Aktion, Blog, Energie, Prozess, Welt retten
18. Mai 2012

Ausstellung: Protest im Betonblock

Am 17. Mai wurde im Rahmen der Kulturellen Landpartie im Wendland eine Ausstellung über Blockaden des Castrors eröffnet. Am Gasthof Meuchefiz bei Küsten im Wendland werden die Geschichten aller bisher erfolgreicher Ankettaktionen im Betonblock vorgestellt. Die Ausstellung will interaktiv zeigen, warum solche protestformen legitim und notwendig sind, aber auch technisches Hintergrundwissen darstellen.

Modell eines Betonblocks in der Ausstellung

Modell eines Betonblocks in der Ausstellung

Das Ausstellungskollektiv BiG (Beton im Gleis) – ein Zusammenschluss einzelner selbstorganisierter junger Menschen aus Anti-Atom-Zusammenhängen, eröffnete die Wanderausstellung
“Ooops, da wurde wohl was übersehen – Beton im Gleisbett” am Mittwoch. Die interaktive Wanderausstellung informiert über die Geschichte, Hintergründe und Folgen gelungener Ankett-Aktionen in Betonblöcken – eine kreative Widerstandsform, die nicht nach dem Lösen aus dem Gleisbett gegessen und verdaut ist. Darüber hinaus soll eine Auseinandersetzung mit dem Thema der Atomenergie angeregt werden.

Dazu das Kollektiv: “Wir wollen mit unserer Ausstellung die Motivation der Aktivist_innen, sich einer solchen Belastung auszusetzen aufzeigen, eine Gleisblockade für Besucher_innen physisch und psychisch mittels möglichst realistisch nachgebauter Attrappen erlebbar machen und das zähe juristische Nachspiel beleuchten. Ferner soll der vielseitige Protest gegen den atomaren Wahnsinn sichtbar gemacht werden. Nur durch die Vielfalt, das Zusammenspiel und die Solidarität der verschiedenen Aktionsformen konnte die Anti-Atom-Bewegung in den Jahrzehnten ihres Bestehens so stark werden.

Die Ausstellung ist in dieser Form einzigartig, weil sich hier Aktivistinnen und Aktivisten über eine spektakuläre Blockade-Technik – die zum Teil weltweite Aufmerksamkeit erreicht hat – zusammengefunden
haben, um einem Baustein des Anti-Atom-Widerstandes eine öffentliche Plattform zu bieten.

Das Anliegen ist aber nicht nur Aufklärung über eine Widerstandsform und ihre Gründe. Vor Ort sollen auch Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt werden für die Gruppen, die wegen Betonblock-Aktionen vor Gericht stehen (werden): Im Mai begann der Prozess gegen die Lubmin-Aktionsgruppe (Castor Karlsruhe-Lubmin 2010). Die nächste Verhandlung findet am 11. Juni in Greifswald statt (blockmin.blogsport.eu/).

Ein Unterstützer der Betonblock-Aktion in Berg/Pfalz (Castor La Hague – Gorleben 2008) ist derzeit vor dem Amtsgericht Potsdam angeklagt. Auch Strafbefehle gegen die Vastorf-Aktionsgruppe (Castor La Hague –
Gorleben 2011) sind demnächst zu erwarten.

Weitere Termine, Vorträge etc. werden im Rahmen der Kulturellen Landpartie (KLP) stattfinden und sind im Veranstaltungskalender der KLP veröffentlicht. Die Ausstellung soll im Anschluss komplett oder in Teilen in alle vier Himmelsrichtungen weiter ziehen – bisher geplant sind u.a. Stuttgart, Mainz, Rüsselsheim, Hildesheim, die Fusion. Kontakt zum Ausstellungskollektiv gibt es unter: big@notraces.net

Blog, Klima, Rhein-Main, Verkehr
15. Mai 2012

Flughafen Frankfurt – die Ruhe nach dem Sturm?

Die Aktionärsversammlung der Frankfurter Flughafenbetreiberin Fraport am 11. Mai fand unter Protest von AusbaugegnerInnen und lärmgeplagten AnwohnerInnen statt. Während die AktionärInnen, die am Verlust der Lebensqualität im Rhein-Main-Gebiet mitverdienen und Klimaschäden, Naturzerstörung, Feinstaub- und Lärmbelastungen mitzuverantworten haben, sich zur Hauptversammlung begaben, kamen sie nicht umhin, Protest und Forderungen der DemonstrantInnen wahrzunehmen. Diese machten ihre Stimmung mit Transparenten, Kreidemalereien und über Tonband abgespielten Fluglärm deutlich.

Proteste gegen die Aktionärsversammlung der Fraport
Proteste gegen die Aktionärsversammlung der Fraport

Dachte man nach dem Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichtshofs in Leipzig (s. dazu auch Blogeintrag: Eine Mütze voll Schlaf – Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen bestätigt), es kehre Ruhe in den Streit um Nachtflugverbot und Flughafenerweiterung ein, ist dies mitnichten so. Für neue Entrüstung sorgte der hessische Verkehrsminister Posch. Bevor seine Amtszeit im Juni ein Ende nehmen wird, forderte er eine Planklarstellung um das Nachtflugverbot übereilt festzuschreiben. Dem bislang unbekannten Rechtsinstrument der Planklarstellung wird misstraut, ebenso Poschs Absichten. Ohne die schriftlichen Urteilsgründe abzuwarten, äußerte sich Posch gegen das nach dem Gerichtsbeschluss erwartete Planergänzungsverfahren mit aufwendiger Bürgerbeteiligung. Ob er eine angeblich überflüssige öffentliche Debatte vermeiden oder 133 Flüge in die Randstunden zwischen 22-23 Uhr und 5-6 Uhr der eigentlichen „Nachtruhe“ legen möchte, ist fraglich. Trotz der erlaubten 133 Flüge hatte sich das Gericht auch gegen einen abrupten Übergang von Fluglärm und Nachtruhe geäußert. AnwohnerInnen können auf die Gestaltung der Nachtrandstunden nur Einfluss nehmen, wenn es zum Planergänzungsverfahren und nicht zur Planklarstellung kommt.

Aglaia Abel

Aktion, Energie
13. Mai 2012

Aktionstour “Uranfabrik Gronau abschalten” in Düsseldorf

Die Robin Wood Aktionstour für die Abschaltung der Uranfabrik in Gronau ging gestern in der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf zu Ende. Bei fast schon winterlichen Temperaturen waren wir zum Tourfinale mit dem Kletterberg auf dem Burgplatz, gemeinsam mit der BUND-Gruppe aus Duisburg. Während sich viele Kinder und Jugendliche beim “Aufsteigen für den Atomausstieg” übten, informierten wir PassantInnen über die Risiken der Uranfabrik in Gronau und sammelten Unterschriften für deren Abschaltung. Fotos hier.

Fünf Tage lang waren wir in Bonn, Köln, Bielefeld, Münster und Düsseldorf mit einem Aktionsteam, vielen helfenden Händen und lokalen Unterstützer-Initiativen unterwegs, um über die Uranfabrik Gronau zu informieren. Die Anlage unterliegt bis heute nicht dem im letzten Jahr beschlossenen Atomausstiegsgesetz. Während der Betrieb von AKWs befristet wurde, darf die Anlage in Gronau völlig unbefristet weiter betrieben werden und Brennstoff herstellen. Jedes zehnte AKW auf der Welt wird mit Uranbrennstoff aus Gronau betrieben! Statt Ausstieg und Abschaltung wird die Uranfabrik sogar weiter ausgebaut. Ende des Jahres 2012 soll eine Jahreskapaziät von 4.500 Tonnen Uran erreicht werden. Derzeit sind es noch 4.200 Tonnen. Deshalb wollen wir auch nach Abschluss der Tour weiter Druck machen und sammeln auch Online Unterschriften. www.robinwood.de/uran

Aktion, Energie
11. Mai 2012

Uranfabrik Gronau abschalten – Aktionstour heute in Münster

Die Aktionstour ist in Münster angekommen. Gemeinsam mit SOFA Münster, dem AKU Gronau und der AG Schacht Konrad war der Kletterberg heute in der Stubengasse in Münster aufgebaut: Uranfabrik Gronau abschalten – sonst steigen wir euch aus Dach. Um 14 Uhr startete die Aktion mit einer Pressekonferenz, bevor über Redebeiträge und mit Interviews die Menschen in Münster über die Risiken der Uranfabrik Gronau informiert wurden. Zahlreiche Aktive sprachen mit den MünsteranerInnen, sammelten Unterschriften für die Abschaltung der Uranfabrik. Für musikalischen Gegenwind sorgte das deutsch-chilenische Duo “Contraviento” mit vielen schönen Songs! Während dessen erprobten sich vor allem Kinder und Jugendliche an dem fast 10 Meter hohen Kletterberg unter dem Motto: Aufsteigen für den Atomausstieg!

Aktion, Energie
10. Mai 2012

Aktionstour gegen Uranfabrik – heute Bielefeld

ROBIN WOOD ist seit Dienstag auf Aktionstour für die Abschaltung der Uranfabrik Gronau. Heute ist Bielefeld Station der Tour. “Wenn ihr nicht abschaltet, steigen wir euch aufs Dach” lautet das Motto Deshalb hat ROBIN WOOD einen Kletterberg dabei, an dem fleißig trainiert werden kann, um mehr Druck für den Atomausstieg zu machen. Diese Aktion kann auch online unterstützt werden, mehr Infos und eine Online-Unterschriftenaktion auf www.robinwood.de/uran.
In Gronau wird Brennstoff für AKWs in aller Welt hergestellt. Während in Deutschland offiziell von Atomausstieg die Rede ist, laufen aber immer noch neun AKWs und die Anlage in Gronau darf sogar völlig unbefristet weiter Atomgefahren herstellen.

Bereits am Montag haben AktivistInnen zwischen Gronau und Münster, in der Nähe der Uranfabrik, einen Zug mit rund 500 Tonnen Atommüll mit einer Kletteraktion stundenlang blockiert und damit auf die Risiken der Atomenergie aufmerksam gemacht.

Tourstart war am Dienstag in Bonn. Nach Köln ist die Aktionstour heute in Bielefeld. Unterstützt wird die Aktion durch die Initiative “Bielefeld steigt aus” und von der AG Schacht Konrad.

Morgen, am Freitag gastiert die Aktionstour in Münster, dort wird ab 14 Uhr der Kletterberg aufgebaut und eine Pressekonferenz stattfinden. Am Samtag endet die Tour dann in Düsseldort, einen Tag vor den Wahlen in NRW.

Allte Infos zur Tour, über die Risken der Uranfabrik Gronau und zur Unterschriften-Aktion sind hier zu finden:  www.robinwood.de/uran.

Aktion, Energie, Leipzig
10. Mai 2012

Üble Rezepte für die Energiewende – Protest beim Ostdeutschen Energieforum in Leipzig

Protest beim Ostdeutschen Energieforum Leipzig, 10.5.12

ROBIN WOOD-Kommentar zum Ostdeutschen Energieforum Leipzig, 10.5.12 (Foto: ROBIN WOOD)

Heute und morgen tagt das erste Ostdeutsche Energieforum auf dem Leipziger Messegelände. Viele wichtige Menschen aus Politik und Wirtschaft sind angereist und werden schöne Worte zur Energiewende kund tun. Rund 100 DemonstrantInnen von Initiativen, Umweltorganisationen und der IG Metall versammelten sich heute früh vor dem Messeeingang und machten mit Pfiffen und Bannern klar, dass sie die Rezepte von Regierungen und Wirtschaft für die Energiewende nicht überzeugen. „Kohle + Uran + Solarkürzungen = Energiewende, 1+1 = 7 ? Durchgefallen, Herr Rösler!“ stand auf einem Banner zu lesen, das zwei Kletteraktivisten von ROBIN WOOD am Haupteingang aufspannten. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ist Schirmherr der Veranstaltung.

Weitere Aktive von ROBIN WOOD verteilten Flyer mit dem „Energiewende-Rezept der Bäcker Rösler & Co.“: „Man forme einen geschmeidigen Teig aus Braunkohle, vermenge diesen mit Triebmittel (z.B. von Vattenfall) und backe ihn bis 2022 mit Atomstrom. Anschließend entferne man 20 – 30 EL Solarförderung von der Trockenmasse. Das kann nicht aufgehen!“

Eine Energiewende, die diesen Namen auch verdient, sieht anders aus: Alle Atomanlagen – d.h. sämtliche AKWs, aber auch die Uranfabrik in Gronau – müssen sofort stillgelegt werden. Wir brauchen einen Ausstieg aus der Kohleverstromung, einen sparsamen und effizienten Umgang mit Energie und eine verstärkte Förderung dezentraler, erneuerbarer Energien.

 

 

Aktion, Düsseldorf, Energie, Köln
7. Mai 2012

Uranzug blockiert – Aktionstour “Uranfabrik Gronau abschalten” startet

Urantransport bei Gronau blockiert! Anti-Atom-AktivistInnen haben sich heute über der Bahnstrecke bei Münster abgeseilt, um auf die gefährlichen Atomtransporte von und zur Uranfabrik in Gronau aufmerksam zu machen. Ein Zug mit dem radioaktiven Uran konnte daher stundenlang die Strecke nicht passieren. In der Anlage in Gronau wird Uranbrennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt hergestellt.  Infos zu dieser Aktion auf www.muensterschezeitung.de und bei SOFA Münster. Die Aktion war auch eine Solidaridätserklärung für AktivistInnen, die heute in Greifswald vor Gericht standen, weil sie im Dezember 2010 einen Castortransport in das Zwischenlager Nord bei Lubmin blockiert haben. (Info hier)

Auch ROBIN WOOD fordert die endgültige Abschaltung dieser Uranfabrik und geht deshalb ab morgen, 8. Mai für fünf Tage auf eine Aktionstour durch NRW. Abschalten, sonst steigen wir euch aufs Dach! Start ist um 14 Uhr in Bonn, dann geht es über Köln, Bielefeld, Münster nach Düsseldorf. Anlass sind die Wahlen in NRW.  Du kannst die Tour unterstützen: Unterschreibe den Online-Protest auf www.robinwood.de/uran. Dort findet du auch weitere Informationen zur Tour und warum die Uranfabrik Gronau sofort abgeschaltet werden muss.

Aktion, Energie, Greifswald
7. Mai 2012

Prozessauftakt zum Protest im Betonblock gegen den Lubmin-CASTOR

Heute morgen hat um 9.00 Uhr in Greifswald ein Gerichtsprozess gegen Aktivisten von ROBIN WOOD begonnen, die im Dezember 2010 im Betonblock stundenlang gegen den CASTOR-Transport nach Lubmin protestiert hatten. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem Nötigung und Beschädigung der Gleisanlagen.

Transparent zur Unterstützung der Angeklagten im Lubmin-CASTOR-Prozess (Foto: Daniel Häfner / ROBIN WOOD)

Transparent zur Unterstützung der Angeklagten im Lubmin-CASTOR-Prozess (Foto: Daniel Häfner / ROBIN WOOD)

Ab 8.00 Uhr waren ca. 60 Menschen zu einem frühstück vor dem Amtsgericht unter dem Motto: “gerichte sind zum essen da” zusammengekommen. Auch Transparente wurden in Bäume und an Fahnemasten gehangen. Allerdings wurde zumindest eines wieder von der Feuerwehr entfernt.

Solidarisch erklärte sich auch die Organisation contrAtom und forderte den Freispruch der Aktivist*innen: “Wir verurteilen aufs Schärfste den Versuch, den friedlichen Protest der beiden gegen den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken und die damit verbundenen Atommülltransporte zu kriminalisieren und sagen deutlich: Ihr Protest ist auch unser Protest!”, so Bernd Ebeling von contrAtom. “Vor dem Hintergrund der Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima, der noch immer ungeklärten Atommüll-Endlagerfrage und der zahllosen Störfälle, die auch in Deutschland den ‘Normalbetrieb’ von AKWs begleiten, betrachten wir den Weiterbetrieb von Atomkraftanlagen als einen permanenten und gewissenlosen Angriff auf Mensch und Natur. Den zivilen Ungehorsam gegen die Atomindustrie betrachten wir darum nicht nur als legitim, sondern auch als unsere demokratische Pflicht. Wir erklären ausdrücklich, dass gewaltlose Protesaktionen wie die, die den beiden Robin-Wood-Aktivisten zur Last gelegt werden, Teil dieses legitimen und unumgänglichen Widerstands sind und sehen daher jeden Versuch, diesen Widerstand zu kriminalisieren auch als einen Angriff auf unsere demokratischen Freiheitsrechte”, so Ebeling weiter.

Der Prozess begann unter großem Medieninteresse. Zwei Anwälte wurden als Pflichtverteidiger zugelassen, weil es in dem Gerichtsverfahren um komplizierte Fragen u.a. des Versammlungsrechts geht.

Solidarität im Prozess wegen des Lubmin-CASTORs 2010 (Foto: Daniel Häfner / ROBIN WOOD)

Solidarität im Prozess wegen des Lubmin-CASTORs 2010 (Foto: Daniel Häfner / ROBIN WOOD)

Aktuelle Meldungen gibt es bei Twitter unter dem Hashtag #blockmin

Mehr Informationen und Fotos der Aktion gibt es auf dem Blog der AktivistInnen unter: http://blockmin.blogsport.eu

Einen Bericht zum ersten Verhandlungstag finden Sie hier.

 

Blog, Energie, Greifswald
5. Mai 2012

Protest im Betonblock: CASTOR-GegnerInnen in Greifswald vor Gericht

Am kommenden Montag, den 7. Mai, werden zwei ROBIN WOOD-AktivistInnen in Greifswald vor Gericht stehen. Sie hatten am 16. Dezember 2010 mit einer Protestaktion für den sofortigen Atomausstieg und gegen den Atommüll-Transport nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern demonstriert. Wegen dieser Aktion sollen sie pro Kopf 3.600 Euro Geldstrafe zahlen. Das entspricht 120 Tagessätzen à 30 Euro. Gegen diesen Strafbefehl haben sie Einspruch eingelegt. Daher kommt es nun zu einer Verhandlung vor dem Amtsgericht.

Zwei RobinWood-Aktive ketteten sich im Gleisbett des Lubmin-Castors an (Foto: C. Grodotzki/ROBIN WOOD)

Am 16. Dezember 2010 rollte ein Zug mit ursprünglich aus der Bundesrepublik stammendem, hochradioaktivem Atommüll von der sogenannten Wiederaufbereitungsanlage im französischen Cadarache Richtung Lubmin. Unterwegs wurde er immer wieder von Protestaktionen gestoppt, auch kurz vor seinem Ziel. Dort hatten sich auf Höhe der Ortschaft Friedrichshagen bei Schneetreiben und eisigen Temperaturen zwei ROBIN WOOD-AktivistInnen an einem im Gleisbett liegenden Betonblock fest geschlossen. Die Weiterfahrt des Atommüllzuges verzögerte sich um mehrere Stunden. Mit ihrer Aktion wollten die beiden ein unmissverständliches und öffentlichkeitswirksames Zeichen gegen Atomkraft setzen. „Endstation Atom, sofort alle aussteigen!“ stand auf ihrem Transparent. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen nun Zerstörung fremden Eigentums, Störung öffentlicher Betriebe und Nötigung vor.

Die Proteste gegen den CASTOR-Transport lenkten die öffentliche Aufmerksamkeit auf das völlig ungelöste Atommüll-Problem. Der hochradioaktive Müll wird über Tausende von Kilometern hin und her transportiert, weil es kein Endlager dafür gibt. Auch Lubmin ist kein geeigneter Lagerort. Trotzdem die „Atomsuppe“ aus Salpetersäure, Plutonium und Uran dort hinzubringen, ist verantwortungslos. Tausende Menschen gingen dagegen auf die Straße, unter ihnen auch der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD). Er hatte auch über Medien und persönliche Emails zum Protest gegen den CASTOR-Transport nach Lubmin aufgerufen.

Damit der Prozess unter öffentlicher Beobachtung stattfindet, sind alle Interessierten und UnterstützerInnen sowie MedienvertreterInnen eingeladen, am kommenden Montag daran teilzunehmen: 9:00 Uhr, Amtsgericht Greifswald, Lange Straße 2a, Saal 10. Ab 8.00 Uhr wird es ein gemeinsames Frühstück vor dem Amtsgericht geben unter dem Motto: “Gerichte sind zum Essen da!”, ab 9.00 Uhr beginnt der Prozess, wird aber durch ein Mahnwache vor dem Amtsgericht begleitet.

Mehr Informationen und Fotos der Aktion gibt es auf dem Blog der AktivistInnen unter: http://blockmin.blogsport.eu

Aktion, Blog, Energie
3. Mai 2012

Protest gegen die EON Hauptversammlung – wenn Großkonzerne Grundrechte mit Füßen treten.

Transparente gegen Kohleschmutz und die Atomkraft begleiteten am Donnerstag die Aktionäre des EON-Konzerns zu ihrer Hauptversammlung in Essen. Dass der Konzern die Kritik fürchtet, war schon allein an der Anwesenheit von privaten Sicherheitsangestellten und Überwachungskameras im Eingangsbereich der Messehalle festzustellen. Zum Schutz der privaten Interessen des Konzerns wurde die Polizei zusätzlich im öffentlichen Bereich in der U-Bahn und auf dem Messe-Vorplatz eingesetzt. Die Beamten erschienen in Kampfmontur und glänzten mit der Missachtung von Grundrechten der demonstrierenden UmweltaktivistInnen. Eine Robin Wood-Kletteraktivistin, die ein Anti-Atomtransparent in einem Baum befestigen wollte, wurde vormittags in polizeilichen Gewahrsam genommen und gegen 16 Uhr… aus dem Krankenhaus entlassen. Sie erlitt auf Grund der willkürlichen und unsanften Polizeimaßnahme gegen sie einen Kreislaufzusammenbruch. Sie ist inzwischen wieder wohl auf. Es bleibt aber: Atomkraft und Menschenrechte sind inkompatibel. Die Macht der Großkonzerne lässt sich nur durch Grundrechtsverletzungen durchsetzen.

Die AktivistInnen staunten nicht schlecht, als die Polizei selbst auf dem öffentlichen Platz zwischen U-Bahn und Messe das Verteilen von Flyern untersagte. „Eon hat hier das Hausrecht, dies setzen wir durch”, erhielt einen Aktivistin als Antwort, als sie sich beschwerte und nach einer Begründung für das Verbot erkundigte. Sie zweifelte an, dass ein öffentlicher Platz deswegen im Besitz eines Privatkonzerns sei, weil dieser seine Hauptversammlung im Gebäude hinten abhalte. Den Beamten war das aber alles egal. Nachdenken und den Schutz von Grundrechten gewähren? Das ist viel zu viel verlangt. Dies bestätigte sich im weiteren Verlauf des Tages.

Die ProtestlerInnen mussten mit ihren Transparenten am Rande stehen bleiben. Den Beginn der Hauptversammlung begleiteten sie gegen 10 Uhr mit Trommeln auf Atom-Metallfässern. Als eine Kletteraktivistin von Robin Wood einen Klettergurt anzog, um ein Transparent in einem Baum zu befestigen, wurde sie von Polizisten gewaltsam aus der Mitte der Versammlung herausgezogen und abseits geschliffen. Und weil sie sich diese willkürliche Polizeimaßnahme und Einschränkung ihres Rechtes auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit nicht gefallen lassen wollte und von den Polizisten eine schriftliche und begründete Ausfertigung des gegen sie ausgesprochenen Platzverweises verlangte, wurde sie in Gewahrsam genommen. Die Situation spitzte sich weiter zu, als die Beamten die rheumakranke Frau am rechten Handgelenk anfassten und ihr dadurch Schmerzen zufügten. Trotz vorhandenem Schwerbehindertenausweis hatten sich die Beamten keine Mühe um Aufklärung des Gesundheitszustandes der Demonstrantin gegeben. Die Aktivistin schrie vor Schmerzen und verlangte ein Telefonat mit ihrem Anwalt. Dies wurde ihr verweigert, sie wurde stattdessen in die Einzellzelle eines Gefangenentransporters gestopft. Während des Transportes erlitt die Aktivistin einen Kreislaufzusammenbruch. Als sie kaum ansprechbar mit Atemnot in der Zelle lag, wurde ein Rettungswagen gerufen. Im Krankenhaus konnte sie endlich zur Ruhe kommen sowie Wasser und Nahrung zu sich nehmen. Ihr Zustand verbesserte sich schnell. Gegen 16 Uhr konnte sie von ihren FreundInnen in Empfang genommen werden. „ Politisches Engagement kann zu Repression führen – vor allem, wenn man die Mächtigen dieser Welt kritisiert. Solidarität hilft aber, weiter zu kämpfen. Das sind wir Menschen schuldig, die noch stärker unter der Politik von Großkonzernen wie EON aber auch RWE , EnBW oder Vattenfall – um nur Energiekonzerne zu nennen – leiden. Das Leiden der Menschen und die Missachtung von Grundrechten beginnt – egal ob Kohleschmutz oder Atomtod – in den Abbaugebieten”, fasst die Aktivistin zusammen.

Wie wenig der EON-Konzern von Menschenrechten und Umweltschutz hält, wurde heute vor der Messehalle aber auch in der Hauptversammlung deutlich – als kritische Aktionäre das Wort ergriffen und unbequeme Fragen zur Beteiligung des Konzerns an Kohlegeschäften, an Atomprojekten im Ausland oder an der Gronauer Urananreicherungsanlage stellten.

Eichhörnchen