Aktion, Blog, Energie, Klima
25. November 2011

Moorburgtrasse gestoppt!

Die Moorburgtrasse wird nicht gebaut! Der Energiekonzern Vattenfall will auf den Bau der Fernwärmetrasse vom Kohlekraftwerk Moorburg nach Hamburg-Altona verzichten. Stattdessen wollen Stadt und Energiekonzern gemeinsam ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) bauen. Das berichtet heute das Hamburger Abendblatt.

Hintergrund ist offenbar ein Deal zwischen dem Hamburger Senat sowie Vattenfall (Strom und Fernwärme) und E.on (Gas) über den anteiligen Rückkauf der Netze für Strom, Fernwärme und Gas. Demnach soll , wie von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) gefordert, ein Anteil von 25,1 Prozent an die Stadt gehen. Das bedeutet auch, dass die Energiekonzerne die Macht über die Netze nicht aus der Hand geben und auch die lukrativen Einnahmen aus dem Fernwärmegeschäft in Hamburg weiterhin in die Kassen von Vattenfall fließen.

Dieses Einigung wird jetzt bekannt, nachdem erst vorige Woche ein Erörterungsverfahren zu der Trasse stattgefunden hat.

Es ist ein Erfolg, wenn die Trasse nicht gebaut wird, die Energiewende ist dadurch aber noch lange nicht geschafft. Und vor dem Hintergrund dieser Geheimverhandlungen von Scholz mit Vattenfall erscheint das Erörterungsverfahren einmal mehr als Farce und Vortäuschung von BürgerInnenbeteiligung.  ROBIN WOOD fordert weiterhin gemeinsam mit der Initiative “Unser Hamburg – unser Netz”, dass die Versorgungsnetze vollständig in öffentliche Hand zurückgehen. Dazu wird es – voraussichtlich parallel zur Bundestagswahl 2013 – einen Volksentscheid geben.

Außerdem fordert ROBIN WOOD den Bau des extrem klimaschädlichen Kohlekraftwerks Moorburg sofort zu stoppen, dessen Genehmigung auch an dem dazugehörigen und nun offenbar aufgegebenen Fernwärmekonzept hängt.

 

Aktion, Blog, Energie
24. November 2011

Morgen gibt es Schnupperklettern am Baumhaus in Langendorf

Morgen werden wir unser Anti-CASTOR-Baumhaus einweihen. Es hängt in einer Eiche in Langendorf direkt an der Nordroute des Atommüll-Transports nach Gorleben. Dort dient es als Anlaufstelle und Infopunkt. Alle sind herzlich eingeladen, vorbeizukommen. Treffpunkt: Freitag, den 25.11.11 ab 11 Uhr in der Elbuferstr. 6 in Langendorf. Angeboten wird u.a. Schnupperklettern.

 

Blog, Energie, Klima
18. November 2011

Und heute reden wir mal ganz ergebnisoffen über den Bau der Moorburgtrasse

Heute hat in Hamburg das Erörterungsverfahren für die geplante Fernwärmeleitung des Energiekonzerns Vattenfall begonnen. Gegen die rund 12 Kilometer lange Trasse, die mit Fernwärme aus dem noch im Bau befindlichen Kohlekraftwerk Moorburg gespeist werden soll, liegen über 4.600 Einwendungen vor.

Ursprünglich hatten Vattenfall und die Hamburger Umweltbehörde vorgehabt, den Bau der Trasse an den AnwohnerInnen und Umweltverbänden vorbei durchzudrücken. Doch da hatte ihnen das Oberverwaltungsgericht im Februar 2010 einen Strich durch die Rechnung gemacht und statt eines vereinfachten Planverfahrens ein Verfahren mit Beteiligung von BürgerInnen und Verbänden samt Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt. Wer gehofft hatte, dass Behörde oder Konzern durch diese Schlappe in irgendeiner Weise etwas dazu gelernt hätten, wurde enttäuscht.

Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Fernwärmetrasse, Winter 2009/10

Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Fernwärmetrasse, Winter 2009/10 (Foto: Grodotzki/ROBIN WOOD)

Der Termin in einer zugigen Messehalle begann erst einmal damit, dass Vattenfall darauf bestand, sämtliche MedienvertreterInnen von der Anhörung auszuschließen und alle Kameras aus der Halle zu verbannen. Hinzu kam, dass der Termin tagsüber mitten in der Woche stattfand, wenn viele betroffene AnwohnerInnen keine Zeit haben.

Frau Parensen von der Hamburger Umweltbehörde (BSU), die den Termin leitete, behauptete, es handele sich um ein „ergebnisoffenes Verfahren“, sie sei nicht an politische Weisungen gebunden und prüfe unvoreingenommen den Antrag von Vattenfall. Doch wie offen kann so ein Verfahren sein, wenn die Leiterin der Umweltbehörde, Jutta Blankau sowie Bürgermeister Olaf Scholz sich bereits öffentlich für die Trasse ausgesprochen haben? Warum hat die BSU die Plangenehmigung, deren Vollzug das Oberverwaltungsgericht gestoppt hatte, bis heute nicht zurückgenommen? Warum bekamen nur ausgewählte EinwenderInnen Informationen über weitreichende Planänderungen, dazu noch voneinander abweichende mit unterschiedlichen Fristen und erst wenige Tage vor der heutigen Sitzung? Es gab zahlreiche solcher Fragen, auf die die BSU überzeugende Antworten schuldig blieb.

Und die Vattenfall-Vertreter? Sie konnten selbst einfache Sachfragen nicht beantworten, etwa wie viele Privathaushalte in Hamburg mit Fernwärme von Vattenfall versorgt werden. Stattdessen stellte sich der Trassen-Projektleiter von Vattenfall hin und präsentierte die Pläne samt Untertunnelung von Rethe und Elbe, als seien sie längst beschlossene Sache.

Um Öffentlichkeit herzustellen, gab es am Mittag vor der Messehalle einen Pressetermin, bei dem die Initiative „Moorburgtrasse stoppen“, BUND und ROBIN WOOD ihre Kritik am Verfahren und am Bau der Trasse formulierten. Klar ist: Die Einwände gegen das millionenschwere Klimakiller-Projekt sind erheblich und werden sich nicht aus der Welt schaffen lassen. Für den Widerstand heißt das: Fortsetzung folgt.

Blog, Tropenwald
10. November 2011

Greenwashing – made by Unilever

….oder wie der Konzern sein unverantwortliches Palmölgeschäft schönredet

Anfang dieser Woche waren einige Leute von ROBIN WOOD und ‚Rettet den Regenwald’ zu einem Gespräch mit Konzern-Verantwortlichen von Unilever. Unilever steht in der Kritik. Denn der Konsumgüter-Riese kauft in großen Mengen Palmöl aus unverantwortlicher Produktion und verwendet es für Markenprodukte wie Rama-Margarine. Das Öl stammt aus industriellen Palmöl-Monokulturen. In Indonesien werden dafür Tropenwälder kahl geschlagen und Menschen von ihrem Land vertrieben. Das ruiniert die Artenvielfalt und das Weltklima, und es erzeugt ein enormes soziales Elend.

Die Menschen vor Ort wehren sich gegen den Landraub. Einer der zahlreichen Landkonflikte bei Wilmar, einem wichtigen Lieferanten von Unilever, war im August dieses Jahres eskaliert. Polizeieinheiten hatten zusammen mit Einsatzkräften von Wilmar das Dorf Sungai Beruang auf Sumatra verwüstet und nach Augenzeugenberichten mit scharfer Munition auf Menschen geschossen. Ein Team von ROBIN WOOD war vor Ort und fand die Vorwürfe gegen Wilmar bestätigt. Unilever kennt die Fakten, unternimmt aber seit rund drei Monaten nichts gegen die unhaltbaren Zustände bei seinem Lieferanten.

06.10.2011, Sungai Beruang, Seit der Zerstörung ihres Dorfes leben die Menschen unter Plastikplanen

06.10.2011, Sungai Beruang - Seit der Zerstörung ihres Dorfes leben die Menschen unter Plastikplanen (Foto: Hinrich Schultze)

Kommunikationsstrategie des Konzerns war es auch bei dem Gespräch in dieser Woche, sich dialogbereit, verständnisvoll und in kleiner Runde selbstkritisch zu geben – aber in der Sache rein gar nichts zu ändern.

Frappierend ist – das konnte mensch aus dem Gespräch lernen – wie weit Realität und Selbstdarstellung des Konzerns auseinanderklaffen. Wer schon mal auf die Seiten von Unilever geklickt hat (z.B. auf die Nachhaltigkeitsziele Deutschland, Österreich und Schweiz), könnte fast den Eindruck gewinnen, es mit einem ökologischen Vorzeigeunternehmen zu tun zu haben. „Wir helfen, den Klimawandel aufzuhalten“, wird da etwa behauptet und wir sind „Anwalt für positiven Wandel“. Versprochen wird auch: „Weltweit werden wir ab 2015 nur noch nachhaltig zertifiziertes Palmöl einsetzen.“ In Deutschland, Österreich und Schweiz werde bereits jetzt schon ausschließlich zertifiziertes Palmöl verwendet. Dabei ist bei Unilever nichts in Butter – und das wissen die Manager natürlich ganz genau.

Um von den Problemen abzulenken, setzen sie in ihrer Kommunikationsstrategie voll auf das RSPO-Siegel. Die Abkürzung steht für „Roundtable on Sustainable Palm Oil“. An diesem so genannten „Runden Tisch“ sitzen nicht die betroffenen Indigenen und Kleinbauern, sondern das Palmölbusiness, also überwiegend Plantagenbetreiber, Händler und Banken. RSPO-Präsident ist der Unilever-Mann Jan-Kees Vis. Die Prinzipien und Kriterien für das Siegel sind so lasch, dass selbst Skandal-Konzerne wie Wilmar dort Mitglied sein dürfen.

Das Palmöl von Unilever kann jetzt und in Zukunft also als „nachhaltig“ zertifiziert von Wilmar stammen – trotz Landkonflikten und Tropenwaldzerstörung. Der RSPO verlangt nicht einmal, dass das angeblich nachhaltige von dem nicht-nachhaltigen Palmöl in der Lieferkette getrennt bleibt. Der Trick ist ein Zertifikate-Handel, den sich die Palmöl-Lobby bei den Stromhändlern abgeguckt hat. Unternehmen können ihr Palmöl aus Raubbau einfach in gutes verwandeln, indem sie billig Zertifikate von Greenpalm dafür kaufen. Die KonsumentInnen, die sich hier die Margarine aufs Brot schmieren, essen also die Rohstoffe aus der Raubbau-Plantage und werden damit abgespeist, dass dafür an anderer Stelle angeblich nachhaltiges  Palmöl in den Markt kommt. So einfach und billig gelangt Unilever an große Mengen zertifizierten Palmöls.

 

Aktion, Tropenwald
23. September 2011

Unilever-Chef drückt sich vor „Baum ab-Preis“-Verleihung

Unilever bemüht sich weiter darum, sich ein grünes Image zu verpassen. Heute stand die Verleihung des B.A.U.M.-Umweltpreises an Unilever-Chef Harry Brouwer auf dem Programm. AktivistInnen von Rettet den Regenwald und ROBIN WOOD waren ebenfalls zur Stelle und protestierten vor dem Tango Terminal des Hamburger Flughafens, in dem die Preisverleihung stattfand. Denn Unilever ist als einer der größten Palmölverbraucher mitverantwortlich dafür, dass in den Tropen Wälder vernichtet, das Klima angeheizt und Menschen von ihrem Land vertrieben werden.

Baum-ab-Preis für Unilever (Fotos: Rettet den Regenwald)

Baum-ab-Preis für Unilever (Fotos: Rettet den Regenwald)

Im Gepäck hatten die UmweltschützerInnen einen alternativen „Baum-ab-Preis“ – drei Baumstümpfe auf grauer Platte -, die Brouwer für Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien überreicht bekommen sollte. Doch Brouwer drückte sich davor, ihn anzunehmen.

Stattdessen schickte er den Unilever-Kommunikationsexperten Merlin Koene nach draußen vor das Tango Terminal, wo ihn die Anwesenden mit ihren Argumenten zum Schwitzen brachten. Nach einigem Hin und Her war Brouwer gegen Mittag doch zu einem kurzen Gespräch mit zwei VertreterInnen von Rettet den Regenwald und ROBIN WOOD bereit. Er nahm 30.000 Protestunterschriften entgegen, der Baum-ab-Preis aber musste schön vor der Tür bleiben. In der Sache brachte das Gespräch keine Fortschritte.

B.A.U.M.-Vorsitzender Gege diskutiert über die Preisvergabe an Unilever

B.A.U.M.-Vorsitzender Gege diskutiert über die Preisvergabe an Unilever

Für Bewegung aber sorgte der Protest im Verein B.A.U.M., in dem rund 500 Unternehmen Mitglied sind. Dazu zählen Konzerne wie Unilever, Deutsche Bank und Bayer genauso wie kleine Firmen aus der Öko-Lebensmittelbranche oder Verlage. Nicht allen gefällt, dass Unilever ausgezeichnet wird. Zwischen den Bistro-Tischen wurde heftig diskutiert. Auch der B.A.U.M.-Vorsitzende Maximilian Gege stellte sich den DemonstrantInnen vor dem Terminal. Er deutete die Preisvergabe so. Es sei ja immer auch Anreiz und Verpflichtung für den Ausgezeichneten, dem Preis gerecht zu werden, und damit hätte B.A.U.M. ja jetzt auch ganz neue Chancen, ihn öffentlichkeitswirksam wieder abzuerkennen. An diesem B.A.U.M.-Preis dürfte Herr Brouwer nicht wirklich Freude haben.

Mehr Infos zum Palmöl-Thema unter: http://www.robinwood.de/palmoel

Energie
9. September 2011

CASTOR-Zug nach Gorleben soll Ende November rollen

Laut Recherchen der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg steht der Termin für den nächsten CASTOR-Transport ins Zwischenlager Gorleben fest. Die Polizei habe ihren Großeinsatz für den 25. bis 28. November terminiert.

Damit ist klar, dass die niedersächsische Landesregierung den Transport weiter planmäßig vorbereitet, obwohl in dem oberirdischen Atommüll-Lager kürzlich eine erhöhte Strahlenbelastung gemessen wurde. Die Prüfung der Ursachen dafür laufen noch. Anstatt die Ergebnisse abzuwarten, wird alles dafür getan, dass bald noch mehr stark strahlende Behälter in der Leichtbauhalle stehen.

Polizei und Landesregierung setzen sich damit auch über die Proteste der Gewerkschaft der Polizei hinweg. Die GdP Niedersachsen hatte bereits im Juli dieses Jahres erklärt, dass ein Transport in diesem Jahr nicht durchführbar sei. Nach dem Anstieg der Strahlenbelastung im Zwischenlager Gorleben befürchten die GewerkschafterInnen nun eine Gefährdung der Bevölkerung und auch der Einsatzkräfte.

Fragt sich, was die Strahlen-Messungen sollen, wenn daraus dann doch keine Konsequenzen gezogen werden.

Tropenwald
3. September 2011

Der Tritt in den Fettnapf

Eigentlich hätte alles so schön werden sollen: Der Lebensmittelkonzern Unilever und die „Umwelthauptstadt“ Hamburg hätten sich im Glanze der berühmten Affenforscherin und engagierten Umweltschützerin Jane Goodall gesonnt, auf dass etwas von ihrem guten Image auf sie abstrahle.

Jane Goodall

Jane Goodall (Fotos: Michael Deininger)

Doch es kam anders. Ohne jeden Glamour und auch ohne jede Beteiligung von Unilever wurde Goodall heute nicht im Unilever-Haus in der Hamburger HafenCity, sondern bei einer Pressekonferenz im nüchternen Sitzungssaal 151 des Rathauses zur internationalen Botschafterin der europäischen „Umwelthauptstadt“ erklärt.

Bei der PK waren vor allem viele Fotografen, die Jane Goodall mit ihrem kleinen Stofftieraffen ablichteten. Kinder aus einer Hamburger Schule durften Frau Goodall vorbereitete Fragen stellen. Umweltsenatorin Jutta Blankau sprach von Mut, Vorbildcharakter und unserer besonderen Verantwortung für den Klimaschutz und wirkte dabei genau wie das Gegenteil – mutlos und angeschlagen.

Jane Goodall und Jutta Blankau

Lächeln für die Kameras -Jane Goodall und Umweltsenatorin Blankau im Innenhof des Hamburger Rathauses, 3.9.2011

Interessant war vor allem, was nicht gesagt wurde. Nichts zu den verfehlten Klimaschutzzielen der Stadt Hamburg, nichts zur Vorgeschichte der Veranstaltung, der Ortsverlegung und zu Unilever. Dabei hatte die Kritik von ROBIN WOOD an der Tropenwaldzerstörung für das Palmöl von Unilever in den Tagen zuvor eine Debatte in Hamburger Medien ausgelöst und zur Verlegung der Veranstaltung geführt.

Am Rande der PK darauf angesprochen, sagte Frau Blankau, sie fände es gut, dass der Ort gewechselt wurde. Das Rathaus sei ja schließlich auch ein würdiger Ort.

Warum dann nicht gleich so? Politiker, so Blankau, zerbrächen sich nicht immer den Kopf, wo denn Veranstaltungen stattfänden. Außerdem sei das Unilever-Haus aufgrund seiner Bauweise  eines der nachhaltigsten in der ganzen Stadt. Unilever sei offizieller Sponsor der Umwelthauptstadt. Der Zusammenhang mit den Affen sei ihnen erst durch die Kritik aufgegangen.

Wen kann das überzeugen? Der Ort ist angeblich gedankenlos gewählt. Ein nachhaltiges Gebäude zählt mehr als das natur- und klimaschädliche Kerngeschäft des darin wirkenden Konzerns. Wer Sponsor ist, darf Greenwashing betreiben und ansonsten muss die “Umwelthauptstad”t erst von Umweltorganisationen darauf hingewiesen werden, dass für Plantagen Wald und damit Lebensraum von Affen zerstört wird.

Wie ernst nimmt sich die Umwelthauptstadt  eigentlich selbst? Ganz so einfach ist ein grünes Image hoffentlich nicht zu haben – weder für die Stadt, noch für Unilever.

Aktion
28. Juni 2011

Land unter am AKW Fort Calhoun in Nebraska

Das Hochwasser des Missouri im US-Bundesstaat Nebraska sorgt für weitere Schreckensnachrichten. Die Wassermassen haben das Atomkraftwerk Fort Calhoun bereits komplett umschlossen. Am vergangenen Wochenende platzte nun auch noch eine 600 Meter lange Behelfsbarriere, die das Kraftwerksgelände vor den Fluten schützen sollte. Ein Nebengebäude des Kraftwerks steht seitdem unter Wasser.

Letztes Jahr wurden erhebliche Mängel in Sachen Hochwasserschutz bei dem 40 Jahre alten AKW festgestellt. Dennoch wurde die Betriebsgenehmigung nicht entzogen. Das Kraftwerk wurde in dem maroden Zustand weiterbetrieben. Nun wird die Rechnung in Form eines realen Stresstests präsentiert – und die nächste Atomkatastrophe bahnt sich an. Ein Absinken des Pegels ist nicht in Sicht.

Der Betreiber Omaha Public Power District (OPPD) beschwichtigt, das AKW sei ausreichend geschützt und sicher heruntergefahren. Doch auch ein heruntergefahrenes AKW ist nicht sicher, da es bei einem Ausfall der Kühlpumpen trotzdem zu einer Kernschmelze kommen kann. In Fukushima (Block IV) ist dies deutlich demonstriert worden.

Die Nachrichtenlage der letzten Wochen ist Besorgnis erregend: So mussten aufgrund der festgestellten Sicherheitsmängel besonders viele Inspektionen durchgeführt werden. Am 16. Juni 2011 wurde ein Leck, durch das das Hochwasser hätte eindringen können, entdeckt. Nach einem Brand (!!) in der Schaltzentrale am o7.o6.2o11 mit Ausfall der Notkühlung musste die Mannschaft des AKW für vier Stunden evakuiert werden. Zu Recht wurde der Alarmzustand ausgerufen.

In den Nachrichten erfährt man wenig über diese besorgniserregenden Zustände. Dies ist ungewöhnlich. Soll die hiesige miserable Atompolitik noch schnell “in trockene Tücher” gebracht werden, bevor der Pegel weiter steigt und die Angst vor dem nächsten GAU um sich greift?

Alle Atomkraftwerke und die Uranwirtschaft sofort stilllegen! – Das ist die einzige Garantie, dass ein GAU wie in Fukushima nie wieder vorkommt!

Von Hans und

Aktion
21. Juni 2011

Wie lief die Blockade am AKW Brokdorf?

Am Wochenende 18./19. Juni wurde das AKW Brokdorf blockiert. Mit dabei war die ROBIN WOOD-Aktivistin Christina. Was sie erlebt hat, beschreibt sie so:

“Ich hatte mich auf eine lange Blockade eingerichtet, darauf gefreut, mit vielen tausend Gleichgesinnten, die Revisionsarbeiten am AKW Brokdorf und somit das darauf folgende Wiederanfahren der Anlage zu behindern. Aber es sollte alles anders kommen. Wenige Tage vor Beginn der Aktion wurden die Arbeiten vom Betreiber E.on verschoben. Während die Kampagne „Block Brokdorf“  ihre Aktion absagte, beschloss x-tausendmal-quer, die von ihnen geplante Blockade gleichfalls nach hinten zu verschieben. Beides ärgerte mich sehr – nicht nur, weil das meine Urlaubsplanungen komplett über den Haufen warf, sondern vor allem, weil nun mit viel weniger Aktivisten zu rechnen war.

Als ich schließlich am Samstagmorgen mit meiner Bezugsgruppe das Camp von x-tausend erreichte, waren kurz zuvor ca. 200 Menschen in einem Demozug zum AKW aufgebrochen. Wir fanden uns eine halbe Stunde später vor einem der beiden Tore wieder, wo die Blockade bereits in vollem Gange war. Ein Tripod (dreibeiniges Gestell aus ca. 5-Meter-langen Metallstangen) wurde gerade aufgebaut, während die Sitzblockierer sich vor den immer wiederkehrenden Schauern unter große Planen flüchteten.

Blockade vor dem AKW Brokdorf

Blockade vor dem AKW Brokdorf

Nach einiger Zeit bat ein Polizeisprecher darum, das Tor freizugeben, um auf dem Gelände stationierte Polizisten raus zu lassen. Das Plenum entschied allerdings, die Sitzblockade in gleicher Form fortzusetzen, da die Polizeikräfte ja ebenso wie die Arbeiter den Weiterbetrieb der Anlage umzusetzen hatten, während wir das genaue Gegenteil forderten. Die Blockierenden vor dem anderen Tor entschieden sich unabhängig, aber im Wissen um unsere Entscheidung genauso. Kurz vor dem Schichtwechsel stiegen die zahlenmäßig weit überlegenen Polizisten über uns hinweg und kesselten die Blockade. Nach zweimaliger Aufforderung, uns zu entfernen, aber ohne die zuvor zugestandene Spontandemonstration aufzulösen, begannen sie schließlich, Blockierer für Blockierer hinter eine Absperrung zu tragen. Ärgerlicherweise wurden nicht nur die Personalien aufgenommen, sondern es wurde auch jede Person abfotografiert, was für eine Ordnungswidrigkeit wohl kaum zu rechtfertigen ist. Als schließlich die Busse mit den Arbeitern rein- und rausfuhren, wurden sie von Sprechchören „Abschalten, abschalten“ begleitet.

Erst wegtragen, dann erfassen und fotografieren

Erst wegtragen, dann erfassen und fotografieren (Fotos: ROBIN WOOD)

Nach einer Erholungspause gelang es, die Polizeikräfte zu überraschen und das zweite Tor erneut mit mehr als 60 Personen zu besetzen. Doch diesmal wurde das andere Tor geräumt. Wir harrten noch eine Nacht bei frostigen Temperaturen auf den Strohsäcken aus, verteilten uns dann erneut auf beide Tore. Es folgten die dritte Räumung und zahlreiche Platzverweise. Erschöpft kehrten wir ins Camp zurück, wo sich zeigte, dass nicht mehr genügend Menschen die Kraft hatten, weiter zu blockieren.

Wieder drängte sich uns die Frage auf, wo all die Menschen waren, die ja völlig zu Recht in den letzten Tagen die unsäglichen Verabredungen der Parteien in Sachen Atomkraft kritisiert hatten. Bei einer geplanten Laufzeitgarantie von bis zu 12 Jahren für die verbleibenden AKW, dem Weiterbetrieb der Urananreicherungsanlage in Gronau, der Brennelementefabrik in Lingen und nicht zuletzt dem fortgesetzten Ausbau von Gorleben und Schacht Konrad kann ja nun wahrlich nicht von einem Atomausstieg gesprochen werden! Dieser bleibt vielmehr tatsächlich an vielen Stellen weiterhin auszufechten: In Parlamenten und Verhandlungen, durch den Wechsel des Stromanbieters und natürlich auch an jeder einzelnen Atomanlage, die weiter Atommüll produziert oder aufnehmen soll! In diesem Sinne: Die nächste Blockade kommt bestimmt. So hat sich die Kampagne www.abschaltblockade-neckarwestheim.de beispielsweise vorgenommen, ab dem 13. August das AKW Neckarwestheim zu blockieren, um der Forderung nach deren Abschaltung Nachdruck zu verleihen.”

Aktion
16. Juni 2011

TelDaFax-KundInnen, wechselt zu Ökostromanbietern!

Vattenfall profitiert von der TelDaFax-Pleite. Denn wer nicht mehr von TelDaFax beliefert wird, bekommt den Strom vom örtlichen Grundversorger. Allein in Hamburg werden rund 15 000 KundInnen des insolventen Stromdiscounters daher schon seit einigen Wochen von Vattenfall versorgt. Doch wer will schon sein Geld dem Betreiber von Schrott-AKWs und klimakillenden Kohlekraftwerken in den Rachen werfen? Zumal die Alternative ganz einfach ist: Jetzt kündigen und zu einem Ökostromanbieter wechseln.

Aktuelle Infos zu empfehlenswerten Ökostromanbietern gibt es hier.

Nützliche Ratschläge für TelDaFax-KundInnen sowie ein Vergleich von Stromdiscountern und Ökostromanbietern stehen außerdem auf der Seite von „Atomausstieg selber machen“.