Aktion, Floßtour, Klima, Verkehr
27. Juli 2010

Floßlogbuch Teil 2 Bad Wimpfen – Heidelberg

In Heilbronn starten wir mit Mark Twain im Gepäck, der die selbe Strecke vor 130 Jahren auch schon mit dem Floß befuhr. Hier gibt es nun die aktuellen Logbucheinträge:

Heilbronn – Bad Wimpfen 27.07.

Gegen 9.00 Uhr hatten wir eine Arbeitsbesprechung, das Wetter war  nicht sonderlich schön und wir legten früh ab. Vorher versorgten wir uns noch mit dem nötigsten und wurden vom Reformhaus Maier großzügig beschenkt – für die nächsten Tage haben wir ausgesorgt.

Wir fuhren den Altarm zurück und nahmen den Weg über den “Kanal”, der Neckar heißt. Hinter der Schleuse und vor dem Kohlekraftwerk erwarteten uns Boote der Wasserschutzpolizei welche zwischen uns und dem Kai Position bezogen hatten um ständig mit auf gleicher Höhe zu bleiben.

Das Kohlekraftwerk ist das zweitgrößte Kohlendioxidemitent in Baden-Württemberg und so bedachten wir es auch mit einer Mini-Ansprache per Megaphon.

In Bad Wimpfen angekommen bauten wir unseren Infostand auf und wurden von vielen Fahrradfahrern besucht, welche das Floss neugierug und interessiert unter die Lupe nahmen. Jule, Benni, Guzzi, Lena und Simon hängten Seile in eine am Floss gelegene Trauerweide und übten ein wenig “Retten aus dem Baum”.

Während dessen trafen 3 Polizeibeamte ein, welche sich über eine mögliche (Kletter-)Aktion am Bad Wimpfener Chemiewerk “Solvay” sorgen machten,  da einige engagierte Bürger gegenüber der Polzei mit viel “Zivilcourage” ihre Bedenken via 110 geäußert hatten. Während dessen kam Günther in den Genuss einer persönlichen Präsentation des Werkes durch die Geschäftsführung, in welcher darauf hingewiesen wurde, dass sich das Unternehmen um Umweltschutz bemühe. Die Nervosität wird verständlich, wenn klar ist, dass dieses Werk der letzte große FCKW-Produzent in Deutschland war, gegen den massiv protestiert wurde, bis die Produktion eingestellt wurde.

Anschließend gingen einige der Crew schwimmen und wir verbrachten einen gemütlichen Abend auf dem Floss mit sternenklarem Himmel.

Crew: Guzzi, Benni, Jule, Simon, Lena, Daniel, Günther, Wilfried, Gerrit

Bad Wimpfen – Neckarelz-Mosbach 28.07.

Als einige der Flosscrew bereits um 6 Uhr aufstanden, lag das Floss in einer herrlichen Nebellandschaft. Schon früh machten wir uns los, um den Neckar hinabzugleiten, vorbei an alten Burgen und Weinbergen. Nach fünfstündiger Fahrt erreichten wir das verregnete Neckarelz/Mosbach und wurden  fröhlich von Fifi und Kei empfangen. Auch ein Journalist der Rhein-Neckar-Zeitung besuchte uns am Floss und machte Fotos und Interviews.  Nun liegen wir am Steiger des Ruderclubs Neptun, räumen das Floss auf, kochen und machen Infoarbeit. Den Abend verbrachten wir auf dem Floss und warteten auf Alex, der uns erst spät erreichte.

Crew: Guzzi, Benni, Jule, Simon, Lena, Daniel, Günther, Wilfried, Gerrit, Peter, Kei

Mosbach- Eberbach 29.07

Wir verließen Mosbach bei Sonnenschein bereits um 7 Uhr, da wir mit 25 Kilometern den auf dieser Tour bisher längsten Weg vor uns hatten. Wir ließen uns ein Weile treiben und genossen das schöne Wetter.

Auf dem Weg passierte das Floss das bereits stillgelegte Atomkraftwerk Obrigheim, wo wir erneut von einem größeren Polizeiaufgebot begleitet wurden.

Nun liegen wir vor der Schleuse Guttenbach und warten darauf geschleust zu werden. Das Wetter ist plötzlich umgeschlagen und wir sitzen bei Platzregen und Gewitter unter unseren Planen. Später mehr….

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Aktion, Klima, Verkehr
26. Juli 2010

Stuttgart 21 besetzt

Mehrere Dutzend Aktive haben vor wenigen Minuten den Nordflügel des Stuttgarter Bahnhofs besetzt. Sie protestieren damit gegen den drohenden Abriss, mit dem die Bahn vollendete Tatsachen für Stuttart 21 schaffen will.

Das Milliardenprojekt Stuttgart 21 trifft auf massiven Widerstand in der Bevölkerung und so demonstrieren regelmäßig tausende gegen das Projekt, welches Milliarden kostet und Fahrzeiten nicht verkürzt, aber dazu beiträgt, dass weniger Regionalzüge verkehren.

Ein Aktivist blickt aus dem besetzten Nordflügel auf die hunderten UnterstützerInnen vor dem Gebäude (Foto: C.Grodotzki)

Vor dem Bahnhof befinden sich derzeit noch hunderte Menschen, die Polizei hat das Gebäude abgeriegelt und bereits einen SWR-Journalisten festgenommen. Die Lage ist angespannt.

Direkte Neuigkeiten gibt es bei Twitter unter: #abrissaufstand und #s21.

Update 21.00 Uhr:

Die Polizei geht in den Keller des Flügels. Die Unterstützenden draußen sollen den Platz räumen.

Update 22.20 Uhr:

Die Lage hat sich scheinbar etwas beruhigt, viel Polizei, die Besetzer_innen haben ein Plenum und bitten um Unterstützung. Der aktuellste Ticker ist: #abrissaufstand

Update 0 Uhr:

Die Polzei begann mit der Räumung, diese ist mitlerweile fast abgeschlossen. Aktive mit ROBIN-WOOD-Shirts sind aus dem Bahnhof getragen worden. Die Polizei besetzt den Bahnhof nun für die Deutsche Bahn.

Hier ein Artikel des SWR.

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Floßtour, Klima
23. Juli 2010

Floßlogbuch Teil 1 – Stuttgart bis Heilbronn

Die Floßtour ist gestartet und hier nun das Logbuch der ersten Floßtage in Bad Cannstatt. Dieser Artikel wird regelmäßig mit den Logbucheinträgen der nächsten Tage bis Heilbronn aktualisiert.

Stuttgart-Bad Cannstatt (20-22.07.)

Nachdem wir unser Floß ROBINA WALD II in Stuttgart-Hofen zusammengebaut hatten, begann die Floßtour 2010 unter dem Motto „KLAR ZUM ENTERN – KLIMASCHUTZ SELBER MACHEN“. Es gab anfänglich unerwartete Diskussionen mit regionalen Behörden, die von uns eine Anmeldung als Sondertransport verlangten, obwohl wir seit 2 Jahren als Kleinfahrzeug zugelassen und ohne spezielle Genehmigung unterwegs sind. Auf dem Weg vom Aufbauort zum Startpunkt der Tour in Stuttgart-Bad Cannstatt begrüßten zwei Aktivisten von Robin Wood das Floß, indem sie sich mit einem großen Transparent mit der Aufschrift „Klimaschutz statt Kohleschmutz“ an der Brücke am Kohlekraftwerk von EnBW im Stadtteil Münster auf das Floß abseilten.

Aktion am Stuttgarter Kohlekraftwerk der EnBW am 20.07.10 auf dem Weg nach Cannstatt (Foto: C. Grodotzki/ROBIN WOOD)


Bei unserer Ankunft in Bad Cannstatt wurden wir von JournalistInnen empfangen, die viele Fragen zu unserem Projekt hatten — am nächsten Tag erschienen dann auch mehrere Artikel in Zeitungen über die Floßtour. Neben der Arbeit am Robin Wood Infostand unterstützte die Floßcrew den lokalen Protest gegen das Milliardengrab der Deutschen Bahn, Stuttgart 21, mit einem riesigen Transparent an einer Fußgängerbrücke über dem Neckar. Über das Transparent freuten sich zahlreiche PassantInnen, die uns auf dem Floß besuchten. Um so enttäuschter waren sie, als es auf Anordnung des Ordnungsamts entfernt und dabei von einem Beamten beschädigt wurde.

Die seit Tagen herrschende Hitze und Schwüle wäre schwer erträglich, gäbe es nicht den Neckar zum gelegentlichen abkühlen. Wir nutzten die Zeit in Cannstatt auch, um letzte Vorbereitungen und Besorgungen für die Tour zu erledigen.
Zwischendrin fanden wir noch Zeit, aus Treibholz ein kleines Beifloß zu konstruieren. Nur so zu Übungszwecken… Wir tauften es auf den Namen Sebastian, praktischerweise trieb auch ein entsprechendes Schild an.

Bad Cannstatt – Ludwigsburg (22.7.)

Es war für manche von uns eine kurze Nacht: ein Gewitterregen durchfeuchtete die draußen schlafenden etwas. Wir verließen Stuttgart am Donnerstag gegen 10:30. Nach den hoffentlich letzten bürokratischen Hürden — einer kurzen Abnahme des Floßes durch die Wasserschutzpolizei — machten wir uns auf den Weg nach Ludwigsburg, wo wir nach ca. 6 Stunden eintrafen.
Der Abschied von unserem selbst gebauten Beifloß „Sebastian“ fiel uns schwer, doch mussten wir es zügigerem Vorankommen opfern.

Floß on Tour (Foto: C.Grodotzki/ROBIN WOOD)

Floß on Tour (Foto: C.Grodotzki/ROBIN WOOD)

Nach sechsstündiger Fahrt wurden wir in Ludwigsburg Hoheneck von ungeduldigen Passanten erwartet, die trotz Regens und unserer Verspätung an der Anlände ausgeharrt hatten um mit ihren Kindern das Floß zu stürmen und unseren Infostand zu begutachten. Den Rest des Abends verbrachten wir in gemütlicher Regenrunde auf dem Floß und warteten ungeduldig auf Sani-Christoph der uns zu später Stunde mit Unmengen Pommes und lokalem Malzgetränk versorgte.

Ludwigsburg – Besigheim, 23.7.

Jule und Benni starteten, wie am Abend zuvor geplant, heute schon um 7.00 früh den Motor da wir bis Besigheim eine weite Strecke vor uns hatten. Die restliche Teil der Crew wachte erst in Marbach auf, wo wir wegen kurzzeitigen Motorproblemen anlegen mussten. Die Ursache des Motorproblems wurde jedoch von Benni und Jule schnell gefunden und konnte in guter Teamarbeit schnell behoben werden.

Jules langer Tag (Foto: C.Godotzki/ROBIN WOOD)

Jules langer Tag (Foto: C.Godotzki/ROBIN WOOD)

Nun konnten wir nun unsere Fahrt in Richtung Besigheim fortsetzen. Als wir nach neunstündiger Fahrt unseren Anleger in Besigheim erreicht hatten, war einem Großteil der Crew die Erschöpfung anzusehen. Günther übernahm die Infoarbeit in der schönen Besigheimer Altstadt und verteilte unsere neuen Floßtour-Klimaflyer. Den Abend verbrachten wir an unserem idyllischen Anlegeplatz und nutzten dies, um an diesem verregneten Abend die nächsten Tage zu planen und zu organisieren.

Crew: Alex, Günther, Gerrit, Jule, Lena, Wilfried, Kei, Punky, Benni, Simon, Michi, Christoph

Besigheim – Lauffen, 24. 7.

Bereits am frühen Morgens hatten wir Besuch: Zwei nette junge Herren der Zivilpolizei beobachteten uns unauffällig beim Zähneputzen, waren aber vermutlich wie immer aus “rein privatem Interesse” da. Als unsere Zelte abgebaut waren ging die Reise zügig los. Bereits nach der ersten Schleuse warteten die ersten Interessierten in einem blauen Boot auf uns, welches uns auf dem ganzen Weg begleitete. Auch auf dem weiteren Weg wurden wir zu Wasser und Land begleitet, führte unsere Strecke doch am Atomkraftwerk Neckarwestheim vorbei. Zunächst machten wir einen kleinen Ausflug mit dem Schlauchboot, welcher von einem Polizeiboot begleitet wurde. Dabei stellten wir fest, dass wir bereits von weiteren Polizeieinheiten (samt Hunden) erwartet wurden. Als auf Höhe des Kraftwerkes neben dem großen und dem kleinen Polizeiboot noch ein Weiteres auftauchte, fühlten wir uns verpflichtet, deren Geschwindigkeit und Wendigkeit zu testen.

Verfolgungsjagd vor dem AKW Neckarwestheim (Foto: ROBIN WOOD)

Diverse Schlauchboot- und Floßmanöver wurden von der Forderung begleitet, Neckarwestheim und alle anderen Atomkraftwerke bzw. -anlagen endlich vom Netz zu nehmen. Dies wurde der Polizei lautstark per Megaphon kund getan. Nach der wilden Verfolgungsjagd nahmen wir ein Bad im nun “wohl temperierten” Neckar. Die reißende Strömung des Neckaraltarmes, die die Leistung des Floßmotores und die Fahrkünste des Fahrers unter Probe stellte, bereitete uns dabei großte Freude. “Strahlend” kamen wir aus dem Wasser, leisteten noch weitere Infoarbeit und wurden von der Ortsgruppe des BUND und Christians Familie besucht. Am Abend gingen einige nach einem anstrengenden Tag früh schlafen, andere Flößer mischten sich bei der italienischen Nacht unter die Lauffener.

Crew: Alex, Günther, Gerrit, Jule, Lena, Wilfried, Punky, Benni, Simon, Aglaia

Lauffen- Heilbronn, 25.7.

Wir wurden in Lauffen von herrlicher Morgensonne geweckt. Als wir gefrühstückt hatten, kamen Barbara und Jürgen vom BUND Lauffen unserer Einladung nach und begleiteten uns bis Horkheim. Sie bereicherten uns mit ihrer Wissen zu lokalen Themen wie Landschaft, Wirtschaft und Politikgeschehen, wie z.B. die Ausweitung der Schiffsverkehr auf dem Neckar und die daraus resultierenden ökologischen Folgen.
Nachdem wir uns die ersten Kilometer bei traumhaften Wetter treiben ließen, kam es zu einer Meuterei gegen Kaptain Punky mit anschließender Wasserschlacht im angenehm kühlen Neckar. Ebenfalls zugestiegen waren Lenas Eltern, die dafür sorgten, dass die Dienstkleidung der Crew gewaschen wird. In Heilbronn angekommen wurde schnell der Infostand aufgebaut. Aufgrund der zentralen Lage unseres Steigers direkt an der Promenade der Stadt, freuten wir uns über viele neugierige Besucher und bekamen viel Zuspruch. Am Abend kochten wir Reis mit Bohnen und Sojageschnetzeltem und planten anschließend den Ablauf der nächsten Tage.
Die Nacht verbrachten wir in einen nahe gelegenen Yachthafen, um am nächsten Morgen zurück an den zentral gelegenen Anleger zwischen der Heilbronner Taxifähre und dem Theaterschiff anzulegen.

Crew: Aglaia, Simon, Benni, Punky, Wilfried, Jürgen, Jule, Guzzi, Gerrit, Günther, Barbara, Alex, Daniel

Heilbronn

Heute ging es zurück zu unserem Anleger mitten an der Fußgängerzone, wo sich auch bereits viele Interessierte einfanden. Einige von uns gingen zu den Anti-Atomprotesten des Energiewendebündisses Heilbronn. “Sofortiger Atomaustieg” hieß es zu Beginn der Kundgebung und später kam die Demo auch bei uns am Floß vorbei. Mit dem Kohlekraftwerk steht in Heilbronn der zweitgrößte Kohledioxidemittent in Baden-Würtemberg, auch dies ist Thema des Bündnisses. Kurz darauf zog die Demo weiter.

kurze Kungebung am Floß (Foto: Daniel Häfner/ ROBIN WOOD)

kurze Kungebung am Floß (Foto: Daniel Häfner/ ROBIN WOOD)

Gemütlich ist unser Liegeplatz nicht gerade, aber wir haben die Großstadt genutzt um unsere Vorräte aufzufüllen und auch viel Hilfe wurde uns angeboten. Den Rest des Tages schüttete es ganz schön, trotzdem besuchten uns viele Menschen und auch zwei Journalisten fanden den Weg zu uns. Das Kohlekraftwerk wurde immer wieder Thema. Gegen Abend wurde es ruhiger.

Mark Twain bereiste den Neckar auch auf einem Floß und zwar ab Heilbronn. Deshalb las uns Jule heute abend aus seinem Buch “Bummel durch Europa” das entsprechende Kapitel vor. Unser heute passendes Zitat: “Eine Mütze voll Regen verursacht im Neckar Hochwasser, und ein Zuber voll führt eine Überschwemmung herbei.”

Und das letzte Zitat für diesen Logbucheintrag schafft Interesse für den nächsten Teil der Tour, auf dem uns Mark Twain begleiten wird:

“Die Bewegung eines Floßes ist gerade die richtige; sie ist träge, geitend, sanft und geräuschlos; sie beruhigt alle fiebrige Betriebsamkeit, schläfert alle nervöse Hast und Ungeduld ein; unter ihrem beruhigendem Einfluß schwindet jeglicher Ärger, Verdruß und Kummer, der den Geist quält, und das Leben wird ein Traum…”

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Floßtour, Klima
23. Juli 2010

Erste Aktionen auf dem Floß

Bereits am Montag beteiligte sich unsere Floßcrew in Stuttgart an der Montagsdemonstration gegen das sinnlose Milliardenprojekt Stuttgart 21.

Am Dienstag startete das Floß dann hochoffiziell in Stuttgart Bad-Cannstatt unter großem Presserummel. “Klimaschutz selbst gemacht” – und “Klimaschutz von unten” sind die Themen der Tour und diese sind vielfältig. Unsere Aktive wollen Menschen bewegen, selbst tätig zu werden und in die lokalen Probleme einzugreifen. Und dies kann von der Solaranlage auf dem Dach bis hin zu Aktionen des zivilen Ungehorsams gehen.

Einige Tipps haben die Aktiven in einem Flyer zusammengefasst, und wissen, dass auch dies nicht reicht. Klimaschutz ist mehr als “eine Energiesparlampe einzuschrauben” und was genau dies sein kann, darüber wollen sie mit den Menschen im nächsten Monat ins Gespräch kommen.

Aktion gegen das Klimakiller-Kraftwerk von EnBW

Aktion gegen das Klimakiller-Kraftwerk von EnBW

Wie vielfältig das Thema Klimaschutz ist zeigte auch schon eine Aktion am ersten Tag. Unsere Aktiven seilten sich von einer Brücke ab, um gegen das Kohlekraftwerk von EnBW zu protestieren. Jeder und jede kann zu einem Ökostromanbieter wechseln, um den Konzernen das Geld für ihre klimaschädliche Politik zu entziehen. Insgesamt müssen wir aber daran arbeiten, dass nur noch Ökostrom aus der Steckdose kommt – immer und überall und am liebsten sofort.

Aber dazu und von den Erfahrungen auf dem Floß mehr in den nächsten Tagen, hier, bei Twitter und auf der Seite der Floßtour.

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Tropenwald, Welt retten
21. Juli 2010

Ein Elefant als ROBIN WOOD

schreibt news.de über einen Elefanten, der in Liberia gegen die Holzindustrie vorging – nun ist er tot.

Der Elefant war von der lokalen Bevölkerung gefeiert und verehrt worden, weil er gegen die Holzindustrie vorging, welche die Wälder zerstört, dafür aber weder soziale noch Ausgleichsmaßnahmen einleitet. Der Elefant sollte von ein oder zwei Menschen besessen gewesen sein und ihm wurden übernatürliche Kräfte zugeschrieben. Nun wurde er von 2 Holzmaschinen zerquetscht.

Die Behörden wiesen zurück, dass der Elefant besessen gewesen sei. Bei seinem Tod seien keine Menschen in seiner Nähe gestorben, was bei Besessenen der Fall wäre. Bei ROBIN WOOD in Deutschland gehört die Nutzung der Besessenheiten von Elefanten (noch) nicht zu den üblichen Aktionsformen.

Doch der Vorfall ist pikant. Zwar wurde am 10. Juni in Liberia ein Waldschutzgesetz erlassen, der Energiekonzern Vattenfall möchte aber 1 Mio. Tonnen Holz pro Jahr für sein Kraftwerk in Berlin importieren. Verschiedene Organisationen bezweifeln, dass dies nachhaltig geschieht, befinden sich die Baumplantagen doch auf dem Gebiet des ehemaligen Regenwaldes.
Mitte Juni erwarb Vattenfall Anteile am Holzlieferanten Buchanan in Liberia.

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Energie, Klima
14. Juli 2010

CCS-Gesetz führt in die Sackgasse

Heute wurde in Berlin der Entwurf für ein CCS-Gesetz (Carbon Capture and Storage) vorgestellt. Das Gesetz soll die  Grundlage für Vattenfall schaffen, das bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe anfallende Kohlendioxid probehalber unterirdisch einzulagern. In den Regionen in Ostbrandenburg (Beeskow und Neutrebbin) regt sich dagegen massiver Widerstand.

Betroffene aus der Region Neutrebbin bei einem Festival Ende Juni in der Region Letschin/Neutrebbin, ROBIN WOOD Aktive unterstützen das Festival durch ein Schnupperklettern

Betroffene aus der Region Neutrebbin bei einem Festival Ende Juni, ROBIN WOOD Aktive unterstützen das Festival durch ein Schnupperklettern

Die Technologie ist wissenschaftlich nicht untersucht und gefährdet Mensch und Umwelt. Das Trinkwasser wird gefährdet und bei Austritt größerer Mengen des Gases besteht Erstickungsgefahr.

Der Grund für die Eile besteht neben Vorgaben aus Brüssel darin, dass sich die Landesregierung in Brandeburg darauf festgelegt hat, neue Braunkohletagebaue nur zuzulassen, wenn die Endlagerfrage geklärt sei. Vattenfall soll in der Lausitz weitere Dörfer für die Braunkohle abbaggern, Landschaften verwüsten, das Grundwasser absenken und Menschen vertreiben. Die Regierungspolitik in Bund und Land gibt dem Konzern dafür die Rückendeckung, indem sie den Einsatz einer noch unausgereiften CCS-Technik rechtlich absichert.

Protest bei dem ersten Spatenstich des CCS-Pilotkraftwerks in Spremberg 2008

Protest beim ersten Spatenstich des CCS-Pilotkraftwerks in Spremberg 2006

Noch ist offen, ob die CCS-Technologie jemals sicher funktionieren und bezahlbar sein wird. Bislang ist klar, dass sie viel Energie im eigenen Prozess verbraucht, riskant für Mensch und Umwelt ist – und überall, wo eingelagert werden soll, auf massiven Widerstand der Bevölkerung stößt.

Der Sprecher der BI aus Beeskow Mike Kess sagte hierzu: „Doch wenn das eingelagerte CO2 sich nicht verhält, wie von den Ministern gewünscht, ist selbst die als Erprobung deklarierte Endlagerung als gefährlich anzusehen. Damit legitimiert die Politik das größte jemals in Deutschland geplante Experiment mit Gefahr für Mensch, Umwelt und Wasserversorgung auf deutschem Boden.“

Auch das Marketing-Argument, die Technik werde zum Exportschlager und China sei sehr daran interessiert, wirkt wenig überzeugend – zumal Ende des Jahres bei Bejing das erste Kraftwerk mit chinesischer CCS-Abscheidetechnik probehalber in Betrieb geht.

Die Technologie die hier verfolgt wird ist nur ein Feigenblatt für die Fortführung der zentralistischen Strukturen der Energiewirtschaft, einer Energiewende stehen diese im Weg. Im wahrsten Sinne ist dies eine end-of-pipe-Technologie, an derem einen Ende Dörfer und Naturschutzgebiete abgebaggert werden und am anderen Ende unkalkulierbare Gefahren entstehen. Wichtig wäre es, die Energiewende herbeizuführen und die alten Technologiepfade zu verlassen, die in die Sackgasse führen.

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Aktion, Energie, Floßtour, Klima, Verkehr
13. Juli 2010

Floßtour “Klimaschutz selbst gemacht”

Am 20. Juli startet sie  – die Floßtour für “Klimaschutz von unten”. In Stuttgart geht es los und dann über Neckar, Rhein und Main bis nach Frankfurt.

An der Strecke gibt es verschiedene Orte, an denen ROBIN WOOD für den Klimaschutz aktiv ist: Stuttgart 21, das Kohlekraftwerk in Mannheim oder der Ausbau des Frankfurter Flughafens. Und da wollen die Aktiven von ROBIN WOOD Menschen für einen Klimaschutz von unten begeistern. Eine Energiesparlampe einzuschrauben und Ökostrom zu beziehen ist notwendig, aber es reicht eben nicht aus, sich dem Klimachaos entgegen zu stellen. Da müssen die Menschen selbst aktiv werden: z.B. für eine andere Verkehrs- und Energiepolitik. Was eben nicht selbst gemacht wird….

Protest gegen das Mittlerweile eingestellte Projekt des Kohlekraftwerks in Düsseldorf im Jahr 2007 / Foto : Daniel Häfner

Protest gegen das mittlerweile eingestellte Projekt des Kohlekraftwerks in Düsseldorf bei der Floßtour im Jahr 2007 / Foto : Daniel Häfner

Alle sind herzlich eingeladen, die Aktiven auf dem Floß zu besuchen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Mit einer Solaranlage und Solarladegeräten an Bord gibt es auch praktischen Gesprächsstoff, und Infomaterial gibt es natürlich auch. So kann an Bord direkt zu einem Ökostromanbieter gewechselt werden.

Weitere Informationen, z.B. zu den Anlegestellen gibt es unter www.flosstour.de

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Verkehr, Welt retten
7. Juli 2010

Updates zu Stuttgart21

RobinWood-Aktive beteiligen sich immer wieder, beispielsweise mit Probebaumbesetzungen an den Protesten gegen S21 | Foto: C. Grodotzki/ROBIN WOOD

Update (11.07.): Am gestrigen Samstag protestierten, trotz Temperaturen weit über 30°C, über 10.000 Menschen mit einem Sternmarsch und einer Großkundgebung im Stuttgarter Schlosspark gegen S21. Auch die RobinWood beteiligte sich mit einer Probebaumbesetzung und Schnupperklettern an diesem “Protestival”. Auch die bundesweiten Medien zeigen nun, nach der Veröffentlichung des Geheim-Gutachtens (s.o.) im Stern*, reges Interesse an den Ereignissen in Stuttgart. ^cg

* Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann, der auch eine Rede auf der gestrigen Demonstration hielt, hat den überrschend kritischen Stern-Artikel zu Stuttgart 21 digitalisiert und auf seiner Homepage als .pdf verlinkt.

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Blog, Energie, Welt retten
7. Juli 2010

Unser Hamburg – Unser Netz

Ein breites gesellschaftliches Bündnis hat sich in Hamburg zusammengefunden, um die privatisierten Versorgungsnetze für Gas, Strom und Fernwärme in Hamburg wieder in die Öffentliche Hand zu nehmen. Hierzu starteten das Bündnis, dem unter andrem ROBIN WOOD, attac, die Verbraucherzentrale und die Evangelische Kircheangehören, eine Volksinitiative. Die entsprechenden Konzessionsverträge mit den Energiekonzernen Vattenfall und E.on laufen 2014 aus bzw. sind bis dahin kündbar.

Nachdem die Hamburger Electricitätswerke (HEW) im Jahr 2001 privatisiert wurden und Vattenfall Mehrheitseigentümer der Stadtwerke wurde, gibt es kaum noch Einflußmöglichkeiten auf die Politik von Vattenfall Hamburg. Der Konzern agiert eben profitorientiert und stieß die Menschen in Hamburg mit dem Baubeginn des Klimakillerkraftwerks Moorburg und der Fernwärmetrasse und den Unfällen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel vor den Kopf.

Weiter Informationen, die Unterschriftenlisten etc. finden sie hier…

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Aktion, Verkehr, Welt retten
28. Juni 2010

Wie man den Park vor den Parkschützern schützt

In Schwaben wird nicht wild gezeltet und schon garnicht aus Protest! Deshalb sah sich die Stuttgarter Polizei wohl am Samstag, den 26.06.10, genötigt die Aktion „Campen gegen Stuttgart 21“ bis in die späte Nacht zu belagern und die aufgebauten Zelte im Stuttgarter Schlosspark umgehend zu „räumen“.

Gegen 17 Uhr begannen knapp dreißig Stuttgart21-GegnerInnen, am Rande eines Infostandes im Schlosspark, ihre Zelte aufzuschlagen um dort, aus Protest gegen die geplante Rodung von über 280 alten Bäumen für das Milliarden-Projekt, eine Nacht zu campieren. Nach kürzester Zeit standen so zwölf Zelte unter den bedrohten Schlosspark-Bäumen. Auch die Menge der Campierenden wuchs schnell an, sodass sich nach kurzer Zeit schon über 60 Menschen auf der Schlosspark-Wiese tummelten, Karten spielten, neue Zelte aufbauten oder sich einfach die Sonne auf den Bauch scheinen ließen. Einige ROBIN WOOD-Aktive beteiligten sich zusammen mit freien AktivistInnen und ParkschützerInnen an der Volxküche um ein Abendessen für die Campenden und die BesucherInnen auf die Beine zu stellen.

Campen und Gemüse schneiden gegen Stuttgart 21 (Foto: C. Grodotzki/ROBIN WOOD)

Nach drei Stunden des munteren Treibens bemerkte die erste Polizei-Streife die Aktion und ließ erstmal zwei Chefs kommen um über die Sache zu entscheiden. In den folgenden Verhandlungen, bei denen auch auf die Begrenzte Dauer der Aktion und ähnliche Aktionen (wie zum Beispiel die ROBIN WOOD-Probebaumbesetzung 2008) die von Polizei und Stadtverwaltung geduldet waren hingewiesen wurde, ließ sich sie Polizei wieder Erwarten nicht von ihrem Zelt-Verbot abbringen. Die Stuttgart21-GegnerInnen wiederum bestanden darauf, dass eine „Campen gegen Stuttgart21“-Aktion ohne Zelte, ja wohl schlecht ginge.

Und so begann die Polizei, nach den obligaten 3 Aufforderungen, gegen 22 Uhr tatsächlich mit dreißig BeamtInnen unter Video-Dokumentation die rund 20 Zelte der CamperInnen zu räumen. Die mittlerweile über 100 Campierenden beschlossen, dass zumindest ein symbolisches Zelt stehen bleiben müsse und begannen eine Sitzblockade um eines der Zelte zu errichten. Auch das brachte die Polizei nicht von der Durchsetzung der „Grünflächenverordnung“ ab und nachdem alle anderen Zelte abgebaut und beschlagnahmt waren rissen sie das letzte Zelt einfach mitten aus der Sitzblockade heraus.

Die Polizei räumt das letzte Zelt der Protest-CamperInnen (Foto: C.Grodotzki/ROBIN WOOD)

Mit der Ankündigung, alle ZeltinhaberInnen könnten sich ihre Zelte ab Montag gegen Bezahlung des Polizeieinsatzes bei der Polizei abholen, zog sich die Polizei zurück, jedoch nicht ohne eine dauerhafte Bewachung durch zwei bis drei Polizeibusse zurückzulassen. Dank des guten Wetters und der ungebrochenen Motivation der CamperInnen zog sich der Protest trotz aller Widrigkeiten noch bis in den frühen Morgen hinein. Ungefähr dreißig unerschrockene Park-BeschützerInnen hielten die Stellung und übernachteten unter freiem Himmel im Schlosspark.

Weitere Berichte gibts im Stuttgart Journal, im Stattweb und in der BILD, die sich mal wieder durch Qualitätsjournalismus auszeichnet. (Ob BILD-Reporter wohl Boni für die Verwendung des Wortes “Chaoten” bekommen?!)

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