Hintergrundpapier: Bei Rama ist nichts in Butter

Lebensmittel-Riese Unilever mitverantwortlich für Naturzerstörung, Vertreibung  und Klimawandel

Der britisch-niederländische Konzern Unilever ist weltweit ein großer Verbraucher von Palmöl. Für Margarine und Fertigprodukte wie z.B. Tütensuppen kauft der Konzern nach eigenen Angaben jedes Jahr 4 Prozent der weltweiten Produktion. Ein wichtiger Palmöl-Lieferant von Unilever ist der Palmölgigant Wilmar International. Dadurch ist Unilever mitverantwortlich für die skandalösen Zustände bei Wilmar. Dieser Konzern tritt die Landrechte der lokalen Bevölkerung mit Füßen, wurde von Umweltorganisationen bei der Brandrodung erwischt und verfolgt in Indonesien einen aggressiven Expansionskurs auf Kosten der verbliebenen Naturflächen und Wälder.

WilmarInternational: Palmöl-Imperium auf Expansionskurs

Das Wirtschaftsimperium der „Wilmar Group“ wurde 1991 von William Kuok Khoon Hong (Malaysia) und Martua Sitorius (Indonesien) als Handelsfirma für Palmöl gegründet und ist heute Asiens führendes Agrarwirtschaftsunternehmen. Im Jahr 2007 wurden Archer Daniel Midlands (ADM – US-amerikanisches Unternehmen) und der malaysische Konzern PPB Oil (Kouk Group) Teilhaber von Wilmar International. Das an der Börse von Singapur notierte Unternehmen ist mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 1,8 Milliarden US-Dollar einer der größten Player im Palmölgeschäft in Südostasien.

Die Kunden von Rama sind ahnungslos

Die Kunden von Unilever, die Rama-Margarine, Knorr-Tütensuppen oder Langnese-Eis in ihren Einkaufswagen legen, ahnen in der Regel nichts von Menschenrechtsverletzungen und Naturzerstörung, die dafür begangen wurden.

Konzern mit grünem Mäntelchen

Unilever investiert enorme Summen, um den VerbraucherInnen eine schöne, heile Markenwelt zu präsentieren. Wird trotzdem einmal Kritik laut, sieht Unilever dies in erster Linie als Kommunikationsproblem. Der Konzern reagiert betont verständnisvoll und offen auf Kritik und verspricht, mit aller Kraft dafür zu arbeiten, dass in Zukunft alles besser werde – und macht doch weiter seine Geschäfte, wie gehabt.

Unilever lässt zudem kaum eine Gelegenheit aus, seine Spuren ins brennende Südostasien zu verwischen. Es ist noch nicht lange her, da besaß Unilever selbst Palmöl-Plantagen in Ländern wie Indonesien. Diesen „schmutzigen“ Teil der Produktion hat das Unternehmen mittlerweile outgesourced. Wilmar betreibt nun einige der ehemaligen Unilever-Plantangen und -Raffinerien.

Sackgasse Zertifzierung

Um den Kritikern der Palmöl-Konzerne den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat Unilever gemeinsam mit anderen Konzernen die Zertifzierungsinitiative „Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl“ ins Leben gerufen. Mit dem RSPO-Siegel – die Abkürzung steht für Roundtable on Sustainable Palmoil - soll Palmöl gekennzeichnet werden, das angeblich nachhaltig produziert wurde. Da aber beim RSPO Lebensmittelkonzerne, Palmölfirmen und Chemiemultis den Ton angeben - Unilever hat den Vorsitz - zertifiziert sich die Raubbau-Branche dort gewissermaßen selbst.

Von den 16 Sitzen im RSPO-Vorstand sind elf  für die Palmölwirtschaft reserviert - dementsprechend lax sind die Standards:

  • Für neue Plantagen dürfen weiterhin Wälder zerstört werden.
  • Selbst hochgiftige Totalherbizide dürfen in RSPO-zertifizierten Plantagen eingesetzt werden.

(PR-ROBIN WOOD Gegen die Ausweitung der "grüne Wüste")

(Erklärungen gegen den RSPO von 2008 und 2009)

(Stellungsnahme zur Bundestagsanhörung am 17. Februar 2008)

Versprechen für die Zukunft ersetzen konsequentes Handeln in der Gegenwart

Die Kommunikationsstrategen von Unilever versuchen, etwaige Unweltbedenken der Kunden mit Versprechungen für die Zukunft zu zerstreuen. Ab 2015 werde der Konzern Palmöl nur noch dann einsetzen, wenn es mit dem RSPO-Label ausgezeichnet sei. Aus Sicht von ROBIN WOOD ist dies eine vollkommen unzureichende Absichtserklärung. Die Situation in Indonesien und das bedrohte Weltklima dulden keinen weiteren Aufschub. Bis 2015 werden viele weitere Millionen Hektar Waldflächen zerstört sein. Zum anderen sind die Standards des RSPO (s.o.) ungeeignet, um die fortschreitende Naturzerstörung zu stoppen.

Indonesische UmweltschützerInnen fordern deshalb ein sofortiges Moratorium für die weitere Expansion von Palmölplantagen in ihrem Land.

Umweltschützer schlagen Alarm: Indonesien brennt und die Spur führt bis vor die Tür von Unilever

Im September 2009 litten die Bewohner von Palangkaraya, der Hauptstadt von Zentralkalimantan, unter den Rauchwolken, die aus den Konzessionsflächen der Palmölkonzerne aufstiegen. Nach den jetzt von der zuständigen Umweltbehörde veröffentlichten Geokoordinaten brannte es auch auf den Flächen von Wilmar. Die auf Basis des Überwachungssatelliten NOAA erzeugten Dokumente zeigen außerdem, dass es auch auf einer potentiellen, 130 000 Hektar großen Expansionsfläche von Wilmar gebrannt hat.

Die indonesische Menschenrechts- und Umweltorganisation Save our Borneo kämpft gemeinsam mit ROBIN WOOD gegen eine weitere Expansion von Wilmar-Plantagen auf dieser Fläche. Wenn die Bezirksregierung den Landnutzungsplan für dieses Gebiet von „Wald-“ auf „Plantagengebiet“ ändert, so wie Wilmar es gerne möchte, dann wird Wilmar diesen Naturraum in ökologisch tote Monokulturen, in grüne Wüste, verwandeln. Dies muss verhindert werden!

(Recherchebericht: Raubbau für Palmöl)

(PR-ROBIN WOOD Bei Rama ist nichts in Butter)

Wegen Landrechtskonflikten bei Wilmar:  Weltbank stoppt Kreditvergabe für Palmöl-Plantagen

Weltbankpräsident Robert Zoellick gab am 28. August 2009 bekannt, der IFC (International Finance Coorperation) werde in Zukunft keine weiteren Finanzmittel für die Expansion der Palmöl-Konzerne bereit stellen. Der IFC gehört zur Weltbankgruppe und vergibt Kredite an Unternehmen. Wilmar wurde bis zur Weltbankentscheidung mit IFC-Krediten begünstigt. Dagegen gab es internationale Proteste, weil Wilmar Landrechtskonflikte mit der lokalen Bevölkerung hat. Daraufhin stellte die Weltbank ihre Kredit-Vergabe an Wilmar und Co. ein.

Das fordert ROBIN WOOD für Unilevers Palmöl-Einkauf:

1.                 Plantagen-Expansion stoppen

Unilever soll ab sofort nur noch bei Unternehmen kaufen, die auf eine Erweiterung ihrer Plantagenflächen in Indonesien verzichten.

2.                 Landrechtskonflikte sofort lösen

Unilever muss Palmöl von Konzernen auslisten, die Landkonflikte mit der lokalen Bevölkerung austragen.

Wilmar kommt damit als Lieferant für Unilever nicht in Frage!