Hintergrund: Der deutsche Strommarkt

Seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 hat sich das Verhalten der KundInnen nur wenig geändert. Bislang haben mehr als 600.000 Haushalte und Betriebe zu einem Ökostromanbieter gewechselt. Die meisten KundInnen blieben ihrem regionalen Stromanbieter oder einem der vier großen Stromkonzerne treu - egal zu welchem Preis oder aus welcher Quelle die begehrte „Ware“ Strom geliefert wird.

Und diese Quellen sind an erster Stelle Kohlekraftwerke. In Braun- und Steinkohlekraftwerken wird noch immer etwa die Hälfte des Stroms in Deutschland erzeugt. Dann folgen die Atomkraftwerke, in denen zirka 22 Prozent des Stromes produziert wird.

 

80 Prozent des Strommarktes teilen sich die vier große Konzerne, die vor allem auf die Fortsetzung der Kohleverstromung und den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke setzen: E.ON, EnBW, RWE und Vattenfall. Und es gibt nur wenige regionale Stadtwerke, an denen diese Konzerne nicht beteiligt sind. Obwohl fast alle Stromversorger mittlerweile auch Ökostrom im Angebot haben, ist eine Neuausrichtung der Stromversorgung auf umweltfreundliche Energien durch den Anbieter nicht selbstverständlich.

 

Die Atom- und Kohlekonzerne fordern verlängerte Laufzeiten für ihre Atommeiler, die Rücknahme des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und sie planen den Bau neuer Kohlekraftwerke. Des Weiteren wollen RWE und Vattenfall neue Braunkohle-Tagebaue erschließen. Geht es nach diesen Energieriesen, wird sich der Strommix in Deutschland absehbar nicht ändern.

Der Klima schädlichste Energieträger ist die Braunkohle. Das nachfolgende Diagramm zeigt, wie unterschiedlich viel des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) bei der Verstromung der einzelnen Energieträger entsteht. Der Energie- (bzw. CO2-) aufwand zur Förderung des Rohstoffes und zum Bau der Kraftwerke wurde in die Berechnungen einbezogen.

Quelle: GEMIS 4.2. Stand Oktober 2004

Die Verminderung des Ausstoßes des Treibhausgases Kohlendioxid, welches in Deutschland zu etwa 40 Prozent durch die Stromerzeugung freigesetzt wird, ist dringend notwendig. Wer sich für einen wirksamen Klimaschutz einsetzt, sollte daher die Stromerzeugung aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse fördern.

Die Erzeugung von Atomstrom ist zwar im Vergleich zur Kohleverstromung CO2-arm, sie birgt aber besondere Gefahren und blockiert eine dezentrale Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien.

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Weitere Informationen

Fokus Ökostrom: Bestandsaufnahme und Perspektiven (Kurzstudie)
Prof. Dr. Uwe Leprich, Saarbrücken, Feb. 2009 (pdf, rd. 360 kB)