Erfahrungen mit der Lagerung von radioaktiven Abfällen in Salzstöcken in Deutschland
In Deutschland bestehen derzeit zwei Atommüll-Lager in Salzstöcken, in denen radioaktive Abfälle bereits unterirdisch „entsorgt“ wurden.
Morsleben
Aus Zeiten der DDR stammt das Salzbergwerk Morsleben in Sachsen-Anhalt. Seit 1971 wurde es für die Lagerung von schwach- und mittelaktivem Atommüll zunächst von der DDR, nach der Wende dann von der Bundesrepublik genutzt. Bis zum Februar 1991 wurden durch die DDR ca. 14.432 Kubikmeter schwach- bzw. mittelradioaktiver Abfall und 6.227 umschlossene Strahlenquellen in Morsleben eingelagert. Nach der Wiedervereinigung übernahm das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) das Endlager Morsleben. Bis 1998 – als das Endlager per Gerichtsbeschluss geschlossen werden musste – wurde aus westdeutschen Atomanlagen fast das doppelte des Atommülls aus DDR-Zeiten zusätzlich eingelagert, insgesamt rund 22.320 m³ radioaktiver Abfälle.
Bereits bei der Wiedervereinigung war bekannt, dass der Salzstock Morsleben große Probleme mit Wassereinbrüchen hatte. Doch die Atomwirtschaft störte das wenig, hatte sie zu diesem Zeitpunkt doch mit Morsleben das erste genehmigte Endlager für Atommüll gefunden. Nach der Schließung des Lagers musste das Bundesamt für Strahlenschutz erhebliche Sanierungsarbeiten in Gang setzten, um den Einsturz des Salzstocks zu verhindern. Im November 2001 kam es zu einem Einbruch, als ein 4.000 Tonnen schwerer Gesteinsbrocken von der Decke abstürzte. Mindestens zwei Milliarden Euro haben diese Maßnahmen bislang gekostet. Kosten, die durch die SteuerzahlerInnen bezahlt wurden.
ASSE II
Das Desaster der Atommüllentsorgung wird aktuell im sogenannten Versuchs-Endlager im niedersächsischen ASSE II bei Remlingen/Braunschweig offensichtlich. Von 1967 bis 1978 sind in diesem Salzstock über 125.000 Fässer mit schwachradioaktivem und 1.300 Fässer mit mittelradioaktivem Müll eingelagert worden. Mit einem Volumen von 46.930 m3 lagert in diesem „Versuchs-Endlager“ mehr Atommüll als in Morsleben! In die ASSE II dringen seit vielen Jahren täglich 12.000 Liter Wasser aus unbekannten Quellen ein. Laugenzuflüsse mit zum Teil deutlich über den zulässigen Grenzwerten liegender Strahlung wurden an verschiedenen Stellen entdeckt – und jahrelang illegal abtransportiert. Jahrelang versicherten die Betreiber der Asse II (früher die GSF, dann das Helmholtz-Zentrum), dass die Einlagerung von Atommüll vollkommen sicher sei und garantierten für einen Zeitraum von 135.000 Jahren einen sicheren Betrieb unterhalb der zulässigen Grenzwerte.
Angaben, die schon damals völlig haltlos waren. Schon zuvor waren die Schächte I und III mit Wasser vollgelaufen und abgesoffen. Entgegen früheren Sicherheitsbeteuerungen haben die bisherigen Betreiber inzwischen eingeräumt, dass der Salzstock einzustürzen droht. Eine Überprüfung der von den bisherigen Betreibern vorgesehen Not- und Rettungsmaßnahmen durch das Bundesamt für Strahlenschutz ergab Verheerendes: Bereits nach 150 Jahren könnten die Gewässer in der Region um die ASSE mit einer Strahlenbelastung von dem vierfachen der zulässigen Strahlenschutzwerte belastet sein.
Angesichts der enormen Gefahren hat ROBIN WOOD schon früh den sofortigen Beginn aller Vorbereitungen für eine Rückholung des eingelagerten Atommülls gefordert, um keine Zeit zu verschenken. Tatsächlich stellte sich später in einem Optionenvergleich die Rückholung der rund 126.000 Atommüll-Behälter als einzige Möglichkeit heraus, einen Langzeitsicherheitsnachweis für Asse II zu erbringen.
Die Ereignisse in ASSE II und in Morsleben zeigen, dass die Endlagerung radioaktiver Abfälle nicht beherrscht wird und dass Salz als Lagermedium nicht geeignet ist.

