Endlagersituation in Finnland (September 2009)
Weltweit ist die dauerhafte Lagerung für (hochradioaktiven) Atommüll nicht gelöst. In Finnland wird auf der Insel Olkiluoto an einem Endlager für hochradioaktive Abfälle geforscht.
Finnlands Endlager in Olkiluoto befindet sich noch immer im Baubewilligungsverfahren..
Bereits 1980 fängt man in Finnland an, für den Bau eines Endlagers für HAW zu forschen. 1995 wurde zum Zweck der Konzeptionierung "Posiva" - ein gemeinschaftliches Unternehmen der finnischen Energieunternehmen Fortum Power and Heat Oy und Teollisuuden Voima Oy - gegründet.
Heute ist die etwa 200 km von Forsmark entfernte und zehn Kilometer vor Eurajoki am bottnischen Meerbusen liegende finnische Insel Olkiluoto nicht nur Standort eines Atomkraftwerks mit zwei Siedewasserreaktoren und einem in Bau befindlichen neuen Reaktorblock des Typs EPR. An diesem Standort soll auch das weltweit erste Endlager für HAW, also abgebrannte Brennstäbe entstehen. Auch befindet sich dort bereits ein Lager für leicht- und mittelaktiven Atommüll.
Wie in Schweden, wird auch in Finnland die Lagerung in einer Granitformation angestrebt. Es gibt bisher keinerlei wissenschaftliche Anhaltspunkte darüber, dass Granit als Wirtsgestein sicher ist. Vor allem da Finnland selbst weder Salzstöcke noch Tongestein Vorkommen hat, um die unterschiedlichen Gesteinsformationen zu vergleichen (5). Granit ist zwar sehr stabil, wenig temperaturempfindlich und kaum löslich, durch seine Klüfte ist er jedoch extrem wasserdurchlässig.Da man Granit schwer abdichten kann, muss der Abfall in besonders haltbare Kupferkanister verpackt werden. 2800 Kanister sollen nach heutiger Planung im Fels versenkt werden, beladen mit 5500 Tonnen Uran und Plutonium.
Über 300 m tief sind die Bohrungen vorgedrungen; drei Milliarden Euro kostet das Projekt Endlager Olkiluoto. Eine Betriebsgenehmigung gibt es allerdings noch nicht – es wird noch geforscht. Das Endlager wurde vom finnischen Parlament 2001 bewilligt, das Baubewilligungsverfahren soll 2012 und das Betriebsbewilligungsverfahren 2020 beginnen.
Die Genehmigung für das Lager wurde viel zu schnell erteilt, lautet das Urteil des John Large, der international für Regierungen und Institutionen unabhängige Gutachten erstellt und vom finnischen Strahlenschutzamt Stuk engagiert wurde. Zulassungsbehörden veranschlagen sieben bis acht Jahre für das Prüfverfahren, welches Stuk innerhalb eines Jahres abschloss.
Juha Jaakkola, ehem. Gemeinderatsvorsitzender von Eurajoki berichtet, dass die Geologen zuerst gegen ein Endlager in Olkiluoto waren, die Strahlenschutzbehörde gab dennoch grünes Licht für diesen Ort, der vor 10.000 Jahren noch von einem mehrere tausend Meter mächtigen Gletscher bedeckt war. Geologen bescheinigen zwar, dass sich der Untergrund seit Jahrhunderten nicht mehr verändert hat, aber selbst, wenn sich diese Aussage für die Zukunft interpolieren ließe würde der Atommüll in 10.000 Jahren noch immer tödlich stark strahlen. Wie lange der Müll in Olkiluoto sicher lagern soll, dazu macht auch Povisa keine genauen Angaben.
Die Genehmigung des Endlagers verlief für außenstehende Betrachter nahezu reibungslos ab, es gab weder massive öffentlich Proteste noch Diskussionen. Schuld daran haben laut Harri Lammi Nuklearexperte von Greenpeace Finnland die finnischen Medien, welche keine Plattform bieten für kritische Stimmen. Die Atomlobby steckte erfolgreich enorme Geldsummen in die Manipulation der öffentlichen Meinung und mit Zahnschmerzen muss in Olkiluoto niemand mehr ins 20 km entfernte Rauma pendeln. Povisa zahlte die Miete für das neue Gesundheitszentrum am Altersheim für 40 Jahre im Voraus.
Auch geht die finnische Nuklearindustrie besonders rabiat mit ihren Gegnern um und bedroht sie: Die finnische Jugend für Kernenergie erstellte eine schwarze Liste mit rund 280 Politiker, Künstlern und Bürgern die gegen den Ausbau von Kernenergie sind.
Auch in Finnland suchte man einen Standort in einer strukturschwachen Region aus, an dem die Bevölkerung nicht die Gefahren, sondern Arbeitsplätze und Wohlstand (z.B. das neue Gesundheitszentrum) sieht.
Finnland hat ein sehr abbaufreundliches, veraltetes Grubengesetz aus dem Jahr 1965, dass Grundrechte von Bürgern und die Umweltgesetzgebung völlig außer Acht lässt. Abbau auf dem eigenen Land kann durch den Besitzer nicht verhindert werden, das Abbauunternehmen muss nur eine Kompensationszahlung von 20 Euro pro Hektar im Jahr für die Dauer der Abbauzeit zahlen.

