch sei der Reaktorbehälter selber  jedoch intakt (im Gegensatz zu dem schwer beschädigten Reaktorgebäude, aus dem radioaktiver Dampf aus tritt).

Update 16:30: Derzeit wird von den japanischen Behörden wieder dementiert, dass eine Kernschmelze statt findet. Selbst der Bundesumweltminister gibt jedoch zu, dass alle Indizien darauf hinweisen, dass diese begonnen hat. In Umfeld des Reaktors wird inzwischen innerhalb einer Stunde die Jahreshöchstdosis an Radioaktivität aufgenommen. Vom Reaktorgebäude steht nur doch das Stahlgerippe, der Druckbehälter ist jedoch vermutlich noch intakt.

Deutlich zeigt sich die Hilflosigkeit im Umgang mit einer solchen Katastrophe: Nun soll versucht werden, den Reaktor direkt mit Meerwasser zu kühlen. Keiner weiß, ob dies funktionieren kann oder wie viel Radioaktivität durch das dann stark verseuchte Kühlwasser austreten wird – normalerweise verfügen Atomkraftwerke über einen doppelten Kühlkreislauf.

Update 13.03. 10:50: Die Nachrichten aus Japan werden immer dramatischer. Nun droht auch in Block 3 des Atomkraftwerks Fukushima 1 eine Explosion und eine Kernschmelze, nachdem auch dort die Notkühlung gestern endgültig ausgefallen ist. Hier könnten die Auswirkungen noch drastischer sein, weil  dort  plutoniumhaltige MOX-Brennelemente verwendet werden. In Block 1 des Atomkraftwerks Fukushima 1 wird weiter versucht, den Reaktor mittels Meerwasser zu kühlen. Kyodo News veröffentlichte ein Foto des zerstörten Reaktorgebäudes.

Japans Regierung gibt mittlerweile zu, dass in beiden Reaktoren eine Kernschmelze ablaufen könnte. 200 000 Menschen wurden aus dem 20km Umkreis evakuiert, bislang wurden 22 AnwohnerInnen wegen radioaktiver Verstrahlung in Krankenhäuser eingeliefert.

Trotzdem wurde die Vorfälle in Block 1 gestern nur auf Stufe 4 der internationalen Störfall-Skala eingestuft (Unfall mit lokalen Auswirkungen und Verletzten/Toten durch Strahlung). Die Beinah-Katastrophe in Harrisburg bekam die Stufe 5, der Super-GAU in Tschernobyl die höchste Stufe 7. Diese vorläufige Einstufung scheint Teil der Beruhigungsstrategie der japanischen Behörden zu sein. Diese  können oder wollen offenbar nicht zugeben, dass die Situation längst außer Kontrolle geraten ist.

Es gibt, wie sich hier deutlich zeigt, keinerlei Konzepte für einen länger anhaltenden Ausfall von Strom- und Notstromversorgung – der sogenannte “Station Blackout” spielt keine Rolle in den Sicherheitsszenarien von Atomkraftwerken. Dabei besteht diese Gefahr unabhängig von Erdbeben auch in Deutschland bei der  Verkettung mehrerer größerer Ereignisse (Sturm, Blitzeinschläge, terroristische Anschläge, technisches oder menschliches Versagen).

Sollte es tatsächlich in einem oder beiden Reaktoren zum Super-GAU kommen, müssten ein weitaus größerer Umkreis (vermutlich auch mehrere Millionenstädte) evakuiert werden und weite Teile Japans könnten – abhängig von der Wetterlage – stark radioaktiv belastet werden. Die Auswirkungen dürften in diesem Fall Tschernobyl weit übertreffen, da Japan weitaus dichter besiedelt ist, als die Region um Tschernobyl.

Update 14.03. 13:00: Mittlerweile sind in Fukushima 1 bereits drei Reaktoren betroffen. Heute Nacht explodierte das Reaktorgebäude um Block 3 – vermutlich ebenso eine Wasserstoffexplosion wie am Samstag in Block 1. Auch in Block 2 ist die Kühlung ausgefallen, laut Kyodo News musste zudem die dort ebenfalls angelaufene Direktkühlung mit Meerwasser unterbrochen werden, weil den Pumpen der Brennstoff fehlt. Aktuell sollen die Brennstäbe in diesem Reaktor trocken liegen, meldet neben Kyodo News auch der Spiegel-Ticker. Auch hier könnte jetzt eine partielle Kernschmelze eingesetzt haben.

Auch in Fukushima 2 gibt es in drei Reaktoren weiter Probleme. Zudem sind im AKW Tokai zwei von drei Dieselgeneratoren ausgefallen.  Dieses liegt nur 120 km  von dem mit 36 Mio. Einwohnern dicht besiedelten Ballungsraum Tokio entfernt. Die gestern am AKW Onagawa gemessene erhöhte Radioaktivität soll aus dem 150 km entfernten Fukushima stammen.

Mittlerweile sind ca. 600.000 Menschen in Japan evakuiert worden (200.000 aus dem Umkreis der Atomanlagen, der Rest aus dem Tsunami-Gebiet). Damit sind mindestens 5% der japanischen Bevölkerung derzeit obdachlos.

Kommentar: Die Zuspitzung der Lage zeigt, dass auch die zunächst funktionierenden Notstromaggregate entweder ebenfalls durch das Erdbeben beschädigt wurden oder offenbar nicht auf eine längerfristige Sicherstellung der Stromzufuhr ausgelegt sind. Da eine Wiederherstellung der regulären Stromversorgung in den nächsten Tagen aufgrund der immensen Zerstörungen durch Erdebeben und Tsunami ausgeschlossen ist, könnten sich weitere Reaktoren dem Katastrophenszenario hinzufügen. So bleibt als letzte Hoffnung eine Eindämmung der nuklearen Katastrophe durch die Notkühlung mit Meerwasser und die im Vergleich zu Tschernobyl etwas stabilere Konstruktion der jetzt betroffenen Reaktoren. Eine Freisetzung beträchtlicher Mengen Radioaktivität wird sich durch die auch von Experten als  Verzweiflungstat bezeichnete  Meerwasserkühlung kaum noch verhindern lassen, aber es besteht zumindest die Chance, einen Großteil des radioaktiven Inventars im Reaktor zu halten.Klar ist jetzt jedoch schon, dass keiner der drei betroffenen Reaktoren je wieder ans Netz gehen wird und  ein Konzept für die langfristige Sicherung der havarierten AKWs erst entwickelt werden muss.

Die Beschwichtigungsreaktionen deutscher Politiker und der Atommafia sind angesichts des jetzt dreifachen GAUs in Japan, zahlreicher verstrahlter AnwohnerInnen und den zu erwartenden Strahlentoten purer Zynismus. Vielleicht sollten sich  diese Atomkraft-Fans als freiwillige Hilfskräfte in Japan melden…

Prozess, Verkehr, Welt retten
22. Februar 2011

Der Flughafen ist nicht der Fraport Ihr Wohnzimmer – Demonstrationsrecht in Flughäfen und Bahnhöfen gestärkt

Das Bundesverfassungsgericht hat Demonstrationen mit einem Urteil vom 22. Februar im Frankfurter Flughafen erlaubt. Diese Versammlungsfreiheit gilt auch für Bahnhöfe, Häfen oder kommunale Einkaufszentren, wenn sich diese öffentlich genutzten Räume mehrheitlich in staatlichem Besitz befinden, heißt es in dem Urteil.

Anlass des Urteils ist die Klage einer Aktivistin der „Initiative gegen Abschiebungen“, die sich gegen  Abschiebungen unter Mitwirkung privater Fluggesellschaften wendet. Nachdem sie mit fünf weiteren Mitgliedern in der Abflughalle des Frankfurter Flughafens im März 2003 an einem Abfertigungsschalter Flugblätter verteilt hatte, erteilte ihr die Fraport AG ein „Flughafenverbot“ mit dem Hinweis, dass gegen sie ein Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs erstattet werde, sobald sie erneut „unberechtigt“ auf dem Flughafen angetroffen werde.

Auch mehrere ROBIN WOOD-Aktive haben bereits wegen demonstrativer Aktionen gegen Flughafenausbau und für Klimaschutz von Fraport Flughafenverbot erhalten. ROBIN WOOD hatte daher den Gang nach Karlsruhe unterstützt. Die Deutsche Bahn AG ist ebenso bestrebt, mit dem Mittel des Hausverbots ihre Immobilien frei von politischer Meinungsäußerung zu halten. Ein schöner Satz aus der Karlsruher Urteilsbegründung: „Ein vom Elend der Welt unbeschwertes Gemüt des Bürgers ist kein Belang, zu dessen Schutz der Staat Grundrechtspositionen einschränken darf.“

Wie die Rechte z.B. in privaten Ladenpassagen aussähen, ließ der erste Senat des Gerichts offen.

Monika Lege und

Aktion, Verkehr, Welt retten
20. Februar 2011

An Eides statt: Erklärungen im S21-Prozess um die Nordflügelbesetzung

Am vergangenen Donnerstag fand in Stuttgart der erste Prozess gegen Stuttgart 21-GegnerInnen wegen  der Besetzung des, mittlerweile abgerissenen, Nordflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofes statt. Vier der fünf angeklagten wurden zu Strafen zwischen 50 und 350€ verurteilt, einer wurde freigesprochen.

Die fünf angeklagten Parkschützer des ersten Nordflügel-Prozesses. (Foto: Chris Grodotzki/ROBIN WOOD)

Alle Angeklagten hatten im Gerichtssaal ausführliche Einlassungen zu Stuttgart 21, zu Direkten Aktionen und zivilem Ungehorsam, sowie deren Kriminalisierung abgegeben. Da uns solche Erklärungen leider oft hinter den dicken Wänden der Justiz verborgen bleiben wollen wir hier auf zwei dieser Einlassungen hinweisen:

Der vermeintliche Besetzer Gerhard Wick (ganz rechts im Bild) wurde im Laufe des Prozesses freigesprochen da er, wie sich zum Unmut der Staatsanwaltschaft schnell herausstellte, nie im Nordflügel war. …eine Tatsache, die er selber bedauert:

“Ich bereue es wirklich, dass ich an der Besetzung des Nordflügels nicht – wie es meine staatsbürgerliche Pflicht gewesen wäre – teilgenommen habe, weil mir etwas der Mut fehlte, über die steile Leiter zu klettern. Diesen Mangel kann und will ich aber nun nicht dadurch beheben, dass ich mich für etwas bestrafen lasse, was ich zum einen nicht für strafwürdig halte und was ich zweitens zwar gerne getan hätte, aber nun eben halt nicht getan habe. Die Staatsanwaltschaft wird sicher noch genügend Gelegenheiten finden, mich anzuklagen, wenn sie weiterhin daran festhält, nicht die Verantwortlichen für die Zerstörungen an Kultur und Natur vor Gericht zu bringen, sondern diejenigen, die sich für eine lebenswerte Stadt für alle und die Einhaltung demokratischer Grundprinzipien einsetzen.”

Der Angeklagte Mark Pollmann (mitte/links-hinten im Bild) verlas zum Beginn des Prozesses, im Rahmen seiner Einlassung, eine Eidesstattliche Versicherung, in der er Informationen zum skandalösen Polizeieinsatz am 30. September 2010, die er “aus höheren Polizeikreisen” erhalten habe, Preis gibt. Ausschnitte, sowie den vollen Text der Eidesstattlichen Versicherung zum Download finden sich bei den Parkschützern.

Blog, Energie, Welt retten
9. Februar 2011

Film: Rebellen der Erde

Der Fernsehsender Arte zeigte am Dienstag, 8. Februar einen Film über UmweltaktivistInnen, in dem auch die Bewegungsarbeiterin und ROBIN WOOD Aktivistin Cécile Lecomte vorgestellt wird. Die Kletteraktivistin seilt sich über Bahngleisen ab und besetzt Bäume, um gegen Atomkraft und Umweltzerstörung zu protestieren. Anlässlich des Themenabends hat Arte ein Fotoalbum und einen langen Bericht von Cécile auf seine Internetseite gestellt. Den Film und weitere Infos gibt es hier.

Blog, Energie, Klima, Welt retten
7. Februar 2011

Jenseits des Wachstums? – Kongress

Wirtschaftswachstum wird weltweit als universales Rezept gegen ökonomische Probleme jeglicher Art angepriesen. Angesichts des Klimawandels, der Prekarisierung von Arbeit, der Zerstörung der Umwelt, der Umverteilung von den Armen zu den Reichen wird deutlich, dass dieses alte Rezept nicht funktioniert. Attac will gemeinsam mit Bündnispartnern (u.a. ROBIN WOOD) nach neuen Antworten für die drängenden Krisen unsere Zeit suchen – Antworten die jenseits des Wachstumswahns liegen.

Vom 20. – 22. Mai 2011 diskutieren in der TU in Berlin über 100 ReferentInnen in über 70 Veranstaltungen darüber, wie eine Postwachstumsökonomie aussehen könnte. Weitere Informationen: www.jenseits-des-wachstums.de