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Homepage der Initiativen rund um Lubmin

Urteil im Lubmin-CASTOR-Prozess

11.6.2012 - Im Prozess um den Protest in einem Betonblock erging heute vom Amtsgericht ein Urteil. Das Urteil bleibt mit 40 Tagessätzen bei rund einem Drittel des ursprünglichen Strafmaßes, der angebliche Sachschaden auf ein Hundertstel reduziert. Die beiden waren angeklagt, weil sie sich in einem Betonblock festgemacht hatten, um gegen den Transport von hochradioaktivem Atommüll nach Lubmin zu protestieren.

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Prozessauftakt zum Protest im Betonblock gegen den Lubmin-CASTOR

Am 7. Mai 2012 hat in Greifswald ein Gerichtsprozess gegen AktivistInnen von ROBIN WOOD begonnen, die im Dezember 2010 im Betonblock stundenlang gegen den CASTOR-Transport nach Lubmin protestiert hatten.

Der Prozess um den "Seestern 1000" (Polizeibezeichnung des CASTOR-Transports) wurde auf den 11. Juni um 9.30 Uhr vertagt.

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Nun doch schneller als erwartet, ist der Prozess eröffnet worden

Am Montag, den 7.5.2012 soll vor dem Amtsgericht in Greifswald gegen uns verhandelt werden. Uns wird vorgeworfen, dass wir öffentliche Betriebe gestört, Eigentum zerstört sowie den Lokführer genötigt hätten.

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2010 - STOPP CASTOR in das Atommülllager Lubmin

Während des letzten Castortransports in das so genannte Zwischenlager Nord bei Greifswald haben am 16. Dezember 2010 hunderte von Anti-Atom-AktivistInnen gegen die ungelöste Atommüllentsorgung und die risikanten Atomtransporte demonstriert. Bereits am 11. Dezember hatten mehrere tausend Menschen in Greifswald gegen diese Transporte demonstriert.

Neben Kundgebungen, Mahnwachen und Sitzblockaden hatten sich am 16.12. auch zwei AktivistInnen von ROBIN WOOD in das Gleisbett der Castorstrecke angekettet und damit dem Atomzug für mehrere Stunden zum stehen gebracht. Damit protestierten sie gegen den weiteren Betrieb von Atomkraftwerken, die jeden Tag noch mehr hochradioaktiven Atommüll produzieren, ohne das es weltweit ein Konzept für deren dauerhafte sichere Lagerung gibt. Weitere Castortransporte aus Karlsruhe zum Atommüllager Lubmin bei Greifswald sind für das erste Quartal 2011 angekündigt!

Weitere Fotos von der Aktion (unter dem Text)

 

Lubmin - Das Atommülllager Nord

Der Ort Lubmin ist in erster Linie als Seebad und Urlaubsziel an der Ostsee bekannt oder und in zweiter Linie durch eine die Ostseegaspipeline, Solaranlagen, den Widerstand gegen das ehemals geplantes Kohlekraftwerk. Vergessen wird häufig, dass Lubmin auch Standort eines Zwischenlagers für atomare Abfälle ist.

Neben den Resten des ehemaligen Atomkraftwerks (AKW) Greifswald entstand ab 1992 ein etwa 20.000 m² großes Gebäude mit acht Hallenabschnitten, das für den Rückbau und die Zwischenlagerung von atomaren Abfällen der ostdeutschen AKW Greifswald und Rheinsberg vorgesehen war. Der Stolz der Betreiber sind Konditionierungsanlagen zur Separierung und Verpackung von hoch-, mittel und schwachradioaktiven Substanzen. Die Größe der Anlage überschreitet die benötigten Kapazitäten der beiden AKWs deutlich. Bereits Anfang der 90er Jahre gab es kritische Stimmen, die eine Ausrichtung der Lagerkapazität nach dem Bedarf der westdeutschen Atomindustrie vermuteten.

Die Landespolitiker Mecklenburg-Vorpommerns stimmten 1991 dem Bau eines Zwischenlagers in Lubmin zu, unter der Bedingung, dort nur atomare Abfälle aus ostdeutschen AKWs zu lagern.

Da es keine exakte Abschätzung des radioaktiven Inventars gab, blieb die tatsächlich benötigte Größe des Lagers jedoch im Dunkeln und die damalige Umweltministerin Angela Merkel positionierte sich mit der Aussage, die langfristige Nutzung des Zwischenlagers sei derzeit nicht verbindlich festlegbar.

Zwanzig Jahre später wird die Vermutung bestätigt, dass in Lubmin auch Atommüll aus westdeutschen Atomanlagen gelagert werden soll. Noch in diesem Jahr wird hochradioaktiver Müll aus den Forschungszentren Karlsruhe und dem französischem Cadarache erwartet. In Cadarache lagern derzeit Abfälle vom Forschungsschiff Otto Hahn aus Geesthacht.

Die Zwischenlagerung in Lubmin ist derzeit  bis 2039 genehmigt. Da aber in den nächsten Jahrzehnten nicht mit der Lösung der Frage nach der Endlagerung atomaren Mülls zu rechnen ist, bleibt die Zukunft des Mülls und deren Unterbringung ungewiss.

Chronik zum Zwischenlager Lubmin

Lubmin: ca. 15km Luftlinie östlich von Greifswald.
Größe der Leichtbauhalle: 20.000m²
Zwischenlagerung von schwach-, mittel- und hochradioaktivem Atommüll, z.Z. 65 Castorbehälter eingelagert

bis Ende 2010 Genehmigung für fünf Castorbehälter aus Karlsruhe und für vier Behälter aus dem französischem Cadarache

1990 Abschaltung der fünf AKW-Blöcken; weitere drei wurden nie fertig gestellt

1991 Zustimmung des Schweriner Landtags mit den Stimmen aller Fraktionen für den Bau des Zwischenlagers, wenn ausschließlich Atommüll aus den ostdeutschen AKWs eingelagert werden

1992 Beschluss zur Beschränkung auf Abfälle aus Greifswald und Rheinsberg wird durch die Regierungskoalition (CDU/FDP) verhindert

1993 "Umwidmung" zur Einlagerung von hochradioaktivem Müll; Teillager für hochradioaktive Abfälle ist dreimal so groß wie nötig

1995 Es werden 15.000 Einwendungen gegen Zwischenlager erhoben

1999 Fertigstellung und Inbetriebnahme des gesamten Zwischenlagers

2006 Einlagerung der letzten Castorbehälter aus Rheinsberg und Greifswald

2007 Transport des Reaktordruckbehälters aus dem AKW Rheinsberg

Autoren: Rebecca Südmersen, Adelwin Bothe und Daniel Daedlow

von der Seite: http://www.lubmin-nixda.de/

 

Vom Zwischenlager Lubmin zum Endlager Lubmin?

Weiterhin fehlt der Bundesregierung jedes Konzept für die dauerhafte Lagerung des Atommülls. Weil sich die Arbeiten am geplanten Lager im Schacht Konrad weiter verzögern, planen die Betreiber des ZLN Nord in Lubmin derzeit, die Lagerung von leicht- und mittelaktiven Atommüll zu "entfristen". Für diesen Müll ist bislang eine Lagermöglichkeit von 10 Jahren vorgesehen. Der Betreiber hat nun bei der zuständigen Aufsichtsbehörde in Schwerin beantragt, diese Frist auszusetzen und damit eine unbefristete Lagerung für diesen Atommüll zu ermöglichen.

Insgesamt ist die Lagerung für den hochradioaktiven Atommüll in Lubmin bis 2039 befristet. Bis dahin muss ein Atommüllendlager in Deutschland in Betrieb gehen. Sollte Gorleben aufgrund der vorhandenen Sicherheitsmängel nicht wie von der Bundesregierung vorgesehen als Endlager zur Verfügung stehen, dürfte der Atommüll in Lubmin vermutlich noch viele Jahre länger vor Ort verbleiben. Landespolitiker in Mecklenburg-Vorpommern, darunter auch der Ministerpräsident, formulieren daher die Sorge, dass das ZLN Nord bei Lubmin angesichts der völlig ungelösten Entsorgung zu einem Endlager werden könnte.

Für das atomare Zwischenlager Nord in Lubmin, gibt es bereits eine Finanzplanung des Bundes bis zum Jahr 2080, als deutlich über die bisher genehmigte Lagerzeit hinaus. Weil bundesweit kein Atommüllendlager in Sicht sei, müsse man mit verlängerten Zwischenlagerzeiten rechnen, die zusätzlich Geld kosten: 1 Milliarde Euro.

Der Bundestags-Haushaltsausschuss habe eine bis 2080 reichende Finanzplanung bestätigt, sagte der scheidende Chef der bundeseigenen Betreibergesellschaft Energiewerke Nord, Dieter Rittscher. Danach seien von 2013 bis 2080 für den Betrieb des Zwischenlagers eine weitere Milliarde Euro nötig.

Vorgeschrieben ist eine maximale Laufzeit von 40 Jahren ab der Einlagerung des ersten Atommüllbehälters, was für Lubmin ein Ende der Lagerung im Jahr 2039 bedeutet.

Rittscher begründete die Planungen mit der offenen Endlagerfrage. Deutschland habe sich des Problems sehr spät angenommen. "Alle Zwischenlager in Deutschland müssen verlängert werden", so Rittscher. Selbst wenn ein Endlager 2040 in Betrieb gehe, müssten je nach Dauer der Laufzeitverlängerung deutschlandweit 15 000 bis 20 000 Tonnen Brennelemente eingelagert werden. Dies werde einen Zeitraum von 40 bis 50 Jahren beanspruchen.

In dem einzigen bundeseigenen Zwischenlager sind inzwischen 69 Castoren deponiert. Eine Verlängerung der Einlagerung ist noch nicht offiziell beantragt. Ein solcher Antrag lohne sich aber nach Worten Rittschers erst zehn Jahre vor dem Ablauf der jetzigen Genehmigung - das wäre 2029.

Bei der Laufzeitverlängerung für die Atomreaktoren spielte die Entsorgung des dabei zusätzlich anfallenden Atommülls offenbar keine Rolle. Wenige Wochen nachdem die Laufzeitverlängerung am 1. Januar 2011 Gesetzeskraft erlangte, zeigte sich, dass viele der Atommüll-Standortzwischenlager keine ausreichenden Kapazitäten haben. Es ist unglaublich, dass die Bundesregierung der fehlenden Entsorgung des Atommülls erneut keine Aufmerksamkeit widmet. Als gäbe es das Desaster in der ASSE II nicht.

Deshalb: Atomtransporte stoppen! Atomkraftwerke abschalten!

 

Westdeutscher Atommüll auf Reisen

Der Atommüll besteht zu einen aus hochradioaktiven Brennstäben des Atomschiffs Otto Hahn. Diese Brennelemente haben jahrzehnte in der Atomforschungsanlage GKSS, östlich von Hamburg bei Krümmel gelagert. Vermutlich am 16. Dezember sollen vier Castoren mit 52 größtenteils bestrahlten Brennstäben in Lubmin eintreffen. Der Transport startet im französischen Cadarache. Der Atommüll aus der GKSS ist dort im Sommer 2010 zum Umverpacken hin transportiert worden, weil in der GKSS keine Möglichkeit bestanden hat, den zur Lagerung vorgeschrieben Castorbehälter vor Ort zu hantieren. Nun soll dieser Atommüll von Südfrankreich aus nach Lubmin transportiert werden.

Außerdem enthalten die Castorbehälter rund 2400 abgebrannte Brennstäbe aus der "Kompakten Natriumgekühlten Kernreaktoranlage" (KNK), einer Forschungsanlage für Schnelle Brüter, die beim ehemaligen Kernforschungszentrums Karlsruhe betrieben wurde.

Weitere Castoren 2011 nach Lubmin

Ein weiterer  Transport von insgesamt fünf Castoren mit bis zu 140 Glaskokillen aus der  ebenfalls stillgelegten Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe ist bereits durch das BfS genehmigt und wird im Frühjahr 2011 erwartet. Der plutoniumhaltige Abfall ist in den letzten Jahren in Karlsruhe verglast und in sogenannte Glaskokillen eingeschmolzen worden, ähnlich wie der Atommüll, der aus Frankreich nach Gorleben transportiert wird. Bei diesem Transport werden Behälter vom Typ CASTOR HAW 20/28 eingesetzt.

Keine "Heiße Zelle"

Gegen die  Transporte nach Lubmin spricht nicht allein, dass der einzulagernde Atommüll aus  Westdeutschland stammt. Auch Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Einlagerung im  ZLN sind von verschiedener Seite geäußert worden. So fehlt in Lubmin  beispielsweise eine sogenannte Heiße Zelle - ein Isolationsraum, in dem notfalls undichte Castorbehälter untergebracht werden können. Kritiker halten eine Lagerung weiterer hochradioaktiver Materialien am Standort Lubmin daher für  riskant - erst recht, da die Kapazitäten des ZLN beinahe erschöpft  sind.

Das Zwischenlager Nord (ZLN) ist im März 1998 in Betrieb gegangen. Neben schwach-  undmittelradioaktiven Abfällen lagern dort inzwischen 65 Castorbehälter mit insgesamt  5048 hochradioaktiven Brennelementen - ein Brennelement besteht aus einem Bündel von 126 Brennstäben.