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12.3.2010 : 8:44 : +0100

Gegen Kohlekraftwerk Moorburg und Fernwärmetrasse - ROBIN WOOD AktivistInnen besetzen Bäume

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Vattenfall baut Klimamoster in MoorburgEnergiebilanz Kohlekraftwerk Moorburg. Energieeinsatz: 25 Mio kWh pro Jahr; 25,2% Strom; 6,4% Heizwärme; 48,4% Verlust

Der Klimawandel schreitet unaufhaltsam voran. Der Menschheit bleiben nur noch etwa 15 Jahre zum Gegensteuern, um den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Das belegt der jüngste Bericht des Internationalen Wissenschaftsrats zum Klimawandel (IPCC). Eine unmittelbare Wende in der Energieversorgung ist demnach zwingend erforderlich!

Trotzdem baut der Energiekonzern Vattenfall ein extrem klimaschädliches 1600 MW - Steinkohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg. Das Großkraftwerk ist für den Strom- und Fernwärmebedarf Hamburgs stark überdimensioniert und würde etwa die Hälfte der eingesetzten Energie ungenutzt an die Elbe abgeben. Mit dem Kraftwerksprojekt verbunden sind schädliche Luftemissionen, insbesondere hohe Feinstaubbelastungen. Strömungsveränderungen und die Abgabe großer Mengen warmen Kühlwassers schädigen die Tier- und Pflanzenwelt der Elbe.

Pro Jahr würde das Kraftwerk mehr als acht Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen. Das entspricht den jährlichen Abgasen von mehr als 1,4 Millionen PKW - mehr als das Doppelte des gesamten Straßenverkehrs in Hamburg. Das von Bürgermeister Ole von Beust angekündigte Ziel, Hamburg als Klimaschutzhauptstadt zu positionieren, ist mit den Plänen von Vattenfall nicht vereinbar!

Vergleich jährlicher CO2-Ausstoß: Verkehr in Hamburg 4,3 Mio t, Kohlekraftwerk Moorburg 8,5 Mio t, Gesamtausstoß Hamburg 11,6 Mio t

Denn trotz angeblich moderner Technik stoßen auch neue Kohlekraftwerke unwesentlich weniger Kohlendioxid aus als ihre jahrzehntealten Vorgänger. Mit solchen CO2-Schleudern mit einer Laufzeit von durchschnittlich 40 Jahren ist der Klimaschutz in Deutschland zum Scheitern verurteilt!

An dieser Tatsache ändern auch die von den Energiekonzernen propagierten angeblich "CO2-freien Kraftwerke" nichts. Dahinter verbirgt sich die so genannte Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid - eine in Entwicklung befindliche Technologie, die frühestens 2020 zu Verfügung stehen wird und mit einer Vielzahl von Problemen und Risiken verbunden ist. Für die heute gebauten Kraftwerke wird sie wegen zu hohem Nachrüstungsaufwand keine ernstzunehmende Option darstellen.

Klimaschützer Vattenfall?

Vattenfall führt zur Zeit eine großangelegte PR-Kampagne, um sich als "führendes Unternehmen in Sachen Umwelt- und Klimaschutz" darzustellen. Tatsächlich aber gehört der Konzern zu den größten Klimakillern in Europa und betreibt allein drei der zehn klimaschädlichsten Kraftwerke Deutschlands. Es mutet wie Hohn an, dass Vattenfall-Chef Lars Josefsson zum Klimaschutz-Berater der Bundesregierung berufen wurde.

Der Schwindel vom CO2-freien Kohlekraftwerk

Das Problem der hohen klimaschädlichen Emissionen wollen die Stromkonzerne durch die sogenannte CO2-Abtrennung in den Griff bekommen. Carbon Dioxide Capture and Storage, kurz CCS heißt diese Technologie. Doch ob dieses Verfahren in Zukunft tatsächlich funktionieren wird, ist bis heute noch unklar, denn noch gibt es lediglich Forschungsprojekte. Vor dem Jahr 2020 – und damit für die derzeit im Bau befindlichen Kohlekraftwerke zu spät – könnte diese Technik überhaupt industriell zur Verfügung stehen. Schon deshalb macht diese Strategie keinen Sinn.

Doch selbst wenn diese Technologie irgendwann zur Verfügung steht und funktionieren sollte: Um die CO2-Abtrennung durchzuführen ist ein hoher Einsatz von Energie erforderlich. Das aber hat zur Folge, dass der ohnehin schlechte Wirkungsgrad der Kohlekraftwerke noch weiter abgesenkt wird. So würde nicht nur die Ressourcenverschwendung größer, auch die Strompreise würden weiter ansteigen.

Außerdem muss das abgetrennte CO2 dauerhaft so gelagert werden, dass es nicht später in die Umwelt gelangt. Das soll nach den Plänen der Energiekonzerne und der Bundesregierung unterirdisch erfolgen: Das CO2-Gas soll über weite Strecken vom Kraftwerk per Pipelines transportiert und in tiefe Gesteinsformationen verpresst werden. Ob das funktioniert und diese unterirdischen Lager dauerhaft dicht bleiben, ist heute noch ungeklärt.

Hintergründe:
[ www.robinwood.de/braunkohle ]
[ www.robinwood.de/ Positionspapier CO2-freies Kraftwerk ]

Gesundheitsrisiken:

Auch über die gesundheitlichen Risiken durch die „modernen“ Kohlekraftwerke schweigen die Konzerne. Beispielsweise werden die neuen Kohlekraftwerke die gesundheitsschädlichen Feinstaub-Emissionen weiter erhöhen. Vermehrte Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen sind die Folge. Immer mehr Ärzte warnen inzwischen vor dem  massiven Neubau von Kohlekraftwerken, weil die Feinstaub-Belastung in der Bundesrepublik schon jetzt viel zu hoch ist. Statt neuer Kohlekraftwerke fordern sie eine deutliche Reduzierung der bislang zulässigen Grenzwerte für Feinstaub.

Steckbrief - Geplantes Kraftwerk Moorburg

Betreiber

Vattenfall

Elektrische Nennleistung (brutto)

1640 Megawatt
(2 Blöcke à 820 MW)

Thermische Nennleistung

450 Megawatt

Brennstoff

Steinkohle

Stromabgabe

11,3 TWh pro Jahr

Fernwärme-Abgabe

1,6 TWh pro Jahr

Baubeginn (vorläufige Genehmigung)

Sommer 2007

Geplante Inbetriebnahme

2012

Geplante Betriebsdauer

mindestens 40 Jahre

CO2-Ausstoß

8,5 Mio Tonnen pro Jahr

spezifischer CO2-Ausstoß

720 Gramm pro kWh

Energieverlust (Jahresmittel)

ca. 48%

Baukosten

ca. 1,8 Mrd €

Quellen: Angaben von Vattenfall bzw. eigene Berechnung auf Basis von Vattenfall-Angaben. Spezifischer CO2-Ausstoß mit Berücksichtigung von 230 g/kWh vermiedener Heizemissionen durch Kraft-Wärme-Kopplung.