Aktion, Tropenwald
27. Januar 2012

„Das ganze nennen wir den Pro-Planet-Prozess!“

Konferenz “Nachhaltigkeitsstandards für Agrarrohstoffe” in Berlin

Rohstoffe wie Soja, Palmöl oder Baumwolle werden oftmals unter menschenverachtenden Bedingungen produziert oder es werden ganze Landschaften dafür platt gemacht. Das hat sich – auch Dank Organisationen wie ROBIN WOOD – schon bei vielen Verbrauchern und Verbraucherinnen herum gesprochen. Die fragen vermehrt im Laden nach unter welchen Bedingungen eigentlich die Rohstoffe für alle die schönen Produkte produziert worden sind.  Der Handel und die großen Konsumgüter-Konzerne haben auf diesen Trend mit unzähligen grünen Siegeln, Öko-Eigenmarken oder Umweltversprechen auf Ihren Internetseiten reagiert.

In Berlin kam es jetzt auf einer Konferenz zu so einer Art Gipfeltreffen der Öko-Label-Gemeinde. Unilever, Nestlé und Co. waren auf Einladung des WWF nach Berlin gekommen, um sich selbst für Ihre grüne Taten zu feiern. „Das ganze nennen wir den Pro-Planet-Prozess“, verkündet der Manager eines Handelsriesen stolz. Für ROBIN WOOD dienen die meisten dieser angeblichen Nachhaltigkeitssiegel lediglich dazu, die fatalen Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft grün zu waschen. Für die Palmölopfer in Indonesien sind die grünen Märchen von Konzernen wie Unilever ein Schlag ins Gesicht.

ROBIN WOOD und Rettet den Regenwald begrüßten die Konzerne vor dem schicken Tagungsort mit einer kleinen Demo: In grüne Mäntelchen gekleidet demonstrierten die Aktivistinnen gegen das Greenwashing der Konzerne, es wurde dabei geschrubbt und viel Schaum geschlagen. Außerdem bekamen die Konferenz-Teilnehmerinnen Informationen über Unilevers unverantwortlichen Palmöleinkauf in die Hand gedrückt.

 

Blog, Tropenwald
10. November 2011

Greenwashing – made by Unilever

….oder wie der Konzern sein unverantwortliches Palmölgeschäft schönredet

Anfang dieser Woche waren einige Leute von ROBIN WOOD und ‚Rettet den Regenwald’ zu einem Gespräch mit Konzern-Verantwortlichen von Unilever. Unilever steht in der Kritik. Denn der Konsumgüter-Riese kauft in großen Mengen Palmöl aus unverantwortlicher Produktion und verwendet es für Markenprodukte wie Rama-Margarine. Das Öl stammt aus industriellen Palmöl-Monokulturen. In Indonesien werden dafür Tropenwälder kahl geschlagen und Menschen von ihrem Land vertrieben. Das ruiniert die Artenvielfalt und das Weltklima, und es erzeugt ein enormes soziales Elend.

Die Menschen vor Ort wehren sich gegen den Landraub. Einer der zahlreichen Landkonflikte bei Wilmar, einem wichtigen Lieferanten von Unilever, war im August dieses Jahres eskaliert. Polizeieinheiten hatten zusammen mit Einsatzkräften von Wilmar das Dorf Sungai Beruang auf Sumatra verwüstet und nach Augenzeugenberichten mit scharfer Munition auf Menschen geschossen. Ein Team von ROBIN WOOD war vor Ort und fand die Vorwürfe gegen Wilmar bestätigt. Unilever kennt die Fakten, unternimmt aber seit rund drei Monaten nichts gegen die unhaltbaren Zustände bei seinem Lieferanten.

06.10.2011, Sungai Beruang, Seit der Zerstörung ihres Dorfes leben die Menschen unter Plastikplanen

06.10.2011, Sungai Beruang - Seit der Zerstörung ihres Dorfes leben die Menschen unter Plastikplanen (Foto: Hinrich Schultze)

Kommunikationsstrategie des Konzerns war es auch bei dem Gespräch in dieser Woche, sich dialogbereit, verständnisvoll und in kleiner Runde selbstkritisch zu geben – aber in der Sache rein gar nichts zu ändern.

Frappierend ist – das konnte mensch aus dem Gespräch lernen – wie weit Realität und Selbstdarstellung des Konzerns auseinanderklaffen. Wer schon mal auf die Seiten von Unilever geklickt hat (z.B. auf die Nachhaltigkeitsziele Deutschland, Österreich und Schweiz), könnte fast den Eindruck gewinnen, es mit einem ökologischen Vorzeigeunternehmen zu tun zu haben. „Wir helfen, den Klimawandel aufzuhalten“, wird da etwa behauptet und wir sind „Anwalt für positiven Wandel“. Versprochen wird auch: „Weltweit werden wir ab 2015 nur noch nachhaltig zertifiziertes Palmöl einsetzen.“ In Deutschland, Österreich und Schweiz werde bereits jetzt schon ausschließlich zertifiziertes Palmöl verwendet. Dabei ist bei Unilever nichts in Butter – und das wissen die Manager natürlich ganz genau.

Um von den Problemen abzulenken, setzen sie in ihrer Kommunikationsstrategie voll auf das RSPO-Siegel. Die Abkürzung steht für „Roundtable on Sustainable Palm Oil“. An diesem so genannten „Runden Tisch“ sitzen nicht die betroffenen Indigenen und Kleinbauern, sondern das Palmölbusiness, also überwiegend Plantagenbetreiber, Händler und Banken. RSPO-Präsident ist der Unilever-Mann Jan-Kees Vis. Die Prinzipien und Kriterien für das Siegel sind so lasch, dass selbst Skandal-Konzerne wie Wilmar dort Mitglied sein dürfen.

Das Palmöl von Unilever kann jetzt und in Zukunft also als „nachhaltig“ zertifiziert von Wilmar stammen – trotz Landkonflikten und Tropenwaldzerstörung. Der RSPO verlangt nicht einmal, dass das angeblich nachhaltige von dem nicht-nachhaltigen Palmöl in der Lieferkette getrennt bleibt. Der Trick ist ein Zertifikate-Handel, den sich die Palmöl-Lobby bei den Stromhändlern abgeguckt hat. Unternehmen können ihr Palmöl aus Raubbau einfach in gutes verwandeln, indem sie billig Zertifikate von Greenpalm dafür kaufen. Die KonsumentInnen, die sich hier die Margarine aufs Brot schmieren, essen also die Rohstoffe aus der Raubbau-Plantage und werden damit abgespeist, dass dafür an anderer Stelle angeblich nachhaltiges  Palmöl in den Markt kommt. So einfach und billig gelangt Unilever an große Mengen zertifizierten Palmöls.

 

Tropenwald
29. September 2011

Dorf weg, Menschen noch da.

Was haben das gallische Dorf von Asterix und das Dorf “Sungai Beruang” in Indonesien gemeinsam? Es gibt sie beide nicht. Ob es Asterix’ Wohnort jemals gegeben hat, ist fraglich. Sungai Beruang jedenfalls stand bis Anfang August noch Wilmar, dem weltgrößtem Palmöl-Konzern im Weg. Nun ist es weg, nur seine Bewohner sind noch da und wohnen im Moment in Zelten, die eigentlich auch nur aus Planen bestehen.

Zelt mit Protestnoten

Zelt mit Protestnoten

Zelte statt Hütten

Zelte statt Hütten

Dorfbewohner im Zelt

Dorfbewohner im Zelt

Wenn man sich den Augenzeugenbericht durchliest, der die Ereignisse wiedergibt, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Da patrouilliert die Polizei für ein Unternehmen und fungiert so quasi als dessen Sicherheitsdienst. Gut, so etwas ähnliches findet sich hier jedes Jahr bei Castor-Transporten, aber da Plündern die Polizisten in der Regel nicht die Lager und Camps der Protestler. So geschehen nun aber in der indonesischen Provinz.

Traurig, aber wahr: Indonesien ist auf der Korruptionskarte von Transparancy International dunkel eingefärbt – es sieht also schlecht aus. Vom großen Palmöl-Konzern, der sich regelmäßig Flächen halb so groß wie das Saarland unter die Nägel reißt, bis hin zum Polizeikommandanten, der Menschen im Auftrag Wilmars einsperrt – alles ein Grund, aufzugeben? Nein!

Wir wollen den Dorfbewohnern eine Fahrt in die Hauptstadt ermöglichen, damit sie sich direkt in Jakarta an die Öffentlichkeit wenden können. Unterstützt uns dabei! Ihr könnt direkt hier spenden.

Aktion, Tropenwald
23. September 2011

Unilever-Chef drückt sich vor „Baum ab-Preis“-Verleihung

Unilever bemüht sich weiter darum, sich ein grünes Image zu verpassen. Heute stand die Verleihung des B.A.U.M.-Umweltpreises an Unilever-Chef Harry Brouwer auf dem Programm. AktivistInnen von Rettet den Regenwald und ROBIN WOOD waren ebenfalls zur Stelle und protestierten vor dem Tango Terminal des Hamburger Flughafens, in dem die Preisverleihung stattfand. Denn Unilever ist als einer der größten Palmölverbraucher mitverantwortlich dafür, dass in den Tropen Wälder vernichtet, das Klima angeheizt und Menschen von ihrem Land vertrieben werden.

Baum-ab-Preis für Unilever (Fotos: Rettet den Regenwald)

Baum-ab-Preis für Unilever (Fotos: Rettet den Regenwald)

Im Gepäck hatten die UmweltschützerInnen einen alternativen „Baum-ab-Preis“ – drei Baumstümpfe auf grauer Platte -, die Brouwer für Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien überreicht bekommen sollte. Doch Brouwer drückte sich davor, ihn anzunehmen.

Stattdessen schickte er den Unilever-Kommunikationsexperten Merlin Koene nach draußen vor das Tango Terminal, wo ihn die Anwesenden mit ihren Argumenten zum Schwitzen brachten. Nach einigem Hin und Her war Brouwer gegen Mittag doch zu einem kurzen Gespräch mit zwei VertreterInnen von Rettet den Regenwald und ROBIN WOOD bereit. Er nahm 30.000 Protestunterschriften entgegen, der Baum-ab-Preis aber musste schön vor der Tür bleiben. In der Sache brachte das Gespräch keine Fortschritte.

B.A.U.M.-Vorsitzender Gege diskutiert über die Preisvergabe an Unilever

B.A.U.M.-Vorsitzender Gege diskutiert über die Preisvergabe an Unilever

Für Bewegung aber sorgte der Protest im Verein B.A.U.M., in dem rund 500 Unternehmen Mitglied sind. Dazu zählen Konzerne wie Unilever, Deutsche Bank und Bayer genauso wie kleine Firmen aus der Öko-Lebensmittelbranche oder Verlage. Nicht allen gefällt, dass Unilever ausgezeichnet wird. Zwischen den Bistro-Tischen wurde heftig diskutiert. Auch der B.A.U.M.-Vorsitzende Maximilian Gege stellte sich den DemonstrantInnen vor dem Terminal. Er deutete die Preisvergabe so. Es sei ja immer auch Anreiz und Verpflichtung für den Ausgezeichneten, dem Preis gerecht zu werden, und damit hätte B.A.U.M. ja jetzt auch ganz neue Chancen, ihn öffentlichkeitswirksam wieder abzuerkennen. An diesem B.A.U.M.-Preis dürfte Herr Brouwer nicht wirklich Freude haben.

Mehr Infos zum Palmöl-Thema unter: http://www.robinwood.de/palmoel

Tropenwald
3. September 2011

Der Tritt in den Fettnapf

Eigentlich hätte alles so schön werden sollen: Der Lebensmittelkonzern Unilever und die „Umwelthauptstadt“ Hamburg hätten sich im Glanze der berühmten Affenforscherin und engagierten Umweltschützerin Jane Goodall gesonnt, auf dass etwas von ihrem guten Image auf sie abstrahle.

Jane Goodall

Jane Goodall (Fotos: Michael Deininger)

Doch es kam anders. Ohne jeden Glamour und auch ohne jede Beteiligung von Unilever wurde Goodall heute nicht im Unilever-Haus in der Hamburger HafenCity, sondern bei einer Pressekonferenz im nüchternen Sitzungssaal 151 des Rathauses zur internationalen Botschafterin der europäischen „Umwelthauptstadt“ erklärt.

Bei der PK waren vor allem viele Fotografen, die Jane Goodall mit ihrem kleinen Stofftieraffen ablichteten. Kinder aus einer Hamburger Schule durften Frau Goodall vorbereitete Fragen stellen. Umweltsenatorin Jutta Blankau sprach von Mut, Vorbildcharakter und unserer besonderen Verantwortung für den Klimaschutz und wirkte dabei genau wie das Gegenteil – mutlos und angeschlagen.

Jane Goodall und Jutta Blankau

Lächeln für die Kameras -Jane Goodall und Umweltsenatorin Blankau im Innenhof des Hamburger Rathauses, 3.9.2011

Interessant war vor allem, was nicht gesagt wurde. Nichts zu den verfehlten Klimaschutzzielen der Stadt Hamburg, nichts zur Vorgeschichte der Veranstaltung, der Ortsverlegung und zu Unilever. Dabei hatte die Kritik von ROBIN WOOD an der Tropenwaldzerstörung für das Palmöl von Unilever in den Tagen zuvor eine Debatte in Hamburger Medien ausgelöst und zur Verlegung der Veranstaltung geführt.

Am Rande der PK darauf angesprochen, sagte Frau Blankau, sie fände es gut, dass der Ort gewechselt wurde. Das Rathaus sei ja schließlich auch ein würdiger Ort.

Warum dann nicht gleich so? Politiker, so Blankau, zerbrächen sich nicht immer den Kopf, wo denn Veranstaltungen stattfänden. Außerdem sei das Unilever-Haus aufgrund seiner Bauweise  eines der nachhaltigsten in der ganzen Stadt. Unilever sei offizieller Sponsor der Umwelthauptstadt. Der Zusammenhang mit den Affen sei ihnen erst durch die Kritik aufgegangen.

Wen kann das überzeugen? Der Ort ist angeblich gedankenlos gewählt. Ein nachhaltiges Gebäude zählt mehr als das natur- und klimaschädliche Kerngeschäft des darin wirkenden Konzerns. Wer Sponsor ist, darf Greenwashing betreiben und ansonsten muss die “Umwelthauptstad”t erst von Umweltorganisationen darauf hingewiesen werden, dass für Plantagen Wald und damit Lebensraum von Affen zerstört wird.

Wie ernst nimmt sich die Umwelthauptstadt  eigentlich selbst? Ganz so einfach ist ein grünes Image hoffentlich nicht zu haben – weder für die Stadt, noch für Unilever.

Tropenwald
24. Mai 2011

Hoffentlich nicht Allianz versichert

ROBIN WOOD startet Online-Protest gegen schmierige Palmöl-Geschäfte

DWS – die Fondgesellschaft der Deutschen Bank – reagierte prompt auf den Protest von ROBIN WOOD und verzichtete auf den Handel mit Aktien des Raubbaukonzerns Wilmar. Auch Deka – die Fondgesellschaft der Sparkassen – hatte auf Nachfrage von ROBIN WOOD, den Handel mit Wilmar-Papieren schon vor Monaten beendet. Nur die Allianz will weiter mit Wilmar-Aktien ein gutes Geschäft machen.

Worum geht es genau? Für Palmöl aus Indonesien werden Regenwälder zerstört und Menschenrechte mit Füßen getreten. Wilmar ist der größte Palmölhändler weltweit und betreibt in Malaysia und Indonesien riesige Plantagen. Wilmar ist in der Vergangenheit bei illegalen Brandrodungen erwischt worden, betreibt indonesischen UmweltschützerInnen zufolge einige seiner Plantagen illegal und ist in zahlreiche Landrechtskonflikte mit der lokalen Bevölkerung verstrickt.

Die Allianz muss Wimar den Geldhahn zu drehen. Deshalb brauchen wir Eure Unterstützung. Bitte macht mit bei unserem Online-Protest.

 

Tropenwald, Vereinsmeierei
1. Februar 2011

“Bitte helfen Sie mit!” oder als ich mal Post von Herrn von Wartenberg bekam

Dieser Tage erhielt ich eine Mail von Christian von Wartenberg. Ich las sie, obwohl mir der Name nichts sagte. „Wie sie bin ich ein Mensch, der sich Gedanken macht wie die Menschheit mit den natürlichen Ressourcen dieses Planeten umgeht“, stellte sich Herr von Wartenberg mir kurz vor, bedankte sich für meine wichtige Arbeit und bat mich, mir etwas Zeit für das Lesen seiner Email zu nehmen.

Er sei vor ein paar Monaten auf eine sehr interessante Internetseite gestoßen, die er „zufällig bei Öko-Test gefunden“ habe. Es handele sich dabei um eine „grüne Suchmaschine“, die es erlaubt durch einfaches Suchen im Internet, Spendengelder für den Regenwaldschutz zu generieren. „Völlig kostenlos für den Nutzer!“ Diese Seite spende „auch noch mindestens 80% ihrer Einnahmen an den WWF für bestimmte Regenwaldschutzprojekte“. Dieses „Social Business“ müsse in meinem Sinne sein, da es „möglichst umweltfreundlich und transparent arbeitet“.

Social Business? In meinem Interesse? Transparent? Schreiben so die zerzausten, aber wild entschlossenen  Regenwaldschützer, die ich so kenne? Oder schrieb mir da vielleicht doch eher ein Regenwaldschützer mit Marketingkenntnissen hinter dem Schreibtisch einer Fundraising-Agentur? Für wen ist das dann transparent? Wie war er an meine Adresse gekommen? Und wem hatte er die Mail noch geschickt? Wäre es in Ordnung so zu tun, als sei man als interessierter Christian zufällig beim Zeitschriftenblättern auf was Mitteilenswertes gestoßen, wenn man eigentlich systematisch Werbung betreibt?

Vielleicht gelingt es Herrn von Wartenberg ja nebenbei eine neue Debatte darüber anzustoßen, welche Maßnahmen zum Spendensammeln für die gute Sache akzeptabel und glaubwürdig sind und welche nicht. Ich zumindest bin immer ziemlich neugierig, wer warum was von mir will. Deshalb habe ich Herrn Wartenberg ein paar Fragen geschickt. Mal sehen, ob er antwortet.

Blog, Papier, Tropenwald, Wald, Welt retten
14. Januar 2011

Oh, du schönes Jahr der Wälder

Was haben Ozeane, Berge, Delfine und Naturfasern gemeinsam? Alle wurden schon mal mit einem „internationalen Jahr“ der Vereinten Nationen geehrt. Jetzt sind die Bäume dran: Wir begehen 2011 demzufolge das UN-Jahr der Wälder. Ich habe keine großen Erwartungen, dass Bundesregierung und Co. jetzt zu WaldschützerInnen konvertieren. Aber vielleicht gibt uns das Waldjahr in den einen oder anderen Dingen etwas mehr Rückenwind.

Den können wir gut gebrauchen, um was gegen den extrem hohen Ressourcenverbrauch der Industrieländer zu unternehmen – z.B. bei Papier. Der jährliche pro Kopf ist in der Bundesrepublik auf mehr als 250kg stark angestiegen. Die Bäume für dieses Papier wachsen in erster Linie im Ausland: In Nordeuropa, Portugal, Brasilien oder Indonesien. Die Folgen unseres exzessiven Konsums können daher in Schweden besichtigt werden, wo Papiermultis wie SCA (Zewa, Tempo) eine rücksichtslose Kahlschlagwirtschaft praktizieren. In Portugal und Brasilien haben sich Eukalyptusmonokulturen in die Waldgebiete und Naturräume hineingefressen während dessen asiatische Papierkonzerne den letzen Regenwald platt machen. Gerade erst hat ROBIN WOOD Aldi-Nord beim verramschen von Bücher erwischt, die auch aus Tropenwaldholz hergestellt waren. Immerhin; Aldis Bücherlieferant hat jetzt Besserung gelobt.Ökosiegel – für angeblich grünes Papier  – helfen uns beim Papiersparen nicht weiter. Mehr als 50 europäische Umweltorganisationen haben sich deshalb zum Netzwerk EEPN zusammen geschlossen, um den Papierverbrauch in Europa um 50% zu reduzieren.

Nationen wie Polen machen deutlich, dass weniger Papier kein Problem ist. Hier verbraucht jede Person nur 110 kg im Jahr und Papiermangel gibt es auch keinen. Wie es gehen könnte, zeigen unsere französischen Nachbarn. Die dortige Regierung hat sich verpflichtet, den Papierverbrauch in der eigenen Verwaltung um 50% zu reduzieren. Chapeau!

Aktion, Energie, Floßtour, Klima, Tropenwald, Vereinsmeierei, Verkehr, Welt retten
31. Dezember 2010

Ein bewegtes Jahr geht zu Ende

ROBIN WOOD hat sich auch im Jahr 2010 an vielen Brennpunkten für den Umweltschutz eingesetzt und dabei einiges erreicht.

Zu Beginn des Jahres haben Aktivist_innen Bäume im Hamburger Gählerpark für mehr als drei Monate besetzt, um die Vattenfall-Trasse zu stoppen – Erfolgreich! So konnte ein Stück von Hamburgs grünem Gürtel gerettet werden.

Ein weiterer Erfolg ist uns durch eine Unterschriften-Aktion beim Kampf gegen den Raubbau-Konzern „Gunns“ gelungen, der sich nun aus Tasmaniens Wäldern zurückzieht und verzichtet dort Urwälder kahlzuschlagen.

Während der vierwochigen Floßtour von Stuttgart nach Frankfurt am Main, die unter dem Motto „Klimaschutz selber machen!“ stand, haben Aktive durch Infostände und Aktionen auf die Herausforderungen des Klimawandels aufmerksam gemacht und gezeigt wie jedeR zum Klimaschutz beitragen kann.

Aktion gegen das Klimakiller-Kraftwerk von EnBW

Aktion gegen das Klimakiller-Kraftwerk von EnBW

Über das Jahr hinweg gab es immer wieder Aktionen gegen Atomkraft. Angefangen mit einem dezentralem Aktionstag an verschiedenen AKW-Standorten im Vorfeld des Tschernobyl Jahrestages am 26. April, bei dem bundesweit mehr als 120.000 Menschen gegen Atomkraft demonstrierten. Bei den CASTOR-Transporten nach Gorleben und zuletzt nach Lubmin hat
sich ROBIN WOOD bei dem breiten und bunten Protest beteiligt. Bei dem Transport nach Lubmin gelang Aktivist_innen eine spektakuläre Blockadeaktion durch die der Transport mehr als sechs Stunden aufgehalten wurde.

Zwei RobinWood-Aktive ketteten sich im Gleisbett des Lubmin-Castors an (Foto: C. Grodotzki/ROBIN WOOD)

Noch immer gilt es 120.000 ha Urwald in Indonesien zu retten, die durch das Anlegen von Palmölplantagen bedroht sind. Deshalb gab es eine Aktionsserie gegen die dort agierenden Raubbau-Konzerne „Unilver“ und „Wilmar“. Diese stehen auch im internationalem Jahr der Wälder 2011 weiter in unserem Fokus. Vor kurzem hat eine Online-Kampagne zum Schutz von Schwedens einzigartigen Urwäldern begonnen, die durch das rücksichtslose Abholzen in Schweden bedroht sind.

Nicht zu vergessen ist die Beteiligung von ROBIN WOOD am Protest gegen „Stuttgart 21“. Aktive  von ROBIN WOOD haben durch Aktion während des gesamten Jahres auf die Probleme des Sackgassenprojektes aufmerksam gemacht und sich für den Erhalt des Kopfbahnhofes stark gemacht. Gegen Stefan Mappus klagen wir, weil er uns zur Eskalation der Situation Berufsdemonstranten nannte.

Doch all das wäre nicht möglich gewesen ohne die vielen Spenden und die tatkräfige Unterstützung vieler Menschen. Aus diesem Grund sagen wir DANKE! an Alle die uns Unterstützen.

Unterstützen Sie BITTE unsere Aktiven durch Spenden auf das Rechtskonto, denn leider kommen auf diese immer wieder Kosten durch Prozesse zu. Danke!

von Michi und

Klima, Tropenwald, Verkehr
2. Dezember 2010

Kranich im Blindflug

Lufthansa klopft sich für Agro-Sprit-Pläne selbst auf die Schulter und täuscht damit die Öffentlichkeit

Die Lufthansa will ab 2011 ein Agro-Spritmix versuchsweise als Flugzeugtreibstoff einsetzen. Dafür feiert sich das Unternehmen als Klimaschützer. In der sechsmonatigen Versuchsphase sollen dadurch rund 1.500 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, teilte das Unternehmen mit. Um etwaige Ökobedenken gegen den Pflanzensaft gleich im Keim zu ersticken, setzte Lufhansa Vorstand Mayrhuber noch einen drauf: „Unser Treibstoff ist nachhaltig. Fest steht, dass für Lufthansa-Biotreibstoff kein Regenwald gerodet wird.“

Das ist natürlich Quatsch mit Soße, denn die Geschichte vom klimaschonenden und umweltfreundlichen Agro-Sprit ist längst als Ökomärchen entlarvt. Fliegen mit Pflanzen – Robin Wood Magazin 1/2010 Dabei ist es unerheblich, woher der Rohstoff für die angeblich grüne Fliegerei auch stammen mag. Sei es Raps aus Europa, Palmöl aus Indonesien, oder Jatropha aus Afrika – die Nachfrage von Konzernen wie Lufthansa führt am Ende dazu, dass sich weitere Agrarflächen in die vorhandenen Naturräume dieser Erde hineinfressen. Fachleute nennen diesen Effekt indirekte Landnutzungsänderungen. Dabei können riesige Mengen des Klimagases Kohlenstoffdioxid in die Luft gepustet werden.

In keinem guten Licht steht auch Nesteoil da – der Brennstoff-Lieferant für Lufthansas Agro-Abenteuer. Bei unseren Kollegen von Greenpeace Finnland steht der Konzern wegen Regenwaldzerstörung bereits am Pranger.

Das für diesen Unsinn auch noch Steuergelder aus dem Fenster geworfen werden, ist ein weiterer Skandal. Das Bundesforschungsministerium subventioniert Lufthansa bei diesem Projekt mit zweieinhalb Millionen Euro. Ausgerechnet der notorische Klimakiller Lufthansa bekommt so mit öffentlichem Geld ein grünes Mäntelchen umgehängt.