Tropenwald
Hintergrundpapier - Bei Rama ist nichts in Butter
Robin Wood Recherche: Palmöl aus Indonesien

- Recherchebericht (PDF)
Schmutziges Palmöl

Die weltweit explodierende Nachfrage nach günstigen Pflanzenfetten für Lebensmittel, Waschmittel und Kosmetikartikel, aber auch zur Herstellung von Agrartreibstoffen für Fahrzeuge und für die Energiegewinnung haben seit Mitte der 80‘er Jahre zu einem regelrechten Palmöl-Boom geführt. Die massive Ausweitung der Anbauflächen führt in den Erzeugerländern zu gravierenden ökologischen Problemen und verschärft soziale Konflikte! Palmöl wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen, die ausschließlich in den Tropen gedeiht und vor allem in südostasiatischen Ländern wie Indonesien und Malaysia, aber auch in Afrika und Südamerika angebaut wird.
Palmöl-Boom

Seit Mitte der 80‘er Jahre hat die Produktion von Palmöl für den Weltmarkt zunehmend an Bedeutung gewonnen. Waren anfangs nur in wenigen Produkten Palmöl enthalten, findet sich Palmöl heute in fast jedem zweiten Produkt deutscher Supermärkte, von Margarine über Tütensuppe bis hin zu Zahnpasta. Die global immer weiter steigende Nachfrage nach solchen Fertigprodukten ist einer der Gründe für den Palmöl-Boom! Ein weiterer Motor für die Expansion der Anbauflächen ist der zunehmende und subventionierte Einsatz von Palmöl als Kraftstoff in Fahrzeugen und zur Energiegewinnung in Blockheizkraftwerken. So sieht das neue Renewable Energy Directive (RED) der EU vor, dass bis zum Jahre 2020 mindestens 10 Prozent der Straßenverkehrskraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden. Die weltweite Palmölproduktion hat sich von 25,6 Milionen (2001) auf 46 Millionen Tonnen (2009) in nur acht Jahren fast verdoppelt, die Anbaufläche allein in Indonesien wurde von 3 Millionen (1999) auf über acht Millionen Hektar (2008) vergrößert. Dies führt zu einer großflächigen Zerstörung der letzten Tropenwälder und Menschenrechtsverletzungen!
Kahlschlag und Klimawandel

Die ökologischen Folgen des Palmöl-Booms sind gravierend! Da Ölpalmen ausschließlich in den Tropen kultiviert werden können, stehen sie in Konkurrenz zur natürlichen Vegetation. Für die notwendigen Anbauflächen werden daher zunächst riesige Gebiete an tropischen Regenwäldern durch Kahlschlag und Brandrodung vernichtet. Das führt zu einem drastischen Verlust von Biodiversität. Durch die Brandrodung der Wälder und das langsame Ausbrennen oder Entwässern von Torfböden werden riesige Mengen CO2 emittiert. Dies führt zu einer dramatischen Verschärfung des Klimawandels! Auf den vernichteten Regenwaldflächen werden anschließend von zumeist internationalen Agrarkonzernen großflächige Monokulturen angelegt, die über eine geringe biologische Vielfalt verfügen. Diese Monokulturen werden gedüngt und mit großen Mengen Pestiziden behandelt, die Mensch und Natur gefährden und sich über den Eintrag ins Grundwasser schnell auch in angrenzende Ökosysteme ausbreiten.
Die Lüge vom grünen Palmöl

Der RSPO (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl) ist eine im Jahre 2004 gegründete Zertifizierungsinitiative, die nach eigenen Angaben die Förderung des nachhaltigen Palmölanbaus als Ziel hat. Mitglieder des RSPO sind neben einigen Nichtregier-ungsorganisationen hauptsächlich Unternehmen wie Unilever und Wilmar, die durch die Umwandelung von Tropenwäldern in Ölpalmenmonokulturen riesige Gewinne einstreichen. Dementsprechend lasch sind die ökologischen Standards, nach denen das RSPO-Siegel vergeben wird. Verboten sind weder Regenwaldzerstörung noch Monokulturen. Die vom RSPO festgelegten sozialen Standards bringen nichts, da sie praktisch kaum umgesetztwerden! De facto verleiht der RSPO dem schmutzigen Palmöl einen grünen Anstrich!
Gewalt und Landraub

Um Platz für Palmölplantagen zu schaffen, wird Regenwald abgeholzt und die dort lebenden Menschen mit Gewalt vertrieben! Dabei wird auf die Landrechte der betroffenen Menschen keine Rücksicht genommen. Wer sich gegen die Missachtung der Landrechte, Umweltzerstörung oder Menschenrechtsverletzung wehrt, wird bedroht, geschlagen und verhaftet. Im August 2011 zerstörten Sicherheitskräfte des weltweit größten Palmölproduzenten Wilmar zusammen mit der gefürchteten indonesischen Polizeibrigade Brimob das auf der indonesischen Insel Sumatra gelegene Dorf Sungai Beruang. Dabei wurde mit scharfer Munition auf die Dorfbewohner geschossen. Grund für den Überfall war der Widerstand der Menschen gegen den Landraub und den Verlust ihrer Lebensgrundlage.




