Endlagerung radioaktiven Atommülls

Der Salzstock Gorleben ist nicht geeignet

Bis heute gibt es weltweit kein einziges Endlager für den hochradioaktiven Atommüll aus dem Betrieb von Atomkraftwerken. Allein in Deutschland fallen jährlich rund 500 Tonnen hochradioaktiver Abfälle aus den 17 Atomkraftwerken an.

Für die unterirdische Lagerung hochradioaktiver Abfälle wird in Deutschland völlig einseitig auf Salz als Wirtsgestein gesetzt. Weltweit ist Deutschland das einzige Land, das auf die Lagerung in Salzgestein setzt. Andere Länder untersuchen unterirdische Ton- oder Granitformationen.

Seit Ende der 70er Jahre wird der Salzstock in Gorleben untersucht. Alternativen zu Gorleben sind trotz der Erklärungen der rot-grünen Bundesregierung aus den Jahren 1998 - 2002 und seitens des ehemaligen Umweltministers Sigmar Gabriel bis heute nicht verfolgt worden. Bis heute sind mehr als 1,3 Mrd. Euro in das Projekt Erkundung des Salzstocks in Gorleben investiert worden. 

Nach internationalen Standards (der IAEO) muss der Atommüll für den unvorstellbaren Zeitraum von einer Million Jahren hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen bleiben, um gesundheitliche Gefahren für die Menschen und die Umwelt auszuschließen.

Dabei muss unter anderem sicher gestellt werden, dass der radioaktive Strahlenmüll nicht mit Wasser in Berührung kommt.  Unterirdische Wasserströmungen würden bei Kontakt mit dem Atommüll die Radioaktivität verteilen und an die Oberfläche bringen.

Daher ist die Lagerung von Atommüll ausgerechnet in Salzformationen höchst problematisch, da Salz in hohem Masse wasserlöslich ist. Eine Verbindung zwischen unterirdischen Wasserströmungen und der Salzformation muss daher für eine Million Jahre definitiv ausgeschlossen werden, um eine Katastrophe und radioaktive Verseuchung an der Oberfläche zu verhindern.

Weitere Probleme mit der Lagerung von Atommüll in Salzformationen bestehen im Zusammenhang mit der großen Wärmentwicklung. Das umgebende Salz wandelt sich dabei chemisch um und es entstehen Gase, die auf die Stabilität des Salzstocks einwirken. Risse und Spalten können entstehen, die zusätzliche Angriffsflächen für eindringendes Wasser bieten.

Gorleben erfüllt aus Sicht von ROBIN WOOD die hohen Anforderungen nicht, die an ein Lager für hochradioaktive Atomabfälle zu stellen sind. Die bis heute vorliegenden Erkenntnisse über die geologische Beschaffenheit des Salzstocks unterhalb von Gorleben lassen nur einen Schluss zu:

Die Erkundung in Gorleben muss endlich beendet werden und eine neue, ergebnisoffene Suche nach einem anderen Standort endlich begonnen werden. Um nicht durch den weiteren Anfall von immer mehr Atommüll das Problem weiter zu verschärfen, fordert ROBIN WOOD die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke!

Konkret erfüllt der Salzstock in Gorleben aufgrund folgender gravierender Mängel die Anforderungen für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle nicht:

  • Der Salzstock ist nicht durch eine hinreichend mächtige und lückenlose Tondecke von den grundwasserführenden Schichten über dem Salzstock abgeschirmt;
  • Der Salzstock ist nicht in Ruhe, sondern bis in quartäre Zeiten aufgestiegen und steigt noch weiter auf;
  • Der Salzstock hat durch Salzauflösung bereits einen großen Teil seiner Substanz verloren und wird noch weiter abgelaugt;
  • Der Salzstock weist eine sehr komplizierte Innenstruktur mit Lösungs- und Gaseinschlüssen auf.

(Quelle: Eckhard Grimmel, Kreisläufe der Erde, Eine Einführung in die Geographie, Reihe: Geosystemanalysen, Bd. 1, 2004, www.castor.de/material/buecher/grimmel/kreislaeufe.html#4.7., Prof. Grimmel war ab 1980 Berater des Deutschen Bundestages)

Bereits heute sind sogenannte Laugenzuflüsse auch im Salzstock Gorleben vorhanden.  Schon 1978 hat das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung (NLfB) bestätigt, dass es auch in jüngster geologischer Zeit noch Ablaugungsprozesse gegeben hat. (NLfB: "Die hydrogeologischen Gegebenheiten im Raum Gorleben, derzeitiger Kenntnisstand und Vorschläge zur weiteren Erkundung", S. 4/5 Februar 1978)

Immer wieder gab es in den 90er Jahren Probleme mit Laugenzuflüssen bei der Abtäufung der Schächte und es wurden sogenannte Laugeneinschlüsse im Salzstock gefunden. (Wolfgang Ehmke, Zweifel von Anfang an. 2008, www.castor.de/technik/endlager/1977_1986.html und ders., Laugenzuflüsse - Salzstock Gorleben wie ein poröser Schwamm, 2008,  www.castor.de/technik/endlager/laugen25nov08.html).

Auch der Kieler Geologe Prof. Dr. Klaus Duphorn kam in seinen Untersuchungen zur Auswertung der Bohrergebnisse im Auftrag der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) (Vorgänger des Bundesamts für Strahlenschutz, BfS) zu Ergebnissen, die zeigen, dass der Salzstock für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle nicht geeignet ist: Der Salzstock hat sich in der jüngsten geologischen Erdzeit, dem Quartär, und nicht wie erhofft im Tertiär herausgebildet. Auf 7,5 Quadratkilometer Grundfläche lägen mächtige, wasserführende Schmelzwassersände ohne wasserhemmende Ton- oder Gipsschichten direkt auf dem Salzgestein. Über der Nordhälfte - heute wird nach der Reduktion der Endlagerpläne um 50% ausschließlich die NO-Flanke "erkundet" - seien an mehreren Stellen Verbindungen zum oberen Grundwasserstockwerk vorhanden, dadurch sei Salzwasser bis auf 70 m unter Gelände aufgestiegen. Durch Ablaugungsprozesse habe sich eine Rinne gebildet. Ein Relikt des ursprünglichen Salzstockoberteils sei eine Aufragung ("steiler Zahn"), die bis zu 133 m unter die Erdoberfläche herankomme. In den Salzstockflanken würden die Sedimentschichten mit einem spezifisch höheren Gewicht als das Salz nach unten sacken und das Salz regelrecht dadurch hochpressen. (taz vom 6.7.82, zitiert nach: Ehmke, Zweifel von Anfang an, siehe oben)

Der Gorlebener Salzstock ist etwa 14 Kilometer lang und bis zu vier Kilometer breit. Er reicht aus ungefähr dreieinhalb Kilometern Tiefe bis etwa 260 Meter unter die Erdoberfläche. Die Aufwärtsbewegung der vor 250 Millionen Jahren entstandenen Salzmassen, verursacht durch den Druck der darüber lagernden jüngeren Gesteinsschichten, dauerte bis ins Quartär. Diese jüngste Periode der Erdneuzeit begann vor circa 1,6 Millionen Jahren. Sogar heute geht der Aufstieg des Salzes weiter, allerdings nach menschlichen Begriffen unvorstellbar langsam.

Das so genannte Erkundungsbergwerk umfasst zwei Schächte von 840 und 940 Meter Tiefe. Sie sind in 840 Meter Tiefe durch einen horizontalen Stollen miteinander verbunden. Zusätzlich sind im Erkundungsbereich weitere Stollen aufgefahren worden. Die bisherige Erkundung findet im nordöstlichen Teil des Salzstocks statt.