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News

Pressemitteilung

18.03.2010,

Der Wald stirbt an Überdosis Stickstoff...

... die Frühlings-Kuhschelle auch

Zum „Internationalen Tag des Waldes“ am kommenden Sonntag weist ROBIN WOOD auf den anhaltend schlechten Gesundheitszustand des Waldes hin. Rund zwei Drittel sind laut Waldzustandsbericht der Bundesregierung geschädigt. Besonders stark leiden Buchen und Eichen. Die Hälfte dieser typischen Waldbaumarten zeigen deutliche Schäden. Äußerlich gesund erscheinen nur noch rund 20 Prozent. Luftschadstoffe, vor allem die Einträge von Stickstoffverbindungen, sind die entscheidenden Ursachen dieses schleichenden Siechtums. Doch das Waldsterben ist nur eine der dramatischen Folgen der Überfrachtung unserer Landschaft mit Stickstoffverbindungen. Hochmoore, Trockenrasen, Zwergstrauchheiden und andere, von Natur aus stickstoffarme Lebensräume verlieren ihre charakteristische Ausprägung. 86 höhere Pflanzen werden bereits aus diesem Grund in der Roten Liste der bedrohten Arten geführt.

Der allergrößte Verschmutzer der Luft mit Stickstoffverbindungen ist die Landwirtschaft. Sie ist mit ihren vor allem aus der Tierproduktion stammenden Ammoniakausgasungen (NH_3 ) aus Gülle und Stallmist für mehr als die Hälfte (57 %) der Stickstoff-Schadgase verantwortlich. Zweitgrößter Emittent ist der Straßenverkehr, vor allem der Schwerlastverkehr. Die Stickoxide (NO_2 ) aus den Auspuffrohren tragen zu 22 Prozent zu den Stickstoffbelastungen bei.

Mit dem Niederschlag („Saurer Regen“) werden diese Stickstoffverbindungen aus der Atmosphäre wieder ausgewaschen. Im Boden bringen sie dann sowohl den pH-Wert als auch das gesamte Nährstoffgefüge aus dem Gleichgewicht: Der Boden versauert, verliert wichtige Spurenelemente und reichert den düngenden Stickstoff an.

Im Wald sind diese Bodenveränderungen der Hauptgrund für den zunehmend labilen Gesundheitszustand des Ökosystems. Die Kronenverlichtung der Laubbäume, die zu Beginn der Waldschadenserhebungen vor 26 Jahren weniger als 20 Prozent der Buchen und Eichen betraf, heute aber bei rund 80 Prozent dieser Laubbäume festgestellt wird, zeigt dies in dramatischer Weise.

Dramatisch sind aber auch die Veränderungen in zahlreichen von Natur aus stickstoffarmen Naturräumen. In Kiefernwälder auf sandigen Standorten, in Hochmooren, in heideartigen Flächen und Trockenrasen – überall verdrängen zunehmend stickstoffliebende Pflanzen die ursprüngliche, sehr gut angepasste Vegetation. Die Frühlings-Kuhschelle, der Nordische Augentrost, das Sumpf-Knabenkraut oder der Rosmarin-Seidelbast – insgesamt 86 höhere Pflanzen stehen wegen dieser Stickstoff-Überdüngung aus der Luft auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Die zahlreichen gefährdeten Moose, Flechten und Pilze sind unter diesem Aspekt noch gar nicht erfasst.

„Für dieses Wald- und Artensterben“, so Rudolf Fenner, Waldreferent bei ROBIN WOOD, „trägt vor allem Ilse Aigner als Landwirtschafts- und als Forstministerin Verantwortung. Die Tierproduktion muss auf ein für die Natur erträgliches Maß reduziert werden.“

Kontakt:
Rudolf Fenner, Waldreferent, Tel. 040 / 380 892-11, wald@robinwood.de


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Hintergrundinformationen, Grafiken und Daten zum Waldsterben, zu Stickstoffemissionen und zur Roten Liste

Den „Internationalen Tag des Waldes“ hat die Welternährungsorganisation FAO Ende der siebziger Jahre als Reaktion auf die globale Waldvernichtung ins Leben gerufen. Jährlich verschwinden weltweit bis zu 20 Millionen Hektar Wald. Weitere Waldflächen werden durch das ungezügelte Wirtschaften der Menschen in ihrer Substanz bedroht.